Zum Inhalt springen

Freilichtmalerei

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 20. April 2026 um 03:37 Uhr durch imported>GünniX (WPCleaner v2.05 - Wikipedia:WPSK (Anzahl öffnender eckiger Klammern nicht korrekt)).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Sargent MonetPainting.jpg
John Singer Sargent: Claude Monet am Waldsaum malend, 1885, Tate Gallery
Datei:Mona Lisa, by Leonardo da Vinci, from C2RMF retouched.jpg
Leonardo da Vinci: Mona Lisa, Öl auf Holz, zwischen 1503 und 1506; Louvre Paris

Freilichtmalerei, auch Freiluftmalerei oder Pleinairmalerei (von französisch: en plein air: „im Freien“;<ref>Pons: de.pons.com</ref>) genannt, bezeichnet eine Malerei, bei der Künstler ein „Stück Natur“<ref>Vgl. Natias Neutert: Wo sind wir, wenn wir im Bilde sind? Über Differenziale der Einbildungskraft. 1. Aufl. Lilienstaub & Schmidt, Berlin 2014, ISBN 978-3-945003-98-5, S. 44, 45.</ref> unter freiem Himmel bei natürlichen Licht- und Schattenverhältnissen und naturgegebener Farbigkeit der jeweiligen Landschaft darstellen. Sie wird auch Hell-Malerei bezeichnet. Diese Form der Malerei steht damit im Gegensatz zur Ateliermalerei.

Verhältnis von Freiluft- und Ateliermalerei

Bis zur Erfindung der Fotografie mussten sich die Künstler bei jedem im Atelier gemalten Landschaftsbild ganz auf ihre Vorzeichnungen und Farbskizzen sowie auf ihr eidetisches Gedächtnis verlassen, während die Freiluftmaler, was Luft- und Farbperspektive betrifft, in jener Zeit von der Möglichkeit profitierten, die Stimmigkeit ihres jeweiligen Landschaftsmotivs ständig überprüfen und immer wieder entsprechend korrigieren zu können. Doch keineswegs jedes Landschaftsgemälde entspringt einem Pleinair, die Mehrzahl dagegen einer Kombination aus Freiluftmalerei und Ateliermalerei. Dabei werden draußen im Freien, direkt vor dem Motiv, kleinformatige Skizzen verfertigt und die daraus hervorgehenden größeren Ausstellungsformate nach diesen Studien erst im Atelier vervollkommnet.

Begriff der Landschaft

Der Begriff Landschaft kommt dadurch zustande, dass „aus der potentiellen Unbegrenztheit natürlicher Außenwelt“ ein so genanntes „Stück Natur“<ref>Vgl. Natias Neutert: Wo sind wir, wenn wir im Bilde sind? Über Differenziale der Einbildungskraft. Lilienstaub & Schmidt, Berlin 2014, ISBN 978-3-945003-98-5, S. 44.</ref> ausgewählt und herausgegrenzt wird. Bezog sich der Begriff „Landschaft“ ursprünglich zunächst auf Naturmotive, so kamen im Laufe der kunstgeschichtlichen Entwicklung auch „die Ansichten von Städten und Architekturen“<ref>DuMont’s Bild-Lexikon der Kunst. Künstler, Stile, Techniken. Hrsg. von Ann Hill et al. Übersetzung aus dem Englischen von Herma Geyer, Wilhelm Höck, Joachim Rehork. DuMont Buchverlag, Köln 1976, ISBN 3-7701-0845-0, S. 358.</ref> hinzu.

