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Woodwardit

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Woodwardit
Datei:Woodwardite-237529.jpg
Blaugrünes Woodwardit-Aggregat aus Cornwall, England (Größe: 2,9 × 1,8 × 0,7 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Wwd<ref name="Warr" />

Chemische Formel
  • (Cu1−xAlx)(SO4)x/2(OH)2·nH2O (x < 0.5, n < 3x/2)<ref name="IMA-Liste" />
  • ~ [(Cu,Al)9(OH)18][(SO4)2·nH2O]<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfate (einschließlich Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate)
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VI/D.08-040<ref name="Lapis" />

7.DD.35
31.02.02.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem trigonal (pseudohexagonal)
Kristallklasse; Symbol ditrigonal-skalenoedrisch; 32/m
Raumgruppe R3m (Nr. 166)Vorlage:Raumgruppe/166<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 3,06 Å; c = 25,3 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 1/3<ref name="StrunzNickel" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2<ref name="Lapis" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,38<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit nicht definiert
Farbe grünlichblau, türkisblau<ref name="Handbookofmineralogy" />
Strichfarbe blassblau<ref name="Lapis" />
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend<ref name="Handbookofmineralogy" />
Glanz nicht definiert
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,552 bis 1,571<ref name="Mindat" />
nβ 1,555 bis 1,574<ref name="Mindat" />
nγ 1,565 bis 1,576<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,013<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig positiv

Woodwardit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfate (einschließlich Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate)“ mit der chemischen Zusammensetzung (Cu1−xAlx)(SO4)x/2(OH)2·nH2O (x < 0.5, n < 3x/2)<ref name="IMA-Liste" /> und damit ein wasserhaltiges Kupfer-Aluminium-Sulfat mit zusätzlichen Hydroxidionen.

Woodwardit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem und entwickelt meist faserige oder kugelig-traubige Mineral-Aggregate von grünlichblauer bis türkisblauer Farbe und blassblauer Strichfarbe.

Etymologie und Geschichte

Datei:Samuel Pickworth Woodward. Reproduction of lithograph. Wellcome V0006377 crop.jpg
Namensgeber Samuel Pickworth Woodward

Erstmals entdeckt wurde Woodwardit in Mineralproben aus Cornwall in England (Vereinigtes Königreich). Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch Arthur Herbert Church, der das Mineral nach Samuel Pickworth Woodward (1821–1865), einem englischen Geologen und Naturforscher, benannte. Church veröffentlichte seine Entdeckung 1866 im Fachmagazin „Journal of the Chemical Society“.<ref name="Church" />

Da der Woodwardit bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Woodwardit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Woodwardit lautet „Wwd“.<ref name="Warr" />

Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" />

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Woodwardit noch nicht eingeordnet. Hugo Strunz führt ihn im Inhaltsverzeichnis der 8. Auflage seines zusammen mit Christel Tennyson überarbeiteten Werks Mineralogische Tabellen als Mineral mit zweifelhaftem Status und möglicherweise ähnlich dem Lettsomit (heute: Cyanotrichit) als sogenanntes Metakolloid.<ref name="StrunzTennyson" />

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VI/D.08-040. Dies entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate, Molybdate und Wolframate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Sulfate, mit fremden Anionen“, wo Woodwardit zusammen mit Bechererit, Camérolait, Carbonatcyanotrichit, Carrboydit, Chalkoalumit, Cyanotrichit, Glaukokerinit, Hydrombobomkulit, Hydrowoodwardit, Kyrgyzstanit, Mbobomkulit, Nickelalumit, Spangolith, Zincowoodwardit und Zinkaluminit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VI/D.08 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Woodwardit ebenfalls in die Abteilung „Sulfate (Selenate usw.) mit zusätzlichen Anionen, mit H2O“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und der Kristallstruktur. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; Lagen von kantenverknüpften Oktaedern“ zu finden, wo es zusammen mit Carrboydit, Glaukokerinit, Honessit, Hydrohonessit, Hydrowoodwardit, Motukoreait, Mountkeithit, Natroglaukokerinit, Nikischerit, Shigait, Wermlandit, Zincowoodwardit und Zinkaluminit sowie den nicht anerkannten Verbindungen SO4-Hydrotalcit-8.8Å, SO4-Hydrotalcit-11Å und CO3-SO4-Hydrotalcit-18.5Å die „Woodwarditgruppe“ mit der Systemnummer 7.DD.35 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Woodwardit die System- und Mineralnummer 31.02.02.01. Das entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen mit (A+B2+)6(XO4)Zq × x(H2O)“ in der „Woodwarditgruppe“, in der auch Hydrowoodwardit, Zincowoodwardit, Zincowoodwardit-1T und Zincowoodwardit-3R eingeordnet sind.

Kristallstruktur

Woodwardit kristallisiert trigonal in der Raumgruppe R3m (Raumgruppen-Nr. 166)Vorlage:Raumgruppe/166 mit den Gitterparametern a = 3,06 Å und c = 25,3 Å sowie 1/3 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Bildung und Fundorte

Datei:Woodwardite-22076-6 (Henk Smeets, tomeikminerals).jpg
Grüne, kugelige Woodwardit-Aggregate auf Matrix aus der Juliushütte bei Astfeld, Niedersachsen, Deutschland Sichtfeld 0,3 mm
Datei:Woodwardite-16331-4 (Henk Smeets, tomeikminerals).jpg
Blaugrüne, faserig-kugelige Woodwardit-Aggregate aus der Hilarion Mine, Kamariza, Griechenland (Sichtfeld 6 mm)

Woodwardit bildet sich als seltenes Sekundärmineral in der Oxidationszone von Kupfer-Lagerstätten.

Als seltene Mineralbildung konnte Woodwardit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 70 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2026).<ref name="Fundorte" />

In Deutschland fand sich Woodwardit bisher unter anderem in der Grube Haus Baden bei Sehringen (Gemeinde Badenweiler) in Baden-Württemberg, auf den Halden der Juliushütte bei Astfeld und im Schlackental bei Oberschulenberg in Niedersachsen, in den Gruben Bastenberg bei Ramsbeck und Thalburg bei Heiligenhaus sowie der Zinkhütte Genna (Iserlohn) in Nordrhein-Westfalen, in der Erzgrube Bischofsheim bei Hockweiler in Rheinland-Pfalz, den Gruben Das Aufgeklärte Glück im Thumkuhlental bei Hasserode und Luise im Krummschlachttal bei Rottleberode in Sachsen-Anhalt sowie in Gruben und Schächten bei Geyersdorf, Beierfeld, Lauta (Marienberg), Gehringswalde und Bärenhecke in Sachsen.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, Frankreich, Griechenland, Italien, Japan, Österreich, Sambia, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).<ref name="Fundorte" />

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Commons: Woodwardite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Woodwardit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung;
  • David Barthelmy: Woodwardite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 10. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • IMA Database of Mineral Properties – Woodwardite. In: rruff.net. RRUFF Project; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • Woodwardite search results. In: rruff.net. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF); (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).

Einzelnachweise

<references> <ref name="Church"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Woodwardit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 10. Februar 2026. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Vorlage:IMA-Liste </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – W. (PDF 126 kB) Commission on Museums (IMA), 10. Februar 2021, abgerufen am 18. Februar 2026 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="Mindat"> Woodwardite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 10. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="StrunzTennyson"> Karl Hugo Strunz, Christel Tennyson: Mineralogische Tabellen. 8. Auflage. Akademische Verlagsgesellschaft Geest & Portig KG, Leipzig 1982, S. 589, Woodwardit ?, ≈ Lettsomit (?), metakolloid. </ref> <ref name="Warr"> </ref> </references>