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Jamborit

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Jamborit
Datei:Jamborite-1072914.jpg
Gelblichgrüne, nadelige Jamboritkristalle aus der Sterling Mine, Antwerp, Jefferson County (New York), USA (Sichtfeld: 2,5 mm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer
  • IMA 1971-037<ref name="IMA-Database" />
  • 2014 s.p.<ref name="IMA-Liste" />
IMA-Symbol

Jbr<ref name="Warr" />

Chemische Formel
  • Ni2+1-xCo3+x(OH)2-x(SO4)x·nH2O [x ≤ 1/3 n; ≤ (1-x)]<ref name="IMA-Liste" />
  • (Ni,Fe)8[(OH)16|SO4]·nH2O (?)<ref name="StrunzNickel" />
  • (Ni2+,Ni3+,Fe)(OH)2(OH,S,H2O) (?)<ref name="Handbookofmineralogy" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Oxide und Hydroxide
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

IV/F.03-055<ref name="Lapis" />

4.FL.05
06.03.08.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem trigonal
Kristallklasse; Symbol ditrigonal-skalenoedrisch; 32/m
Raumgruppe R3m (Nr. 166)Vorlage:Raumgruppe/166
Gitterparameter a = 3,068(4) Å; c = 23,298(11) Å<ref name="Bindi-et-al" />
Formeleinheiten Z = 3<ref name="Bindi-et-al" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte nicht definiert
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,67; berechnet: 2,69<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit vollkommen<ref name="Lapis" />
Farbe grün<ref name="Handbookofmineralogy" />
Strichfarbe nicht definiert
Transparenz durchscheinend<ref name="Handbookofmineralogy" />
Glanz nicht definiert
Kristalloptik
Brechungsindizes nω = 1,607
nε 1,602<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,005<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter einachsig negativ
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale wasserunlöslich; schwach löslich in kalter Salzsäure

Jamborit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der neu definierten chemischen Zusammensetzung Ni2+1-xCo3+x(OH)2-x(SO4)x·nH2O mit ‚x‘ ≤ 1/3 und ‚n‘ ≤ (1-x).<ref name="IMA-Liste" /> Jamborit ist damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Nickel-Cobalt-Hydroxid mit zusätzlichen Sulfationen.

Jamborit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem und entwickelt Mineral-Aggregate aus parallelen, teilweise gebogenen Kristall-Fasern und -Lamellen sowie Pseudomorphosen nach Millerit. Das Mineral ist durchscheinend und von grüner Farbe.

Etymologie und Geschichte

Entdeckt wurde Jamborit 1971 an drei verschiedenen Fundorten in der norditalienischen Region Emilia-Romagna: Ca' dei Ladri (Silla) in Gaggio Montano und Monteacuto Ragazza in Grizzana Morandi (Metropolitanstadt Bologna) sowie Sasso delle Lucine nahe Castelluccio di Moscheda in der Gemeinde Montese (Modena, Emilia-Romagna.). Diese gelten auch als Typlokalität.<ref name="MorandiDalrio" />

Wissenschaftlich beschrieben wurde das Mineral durch Noris Morandi und Giorgio Dalrio, die das Mineral nach dem kanadischen Mineralogen John Leslie Jambor (1936–2008) benannten und ihre Ergebnisse der International Mineralogical Association (IMA) zur Prüfung einreichten. Diese erkannte den Jamborit noch im selben Jahr unter der internen Eingangsnummer IMA 1971-037<ref name="IMA-Database" /> als eigenständige Mineralart an.

Da zwischenzeitlich Zweifel an der chemischen Zusammensetzung des Minerals bestanden, galt Jamborit bis 2013 als sogenanntes „fragliches Mineral“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value); Q).<ref name="IMA-Liste" /> 2014 wurde Jamborit mit neu definierter Zusammensetzung wieder anerkannt (interne Antragsnummer IMA 14-E).<ref name="IMA-Newsletter21" /> Seitdem wird das Mineral in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA/CNMNC unter der Summenanerkennung „IMA 2014 s.p.“ (special procedure) geführt.<ref name="IMA-Liste" />

Das Typmaterial des Minerals (Cotyp, CT) wird in der Mineralogischen Sammlung des Museo dell’ Istituto di Mineralogia e Petrografia der Universität Bologna (MMUB) in Italien aufbewahrt. Die Katalog-Nummer des Typmaterials ist allerdings nicht dokumentiert.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" /><ref name="IMA-Depositories" />

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz ist der Jamborit noch nicht verzeichnet.

Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. IV/F.03-055. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Hydroxide und oxidische Hydrate (wasserhaltige Oxide mit Schichtstruktur)“, wo Jamborit zusammen mit Amakinit, Ashoverit, Brucit, Paraotwayit, Portlandit, Pyrochroit, Spertiniit, Sweetit, Theophrastit und Wülfingit die „Brucitreihe“ mit der System-Nr. IV/F.03 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Jamborit dagegen in die neu definierte Abteilung der „Hydroxide (ohne V oder U)“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit von Kristallwasser bzw. Hydroxidionen (OH) und der Kristallstruktur, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Hydroxide mit H2O ± (OH); Lagen kantenverknüpfter Oktaeder“ zu finden ist, wo es zusammen mit Akdalait, Fougèrit, Iowait, Meixnerit, Muskoxit und Woodallit die „Meixneritgruppe“ mit der System-Nr. 4.FL.05 bildet.

Auch die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Jamborit in die Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort in die Abteilung der „Hydroxide und hydroxyhaltige Oxide“ ein. Hier ist er einziges Mitglied der unbenannten Gruppe 06.03.08 innerhalb der Unterabteilung „Hydroxide und hydroxyhaltige Oxide mit (OH)3- oder (OH)6-Gruppen“ zu finden.

Kristallstruktur

kristallisiert in der trigonalen Raumgruppe R3m (Raumgruppen-Nr. 166)Vorlage:Raumgruppe/166 mit den Gitterparametern a = 3,068(4) Å und c = 23,298(11) Å sowie drei Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="Bindi-et-al" />

Eigenschaften

Jamborit ist unlöslich in Wasser und nur schwach löslich in kalter Salzsäure.

Bildung und Fundorte

Datei:Jamborite-1167776.jpg
Büschel aus nadelförmigen Jamboritkristallen mit winzigen, eingebetteten Vaesitkristallen (Sichtfeld: 2,6 mm) aus Sasso delle Lucine, Castelluccio di Moscheda, Montese (Modena, Emilia-Romagna), Italien

Jamborit bildet sich sekundär durch Umwandlung von Millerit unter hydrothermalen Bedingungen. Begleitminerale sind neben Millerit unter anderem noch Calcit, Dolomit und Quarz (in Italien) sowie Gaspéit, Glaukosphärit und Mcguinnessit (in Japan).

Als seltene Mineralbildung konnte Jamborit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 40 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2023).<ref name="Mindat-Anzahl" /> In Italien fand sich das Mineral außer an seinen Typlokalitäten in der Region Emilia-Romagna noch bei Groppallo (Provinz Piacenza) sowie in der „S'Acqua is Prunas Mine“ bei Gonnosfanadiga (Provinz Medio Campidano, Sardinien) und an mehreren Fundpunkten in der Toskana.

In Deutschland trat Jamborit bisher im Richelsdorfer Gebirge im Landkreis Hersfeld-Rotenburg in Hessen sowie in den Gruben Schöne Aussicht bei Burbach, Pfannenberger Einigkeit bei Salchendorf und dem ehemaligen Bergwerk Niederberg in Neukirchen-Vluyn (früher Kreis Moers) in Nordrhein-Westfalen auf.

Weitere Fundorte sind die „Nakauri Mine“ bei Shinshiro in Japan, die „Palhal Mine“ bei Albergaria-a-Velha in Portugal, die „Nueva Virginia Mine“ bei Lanzuela (Aragonien) und „Eugenia Mine“ (Katalonien) in Spanien, die „Bryn-yr-Afr Mine“ und die Grube „Coed Ely“ in Wales (Großbritannien) sowie Harrodsburg (Kentucky) und Halls Gap (Kentucky) in den USA.<ref name="Fundorte" />

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="Bindi-et-al"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Jamborit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 31. Juli 2023. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Database"> IMA Database of Mineral Properties – Jamborite. In: rruff.info. RRUFF Project, abgerufen am 30. Juli 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Depositories"> Catalogue of Type Mineral Specimens – Depositories. (PDF; 311 kB) Commission on Museums (IMA), 18. Dezember 2010, abgerufen am 31. Juli 2023. </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Newsletter21"> </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – J. (PDF 115 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 31. Juli 2023. </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Jamborite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 31. Juli 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-Anzahl"> Localities for Jamborite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 31. Juli 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MorandiDalrio"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> </references>