Kunstgeschichtlicher Überblick

Eines der zahllosen forscherischen Blätter Leonardo da Vincis (1452–1519) belegt, dass Künstler sich mindestens seit der Renaissance mit natürlichem Licht in freier Natur beschäftigen. Er widmet sich diesem Thema in einem der wohl berühmtesten und folgenreichsten Essays der Kunstgeschichte, dem Traktat über die natürliche Malerei.<ref>Leonardo da Vinci: Traktat von der Malerei. Nach der Übersetzung von Heinrich Ludwig neu herausgegeben und eingeleitet von Marie Herzfeld. Eugen Diederichs Verlag, Jena 1909.</ref> Die praktische Konsequenz seiner theoretischen Einsichten lässt sich so auf den Punkt bringen: „Statt Farbe und Pigment sieht man Licht, das sich in den Lasuren bricht wie bei der ‚Mona Lisa‘.“<ref>Matthias Thibaut: Göttliches Licht, abgerufen am 13. September 2015.</ref> Denn obwohl die abendländische Malerei zu Leonardos Zeit im Wesentlichen Figurenmalerei war und die Landschaft als „formelhafte Staffage“<ref>DuMont’s Bild-Lexikon der Kunst. Künstler, Stile, Techniken. Hrsg. von Ann Hill et al. Übersetzung aus dem Englischen von Herma Geyer, Wilhelm Höck, Joachim Rehork. DuMont Buchverlag, Köln 1976, ISBN 3-7701-0845-0, S. 358.</ref> diente, als Umgebung buchstäblich, nimmt das auffällige Sfumato in Leonardo da Vincis Gemälde – diese weiche Verwischung des Bildhintergrundes –<ref>Vgl. DuMont’s Bild-Lexikon der Kunst. Künstler, Stile, Techniken. Hrsg. von Ann Hill et al. Übersetzung aus dem Englischen von Herma Geyer, Wilhelm Höck, Joachim Rehork. DuMont Buchverlag, Köln 1976, ISBN 3-7701-0845-0, S. 558.</ref> nach Auffassung von Natias Neutert „bereits atmosphärische Qualitätsmerkmale späterer Freiluftmalerei vorweg.“<ref>Natias Neutert: Wo sind wir, wenn wir im Bilde sind? Über Differenziale der Einbildungskraft. 1. Aufl. Lilienstaub & Schmidt, Berlin 2014, ISBN 978-3-945003-98-5, S. 63.</ref>

Vorläufer waren die holländischen Maler, die im 17. Jahrhundert die Schweiz bereisten, um die Bergwelt, aber auch Straßen und Alpenpässe zu skizzieren und zu Gemälden zu verarbeiten. „Als Schöpfer des sog. „Freilichtes“ im Sinne von einheitlich flutendem Licht im freien Raum gelten die Brüder Hubert und Jan van Eyck. Die niederländischen Maler des 16. und 17. Jh. haben zwar nach Freilichtstudien gearbeitet, aber das Gemälde im Atelier ausgeführt.“<ref>Freilichtmalerei. In: Die große Enzyklopädie der Malerei. Hrsg. von Hermann Bauer. Herder Verlag, Freiburg i. Br. 1976–1978; Band 3, S. 959–961, bes. S. 959.</ref>

Begründet wurde die Freilichtmalerei in der Zeit des ausklingenden Klassizismus und der aufkommenden Romantik zu Anfang des 19. Jahrhunderts in der Landschaftsmalerei Englands, vor allem von John Constable (1776–1837) und Richard Parkes Bonington (1802–1828). Beider Werke leben von der Spannung zwischen genauer Naturbeobachtung (z. B. Himmels- und Wolkenstudien) und der daraus resultierenden realistischen Farbwirkung. Das Bild Weymouth Bay mit Blick auf Jordan Hill zeigt die Bucht von Weymouth in der Grafschaft Dorset – ein auch heute noch beliebtes Ausflugsziel – mit ihrem Sandstrand bei sich auftürmenden Wolkengebirgen. Die Ausstellung von Werken Constables und Boningtons im Salon in Paris im Jahre 1824, bei der Letzterer zum Preisträger gewählt wurde, war von maßgeblichem Einfluss auf die französische Landschaftsmalerei Mitte des 19. Jahrhunderts, insbesondere auf die so genannte Schule von Barbizon sowie auf das Schaffen der Impressionisten.<ref>Freilichtmalerei. kronberger-maler.de, abgerufen am 13. September 2015.</ref> Dies zeigt auch ein Gemälde wie Der Strand von Pourville von Claude Monet (1840–1926) auf. Monet, sowie natürlich alle übrigen Vertreter des Impressionismus trugen mit ihren stimmungsvollen Werken dazu bei, dass sich die Pleinairmalerei mehr und mehr etablierte.

