Orpensdorf
Orpensdorf Hansestadt Osterburg (Altmark)
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| Koordinaten: | Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(43)&title=Orpensdorf 52° 46′ N, 11° 37′ O
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| Höhe: | 27 m ü. NHN | |||||
| Fläche: | 2,67 km²<ref name="HOB-12" /> | |||||
| Einwohner: | 43 (31. Dez. 2024)<ref name="EW-2024" /> | |||||
| Bevölkerungsdichte: | 16 Einwohner/km² | |||||
| Eingemeindung: | 1. April 1939 | |||||
| Eingemeindet nach: | Schmersau | |||||
| Postleitzahl: | 39606 | |||||
| Vorwahl: | 039392 | |||||
Lage von Orpensdorf in Sachsen-Anhalt
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Orpensdorf gehört zur Ortschaft Gladigau und ist ein Ortsteil der Hansestadt Osterburg (Altmark) im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt.<ref name="Hauptsatzung" />
Geographie
Das altmärkische Orpensdorf, ein kurzes Angerdorf mit Kirche, das durch Gutsbildung deformiert wurde,<ref name="HOB-12" /> liegt 10 Kilometer westsüdwestlich von Osterburg am Schmersauer Graben, der nach Norden in die Biese strömt.<ref name="DE-ST_SAV">Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)</ref>
Geschichte
Mittelalter bis Neuzeit
Im Jahre 1345 wurde Orpensdorf urkundlich als villa ermenstorph erwähnt.<ref name="HOB-12" /><ref name="Riedel-6" /> Im Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 wird das Dorf als Orbenstorpp aufgeführt. Er gab 12 Höfe.<ref name="Landbuch" /> Weitere Nennungen sind 1517 Orpenstorff, 1687 Orpenstorff<ref name="HOB-12" /> und 1804 heißt es Gut und Dorf Orpensdorf.<ref name="Bratring-1" />
Gut
Das Gut gehörte von vor 1345 bis 1694 der Familie von Rönnebeck, 1694 bis 1721 dem Hof- und Grenzrat Berndis.<ref name="HOB-12" />
Seine Blüte erlebte das Gut in Orpensdorf Anfang des 18. Jahrhunderts, was nicht zuletzt den Meliorationsbemühungen des damaligen Gutsherrn, Kriegs- und Domänenrat Gustav Falcke (1693–1743), zuzuschreiben war, der es 1721 übernommen hatte. Dabei ging es insbesondere um die Trockenlegung der alljährlich überschwemmten Landstriche an der Elbe, die der preußische Architekt, Baubeamte und Wasserbauexperte Friedrich Wilhelm Diterichs (1702–1782) in seinem Auftrag ins Werk setzte.<ref name="HP" /> Zu Falckes Gutsbesitz gehörten neben Orpensdorf die benachbarten Ortschaften Flessau, Schmersau, Wollenrade sowie Teile von Rönnebeck. Der Gutsherr bekleidete außerdem die Stellung als Obergerichtsrat am Altmärkischen Obergericht in Stendal.
