Es wird scho glei dumpa
Es wird scho glei dumpa ist der Titel eines österreichischen Weihnachtslieds. Der Text wurde von dem oberösterreichischen Geistlichen Anton Reidinger (1839–1912) verfasst<ref>Hannes Fehringer: „Es wird scho glei dumpa“: Original-Handschrift entdeckt. In: OÖNachrichten, 10. Dezember 2016; abgerufen am 6. Februar 2018.</ref><ref>Gerlinde Jahn: Es wird scho glei dumpa. Weihnachtslied aus Oberösterreich. In: Kulturbericht Oberösterreich. Monatsschrift der Oö. Kultur, 66, 2012, F. 10, S. 9, ZDB-ID 2226282-9.</ref> und 1884 als zweistimmiges Weihnachtslied mit dem Titel Krippllied veröffentlicht.<ref name="Kripplgsangl und Kripplspiel">Anton Reidinger: Krippllied. In: Sigmund Fellöcker (Hrsg.): Kripplgsangl und Kripplspiel in der oberösterreichischen Volksmundart. Band 5. Haslinger, Linz 1884, S. 1 f. (Digitalisat in der Google-Buchsuche-USASkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Reidinger dichtete den Text möglicherweise schon um 1865 in Bad Ischl, als er sich mit der Organisation des Ischler Krippenspiel beschäftigte.<ref name="Buttinger">Klaus Buttinger: Es wird heller um das Werk Reidingers. In: OÖNachrichten, 22. Dezember 2012; abgerufen am 23. Dezember 2012.</ref>
Erstmals veröffentlicht wurde es 1884 von Sigmund Fellöcker (1816–1887) als "Krippllied".<ref>Sigmund Fellöcker: Kripplgsangl und Kripplspiel in der oberösterreichischen Volksmundart 5, D. Haslinger, Linz 1884, S. 1.</ref> Es findet sich auch 1890 bei August Hofer.<ref>August Hofer: Weihnachtslieder aus Niederösterreich. In: Jahresbericht des nö. Landeslehrerseminars in Wiener Neustadt. Wiener Neustadt, 1890, S. 20.</ref> Veröffentlicht wurde das Lied auch mit einem vierstimmigen Satz mit Begleitung von Flöte, Klarinetten, Geigen, Cello und Bass 1913 von Franz Friedrich Kohl und Josef Reiter (1862–1939) in der Neuausgabe der Sammlung Echte Tiroler Lieder.<ref>Echte Tiroler Lieder. Band 1. Leipzig 1913, S. 24</ref> Kohl vermerkte dazu, dass er das Lied, das Vorspiel und die Instrumentalbegleitung von dem „alten Sternsinger“ Eduard Strobl († 1914) aus Hopfgarten übernommen habe.<ref>Thomas Nußbaumer: Anklöpfeln im Brixental und Raum Kitzbühel. In: Thomas Nußbaumer, Josef Sulz (Hrsg.): Musik im Brauch der Alpenländer: Bausteine für eine musikalische Brauchforschung (= Innsbrucker Hochschulschriften: Musikalische Volkskunde, Band 3). Müller-Speiser, Anif 2001, ISBN 3-85145-056-6, S. 79–100, hier S. 83 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Viktor Zack (1854–1939) wiederum übernahm das Lied von Kohl und veröffentlichte es in der Sammlung Alte Krippen- und Hirtenlieder (Graz 1918, S. 16).<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Es wird scho glei dumpa. ( vom 26. Dezember 2010 im Internet Archive) Homepage des Landes Steiermark; abgerufen am 13. Oktober 2010.</ref>
Die originale zweistimmige Melodie in der Tonart As-Dur, mit ihrer unverwechselbaren Charakteristik, ist eine eigenständige Komposition von Anton Reidinger und basiert<ref></ref> im Hauptmotiv (Auftakt und Takt 1), in Erinnerung und als eine Inspiration, auf dem Marienlied Maria zu lieben, ist allzeit mein Sinn (GL 521). Dessen Melodie ist erstmals im Paderborner Gesangbuch von 1765 überliefert, dort allerdings auf den Liedtext Mein Herz sei zufrieden.[6] Die Geschichte der Marienlied-Melodie, für ein weiteres Marienlied, reicht aber noch weiter zurück und findet sich 1697 im Mainzer Gesangbuch bei dem Lied O Jungfrau Maria.