Vollenschier
Vollenschier Stadt Stendal
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| Koordinaten: | Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(46)&title=Vollenschier 52° 32′ N, 11° 40′ O
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| Höhe: | 55 m | |||||
| Fläche: | 5,27 km²<ref name="HOB-12" /> | |||||
| Einwohner: | 46 (31. Dez. 2023)<ref name="EW-2023" /> | |||||
| Bevölkerungsdichte: | 9 Einwohner/km² | |||||
| Eingemeindung: | 1. Januar 1957 | |||||
| Eingemeindet nach: | Wittenmoor | |||||
| Postleitzahl: | 39576 | |||||
| Vorwahl: | 039325 | |||||
Lage von Vollenschier in Sachsen-Anhalt
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Vollenschier ist ein Ortsteil der Ortschaft Wittenmoor der Hansestadt Stendal im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt (Deutschland).<ref name="Hauptsatzung" />
Geographie
Vollenschier, ein ehemaliges Gutsdorf mit Kirche,<ref name="HP" /> liegt südwestlich von Wittenmoor und 15 Kilometer südwestlich von Stendal am Nordrand der Colbitz-Letzlinger Heide. Das Dorf ist umgeben vom Landschaftsschutzgebiet „Uchte-Tangerquellen und Waldgebiete nördlich von Uchtspringe“.<ref name="DE-ST_SAV">Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)</ref>
Nachbarorte sind Uchtspringe und Staats im Westen, Vinzelberg im Nordwesten, Kröpelwarthe und Nahrstedt im Norden, Wittenmoor im Nordosten sowie Ottersburg und Windberge im Südosten.<ref name="DE-ST_SAV">Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)</ref>
Geschichte
Mittelalter bis Neuzeit
Im Jahre 1251 wurde das Dorf Volenschere erstmals erwähnt,<ref name="Riedel-22" /> als das Kloster Neuendorf die benachbarte wüste Feldmark Vethwe den Bauern von Vollenschier per Erbpachtsvertrag überließ, wobei auf ein mögliches Wüstwerden des Dorfes Rücksicht genommen wurde. Es ist zu vermuten, dass das Dorf bald danach wüst war, denn 1278 wurde ein Peter von Voldenscher in Wollenrade genannt. Die Adelsfamilie von Voldenscher oder Vollenschier hatte möglicherweise ihren Stammsitz frühzeitig verlassen. Die Familie ist 1626 ausgestorben.<ref name="Zahn-Wüstungen" />
Im Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 wird das Dorf als Volentscher aufgeführt,<ref name="Landbuch" /> das ganze Dorf war wüst gewesen. Es umfasste 36 Hufen, von denen der Pfarrer 2 Hufen hatte und 12 Hufen noch wüst waren. Das Dorf wurde 1375 von 5 Bauern mit 12 Hufen wieder bewirtschaftet, welche ein, zwei oder drei Freijahre hatten.<ref name="Zahn-Wüstungen" /> Aber das Dorf wurde wieder wüst. Die Stendaler Bürger Ebeling und Lemke Ebeling verkauften 1391 an Dekan und Kapitel von St. Nikolaus in Stendal mit Zustimmung des zuständigen Archidiakons eine kleine Glocke von der Kirche des wüsten Dorfes Volenscher.<ref name="Riedel-5" /> 1484 erhielt Gebhard von Alvensleben die wuste dorfstedt zu voldenscher als Lehen.<ref name="Riedel-17" /> 1598 hieß es das wuste dorff Voldenschier.
