Walter Hirche
Karl Walter Hirche (* 13. Februar 1941 in Leipzig)<ref name=":3">Walter Hirche im Munzinger-Archiv, abgerufen am 29. März 2023 (Artikelanfang frei abrufbar).</ref> ist ein deutscher Politiker (FDP). Er war Wirtschaftsminister in Niedersachsen und Brandenburg, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium sowie lange Jahre Vorsitzender der FDP Niedersachsen.
Von 2002 bis 2014 war Hirche Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission.
Leben und Beruf
Nach dem Abitur absolvierte Hirche ein Lehramtsstudium der Fächer Geschichte, Französisch und der Politologie an den Universitäten Heidelberg und Grenoble, welches er 1973 als Lehramtsassessor beendete. Während des Studiums war Hirche unter anderem Mitglied der Landsmannschaft Afrania Leipzig, AStA-Vorsitzender in Heidelberg und 1966/67 Vorsitzender des Verbands Deutscher Studentenschaften (VDS), sowie von 1968 bis 1970 Senatsbeauftragter der Universität Heidelberg.<ref>Walter Hirche | Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung. In: politische-bildung-brandenburg.de. Abgerufen am 29. März 2023.</ref><ref name=":3" />
Von 1969 bis 1972 leitete er das Landesbüro der Friedrich-Naumann-Stiftung in Niedersachsen und war anschließend von 1970 bis 1975 Landesgeschäftsführer der FDP Niedersachsen. Von 1978 bis 1982 war er als Wirtschaftsarchivar bei der Preussag AG tätig.<ref name=":0">Walter Hirche: Walter Hirche. 1. Januar 2005, abgerufen am 24. März 2021.</ref>
Seit 2009 ist Hirche Kuratoriumsvorsitzender der Rudolf-von-Bennigsen-Stiftung in Hannover.<ref name=":4">Naumann-Stiftung gratuliert Walter Hirche zum 80. Geburtstag. In: freiheit.org. Abgerufen am 29. März 2023.</ref>
Walter Hirche war verheiratet; seine Frau Monika starb 2018. Er hat zwei Söhne.<ref name=":2">Mann der leisen Töne. In: stern.de. Abgerufen am 29. März 2023.</ref>
Partei
Seit 1970 ist Hirche Mitglied der FDP.<ref name=":4" /> Er war von 1994 bis 2006 Landesvorsitzender der niedersächsischen FDP. Hirche gehörte von 1984 bis 1995 sowie von 1997 bis 1999 dem Präsidium der Bundes-FDP an. Seit März 2009 ist er Ehrenvorsitzender der niedersächsischen FDP.<ref name=":0" /><ref name=":1">Walter Hirche feiert seinen 80. Geburtstag. In: Hildesheimer Presse. Abgerufen am 29. März 2023.</ref>
Abgeordneter
Walter Hirche gehörte von 1974 bis 1978, von 1982 bis 1990 sowie erneut von 2003 bis 2008 dem Niedersächsischen Landtag an. 1978 sowie von 1982 bis 1986 war er FDP-Fraktionsvorsitzender.<ref name=":0" /><ref name=":1" />
Zwischen 1994 und 2002 war Hirche Mitglied des Deutschen Bundestages<ref name=":5">Walter Hirche. In: bundesregierung.de. Abgerufen am 29. März 2023.</ref> und hier von 1998 bis 2002 stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion. Hirche zog stets über die Landesliste Niedersachsen in den Bundestag ein.
Öffentliche Ämter
Nach der Landtagswahl 1986 wurde Hirche als Minister für Wirtschaft, Technologie und Verkehr in die von Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) geführte Landesregierung von Niedersachsen berufen,<ref name=":2" /> sein Staatssekretär wurde Frank Wien. Nachdem die CDU-FDP-Koalition bei der Landtagswahl 1990 ihre Mehrheit verloren hatte, schied Hirche aus dem Kabinett aus und wurde noch im selben Jahr in der von Manfred Stolpe (SPD) geleiteten Landesregierung von Brandenburg zum Minister für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie ernannt.<ref>Süddeutsche Zeitung: FDP-Urgestein Walter Hirche feiert 80. Geburtstag. Abgerufen am 29. März 2023.</ref><ref name=":2" /> Schon vor der Landtagswahl 1994 erklärte er, nicht mehr als Minister zur Verfügung zu stehen, und kandidierte auf der niedersächsischen Landesliste für den Bundestag.
Am 17. November 1994 wurde er als Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in die von Bundeskanzler Helmut Kohl geführte Bundesregierung berufen und schied nach der verlorenen Bundestagswahl 1998 am 26. Oktober 1998 aus dem Amt.<ref>Walter Hirche. In: Der Spiegel. 8. Januar 1995, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 29. März 2023]).</ref><ref name=":5" />
Nachdem bei der Landtagswahl 2003 CDU und FDP die SPD-Alleinregierung unter Sigmar Gabriel ablösen konnten, wurde Hirche am 4. März 2003 in das von Christian Wulff geleitete Kabinett als Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr und Stellvertreter des Ministerpräsidenten berufen.<ref>FDP-Urgestein Walter Hirche feiert 80. Geburtstag. In: Die Welt. Abgerufen am 29. März 2023.</ref><ref name=":5" /> Am 18. Februar 2009 trat er, wie angekündigt, von seinem Amt zurück; sein Nachfolger als Minister wurde Philipp Rösler.
