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Dinit

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Dinit
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Din<ref name="Warr" />

Chemische Formel C20H36<ref name="StrunzNickel" /><ref name="IMA-Liste" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Organische Verbindungen – Kohlenwasserstoffe
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

IX/B.02
IX/B.02-055<ref name="Lapis" />

10.BA.15
50.03.05.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-disphenoidisch; 222
Raumgruppe P212121 (Nr. 19)Vorlage:Raumgruppe/19<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 12,36 Å; b = 12,76 Å; c = 11,43 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 1<ref name="StrunzNickel" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 1<ref name="Lapis" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 1,01; berechnet: 1,02<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit fehlt<ref name="Lapis" />
Bruch; Tenazität sehr spröde<ref name="Handbookofmineralogy" />
Farbe farblos, gelblichweiß<ref name="Lapis" />
Strichfarbe weiß<ref name="Lapis" />
Transparenz durchsichtig<ref name="Handbookofmineralogy" />
Glanz Eis-ähnlich<ref name="Handbookofmineralogy" /> (auch Wachsglanz<ref name="Mindat" />)

Dinit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Organischen Verbindungen“ mit der chemischen Zusammensetzung C20H36 und damit chemisch gesehen ein Kohlenwasserstoff.

Dinit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem, konnte jedoch bisher nur in Form derber Massen entdeckt werden. Das Mineral ist durchsichtig und entweder farblos oder durch Fremdbeimengungen gelblichweiß mit einem dem Eis ähnlichen Glanz auf den Oberflächen. Mit einer Mohshärte von 1 ist Dinit genauso weich wie das Referenzmineral Talk. Entsprechend lässt sich an Dinitproben schon mit dem Fingernagel Mineralpulver abschaben.

Etymologie und Geschichte

Entdeckt wurde Dinit erstmals in den Braunkohle-Vorkommen bei Castelnuovo di Garfagnana (Provinz Lucca)<ref name="Typlokalität" /> in der historischen italienischen Region Lunigiana (heute nördlicher Teil der Toskana). Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte 1852 durch Giuseppe Petri. Benannt wurde das Mineral von Giuseppe Meneghini nach dessen Entdecker Olinto Dini (1802–1866).

“Il Prof. Meneghini ha dato il nome di Dinite ad una nuova sostanza organica rinvenuta per la prima volta dal Prof. Dini in una lignite della Lunigiana. Un esemplare di questo corpo curioso essendo stato rimesso dal Prof. Meneghini al Prof. Piria, quest' ultimo m'incaricava di esaminarlo dal Lato delle proprietà e della composizione, e le poche esperienze che sono consegnate in questo articolo sono state fatte nel suo laboratorio e sotto la sua direzione.”

„Prof. Meneghini gab einer neuen organischen Substanz, die zuerst von Prof. Dini in einer Braunkohle aus Lunigiana gefunden wurde, den Namen Dinit. Nachdem Prof. Meneghini Prof. Piria ein Exemplar dieses merkwürdigen Stoffes übergeben hatte, beauftragte dieser mich, ihn hinsichtlich seiner Eigenschaften und Zusammensetzung zu untersuchen, und die wenigen Experimente, die in diesem Artikel wiedergegeben werden, wurden in seinem Labor und unter seiner Leitung durchgeführt.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Giuseppe Petri<ref name="Petri" />

Das Typmaterial des Minerals wird in der Mineralogischen Sammlung der Universität Pisa (Istituto di Mineralogia dell’Università; MSNU) unter der Katalog-Nummer 8875 aufbewahrt.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" /><ref name="IMA-Depositories" />

Da der Dinit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Dinit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Dinit lautet „Din“.<ref name="Warr" />

Klassifikation

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Dinit zur Mineralklasse der „Organischen Verbindungen“ und dort zur Abteilung „Kohlenwasserstoffe“, wo er gemeinsam mit Fichtelit, Flagstaffit, Branchit, Karpathit, Kratochvílit, Phylloretin und Simonellit sowie im Anhang mit Graebeit, Idrialin, Kladnoit, Refikit, Scharizerit und Ulmit in der Gruppe „Carbocyclische Verbindungen“ mit der Systemnummer IX/B.02 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IX/B.02-055. Dies entspricht der Abteilung „Stickstoff-freie Kohlenwasserstoffe“, wo Dinit zusammen mit Branchit, Fichtelit, Flagstaffit, Hoelit, Idrialin, Karpathit, Kratochvílit, Phylloretin, Ravatit, Refikit, Simonellit und Wampenit die Gruppe der „Ringförmige Strukturen“ mit der Systemnummer IX/B.02 bildet.<ref name="Lapis" />

Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Dinit in die Abteilung „Kohlenwasserstoffe“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung 10.BA zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 10.BA.15 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Dinit die System- und Mineralnummer 50.03.05.01. Dies entspricht ebenfalls der Klasse und gleichnamigen Abteilung „Organische Minerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Salze organischer Säuren (Kohlenwasserstoffe)“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 50.03.05.

Kristallstruktur

Datei:Dinit.svg
Struktur von Dinit

Dinit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem in der Raumgruppe P212121 (Raumgruppen-Nr. 19)Vorlage:Raumgruppe/19 mit den Gitterparametern a = 12,36 Å, b = 12,76 Å und c = 11,43 Å sowie einer Formeleinheit pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Dinit ist ein alicyclischer gesättigter Kohlenwasserstoff, dessen Moleküle aus drei Kohlenstoffringen bestehen.<ref name="StrunzNickel" />

Bildung und Fundorte

Dinit bildet sich in bitumenartigem fossilem Holz in unverfestigten Flusssedimenten.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Dinit gehört zu den sehr seltenen Mineralbildungen, das bisher nur in wenigen Proben nachgewiesen wurde. Außer an seiner Typlokalität in den Braunkohle-Vorkommen bei Castelnuovo di Garfagnana in der Toskana fand sich das Mineral in Italien nur noch am Somma-Vesuv-Vulkankomplex östlich von Neapel in der Region Kampanien.

Ansonsten kennt man Dinit nur noch aus dem Wadi Halamish (auch Ẕuq Tamrur) im Hatrurim-Becken innerhalb des Regionalverbandes Tamar im Südbezirk von Israel.<ref name="Fundorte" />

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Commons: Dinite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

<references> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Dinit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 4. August 2024. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Depositories"> Catalogue of Type Mineral Specimens – Depositories. (PDF; 311 kB) Commission on Museums (IMA), 18. Dezember 2010, abgerufen am 4. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – D. (PDF 151 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 4. August 2024 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Dinite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 4. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Petri"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Typlokalität"> Typlokalität von Dinit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 4. August 2024. </ref> <ref name="Warr"> </ref> </references>