1670 verkaufte nun Jacob von Alvensleben mit Genehmigung seiner Brüder die wüste Feldmark an den Georg Wilhelm Scharden wiederkäuflich auf 20 Jahre. Scharden, dem auch die Kröpelwarthe gehörte, ließ ein Vorwerk und später das Gut Vollenschier anlegen, das 1719 wieder den von Alvensleben gehörte.<ref name="Zahn-Wüstungen" /> 1708 gab es eine Schäferei auf der wüsten Feldmark, 1711 lebte dort ein Pachtschäfer.<ref name="HOB-12" /> 1775 gab es dann das adlige Gut Vollenschier oder Wollenscher.<ref name="Büsching" />
Vollenschier wechselte dann häufig den Besitzer. Ab dem 18. Jahrhundert sind als Eigentümer Oberamtmann Giesecke, Adolf von Miakowsky und zuletzt Friedrich Wilhelm Karl von Kröchern überliefert. Die Familie von Kröchern war von 1854 bis 1907 Eigentümer. Der noch heute erhaltene Gutshof Vollenschier wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut. Vollenschier verfügte über eine eigene Schule. 1869 wurde das zum Gut gehörende Schloss Vollenschier gebaut.
Ab 1870 bestand unweit des Dorfes eine Ziegelei, die vor Ort gewonnenen Lehm zu Steinen verarbeitete.
Im Zweiten Weltkrieg kamen Flüchtlinge aus Duisburg im Ort unter. Die Einwohnerzahl stieg dabei zeitweise auf über 300 Personen an. Im Sommer 1945 wurde das Gut enteignet und als Volksgut weitergeführt. Nach dem Ende der DDR wurde der Betrieb des Gutes 1990/1991 zunächst eingestellt. Später wurde das Gut privatisiert und ab 2004 wieder landwirtschaftlich genutzt.
Kröpelwarthe
Zum Schutz vor Überfällen wurden durch den Stendaler Magistrat die einen Kilometer nördlich des Dorfes liegende Kröpelwarthe und die sechs Kilometer nordwestlich liegende Deetzer Warte erbaut, die zu einem sich von Klinke bis Ottersburg ziehenden Schanzenwall gehörten. Beckmann schrieb 1753, dass der Magistrat die beiden Warten im Jahre 1409 erbauen ließ.<ref name="Beckmann-1" /> Während der Wall bei Vollenschier in Resten noch heute erhalten ist, wurde die Kröpelwarthe 1834 abgerissen.
Herkunft des Ortsnamens
Der Name des Orts ist deutschen Ursprungs. Abgeleitet von den Begriffen „Volenschere“, „volmerschere“ und „volensher“ weist der Ortsname auf die lange in der Gegend betriebene Schafzucht hin.<ref name="HP" /> Das Wappen der von Vollschier, die in Wollenrade lebten, soll nach Angaben von Ledebur eine Schafschere, wörtlich: „ein Krump- oder Wollenscheer-Eisen“ gezeigt haben.<ref name="Ledebur-III" /> Das Wappen im Siebmacher zeigt allerdings einen Anker oder ein Wolfseisen.<ref name="Siebmacher-VI" />
Eingemeindungen
Ursprünglich gehörte das Rittergut Vollenschier zum Tangermündeschen Kreis der Mark Brandenburg in der Altmark. Zwischen 1807 und 1813 lag es im Kanton Lüderitz auf dem Territorium des napoleonischen Königreichs Westphalen. Nach weiteren Änderungen gehörte das Gut ab 1816 zum Kreis Gardelegen, dem späteren Landkreis Gardelegen.<ref name="HOB-12" />
1885 war Vollenschier kein Rittergut mehr, sondern eine Landgemeinde. Nach 1895 wurde die Kröpelwarthe der Gemeinde zugeordnet.<ref name="HOB-12" /> 1909 wurde einige Grundstücke der Gemeinde an Staats und Vinzelberg abgetreten.<ref name="AB-RB-Magdeburg-1909" /> Am 1. April 1910 wurde die Landgemeinde Vollenschier mit ihrem Wohnplatz Kröpelwarthe in einen Gutsbezirk umgewandelt.<ref name="AB-RB-Magdeburg-1910" /> Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Vollenschier mit der Landgemeinde Staats zur Landgemeinde Staats vereinigt.<ref name="AB-RB-Magdeburg-1928" /> Bereits am 1. Mai 1932 wurde die Landgemeinde Vollenschier aus dem Ortsteil Vollenschier der Landgemeinde Staats neu gebildet.<ref name="AB-RB-Magdeburg-1932" />
Am 25. Juli 1952 kam die Gemeinde Vollenschier aus dem Landkreis Gardelegen zum neuen Kreis Stendal. Am 1. Januar 1957 erfolgte die Auflösung der Gemeinde Vollenschier durch Eingemeindung in die Gemeinde Wittenmoor.<ref name="Metzler-Poeschel" /> Am 1. Januar 2010 erfolgte Eingemeindung von Wittenmoor nach Stendal.<ref name="AB-SDL" /> Vollenschier kam damit als Ortsteil zur Hansestadt Stendal und zur neu errichteten Ortschaft Wittenmoor.
