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Justin Sonder

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Datei:C Justin-Sonder 4105.jpg
Justin Sonder im Jahr 2016

Justin Sonder (* 18. Oktober 1925 in Chemnitz; † 3. November 2020 ebenda) war ein deutscher Überlebender des KZ Auschwitz und Zeitzeuge.

Leben

Kindheit

Justin Sonder wurde als Sohn einer Hausfrau, Cäcilie, genannt Zita (ermordet 1943 in Auschwitz-Birkenau), und eines Kaufmanns, Leo Sonder (1899–1949)<ref>Stolpersteine in Chemnitz. Leo Sonder. auf chemnitz.de; abgerufen am 24. Januar 2025</ref>, in der Industriestadt Chemnitz geboren. Seine Eltern waren etwa ein Jahr vorher aus Unterfranken nach Chemnitz gezogen. Bereits in jungen Jahren mit dem wachsenden Antisemitismus konfrontiert, musste er in Chemnitz die Pogromnacht am 9. November 1938 miterleben. Justin Sonder begann nach dem Schulabschluss 1941 eine Lehre als Koch.

Verfolgung im Nationalsozialismus

Datei:Gedenkstätte-bei-Wetterfeld.jpg
Gedenkstätte bei Wetterfeld für Sonder und andere Überlebende: Vor dem Holzkreuz sind drei Tafeln mit dem Davidstern, einem westlichen und einem orthodoxen Kreuz aufgestellt.

Schon im Herbst desselben Jahres wurde er zur Zwangsarbeit in einem Rüstungsbetrieb verpflichtet. Am 27. Februar 1943 wurde er wegen seiner jüdischen Herkunft polizeilich festgenommen. Er kam zuerst in das Judenlager Hellerberg und wurde am 3. März von Dresden aus nach Auschwitz überführt, wo er an der Rampe für das KZ Auschwitz III Monowitz selektiert wurde. Sonder erhielt die Häftlingsnummer 105027 eintätowiert. Insgesamt überlebte er in Auschwitz 17 Selektionen.<ref>Klaus Hillenbrand: Auschwitz-Prozess in Detmold: Keine „guten SSler“ erlebt. In: taz.de. 12. Februar 2016, abgerufen am 4. November 2020.</ref> Kurz vor Befreiung von Auschwitz wurde er am 18. Januar 1945 nach Gleiwitz auf einen Todesmarsch geschickt und schließlich auf offenen Kohlewaggons mit weiteren 7000 Häftlingen deportiert. Er kam am 26. Januar 1945 im KZ Flossenbürg an, wurde von dort aus am 16. April 1945 auf einen weiteren Todesmarsch in Richtung KZ Dachau geschickt und letztlich am 23. April 1945 nahe Wetterfeld von US-amerikanischen Soldaten befreit. Er war einer der wenigen Überlebenden von Auschwitz und der Todesmärsche von Flossenbürg. Wenige Hundert Meter davon wurden auch 597 Ermordete des Todesmarsches begraben.<ref name="2 Leben">Nachruf auf Auschwitz-Überlebenden: Die zwei Leben des Justin Sonder. In der TAZ (Online-Ausgabe) vom 9. November 2020; abgerufen am 12. November 2020.</ref> Durch Zufall traf er kurze Zeit später seinen Vater Leo Sonder in Hof wieder, der aus dem KZ Dachau befreit worden war.<ref>Justin Sonder: In dieser Stadt soll Frieden herrschen (Interview) auf chemnitz.de; abgerufen am 24. Januar 2025.</ref> Seine Mutter Cäcilie wurde wie 21 andere Verwandte im Holocaust ermordet.<ref name="2 Leben" />

Karriere bei der Kriminalpolizei

Nachdem Sonder am 19. Juni 1945 nach Chemnitz zurückgekehrt war, schlug er eine Laufbahn in der sächsischen Landespolizei ein. Bereits im Oktober 1945 war er Revierschutzmann auf Prüfung und wurde danach Wachtmeister in Chemnitz. 1947 wurde er in den Kriminaldienst übernommen, 1952 Leiter eines Kommissariates und war von 1956 bis 1985 Dezernatsleiter für schwere Verbrechen.<ref name="GBS Chemnitz">Justin Sonder: Meine illegale Arbeit im KZ Auschwitz. In: Geschichtsbaustelle Chemnitz. Klinke e. V. Chemnitz, abgerufen am 3. November 2020.</ref>

Politisches und gesellschaftliches Engagement

Sonder trat 1945 in die SPD ein und wurde nach deren Vereinigung von KPD und SPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands Mitglied der SED. Er engagierte sich in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und war zeitweise deren Landesvorsitzender in Sachsen. 1947 trat er zudem in die FDJ ein.<ref name="GBS Chemnitz" /> Er berichtete noch im Alter von über 90 Jahren an Schulen über die Verfolgung der Juden in der Zeit des Nationalsozialismus.