Nach dem Tod Falckes heiratete Diterichs, den schon zu Lebzeiten Falckes gute persönliche Beziehungen mit der Familie verbanden, im Jahr 1744 dessen Witwe Anna Katharina (1702–1767). Der Verstorbene hatte zusammen mit seiner Ehefrau in einem „gegenseitigen Testament“ neben anderen Zuwendungen Geld für den Bau einer Kirche in Orpensdorf nach beider Ableben gestiftet. Diterichs nahm als Nachfolger des Gutsherrn jedoch bereits 1747 den an Stelle der einsturzgefährdeten alten Kirche geplanten Neubau in Angriff und führte ihn innerhalb weniger Monate zu Ende.<ref name="HP" /> In zweiter Ehe heiratete Diterichs 1769 Catharina Dorothea Hedwig Louise von Barsewisch (1747/48–1805), die in zweiter Ehe 1789 Ludwig Franz Philipp von Kleist (1748–1809) heiratete.<ref name="HOB-12" /><ref name="HP" /> Er heiratete 1806 Dorothea Johanna Friederike von Barsewisch (1784–1855), die in zweiter Ehe Friedrich von Lüderitz ehelichte.<ref name="Gedbas" /> Sie erscheint in einer örtlichen Sage.<ref name="Pohlmann-Sagen, S. 51" />
In den 1930er Jahren konnte Robert Salomon das hoch verschuldete Gut in Orpensdorf auf Rentenbasis erwerben. Die Familie wurde 1945 im Zuge der Bodenreform enteignet. Die Familie konnte das frühere Rittergut ab 1991 schrittweise zurückkaufen. Seit 1992 wird es von der Familie als Landwirtschaftsbetrieb geführt.<ref name="AH" />
An der Straße nach Schmersau standen noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts zwei Windmühlen.<ref name="KDR-240" />
Eingemeindungen
Dorf und Gut gehörten bis 1807 zum Stendalschen Kreis, danach bis 1813 zum Landkanton Osterburg im Königreich Westphalen, ab 1816 kamen beide in den Kreis Osterburg, den späteren Landkreis Osterburg in der preußischen Provinz Sachsen.<ref name="HOB-12" />
Am 17. Oktober 1928 wurde der Gutsbezirk Orpensdorf mit der Landgemeinde Orpensdorf vereinigt.<ref name="AB-RB-Magdeburg" />
Am 1. April 1939 erfolgte der Zusammenschluss der Gemeinden Orpensdorf und Schmersau zu einer Gemeinde mit dem Namen Schmersau.<ref name="AB-RB-Magdeburg-1939" /> Die Gemeinde Schmersau wurde am 1. Februar 1974 aufgelöst und in die Gemeinde Gladigau eingemeindet.<ref name="Metzler-Poeschel" /> So gehörte der Ortsteil Orpensdorf erst zu Schmersau, dann zur ehemals selbstständigen Gemeinde Gladigau und ist nach der Umsetzung des Gebietsänderungsvertrages vom 1. Juli 2009 ein Ortsteil der neuen Hansestadt Osterburg (Altmark).
Einwohnerentwicklung
| Jahr | 1734 | 1772 | 1790 | 1798 | 1801 | 1818 | 1840 | 1864 | 1871 | 1885 | 1892 | 1895 | 1900 | 1905 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Dorf/Gemeinde Orpensdorf | 49 | 73 | 36 | 43 | 66 | 70 | 77 | 26 | 17 | 12 | 65<ref name="Zahn-1928" /> | 51 | 62<ref name="Zahn-1928" /> | 44 |
| Gut Orpensdorf | 22 | 30 | 47 | 70 | 53 | 19 | 28 |
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Quelle, wenn nicht angegeben, bis 1925:<ref name="HOB-12" />
Religion
Die evangelische Kirchengemeinde Orpensdorf, die früher zur Pfarrei Schmersau gehörte,<ref name="Almanach1903" /> wird heute betreut vom Pfarrbereich Gladigau des Kirchenkreises Stendal im Bischofssprengel Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.<ref name="Pfarrbereich" />
Die ältesten überlieferten Kirchenbücher für Orpensdorf stammen aus dem Jahre 1804.<ref name="Machholz" /> Ältere Einträge sind in den Büchern von Schmersau zu finden, die 1642 beginnen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Auf dem Kirchhof befindet sich der Ortsfriedhof.
Kirche
Der Kirchenbau entstand am westlichen Ende des Dorfes in unmittelbarer Nähe des Gutskomplexes mit dem Gutshaus. Er ähnelt als späteste der von Friedrich Wilhelm Diterichs erbauten Kirchen in vielem der Schlosskirche Buch in Berlin, ist jedoch aufgrund der begrenzten Geldmittel sehr viel schlichter gehalten.
An den Hauptraum der evangelischen Kirche mit ihrem achteckigen Grundriss schließen sich in Ost-West-Richtung gleich lange Gruft- und Turmbauten an, sodass äußerlich der Eindruck einer Langhausanlage entsteht. An dem unter Verwendung klassischer strengerer Architekturformen konsequent durchgestalteten Bauwerk hat Diterichs als Architekt des Barock erkennbar den Weg zum Stil des preußischen Rokoko gefunden, dem er über Jahrzehnte treu blieb.
Diterichs starb 1782 in Orpensdorf und wurde in dem Gewölbe seiner Guts- und Patronatskirche beigesetzt.
Sagen aus Orpensdorf
Frau von Kleist zu Orpensdorf
Dorothea Johanna Friederike von Kleist, geborene von Barsewisch, später verheiratet mit einem Herrn von Lüderitz lebt im Volksmund fort als Frau von Kleist, die nachts im alten Gutsgebäude umgeht. Wer ihr begegnet ist, will bemerkt haben, das sie ein langes weißes Gewand an hat und ohne Kopf einhergeht, so berichtete Alfred Pohlmann im Jahre 1901. Er meint, dass die spukende weiße Frau die Göttin Freya darstellt.<ref name="Pohlmann-Sagen, S. 51" />
Kopfloses Lamm im Schloss
Im Schloss des Rittergutes spukt ein kopfloses weißes Lamm, dass den Bewohnern des Schlosses öfters zur nächtlichen Stunde zu Gesicht gekommen ist. Es folgt den Schlossgesessenen wie ein Hund auf dem Fuße und tut niemandem etwas zu Leide.<ref name="Pohlmann-Sagen, S. 60" />
Das Gutshaus wurde 1984 abgerissen.<ref name="HOB-12" />
Persönlichkeiten
Zu den in Orpensdorf geborenen Altmark-Persönlichkeiten gehört der königlich preußische Generalleutnant und Politiker Hermann von Lüderitz (1814–1889).
Literatur
- Rolf-Herbert Krüger: Friedrich Wilhelm Diterichs. Potsdamer Verlagsbuchhandlung, 1994, ISBN 3-910196-11-X.
- Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/9783830522355 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.
- Vorlage:BibOCLC
- Vorlage:BibOCLC
Weblinks
- Hansestadt Osterburg: Die Ortschaft Gladigau stellt sich vor. In: osterburg.eu. 30. Juni 2019.
- Corrie Leitz: Der Ortsteil Orpensdorf stellt sich vor. In: osterburg.eu. 2017.
- Orpensdorf im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für Computergenealogie
Einzelnachweise
<references> <ref name="AB-RB-Magdeburg"> Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1928, ZDB-ID 3766-7, S. 232. </ref> <ref name="AB-RB-Magdeburg-1939"> Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1939, ZDB-ID 3766-7, S. 6, Nr. 37. </ref> <ref name="AH"> Werner Preugschat: Nach 46 Jahren zurück in der Altmark. In: Agrarheute. 1. Oktober 2014 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />archiviert auf archive.org ( vom 21. September 2019 im Internet Archive)). </ref> <ref name="Almanach1903"> Vorlage:PfarrAlmanachProvinzSachsen1903 </ref>
<ref name="Bratring-1"> Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Für Statistiker, Geschäftsmänner, besonders für Kameralisten. Band 1. Berlin 1804, S. 262 (Digitalisat). </ref>
<ref name="EW-2012"> So viele Einwohner zählen die einzelnen Orte. In: Volksstimme Magdeburg, Lokalausgabe Osterburg. 12. Januar 2013 (volksstimme.de [abgerufen am 11. April 2020]). </ref>
<ref name="EW-2019"> Nico Maß: Nur noch vierstellig. In: Osterburger Volksstimme. 21. Januar 2020, DNB 1047269554, S. 13. </ref>