2009 wurde Hirche Mitglied des „Lenkungsrats Unternehmensfinanzierung“ im Wirtschaftsfonds Deutschland. Seit März 2011 ist er Mitglied der Ethikkommission für sichere Energieversorgung.<ref>Deutschlands Energiewende – Ein Gemeinschaftswerk für die Zukunft. In: bmuv.de. Abgerufen am 29. März 2023.</ref>
Begleitetes Fahren
Eine besondere Rolle spielte Walter Hirche als Niedersächsischer Verkehrsminister bei der Einführung des Begleiteten Fahrens, umgangssprachlich auch „Führerschein ab 17“ genannt.<ref name=":1" /> Es war insbesondere seine Initiative, die er gegen starken Widerstand seitens ADAC und Verkehrswacht, aber auch gegen großem Misstrauen der übrigen Bundesländer vorantrieb. 2004 startete in Niedersachsen ein wissenschaftlich begleiteter Modellversuch.<ref>Modellprojekt: Niedersachsen startet „begleitetes Fahren mit 17“ auf www.spiegel.de, abgerufen am 3. April 2016.</ref> Die wissenschaftlichen Ergebnisse lagen ab 2007 vor und bescheinigten dem Modell einen deutlichen Erfolg beim Senken von Unfallzahlen. Bereits ab 2005 zog der Bundestag nach und seit 2008 haben alle Bundesländer diese Regelung mit übernommen. Im Oktober 2025 wurde das begleitete Fahren europaweit eingeführt.<ref>Mehr Verkehrssicherheit durch modernisierte EU-Fahrvorschriften | Aktuelles | Europäisches Parlament. 21. Oktober 2025, abgerufen am 21. Oktober 2025.</ref>
Wulff-Fard-Kontroverse
Unter Leitung von Hirche sind dem Finanz- und Bauunternehmer Ali Memari Fard, mit dem Hirche und Christian Wulff befreundet sind, 18 Millionen Euro an Staatssubventionen zugeflossen. Dabei soll Hirche Wettbewerbsregeln und Ausschreibungsbedingungen außer Kraft gesetzt haben. Das ARD-Politmagazin Monitor sprach in diesem Zusammenhang von einem „Beigeschmack“.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Monitor, Sendung vom 2. Februar 2012 ( vom 6. Februar 2012 im Internet Archive).</ref>
Sonstige Mandate
Bis Februar 2009 war Hirche Vorsitzender im Aufsichtsrat der Deutsche Messe AG,<ref>Geschäftsbericht 2008. Deutsche Messe AG, abgerufen am 6. September 2023.</ref> zwei Monate später schied er zudem aus dem Aufsichtsrat der Volkswagen AG aus.<ref>Ex-Wirtschaftsminister Hirche bleibt vorerst VW-Aufsichtsrat. In: Automobilwoche. 24. Februar 2009, abgerufen am 6. September 2023.</ref> Weiterhin war Hirche von 2010 bis 2016 Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung<ref>Walter Hirche feiert seinen 80. Geburtstag. FDP-Niedersachsen, 13. Februar 2021, abgerufen am 6. September 2023.</ref> sowie langjähriges Mitglied der Ludwig-Erhard-Stiftung.<ref>Die Besetzung des Lenkungsrats. In: Der Spiegel. 5. März 2009, abgerufen am 6. September 2023.</ref> Auch war er Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission<ref>Leipzig soll ein Holocaust-Museum erhalten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 12. Oktober 2006, abgerufen am 6. September 2023.</ref> und ist bis heute Vorsitzender des UNESCO-Fachausschusses Bildung.<ref>Weltweit fehlen knapp 70 Millionen Lehrer. In: Der Spiegel. 24. Januar 2020, abgerufen am 6. September 2023.</ref><ref>Vorstand. Deutsche UNESCO-Kommission, abgerufen am 6. September 2023.</ref>
Unterlagen über Hirches Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter und Landesvorsitzender der niedersächsischen FDP werden im Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Gummersbach aufbewahrt.
Ehrungen und Auszeichnungen
- 2009: Niedersächsische Landesmedaille
- 2010: Ehrenring der Stadt Cuxhaven
- 2016: Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
Siehe auch
Literatur
- Ewald Grothe u. a.: Walter Hirche. Liberaler Pragmatiker aus Niedersachsen. Potsdam 2021, ISBN 978-3-9822020-1-3.
- Rolf Zick: Walter Hirche. Ein Liberaler aus Niedersachsen. Olms, Hildesheim/Zürich/New York 2014, ISBN 978-3-487-08534-0.
Weblinks
- Lebenslauf auf seiner Persönlichen Website
- Literatur von und über Walter Hirche im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Lebenslauf bei Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
- Biografie beim Deutschen Bundestag
- Reden als Niedersächsischer Minister Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
Einzelnachweise
<references />
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Walther Hasemann (1946–1949) | Artur Stegner (1949–1954) | Joachim Strömer (1954–1955) | Konrad Mälzig (1955–1956) | Carlo Graaff (1956–1968) | Rötger Groß (1968–1978) | Heinrich Jürgens (1978–1991) | Stefan Diekwisch (1991–1994) | Walter Hirche (1994–2006) | Philipp Rösler (2006–2011) | Stefan Birkner (2011–2023) | Konstantin Kuhle (seit 2023)
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Ab 1990: Walter Hirche | Burkhard Dreher | Wolfgang Fürniß | Ulrich Junghanns | Ralf Christoffers | Albrecht Gerber | Jörg Steinbach | Daniel Keller | Martina Klement
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hirche, Walter |
| ALTERNATIVNAMEN | Hirche, Karl Walter (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (FDP), MdL, MdB |
| GEBURTSDATUM | 13. Februar 1941 |
| GEBURTSORT | Leipzig |
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