Einwohnerentwicklung
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Quelle, wenn nicht angegeben, bis 1946:<ref name="HOB-12" />
Religion
- Die evangelische Kirchengemeinde Vollenschier gehörte früher zur Pfarrei Staats bei Vinzelberg.<ref name="Almanach1903" /> Sie wird heute betreut vom Pfarrbereich Kloster Neuendorf im Kirchenkreis Salzwedel im Bischofssprengel Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.<ref name="Pfarrbereich" /> Die ältesten überlieferten Kirchenbücher für Vollenschier stammen aus dem Jahre 1655.<ref name="Machholz" />
- Die katholischen Christen gehören zur Pfarrei St. Anna in Stendal im Dekanat Stendal im Bistum Magdeburg.<ref name="Bistum-MD" />
Kultur und Sehenswürdigkeiten
- Die evangelische Gutskirche Vollenschier wurde von 1875 bis 1877 von Conrad Wilhelm Hase im Auftrag der Familie von Kröcher erbaut. Erst 1992 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt.<ref name="Altmarkkirchen" /><ref name="HP" /> Der Förderverein „Vollenschierer Kirche“ kümmert sich um die Erhaltung und Sanierung der Kirche,<ref name="Förderverein" /> deren originale Inneneinrichtung erhalten ist. Das Dach wurde saniert, dann die Fassade, das Turmdach, die Buntglasfenster und die Orgelempore.<ref name="VS" />
- Der Ortsfriedhof ist auf dem Kirchhof.
- Der Gutspark Vollenschier ist seit 1971 ein geschützter Park.<ref name="DE-ST_SAV">Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)</ref>
Persönlichkeiten
- Heinrich Ludwig Christian von Bornstedt (1763–1815), preußischer Leutnant, Forstinspektor und Landrat
Literatur
- Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/9783830522355 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.
- Vorlage:BibOCLC
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Weblinks
- Hansestadt Stendal: Ortschaften der Hansestadt Stendal. In: stendal.de. 9. Juli 2020.