Entscheidend begünstigt wurde die Entwicklung hin zur Freiluftmalerei durch die Erfindung der Künstlerfarben in Tuben durch den amerikanischen Maler John Goffe Rand<ref>deutschlandfunk.de</ref>. Mussten die Künstler ihre Farben bis dahin aufwändig selbst zurechtmischen, so standen diese ihnen ab ca. 1850 ‚malfertig‘, in wiederverschließbaren, transportablen Tuben jederzeit zur Verfügung.

Das dürfte auch Monet zugutegekommen sein, als er von der Leitung der Eisenbahnlinie die Erlaubnis erwirkte, unter dem Glasdach des Bahnhofs Saint Lazare in Paris malen zu dürfen – „ein in der Freiluftmalerei bislang ungenutzter Ort künstlerischer Produktion, von Rauchschwaden ein- und ausfahrender Dampfloks geschwängert.“<ref>Natias Neutert: Wo sind wir, wenn wir im Bilde sind? Über Differenziale der Einbildungskraft. 1. Aufl. Lilienstaub & Schmidt, Berlin 2014, ISBN 978-3-945003-98-5, S. 67.</ref> Der Dichter Émile Zola sprach in diesem Zusammenhang von der „Poesie der Bahnhöfe“, welche die Künstler so zu entdecken hätten, wie ihre Vorläufer „die der Flüsse und Wälder gefunden haben.“<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivierte Kopie (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)</ref>

So weit wie Monet gingen dänische, englische und deutsche Freiluftmaler gegen Ende des 19. Jahrhunderts allerdings nicht: Weder die Skagen-Maler Michael Ancher und Anna Ancher, Karl Madsen und Peder Severin Krøyer vom Fischerort Skagen, die zu internationaler Bedeutung gelangten, noch die Künstler der Newlyn School und auch die der Künstlerkolonie Dachau nicht. Sie alle hielten am Vorbild der Schule von Barbizon fest (die Madsen vor Ort selbst noch studiert hatte).

Datei:Outdoor painters on Isebrücke in Hamburg-Eppendorf.jpg
Pleinairmaler auf der Isebrücke in Hamburg-Eppendorf, 2015

Die Weggefährten der Künstlerkolonie Worpswede, der Künstlerkolonie Dachau oder der Künstlerkolonie Haimhausen dagegen malten zwar durchaus des Öfteren im Freien, bevorzugten jedoch eher die bereits erwähnte Kombinationsform aus Freiluft- und Ateliermalerei. Damit entsprachen sie der fortschreitenden Kunstentwicklung, die zunehmend darauf hinauslief, sich immer weniger impressionistischer, dafür immer expressiverer Ausdrucksformen zu bedienen. Der Vergleich zweier Gemälde des gleichen Sujets veranschaulicht dies. Das eine: Hochsommer im Dachauer Moos des Dachauer Malers Philipp Röth (1841–1921). Das andere: Moorgraben der Worpsweder Malerin Paula Modersohn-Becker (1876–1907).

Christian Landenberger (1862–1927) gilt als ein Vorreiter der süddeutschen Freilichtmalerei. Er ist besonders durch seine Landschaftsbilder bekannt geworden.

Gegenwart

In der Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg ist Malen en plain air nicht aus der Mode gekommen. Bei David Hockney entstanden großflächige, farbenreiche Bilder, die Wälder, Landschaft, Holzstapel oder Heuhaufen zeigen. Technisch entstehen sie durch eine Segmentierung der Flächen nach dem Ansatz von Grand Canyon aus dem Jahre 1998, allerdings heute in Yorkshire. Sie erinnern an den Landschaftsmaler Roger de Grey.

