Emile Jeannin
Emile Jeannin (* 28. Februar 1875<ref name="GebUrk">Geburtsurkunde Nr. 409/1875, Bürgermeisterei Mülhausen. Mikrofilm Élément n° 477, links oben. In: Mulhouse, Naissances 1874–1876. Archives d’Alsace, Site du Colmar, abgerufen am 18. Dezember 2023.</ref><ref group="Anm.">Das vom Deutschen Luftfahrer-Verband in seinen Flugführerlisten veröffentlichte und von vielen Quellen zitierte Geburtsdatum 29. Februar 1874 stellt kein gültiges Kalenderdatum dar (1874 war kein Schaltjahr) und ist falsch.</ref> in Mülhausen, Reichsland Elsaß-Lothringen; † 10. April 1957<ref name="GebUrk" /><ref>Angaben zum Sterbeort und -datum siehe Randvermerk (Stempelaufdruck) auf Geburtsurkunde ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)).</ref> in Straßburg; auch: Emil, Spitznamen Mimi, Milo<ref name="BArch"> Bundesarchiv, BArch R 1507/2163 Reichskommissar für Überwachung der öffentlichen Ordnung, Sachakten, Verdächtige Personen, Bd. 1 (1920–1923), Jeannin, Milo, Seiten 105–108</ref>) war ein deutsch-französischer Flugpionier und Unternehmer.
Leben
Emile Jeannin, ein Bruder von Henri Jeannin, war in jungen Jahren ein populärer Radrennfahrer, er fuhr auch Rennen mit Automobilen und Motorbooten.<ref>Un peu d’histoire sur l’usine AVIATIK auf victor.stoeffler.pagesperso-orange.fr</ref>
Von 1906 bis 1908 betrieb er in Berlin das Unternehmen Sun Motoren-Gesellschaft E. Jeannin.
Um 1909 lernte Jeannin bei Farman in Mourmelon-le-Grand (Frankreich) fliegen und war dann bis Ende 1911 Pilot bei den Aviatik Flugzeugwerken, an denen sein Bruder Anteile besaß. Am 27. April 1910 erwarb er die deutsche Flugzeugführerlizenz Nr. 6 auf dem Flugplatz Johannisthal.<ref>Emile Jeannin, Contact! The Story of the Early Aviators von Henry Serrano Villard, Dover Publications, Inc. Mineola, New York in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.</ref> Noch im selben Monat stellte er (mit einem nicht dem Reglement entsprechenden Flugzeug) einen Dauerflugrekord von rund zwei Stunden auf. Am 6. August 1910 gewann Jeannin den 4. Lanz-Preis in Mannheim auf einem Aviatik-Doppeldecker.<ref>Karl-Dieter Seifert: Der Lanz-Preis der Lüfte – Impulsgeber für die deutsche Luftfahrt. (PDF) In: LOGBUCH. Reservistenkameradschaft Marine Berlin, 3. Juli 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 2. November 2016; abgerufen am 1. November 2016. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Ende September gewann er den Überlandflug Trier-Metz.<ref>Sonja Steiner-Welz: Schütte-Lanz-Luftfahrzeuge aus Mannheim, S. 145</ref> Am 5. März 1911 landete er als erster, nach einem halbstündigen Flug, von Gotha kommend vor einer tausendköpfigen Menschenmenge auf dem Flugplatz Weimar-Lindenberg und eröffnete damit die erste Weimarer Flugwoche.<ref name="Weimarer Schriften Luftfahrt">Paul Kaiser: Luftfahrt, In: Stadtmuseum Weimar (Hrsg.): Weimarer Schriften zur Heimatgeschichte und Naturkunde, Heft 20. Weimar 1973</ref> Im Februar 1912 gründete Jeannin in Johannisthal bei Berlin sein eigenes Unternehmen und konstruierte mit dem Lothringer René Freindt die „Stahltaube“. 1913/1914 baute er für die Heeresverwaltung 37 Stahltauben. Der Preis lag zwischen 22.000 und 25.000 Mark pro Stück.
Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs bekam Emile Jeannin unter anderem wegen seiner französischen Herkunft Probleme in Deutschland. Im Mai 1915 gingen aus seinem Flugzeugwerk die National-Flugzeugwerke (NFW) hervor<ref name=lange>Bruno Lange: Das Buch der deutschen Luftfahrttechnik. Band 1, S. 31.</ref>, die 1917 in die Deutschen Flugzeug-Werke (DFW) eingegliedert wurden.
Nach dem Krieg hatte Jeannin in Mülhausen (Mulhouse) Probleme mit der französischen Militärregierung, die ihm vorwarf, Flugzeuge für Deutschland gebaut zu haben. Aufgrund eines Sittendelikts wurde Jeannin im Mai 1921 in Berlin verhaftet und Ende August wegen eines Vergehens nach § 176 Reichsstrafgesetzbuch (unzüchtige Handlungen an Mädchen unter 14 Jahren) in vier Fällen zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 6 Monaten und zu 5 Jahren Ehrverlust verurteilt.<ref>Der Jeannin-Prozeß. (PDF; 5,5 MB) In: Erstes Beiblatt zur Morgenausgabe der Berliner Volks-Zeitung. Staatsbibliothek zu Berlin, 27. August 1921, abgerufen am 23. Juni 2020 (3. Spalte).</ref><ref>Das Urteil im Prozeß Jeannin. (PDF; 5,6 MB) In: Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Morgenausgabe, Seite 4. Staatsbibliothek zu Berlin, 30. August 1921, abgerufen am 23. Juni 2020 (2. Spalte unten).</ref> Jeannin verbüßte nur einen kleinen Teil seiner Haftstrafe und kam, nachdem er für geistig unzurechnungsfähig erklärt worden war, gemäß § 51 RStGB wieder auf freien Fuß. Bereits im Mai 1922 befand er sich zusammen mit einer weiblichen Begleitung, angeblich seiner Gemahlin – vermutlich seine damalige Mitangeklagte – zu einer mehrwöchigen Kur in Badenweiler. Dies geht aus der schriftlichen Anfrage eines Oberwachtmeisters der Zentralpolizeistelle Karlsruhe beim Reichskommissar für die Überwachung der öffentlichen Ordnung in Berlin wegen des Verdachts der Spionage hervor.<ref name="BArch"/> Jeannin ging in seine Heimatstadt zurück und wurde 1925 als französischer Staatsbürger anerkannt.
Literatur
- Marian Krzyżan, Holger Steinle: Die Jeannin-Stahltaube A.180/14. Aus den Anfängen der Fliegerei in Johannisthal. Verlag Mittler & Sohn, Herford / Bonn 1989, ISBN 3-8132-0313-1.
- Jean-Jaques Turlot: L´Èpopée Aéronautique Mulhausienne 1908-1918, Les éditions alsagraphic, Rixheim 2021
Weblinks
- Jeannin Stahltaube auf fliegerweb.com
Anmerkungen
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Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Jeannin, Emile |
| ALTERNATIVNAMEN | Jeannin, Emil; Jeannin, Mimi (Spitzname); Jeannin, Milo (Spitzname) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsch-französischer Flugpionier und Unternehmer |
| GEBURTSDATUM | 28. Februar 1875 |
| GEBURTSORT | Mülhausen, Reichsland Elsaß-Lothringen |
| STERBEDATUM | 10. April 1957 |
| STERBEORT | Straßburg, Frankreich |