- Vollenschier im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für Computergenealogie
Einzelnachweise
<references> <ref name="AB-RB-Magdeburg-1909">Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1909, ZDB-ID 3766-7, S. 106, Nr. 452.</ref>
<ref name="AB-RB-Magdeburg-1910">Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1910, ZDB-ID 3766-7, S. 5.</ref>
<ref name="AB-RB-Magdeburg-1928">Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1928, ZDB-ID 3766-7, S. 201.</ref>
<ref name="AB-RB-Magdeburg-1932">Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1932, ZDB-ID 3766-7, S. 121.</ref>
<ref name="AB-SDL">Landkreis Stendal: Gebietsänderungsvertrag über die Eingemeindung der Gemeinde Wittenmoor in die aufnehmende Stadt Stendal. In: Amtsblatt für den Landkreis Stendal. 19. Jahrgang, Nr. 20, 19. Oktober 2009, ZDB-ID 2665593-7, S. 283–284 (landkreis-stendal.de [PDF; 1,4 MB; abgerufen am 17. November 2020]).</ref>
<ref name="Almanach1903">Vorlage:PfarrAlmanachProvinzSachsen1903</ref>
<ref name="Altmarkkirchen">Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/9783981403954 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.</ref>
<ref name="Beckmann-1">Johann Christoph Becmann, Bernhard Ludwig Beckmann: Historische Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg. Band 2. Berlin 1753, 5. Teil, 1. Buch, II. Kapitel, Spalte 257 (uni-potsdam.de).</ref>
<ref name="Bistum-MD">Bistum Magdeburg, Online-Bistumskarte. 2013, abgerufen am 22. November 2020.</ref>
<ref name="Büsching">Anton Friedrich Büsching: Vollständige Topographie der Mark Brandenburg. Berlin 1775, S. 295 (Digitalisat).</ref>
<ref name="EW-2012-2014">Bernd-Volker Brahms: Erstmals seit der Wende ein Plus. In: Stendaler Volksstimme. 13. Januar 2015, S. 13.</ref>
<ref name="EW-2019">Donald Lyco: Nach zehn Jahren wieder unter 40.000. In: Stendaler Volksstimme. 10. Januar 2020, S. 13.</ref>
<ref name="EW-2021">Donald Lyko: Und es werden immer weniger. In: Stendaler Volksstimme, Der Altmärker. 11. Januar 2022, DNB 1002381223, S. 13.</ref>
<ref name="EW-2022">Yulian Ide: Hurra! Wir wachsen wieder! In: Stendaler Volksstimme, Biese-Aland-Kurier. 21. Januar 2023, DNB 1047269554, S. 19–20.</ref>
<ref name="EW-2023">Leon Zeitz: Einwohnerzahl geht zurück. In: Stendaler Volksstimme, Der Altmärker. 16. Januar 2024, DNB 1002381223, S. 13.</ref>
<ref name="Hauptsatzung"> Hansestadt Stendal: Hauptsatzung der Hansestadt Stendal. Lesefassung vom Stand 2. März 2024. 2. März 2024 (stendal.de [PDF; abgerufen am 30. Juni 2024]). </ref>
<ref name="HOB-12">Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/9783830522355 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.</ref>
<ref name="HP">Hansestadt Stendal: Ortschaften der Hansestadt Stendal. In: stendal.de. 9. Juli 2020, abgerufen am 5. Dezember 2020.</ref>
<ref name="Förderverein">Vollenschierer Kirche e. V. Abgerufen am 6. Dezember 2020.</ref>
<ref name="Landbuch">Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Band 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, S. 362 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />uni-potsdam.de ( vom 4. Februar 2021 im Internet Archive)).</ref>
<ref name="Ledebur-III">Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie. Band III, 1855, S. 132 (Digitalisat).</ref>
<ref name="Machholz">Vorlage:Kirchenbücher Provinz Sachsen 1925</ref>
<ref name="Metzler-Poeschel">Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/3824603217 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.</ref>
<ref name="Riedel-5">Vorlage:CodexDiplBrandenbgTeilA</ref>
<ref name="Riedel-17">Vorlage:CodexDiplBrandenbgTeilA</ref>
<ref name="Riedel-22">Vorlage:CodexDiplBrandenbgTeilA</ref>
<ref name="Pfarrbereich">Pfarrbereich Kloster Neuendorf. In: ekmd.de. Abgerufen am 7. April 2023.</ref>
<ref name="Siebmacher-VI">Siebmachers's großes Wappenbuch, Band 6, Abt. 5, Tafel 60 und S. 99, auf Siebmachers Wappenbücher im CERL</ref>
<ref name="Zahn-Wüstungen">Wilhelm Zahn: Die Wüstungen der Altmark. In: Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete. Band 43. Hendel, Halle a.S. 1909, S. 231–234, Nr. 239 (uni-jena.de).</ref>
<ref name="VS">Nora Knappe: Versteckt und voll Erstaunlichem. Verein hat sich Kirche Vollenschier zum Herzensanliegen gemacht. In: Stendaler Volksstimme. 22. Juni 2019, S. 17.</ref> </references>
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