<ref name="EW-2020"> Nico Maß: Osterburg schrumpft. In: Osterburger Volksstimme, Biese-Aland-Kurier. 9. Januar 2021, DNB 1047269554, S. 17. </ref>
<ref name="EW-2022"> Yulian Ide: Hurra! Wir wachsen wieder! In: Stendaler Volksstimme, Biese-Aland-Kurier. 21. Januar 2023, DNB 1047269554, S. 19–20. </ref>
<ref name="EW-2023"> Nico Maß: Zurück im Minus. In: Osterburger Volksstimme, Biese-Aland-Kurier. 18. Januar 2024, DNB 1047269554, S. 13. </ref>
<ref name="EW-2024">Nico Maß: Osterburg schrumpft. In: Osterburger Volksstimme, Biese-Aland-Kurier. 8. Januar 2025, DNB 1047269554, S. 13.</ref>
<ref name="Gedbas"> Dirk Peters: Dorothea Johanna Friederike von Barsewisch. In: gedbas.genealogy.net. Abgerufen am 20. März 2024. </ref>
<ref name="Hauptsatzung"> Hauptsatzung Hansestadt Osterburg (Altmark), § 15 Ortschaftsverfassung vom 3. Juli 2019. (PDF) Hansestadt Osterburg (Altmark), 5. Juli 2019, abgerufen am 29. März 2024. </ref>
<ref name="HOB-12"> Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/9783830522355 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an. </ref>
<ref name="HP"> Corrie Leitz: Der Ortsteil Orpensdorf stellt sich vor. In: osterburg.eu. 2017, abgerufen am 3. Mai 2020. </ref>
<ref name="KDR-240"> Karte des Deutschen Reiches Blatt 240: Wittenberge. Reichsamt für Landesaufnahme, 1906, abgerufen am 8. Mai 2021. </ref>
<ref name="KEK-2025"> Landkreis Stendal – Der Landrat: Kreisentwicklungskonzept Landkreis Stendal 2025. (PDF) 30. Oktober 2015, S. 285, abgerufen am 3. August 2019. </ref>
<ref name="Landbuch"> Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Band 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, S. 320 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />archiviert auf archive.org ( vom 21. September 2019 im Internet Archive)). </ref>
<ref name="Machholz"> Vorlage:Kirchenbücher Provinz Sachsen 1925 </ref>
<ref name="Metzler-Poeschel"> Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/3824603217 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an. </ref>
<ref name="Pfarrbereich"> Pfarrbereich Gladigau. In: ekmd.de. Abgerufen am 29. März 2024. </ref>
<ref name="Pohlmann-Sagen, S. 51"> Alfred Pohlmann: Sagen aus der Wiege Preußens und des Deutschen Reiches, der Altmark. Franzen & Große, Stendal 1901, S. 51–52, 6. Frau von Kleist zu Orpensdorf (Digitalisat). </ref>
<ref name="Pohlmann-Sagen, S. 60"> Alfred Pohlmann: Sagen aus der Wiege Preußens und des Deutschen Reiches, der Altmark. Franzen & Große, Stendal 1901, S. 60, III. Von den kopflosen Tieren (Digitalisat). </ref>
<ref name="Riedel-6"> Vorlage:CodexDiplBrandenbgTeilA </ref>
<ref name="Zahn-1928"> Vorlage:BibOCLC </ref>
</references>
Ballerstedt mit Klein Ballerstedt | Düsedau mit Calberwisch | Erxleben mit Möckern und Polkau | Flessau mit Natterheide, Rönnebeck, Storbeck und Wollenrade | Gladigau mit Orpensdorf und Schmersau | Königsmark mit Rengerslage, Wasmerslage und Wolterslage | Krevese mit Dequede, Polkern und Röthenberg | Meseberg | Osterburg mit Billerbeck, Kalandshofen, Schilddorf, Stadtrandsiedlung, Tornowshof, sowie Dobbrun, Krumke und Zedau | Rossau mit Schliecksdorf, Geldberg, Groß Rossau und Klein Rossau | Walsleben mit Uchtenhagen