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Betzingen

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Betzingen
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Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(11206)&title=Betzingen 48° 30′ N, 9° 11′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(11206) 48° 29′ 58″ N, 9° 10′ 37″ O
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Höhe: 347 m
Fläche: 7,84 km²
Einwohner: 11.206 (Mai 2022)<ref>Einwohnerzahl | Stadt Reutlingen. Abgerufen am 25. September 2022.</ref>
Bevölkerungsdichte: 1.429 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1907
Postleitzahl: 72770
Vorwahl: 07121

Betzingen ist nach Reutlingen-Mitte der einwohnerstärkste Stadtteil von Reutlingen in Baden-Württemberg. Obwohl bereits 1907 von Reutlingen eingemeindet und inzwischen sehr verstädtert und industrialisiert und mit Reutlingen komplett zusammengewachsen, weist der Ort mit rund 11.000 Einwohnern noch ursprüngliche und ländliche Züge auf.

Geographie

Geographische Lage

Datei:Rathaus-Betzingen-Reutlingen-2008.jpg
Betzinger Rathaus, 2008

Betzingen liegt im Echaztal zwischen den Städten Reutlingen und Tübingen auf einer Höhe von 360 m ü. NHN. Im Ortskern mündet der, aus nördlicher Richtung kommende, Leyrenbach<ref>Fiat stürzt in den Betzinger Leyrenbach. Reutlinger Generalanzeiger, 12. Oktober 2017, abgerufen am 10. April 2022.</ref> (im 19. Jahrhundert auch „Leirenbach“ geschrieben<ref>vlg. Johann Daniel Georg von Memminger: Beschreibung des Oberamts Reutlingen (1824) bei Google Books oder Wikisource</ref>) in die Echaz. Weiter flussabwärts, beim Betzinger Friedhof, mündet der Breitenbach von Süden kommend in die Echaz.

Nachbarorte

Folgende Städte und Gemeinden sowie Ortsteile grenzen an Betzingen (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden). Die Gemeinden liegen im Landkreis Reutlingen und Tübingen:

Degerschlacht, Reutlingen, Ohmenhausen, Kusterdingen (Landkreis Tübingen), Jettenburg (Landkreis Tübingen) und Wannweil.

Geschichte

Frühgeschichte und Mittelalter

Erste Spuren menschlicher Besiedlung in Betzingen gibt es aus der Hallstattzeit (700–500 v. Chr.) mit mehreren Funden, vor allem Grabhügel. Auch die Römer siedelten sich an diesem Ort an, so wurde 1905 bei Ausgrabungsarbeiten eine römische Villa entdeckt.<ref>Ludwig Sontheimer: Eine römische Villa bei Betzingen - ausgegraben im September und Oktober 1905. Abgerufen am 4. Mai 2025.</ref> Der Ortsname mit Endung -ingen lässt auf eine Gründung durch die Alamannen im 5. oder 6. Jahrhundert n. Chr. schließen.<ref name="reutlingen.de"/> Die erste urkundliche Erwähnung von „Beczingin“ datiert auf den 12. März 1258, in der Heinrich Vink und sein Sohn Werner von der Burg Dettingen ihren Besitz an das Klarissenkloster Pfullingen übertragen.<ref name="reutlingen.de"/> 1275 wird die Mauritiuskirche im Zehntregister der Diözese Konstanz erwähnt.<ref name = 'helber' />

Ab dem 15. Jahrhundert ging Betzinger Grund, durch Verkauf oder Stiftung, in Reutlinger Besitz über, so dass Reutlingen zunehmend Ortsherrschaft erhielt. Die Zugehörigkeit Betzingens zu Reutlingen ist in einer Urkunde von 1480 belegt<ref name="reutlingen.de"/> und wurde später in einer weiteren Urkunde des römisch-deutschen Königs und späteren Kaisers Maximilian I. vom 8. August 1497 bestätigt.

Ab dem 17. Jahrhundert wurde die wirtschaftliche Situation schlechter, teils durch Abgaben der Bauern, teils durch Aufteilung der Höfe durch Erbe und teils durch Kriege wie den Dreißigjährigen Krieg, in dem Betzingen weitgehend zerstört wurde<ref name="reutlingen.de"/> und die Bürger Schutz im befestigten Reutlingen suchten.<ref name = 'helber' /> Einige Kleinbauern begannen ein Handwerk, vor allem die Weberei, auszuüben.<ref name="reutlingen.de"/>

Ende des Heiligen Römischen Reichs und Industrielle Revolution

Nach dem Ende der reichsstädtischen Zeit Reutlingens wurde Betzingen, das damals rund 1000 Einwohner hatte, 1803 selbstständige Gemeinde des Oberamts Reutlingen.<ref name="reutlingen.de"/>

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in Betzingen mehrere (Textil-)Fabriken gegründet: 1846 die Spinnerei und Zwirnerei Schickhardt, 1847 die Baumwollweberei August Knapp, später die Zwinnerei Wilhelm Marggraff, der Textilfabrik-Zulieferer C.C. Egelhaaf, die Cordweberei Hermann Schmidt und 1869 die Textilfabrik Ulrich Gminder (zwischen Betzingen und Reutlingen).<ref name = 'helber' /> Mit Errichtung dieser Fabriken und dem Anschluss an die Eisenbahn 1861 wurde die wirtschaftliche Situation wieder besser.<ref name="reutlingen.de"/> Betzingen wandelte sich so von einem „Bauern- und Weberdorf zu einer Arbeiterwohngemeinde.“<ref name="reutlingen.de"/> Um 1900 gab es ca. 400 Arbeitsplätze in den Fabriken, Landwirtschaft und selbstständige Tätigkeit nahmen ab; ungefähr ein Viertel der Einwohner war zugezogen.<ref name = 'helber' /> Die wirtschaftliche Verflechtung und räumliche Nähe zu Reutlingen, sowie große öffentliche Aufgaben (Straßenbau, Kanalisation, Wasserversorgung) waren Gründe für die Eingemeindung Betzingens nach Reutlingen am 1. April 1907.<ref name="reutlingen.de"/>

Zwischen den 1840 und den 1890er Jahren bestand die Betzinger Künstlerkolonie.