<ref></ref><ref>Wilhelm Bäumker: Das katholische deutsche Kirchenlied in seinen Singweisen. Band 3. Herder, Freiburg im Breisgau 1891, S. 219 f. (Textarchiv – Internet Archive).</ref> Diese Melodie ist erstmals im Paderborner Gesangbuch von 1765 überliefert, dort allerdings auf den Liedtext Mein Herz sei zufrieden.<ref>Hermann Kurzke, Christiane Schäfer: Mythos Maria: Berühmte Marienlieder und ihre Geschichte. C.H.Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66956-9, S. 167–193, hier S. 184 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Ab dem zweiten Takt zeigt Reidingers Melodie – im Manuskript und Erstveröffentlichung (1884) – eine punktierte Achtelnote mit folgender Sechzehntelnote, heute singt man stattdessen die sanftere „wiegendere“ Kohl-Version (1913) mit den zwei gebundenen Achtelnoten, siehe und vergleiche die zwei abgebildeten Notenbilder. Die gesamte Melodie mit ihrer Wiegenlied-Charakteristik ist unverwechselbar, und, besonders der Refrain am Schluss, ein Meisterwerk wie aus einem Guss.<ref>Sebastian H. Unterberger: Das große Servus Weihnachtsbuch. Hrsg.: Servus Verlag. Servus Verlag bei Benevento Publishing, eine Marke der Red Bull Media House GmbH, Salzburg - München 2019, ISBN 978-3-7104-0221-0, S. 138.</ref> Auch der Heimatforscher Alfred Herrmüller (* 1950) wies 2012 darauf hin, dass Reidingers Beitrag zu der Melodie über eine reine Bearbeitung hinausgeht, da er die Melodie veränderte, die Schlusszeile „Hei, hei, schlaf siaß, herzliabes Kind“ ergänzte und eine zweite Stimme hinzufügte.<ref>Alfred Herrmüller: „Es wird scho glei dumpa“: ein oberösterreichisches Lied von Anton Reidinger genannt „Der Sänger der Weihnacht“ 1839–1912. Verein „Initiative für Krenglbach“, Krenglbach 2012, DNB 1064774113.</ref><ref>Es wird scho glei dumpa - Ressortportal Schützenhöfer - Land Steiermark. 26. Dezember 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 25. Dezember 2024.</ref><ref>Christine Grüll: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />„Du dichtender Dechant“. ( vom 13. Oktober 2013 im Internet Archive) kirchenzeitung.at, 4. Dezember 2012; abgerufen am 23. Dezember 2012</ref><ref>„Es wird scho glei dumpa“ stammt aus Krenglbach! Bezirksrundschau - Krenglbach, 21. November 2011, abgerufen am 3. Dezember 2012.</ref><ref name="Buttinger" />
Melodie
<score sound="1" raw="1"> \version "2.20.0" \header {
title = "Krippllied" poet = "T: Anton Reidinger (1839–1912)" composer = "M: nach einer alten Volksweise"
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Es wird schon glei dum -- per, es wird ja schon Nacht. Drum kim i zá Dir he, mein Hei -- land áf d’Wacht; will sing -- en á Lied -- l mein Lieb -- ling den klain; du magst ja nöt schla -- fen, i her di nu wain; hei hei, hei hei! Schlaf süeß, Du schen’s Kind.
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Liedtext
<poem style="margin-left:2em; float:left;"> Reidinger 1884
Krippllied
Es wird schon gleih dumper, es wird ja schon Nacht. Drum kim i zá Dir he, mein Heiland áf d Wacht; will singer á Liedl mein Liebling den klain’. Du magst ja nöt schlafen, i hör Di nu wain’. Hei, hei! hei, hei! Schlaf süeß, Du schöns Kind!
Vogieß ietzt, o Kinnerl! Dein Kummá, Dein Laid, dáß D dadá mueßt leidn schon in Stall áf dá Haid. Es ziern ja dö Engerl Dein Liegerstatt aus; möcht schöná nöt sein – drin ön Kinig sein’ Haus. Hei, hei! hei, hei! Schlaf süeß, Du liebs Kind!
Ja, Kinnerl! Du lást halt ön Kripperl so schön! Mi ziemt, i kan niemá da wögg vo Dir gehn. I wünsch Dá vo Herzen dö süeßestö Rueh! Dö Engerl von Himmel sö döckán Di zue! Hei, hei! hei, hei! Schlaf süeß, Du guets Kind!
