Oreochromis (von gr.óreios „gebirgsbewohnend“, und chromis, einem alten Gattungsnamen verschiedener Fische; bei Cuvier hießen die Cichliden „Chromides“) ist eine Fischgattung aus der Familie der Buntbarsche (Cichlidae). Ursprünglich zählte Oreochromis wie auch die Sarotherodon-Arten zur Gattung Tilapia.
Vorkommen
Oreochromis-Arten kommen in Seen und Flüssen des subsaharischen Afrika, im Einzugsbereich des Nil und im Nahen Osten vor. Man findet sie in jedem großen afrikanischen See und in zahlreichen kleinen. In den Seen bildeten sie jedoch im Unterschied zu den Pseudocrenilabrini nur wenig neue Arten und nur in Seen, in denen die Haplochromini fehlen. Mehrmals hat sich bei Oreochromis-Arten teilweise unabhängig voneinander die Fähigkeit entwickelt in Sodaseen mit ungewöhnlich hohen pH-Werten und gleichzeitig hohen Salzgehalten (u. a. in den Untergattungen Alcolapia und Vallicola) oder in Flussmündungen oder Lagunen mit einem dem Meerwasser entsprechenden Salzgehalt (O. urolepis und O. mossambicus) zu leben. Acht Oreochromis-Arten sind durch Aquakultur-Anlagen in tropischen und subtropischen Ländern weit verbreitet worden<ref name="Alcolapia" /> und sie wurden in zahlreichen warmen Seen und Flüssen ausgesetzt, wo sie die einheimischen Fische teilweise verdrängen.
Merkmale
Sie erreichen Längen von fünf Zentimeter bis zu einem halben Meter und sind von recht unterschiedlicher Gestalt. Von der Gattung Tilapia unterscheiden sie sich durch eine größere Anzahl von Kiemenreusendornen am untern Abschnitt des ersten Kiemenbogens und andere Schädel- und Kiefermerkmale. Alle Oreochromis-Arten sind ovophileMaulbrüter, das heißt ein Elternteil nimmt die befruchteten Eier ins Maul und trägt sie mit sich herum. Das Gelege umfasst meist 60 bis 80, bei einigen Arten auch bis zu 1000 Eier. Sie bilden in den meisten Fällen eine Mutterfamilie (das Männchen beteiligt sich nicht an der Brutpflege), seltener eine Elternfamilie (das Männchen beteiligt sich an der Brutpflege).
Etymologie
Albert Günther,<ref>Albert C. L. G. Günther: On some fishes from Kilima-Njaro District. In: Proceedings of the Zoological Society of London. 1889, Nr. 1, 1889, S. 70–72.</ref> der den Namen Oreochromis vorschlug, schuf den Namen für die neue Art O. hunteri, den er aus dem Kilimanjaro-Gebiet (Chala-See) erhalten hatte. Er sah die Ähnlichkeit zu den zu dieser Zeit bekannten anderen Buntbarsch-Gattungen Chromis und Hemichromis, stellte aber vier Hartstrahlen in der Afterflosse fest, weshalb er aufgrund des Vorkommensgebietes der neuen Art einen neuen Gattungsnamen vorschlug, der übersetzt „Berg-Chromis“ lautet (von gr.óreios „gebirgsbewohnend“, und chromis). Dass die meisten heute zu Oreochromis gezählten Arten nicht unbedingt in gebirgigen Gegenden vorkommen, ist für die Namensgebung unbedeutend.
Oreochromis aureus (Steindachner, 1864), steht basal zu den übrigen Oreochromis-Arten oder bildet eine Klade mit den Buntbarschgattungen des Barombi Mbo (Konia, Myaka, Pungu u. Stomatepia) und gehörte dann nicht zu Oreochromis.<ref name="Alcolapia" />
Oreochromis ismailiaensis (Mekkawy, 1995), wurde seit der Erstbeschreibung nicht mehr gesehen. Heimatgewässer wurde zu einem Kanal ohne Fischfauna ausgebaut.<ref name="Alcolapia" />
Oreochromis mweruensis (Trewavas, 1983), früher als im Mweru-See und Lufira vorkommende Unterart von Oreochromis macrochir aufgefasst<ref>Anton Lamboj: Oreochromis macrochir. In: Claus Schaefer, Torsten Schröer (Hrsg.): Das große Lexikon der Aquaristik. Eugen Ulmer, Stuttgart 2004, ISBN 3-8001-7497-9, S. 724.</ref>
Untergattung Nyasalapia (sogenannte „Geißeltilapien“), die Männchen besitzen speziell geformte Anhänge an der Genitalpapille. Das Merkmal hat sich möglicherweise mehrfach unabhängig voneinander herausgebildet und die Untergattung Nyasalapia ist nicht monophyletisch.<ref name="Alcolapia" />Datei:Oreochromis squamipinnis.jpgOreochromis squamipinnis, Männchen mit deutlich sichtbaren Genitalanhängen
Oreochromis lidole (Trewavas, 1941), letzter Nachweis aus dem natürlichen Lebensraum (Malawisee) aus dem Jahr 1992. Inzwischen möglicherweise ausgestorben.<ref name="Alcolapia" />
Anton Lamboj: Die Cichliden des westlichen Afrikas. Verlag Birgit Schmettkamp, 2006, ISBN 3-86659-000-8.
Anton Lamboj: Oreochromis. In: Claus Schaefer, Torsten Schröer (Hrsg.): Das große Lexikon der Aquaristik. Eugen Ulmer, Stuttgart 2004, ISBN 3-8001-7497-9, S. 723–725.
Einzelnachweise
<references>
<ref name="Alcolapia">
A. G. P. Ford, T. R. Bullen, L. Pang, M. J. Genner, R. Bills, T. Flouri, B. P. Ngatunga, L. Rüber, U. K. Schliewen, O. Seehausen, A. Shechonge, M. L. J. Stiassny, G. F. Turner, J. J. Day: Molecular phylogeny of 'Oreochromis' (Cichlidae: Oreochromini) reveals mito-nuclear discordance and multiple colonisation of adverse aquatic environments. In: Molecular Phylogenetics and Evolution. April 2019, doi:10.1016/j.ympev.2019.04.008
</ref>
<ref name="lorenzoi">
G. Carnevale, C. Sorbini, W. Landini: 'Oreochromis lorenzoi', a new species of tilapiine cichlid from the Late Miocene of Central Italy. In: Journal of Vertebrate Paleontology. Band 23, 2003, S. 508–516. (PDF)
</ref>
</references>