In Deutschland erwähnenswert ist die Solinger Künstlerkolonie "Schwarzes Haus" mit ihrer Ausrichtung auf die figurative Freilichtmalerei, in der Tradition der englischen Landschaftsmalerei des frühen 19. Jahrhunderts, der Schule von Barbizon Mitte des 19. Jahrhunderts, des Impressionismus, der Skagen-Maler oder der Künstlerkolonie in Dachau.<ref>Marc Peschke: Museum Villa Stahmer: Die drei wichtigsten Maler der Solinger Künstlerkolonie Bettina Heinen-Ayech, Erwin Bowien und Amud Uwe Millies. In: tabularasasmagazin.de. Abgerufen am 18. April 2026.</ref> Ihre bedeutendste Vertreterin ist Bettina Heinen-Ayech. Sie bildete einen wichtigen Treffpunkt für Künstlerinnen und Künstler, die sich der Freilichtmalerei verschrieben hatten. In dieser Gemeinschaft und auf vielen gemeinschaftlichen Reisen stand die unmittelbare Beobachtung von Natur und Stadtlandschaft im Vordergrund, wobei Licht, Farbe und Atmosphäre direkt auf der Leinwand eingefangen wurden.<ref>Laura Cohen, Haroun Ayech: In der Welt unterwegs : die Künstlerkolonie Solingen. Zweckverband Dachauer Galerien und Museen, Dachau 2024, ISBN 978-3-949683-07-7, S. 9–12 (d-nb.info).</ref>

Zu den deutschen zeitgenössischen en plein air-Malern gehören unter anderen Max Uhlig, Klaus Fußmann, Hans Nowak, Nikolaus Störtenbecker, Sigurd Wendland, Friedel Anderson, Christoph Bouet, Stefan Dobritz, Tobias Duwe, Christopher Lehmpfuhl, Till Warwas oder Ulf Petermann. Einige von ihnen sind Mitglieder der Norddeutsche Realisten,<ref>Gabriela Walde: Christopher Lehmpfuhl – Berlins moderner Freiluftmaler. In: Berliner Morgenpost. 15. Dezember 2012, abgerufen am 2. Mai 2022.</ref><ref>o.A.: Warwas, Duwe, Möller, Petermann, Suplie – Norddeutsche Realisten. Kunst- und Kulturkreis Rastede e. V., 14. Oktober 2018, abgerufen am 2. Mai 2022.</ref> die sich der Freiluftmalerei verschrieben haben, oder nahmen teil an dem internationalen Kaiserbäder-Festival der Pleinair-Maler in Heringsdorf auf Usedom. Eine Jury wählt bei diesem Festival die Künstler aus.<ref>Adrian Schablack: „7 MALEN AM MEER“ 13. Kaiserbäder-Pleinair, Seebad Heringsdorf, Usedom. Kunstverein Schwedt e. V., 20. Januar 2018, abgerufen am 3. Dezember 2023.</ref>

Galerie

Literatur

  • Freilichtmalerei. In: Die große Enzyklopädie der Malerei. Hrsg. von Hermann Bauer. Herder Verlag, Freiburg i. Br. 1976–1978; Band 3, S. 959–961.
  • Peter Galassi: Corot in Italien. Freilichtmalerei und klassische Landschaftstradition. Hirmer, München 1996, ISBN 3-7774-5490-7.
  • Petra Belli (Red.): FreiLichtMalerei. Der Künstlerort Dachau 1870–1914. Zweckverband Dachauer Galerien und Museen, Dachau 2001, ISBN 3-930941-26-0.
  • John E. Thornes: John Constable. Kunst und Meteorologie. Herausgegeben von Heinz Spielmann, Ortrud Westheider. In: Wolkenbilder. Die Entdeckung des Himmels. Hirmer, München 2004, ISBN 3-7774-2135-9.

Weblinks

Commons: Monet-Ausstellung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Impressionismus – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Worpswede – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein