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Erionit

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Datei:Erionite-161794.jpg
Aufgebrochenes, radialstrahliges Erionitaggregat (Größe: 3,5 mm) vom Berg Nero, San Pietro, Montecchio Maggiore, Italien

Erionit ist eine Sammelbezeichnung für die von der International Mineralogical Association (IMA) anerkannten Minerale und Endglieder einer lückenlosen Mischreihe, bestehend aus Erionit-Ca, Erionit-K und Erionit-Na. Diese selten vorkommenden Minerale gehören zur Familie der Zeolithe innerhalb der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und kristallisieren im hexagonalen Kristallsystem mit folgender chemischer Zusammensetzung:

  • Erionit-Ca: Ca5[Al10Si26O72]·31H2O<ref name="StrunzNickel" />
  • Erionit-K: K10[Al10Si26O72]·32H2O<ref name="StrunzNickel" />
  • Erionit-Na: Na10[Al10Si26O72]·24,6H2O<ref name="StrunzNickel" />

Erionit findet sich vorwiegend in Form radialstrahliger oder faseriger, wollähnlicher Mineral-Aggregate, entwickelt selten aber auch prismatische Kristalle bis etwa 15 mm Länge mit hexagonalem Habitus. Bekannt sind auch Verwachsungen mit Offretit und Lévyn. In feinnadeliger, faseriger Aggregatform ist Erionit weiß und durchscheinend, gelegentlich auch durch Fremdbeimengungen gelblich verfärbt mit einem seidenähnlichen Glanz. Die Kristalle selbst sind farblos, durchsichtig und zeigen auf ihren Flächen Glasglanz. Auf der Strichtafel hinterlässt das Mineral entsprechend einen weißen Strich.

Als chemischer Stoff erhielt Erionit die CAS-Nummer Vorlage:CASRN (ehemals und inzwischen gelöschte CAS-Nr. Vorlage:CASRN).

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Erionit im Rhyolith-Tuff bei Durkee im Baker County im US-Bundesstaat Oregon und beschrieben 1898 von Arthur Starr Eakle, der das Mineral aufgrund seines meist wollähnlichen Aussehens nach dem griechischen Wort {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) <templatestyles src="IPA/styles.css" />/ěrion/ für „Wolle“ benannte.<ref name="Eakle" />

1997 beschloss die „Kommission für neue Minerale, Mineralnamen und Klassifikation“ (englisch: Commission on new Minerals, Nomenclature and Classification; CNMNC) eine Neudefinition und Neubenennung vieler Minerale der Zeolithfamilie, zu der auch Erionit gehört. Nach Douglas S. Coombs et al. ist nicht mehr das als Mischreihe erkannte Erionit, sondern ihre Endglieder Erionit-Na (beschrieben 1969 von Sheppard und Gude), Erionit-K (beschrieben 1998 von Passaglia et al.) und Erionit-Ca (beschrieben 1967 von Harada et al.). als eigenständige Minerale anerkannt.<ref name="Coombs-et-al" />

Seit dem Beschluss der CNMNC werden die Endglieder Erionit-Ca, Erionit-K und Erionit-Na in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „IMA 1997 s.p.“ (special procedure) geführt.<ref name="IMA-Liste" /> Die ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) lautet für Erionit-Ca „Eri-Ca“, für Erionit-K „Eri-K“ und für Erionit-Na „Eri-Na“.<ref name="Warr" />

Klassifikation

Bereits in der letztmals 1977 überarbeiteten 6. bzw. 1982 herausgegebenen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der zu dieser Zeit noch als ein Mineral geltende Erionit zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur allgemeinen Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate)“, wo er zusammen mit Chabasit, Gmelinit, Lévyn und Offretit die „Chabasitgruppe“ mit der System-Nr. VIII/F.14 bildete.

Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielten die nun getrennten Endglieder Erionit-Na, Erionit-K und Erionit-Ca die System- und Mineralnummern VIII/J.26-90, VIII/J.26-92 und VIII/J.26-94. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Gerüstsilikate“, wobei in den Gruppen VIII/J.21 bis 27 die Minerale der „Zeolithgruppe“ einsortiert sind. Die Erionite bilden hier zusammen mit Bellbergit, Chabasit-Ca, Chabasit-K, Chabasit-Na, Chabasit-Mg, Chabasit-Sr, Gmelinit-Ca, Gmelinit-K, Gmelinit-Na, Lévyn-Ca, Lévyn-Na, Mazzit-Mg, Mazzit-Na, Offretit, Perlialit, Tschernichit und Willhendersonit die von System-Nr. VIII/J.26 bis 27 reichende Gruppe der „Würfelzeolithe“.<ref name="Lapis" />

Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet die Erionite in die Klasse der „Silikate und Germanate“, dort allerdings in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate) mit zeolithischem H2O; Familie der Zeolithe“ ein. Diese Abteilung ist zudem weiter unterteilt nach der Kristallstruktur, so dass die Erionite entsprechend ihrem Aufbau in der Unterabteilung „Zeolithe mit Ketten von Fünfer-Ringen“ zu finden sind, wo sie nur noch zusammen mit Bellbergit die unbenannte Gruppe 9.GD.20 bilden.

Die Systematik der Minerale nach Dana ordnet die Erionite in die Abteilung der „Gerüstsilikate: Zeolith-Gruppe“. Hier sind sie zusammen mit Chabasit-Ca, Chabasit-Na, Chabasit-K, Chabasit-Sr, Herschelit, Willhendersonit, Offretit, Gmelinit-Na, Gmelinit-Ca, Gmelinit-K, Faujasit-Na, Faujasit-Ca, Faujasit-Mg, Levyn-Ca, Levyn-Na und Tschortnerit in der Gruppe der „Chabasite und verwandte Arten“ mit der System-Nr. 77.01.02 innerhalb der Unterabteilung der „Echten Zeolithe“ zu finden.

Kristallstruktur

Alle Minerale kristallisieren in der hexagonalen Raumgruppe P63/mmc (Raumgruppen-Nr. 194)Vorlage:Raumgruppe/194 mit den folgenden, sich nur geringfügig unterscheidenden Gitterparametern sowie jeweils einer Formeleinheit pro Elementarzelle:<ref name="StrunzNickel" />

  • Erionit-Na: a = 13,21 Å und c = 15,05 Å
  • Erionit-K: a = 13,23 Å und c = 15,07 Å
  • Erionit-Ca: a = 13,33 Å und c = 15,09 Å

Eigenschaften

Morphologie

Auch wenn die feinen Kristallnadeln und -fasern wie Wolle aussehen und sich auch so anfühlen, sind sie dennoch aufgrund ihrer Sprödigkeit sehr empfindlich gegenüber mechanischer Belastung. Schon durch eine leichte Berührung können sie schnell zerstört werden.<ref name="wissen-im-netz.info" /> Das asbestartige Fasermineral kann, ähnlich wie Asbest, zu einem Mesotheliom führen.<ref name="baua.de" />

Bekannt wurde Erionit als Karzinogen (krebsfördernde Substanz), das vor allem in der Umgebung des türkischen Dorfes Tuzköy, aber auch in anderen Regionen Kappadokiens größere, oberflächennahe Vorkommen bildet und dort in den als Baumaterial verwendeten Tuffgesteinen zu finden ist.<ref>Geo aktuell - Schönes Kappadokien - Gefährliches Kappadokien</ref> Die Krebsrate ist in diesen Gegenden aufgrund der Luftbelastung mit den feinen Mineralfasern überdurchschnittlich hoch (teilweise bis zu 100fach höher), weshalb die Dörfer aufgegeben und ihre Bewohner umgesiedelt werden sollen.<ref name="spiegel.de" /><ref name="focus.de" /><ref name="Gualtieri-et-al" />

Physikalische und optische Eigenschaften

Die Mohshärte für Erionit wird mit 3,5 bis 4 angegeben und ist abhängig vom Mischungsverhältnis der Kationen im Mischkristall. Die gemessene Dichte beträgt 2,08 und die aus den Kristalldaten berechnete Dichte 2,13 g/cm3.

Erionitkristalle zeigen eine undeutliche<ref name="Handbookofmineralogy" /> bis gute<ref name="Lapis" /> Spaltbarkeit nach dem Prisma. Bei ungerichteter Belastung verhalten sich die Kristalle allerdings spröde und brechen splitterig.

Als Mineral mit hexagonaler Symmetrie ist Erionit optisch einachsig mit (positiv) verlängertem Rotationsellipsoid. Die Brechungsindizes sind nε = 1,474 und nω = 1,471. Die Doppelbrechung ist mit 0,003 sehr gering.<ref name="Mindat" />

Bildung und Fundorte

Datei:Erionite-348875.jpg
Farblose, prismatische Erionitkristalle vom Ajo Mountain, Pima County, Arizona, USA
Datei:Erionite, Offretite - Malpais Hill, Dudleyville, Pinal Co, Arizona, USA.jpg
Erionit, verwachsen mit Offretit (Höhlenfüllung besteht aus Seladonit und Montmorillonit)

Erionite bilden sich in vulkanischen Gesteinen wie Basalt oder umgewandelten Rhyolith-Tuffen, aber auch durch Sedimentation von in Salzseen gefallener, vulkanischer Asche. Begleitminerale sind unter anderem Calcit, Dolomit, Montmorillonit, Opal, Quarz, Seladonit und verschiedene Zeolithe.

Weltweit sind für Erionite bisher rund 230 Fundorte dokumentiert (Stand: 2021),<ref name="Mindat-Anzahl" /> so unter anderem in der östlichen Antarktis, Australien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Island, Italien, Japan, Kanada, Neuseeland, Österreich, Polen, Russland, Spanien, Tschechien, der Türkei, im Vereinigten Königreich (UK, Großbritannien) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).

Konkret als Erionit-Na identifizierte Minerale konnten erstmals (Typlokalität) am Cady Mountain im US-amerikanischen San Bernardino County nachgewiesen werden, fand sich aber auch am Berg Nero bei Montecchio Maggiore (San Pietro) in Italien, auf der japanischen Insel Iki, bei Dunseverick im äußersten Norden des nordirischen Countys Antrim sowie ebenfalls in den USA liegend am Berg Killdeer im Dunn County (North Dakota) und in der „Durkee Fire Opal Mine“ im Baker County (Oregon).<ref name="Mindat-Erionite-Na" />

Als Erionit-K identifizierte Minerale wurden vor allem bei Kamloops in Kanada, {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) auf Neuseeland sowie in mehreren Regionen der US-Bundesstaaten Arizona, Oregon und Washington gefunden, wobei Rome im Marion County (Oregon) als Typlokalität registriert ist.<ref name="Mindat-Erionite-K" />

Als Erionit-Ca identifizierte Minerale konnten unter anderem am Ettringer Bellerberg, einem Vulkan bei Ettringen (Eifel) in Deutschland; bei Yssingeaux in Frankreich; bei Oristano auf Sardinien sowie am Monte Fasolo (Euganeische Hügel) und am Berg Nero bei Montecchio Maggiore in Italien; bei Maze in der japanischen Präfektur Niigata; Ústí nad Labem in Tschechien; bei Tuzköy in der Türkei sowie in den US-Counties Dunn, Slope und Stark in North Dakota und im Tillamook County in Oregon.<ref name="Mindat-Erionite-Ca" />

Siehe auch

Weblinks

Commons: Erionite – Sammlung von Bildern
  • Erionit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung;
  • Erionite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF); (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).

Einzelnachweise

<references> <ref name="baua.de"> Nationales Asbest Profil Deutschland, 2. Auflage. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2020. Seiten 78, (PDF, 2 MB), DOI:10.21934/baua:bericht20200427 </ref> <ref name="Coombs-et-al"> </ref> <ref name="Eakle"> </ref> <ref name="focus.de"> Seltener Krebs tötet Felsbewohner des UNESCO-Welterbes. Focus.de, 15. November 2013, abgerufen am 19. Juni 2021. </ref> <ref name="Gualtieri-et-al"> Alessandro F. Gualtieri, Nicola Bursi Gandolfi, Simone Pollastri, Kilian Pollok, Falko Langenhorst: Where is iron in erionite? A multidisciplinary study on fibrous erionite-Na from Jersey (Nevada, USA). In: Scientific Reports. Band 6, 28. November 2016, ISSN 2045-2322, doi:10.1038/srep37981, PMID 27892512, PMC 5125093 (freier Volltext). </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Erionite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 19. Juni 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-Anzahl"> Localities for Erionite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 19. Juni 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-Erionite-Ca"> Erionite-Ca. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 19. Juni 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-Erionite-K"> Erionite-K. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 19. Juni 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-Erionite-Na"> Erionite-Na. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 19. Juni 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="spiegel.de"> Burhan Ozbilici: Tumorhäufung erzwingt Massenumsiedlung. Spiegel online, 5. November 2010, abgerufen am 19. Juni 2021. </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="wissen-im-netz.info"> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Mineralien-Lexikon – Erionit (Memento vom 18. Oktober 2016 im Internet Archive) </ref> </references>