Sonder gehörte als von der Partei Die Linke in Sachsen nominiertes Mitglied der 13. Bundesversammlung an. 2011 war er Teil der Delegation, als mit dem damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff erstmals ein deutscher Bundespräsident bei den Gedenkfeiern in Auschwitz sprach. 2015 erhielt er die Ehrenmedaille des Internationalen Auschwitz-Komitees für sein Aufklärungs- und Präventionsarbeit zum Holocaust und gegen das Vergessen.

Im Februar 2016 reiste Sonder 90-jährig nach Detmold, um als Zeuge im Prozess gegen den 94-jährigen ehemaligen SS-Unterscharführer Reinhold Hanning auszusagen, der als Wachmann in Auschwitz arbeitete.<ref>Hans Holzhaider: Auschwitz – „Du denkst die ganze Zeit: Gelingt es mir noch einmal, zu überleben?“ In: sueddeutsche.de. 10. Februar 2016, abgerufen am 4. November 2020.</ref>

Am 21. April 2017 wurde ihm die Auszeichnung als Chemnitzer Ehrenbürger zuteil „in Anerkennung seines unermüdlichen Engagements, mit dem er als einer der wenigen Auschwitz-Überlebenden und als einer der letzten Zeitzeugen überhaupt die Erinnerung an die Gräueltaten des nationalsozialistischen Regimes wachhält.“<ref name="PresseChemnitz">Pressestelle der Stadt Chemnitz, 10. Dezember 2020, zur Trauerfeier.</ref>

Privates

Sonder war verheiratet und hatte eine Tochter und zwei Söhne.<ref>Olaf Glöckner: Porträt der Woche: „Ich erinnere mich genau“. Justin Sonder hat Auschwitz überlebt und tritt in Detmold als Nebenkläger auf. In: Jüdische Allgemeine. 14. Juni 2016, abgerufen am 4. November 2020.</ref> Er verstarb wenige Tage nach seinem 95. Geburtstag in einer Chemnitzer Pflegeeinrichtung.<ref>Hendrik Lasch: Die Erwartungen eines Überlebenden. Von Chemnitz nach Auschwitz und zurück: Justin Sonder ist im Alter von 95 Jahren gestorben. In: nd. „Der Tag“ vom 12. November 2020, S. 12</ref><ref>Ehrenbürger und Überlebender des KZ Auschwitz Justin Sonder ist tot. In: Freie Presse. 3. November 2020, abgerufen am 4. November 2020 (Teaser mit Information lesbar).</ref> Aufgrund der Corona-Pandemie wurde seine Trauerfeier auf Wunsch vieler Chemnitzer als Livestream auf der Website der Stadt gezeigt.<ref name="PresseChemnitz" />

Ehrungen

Darstellung Sonders in der bildenden Kunst

Datei:2025-01-26-Chemnitz-Bank-für-Justin-Sonder-2.jpg
2024 eingeweihte Skulptur „Bank für Justin Sonder“ auf dem Brühl in Chemnitz (Januar 2025).
  • Julia Kausch (* 1985): Denkmal für Justin Sonder (2024; Sitzfigur, Bronze; Chemnitz, Brühl)<ref>work: Julia Kausch. Abgerufen am 22. Januar 2025.</ref> als Umsetzung des Gedenkprojekts „Eine Bank für Justin Sonder“. An der feierlichen Einweihung am 9. November 2024 nahmen neben Familienangehörigen und vielen Chemnitzern der Chemnitzer Oberbürgermeister Sven Schulze, Christoph Heubner, Vorsitzender des Internationalen Auschwitzkomitees, der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff und der Sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer teil.
  • Falk Lehmann, alias „Akut“, malte und sprayte im April 2025 ein Wandbild auf eine Fassade im Chemnitzer Stadtteil Sonneberg. Das Wandbild ist Teil des Chemnitzer Street-Art-Projektes „Hallenkunst“. Zu dem Porträt von Justin Sonder gehören auch Buchstaben, die den Satz: „Ich wollte überleben“ bilden.<ref>Graffiti mit Hintergrund! AKUT sprayt Justin Sonder. 14. April 2025, abgerufen am 11. Oktober 2025.</ref>

Film

Literatur

Biographien

  • Margitta Zellmer: Chemnitz – Auschwitz und zurück: aus dem Leben von Justin Sonder. Klinke e. V. Chemnitz, Chemnitz 2013, DNB 1128077868.
  • Klaus Müller, Justin Sonder: 105027 Monowitz – Ich will leben! Von Chemnitz nach Auschwitz – über Bayern zurück. Nora Verlag, 2013, ISBN 978-3-86557-321-6.

Essays in der Presse

  • Enrico Hilbert: Seine Beobachtungsgabe und Neugier retteten ihn. Der Auschwitz-Überlebende Justin Sonder wird heute Ehrenbürger der Stadt Chemnitz. In: Neues Deutschland, 21. April 2017, S. 16.
  • Marianne Schultz: Nur einmal hat er geweint. In: Freie Presse, 27. Januar 2014, S. 11.
  • Matthias Zwarg: Dem Hotel der Hölle entkommen. In: Freie Presse, Chemnitz, 11. Januar 2025

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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