Schließ zue Deinö Aeugerl ön Rueh und ön Fried, und gib má zán Abschied Dein’ Sögn ná grad mit. Aft wird á mein Schláferl a soringlos sein; aft kan i mi ruehlö áf s Niedálögn gfreun! Hei, hei! hei, hei! Schlaf süeß, Du schöns Kind!<ref name="Kripplgsangl und Kripplspiel" /></poem>
<poem style="margin-left:2em; float:left;"> Mundarttext
Es wird scho glei dumpa
Es wird scho glei dumpa, es wird scho glei Nacht, drum kimm i zu dir her, mein Heiland, auf d’Wacht. Will singa a Liadl dem Liabling, dem kloan, du magst ja net schlafn, i hör’ di nur woan. Hei hei, hei hei! Schlaf süaß, herzliabs Kind!
Vergiß jetzt, o Kinderl, dein Kumma, dei Load, dass du da muasst leid’n im Stall auf da Hoad. Es ziern ja die Engerl dei Liegerstatt aus, möcht schöner net sein drin an König sein Haus. Hei hei, hei hei! Schlaf süaß, du liabs Kind!
Ja Kinderl, du bist halt im Kripperl so schön, mi ziemt, i kann nimmer da weg von dir gehn. I wünsch dir von Herzen die süaßeste Ruah, die Engerl vom Himmel, die decken di zua. Hei hei, hei hei! Schlaf süaß, du schöns Kind!
Schließ zu deine Äugerl in Ruah und in Fried und gib ma zum Abschied dein Segn no grad mit. Aft wird a mein Schlaferl a sorgenlos sein, aft kann i mi ruahli aufs Niederleg’n frei’n. Hei hei, hei hei! Schlaf süaß, mein liabs Kind!<ref>Franz Biebl (Hrsg.): Komm, wir gehn nach Bethlehem. Preissler, München 1979, S. 130. Zitiert nach: Ingeborg Weber-Kellermann: Das Buch der Weihnachtslieder. 10. Auflage. Atlantis, Zürich 2003, ISBN 3-254-08213-3, S. 96 f.</ref></poem> <poem style="margin-left:2em; float:left;"> Standarddeutscher Text
Es wird schon gleich dunkel
Es wird schon gleich dunkel, es wird ja schon Nacht, Drum komm’ ich zu dir her, mein Heiland auf d’Wacht. Will singen ein Liedlein dem Kindlein, dem kleinen. Du magst ja nicht schlafen, ich hör’ dich nur weinen. Ei, ei, ei, ei, schlaf süß, herzlieb’s Kind.
Vergiss jetzt, o Kindlein, dein’ Kummer, dein Leid, Dass du da musst leiden im Stall auf der Heid’. Es zier’n ja die Engel dein Krippelein aus, Möcht’ schöner nicht sein in dem vornehmsten Haus. Ei, ei, ei, ei, schlaf süß, herzlieb’s Kind.
O Kindlein, du liegst dort im Kripplein so schön; Mir scheint, ich kann niemals von dir dort weggehn. Ich wünsch’ dir von Herzen die süßeste Ruh’; Die Engel vom Himmel, die decken dich zu. Ei, ei, ei, ei, schlaf süß, du schön’s Kind.
Schließ zu deine Äuglein in Ruh’ und in Fried’ Und gib mir zum Abschied dein’ Segen nur mit. Dann wird auch mein Schlafen ganz sorgenlos sein, Dann kann ich mich ruhig aufs Niederleg’n freun. Ei, ei, ei, ei, schlaf süß, herzlieb’s Kind.<ref>Willi Drahts (Hrsg.): Fröhliche Weihnacht überall. Schott, Mainz 1964, S. 36. Zitiert nach: Ingeborg Weber-Kellermann: Das Buch der Weihnachtslieder. 10. Auflage. Atlantis, Zürich 2003, ISBN 3-254-08213-3, S. 96 f.</ref></poem>
Anderssprachige Versionen
Auf dem 1981er Christmas Album von Boney M. ist mit Darkness Is Falling eine englischsprachige Version des Liedes enthalten. Den Text hierfür schrieben Fred Jay und Helmut Rulofs.<ref>Boney M. - Christmas Album Album Reviews, Songs & More | AllMusic. Abgerufen am 22. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der Titel ist auch auf weiteren Weihnachtskompilationen der Band enthalten.
Siehe auch
Weblinks
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Liedtext mit Noten ( vom 19. Juli 2014 im Internet Archive; PDF; 38 kB)
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />gesungen ( vom 22. Juli 2017 im Internet Archive) (MP3); <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Quelle wie Liedtext ( vom 26. Dezember 2017 im Internet Archive)
- Es wird scho glei dumpa – Das Lied. Zipfer Advent
Einzelnachweise
<references />