Nach der Eingemeindung 1907 und Drittes Reich

Von 1912 bis 1967 war der Stadtteil ferner durch die Straßenbahn Reutlingen mit der Kernstadt verbunden. Die Esslinger Holz- und Eisenwaren Wilhelm Heim pachtete ab 1936 das Gelände der Zwirnerei Schickhardt (heute Wannweiler Straße 11).<ref name = 'bomben'>Holger Lange: Bomben auf Betzingen. Reutlinger Nachrichten via PressReader, 9. März 2019, abgerufen am 10. April 2022.</ref> Zunächst wurden dort Spinde für die Wehrmacht hergestellt und ab 1943 Flügel für die V1 – unter Ausnutzung von mindestens 450 Zwangsarbeitern.<ref name = 'bomben' /> Die (Textil-)Fabriken waren Ziele der Luftangriffen der Alliierten auf das Deutsche Reich. Der erste Angriff auf Betzingen erfolgte am 16. März 1944.<ref>Kriegsende! Kriegsende? Reutlingen nach 1945. museum-digital, abgerufen am 10. April 2022.</ref> Am 20. April 1945 ging Oskar Kalbfell in Betzingen den aus Tübingen anrückenden französischen Truppen (1. Armee) mit weißer Flagge entgegen und konnte so weiteren Schaden von Reutlingen abwenden.

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner<ref name = 'helber' />
~1800 1.000
~1860 1.500
~1885 2.000
~1900 3.000
1946 4.800
2015 11.471

Politik

Wappen

Das Wappen zeigt zwei nebeneinander stehende Bäume, die in der Heraldik als Tannen angesehen werden.<ref name="reutlingen.de"/><ref>Otto von Alberti: Württembergisches Adels- und Wappenbuch. Heft 16: Figurenregister von Albert Freiherrn v. Botzheim. Internet Archive, 1889, S. 112, abgerufen am 14. April 2022.</ref><ref>Helmut Schepper: Wappenbuch Landkreis Reutlingen – Die Städte- und Gemeindewappen. Münsingen 2001, ISBN 3-9805531-4-0.</ref> Das Siegel von Eberhard von Betzingen an einer Urkunde aus dem Jahr 1341 und Zeichnung im Württembergischen Adels- und Wappenbuch wurde in den 1960er Jahren als Betzinger Wappen aufgegriffen. Da Betzingen bereits 1907 nach Reutlingen eingemeindet worden war, besaß es nie Rechtsgültigkeit. 1994 wurde das erste Mal eine Fahne mit dem Wappen vor dem Betzinger Rathaus gehisst.<ref name="reutlingen.de"/>

Tracht

Seit dem 19. Jahrhundert ist die Betzinger Tracht über den Ort hinaus bekannt. Sie war bei Malern, Fotografen, auf Trachtenumzügen und am Württemberger Hofe durch Wilhelm II. beliebt. Die Betzinger konnten durch das Präsentieren der Tracht Geld verdienen. Im 20. Jahrhundert wurde sie noch auf Hochzeiten getragen, im 21. Jahrhundert auf Volksfesten.

Sehenswürdigkeiten

  • Umweltbildungszentrum Listhof
  • Heimatmuseum „Im Dorf

Bauwerke

Trippel

Typisch für Betzinger Bauernhäuser war der Trippel, eine „[...] steile Freitreppe [...]. Vermutlich um Raum zu sparen wurde der Aufgang zur Wohnung im ersten Obergeschoss ins Freie verlegt.“<ref>Museum 'Im Dorf' Betzingen -> Rundgang. Website der Stadt Reutlingen, abgerufen am 11. Juli 2022.</ref>

Organisationen

  • In der Hoffmannschule (Grund- und Hauptschule) werden rund 560 Schüler unterrichtet.
  • Der TSV Betzingen ist der größte Sportverein in Betzingen, er ist in 14 Sparten aufgeteilt. Darunter auch eine BMX Bundesligamannschaft sowie mehrere Fußballmannschaften in verschiedenen Klassen. Die Handballmannschaften sind bis zur Oberliga Württemberg vertreten.
  • Betzinger Sängerschaft, 1837 als Gesangsverein für Betzinger Männer. 1909 um einen Frauen- und gemischten Chor erweitert.<ref name = 'helber'>Ingrid Helber: Die Betzinger Tracht. Anmut, Stolz und Selbstbewusstsein. Schwäbischer Albverein Ortsgruppe Betzingen, Betzingen 2015, ISBN 978-3-939775-53-9.</ref>
  • Musikverein Betzingen, gegründet 1903.<ref name = 'helber' />

Söhne und Töchter

Literatur

Weblinks

Commons: Betzingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references responsive> <ref name="reutlingen.de"> Geschichte Betzingens. Stadt Reutlingen, abgerufen am 14. April 2022. </ref> </references>

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