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Alois Kieslinger

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Datei:Kieslinger TU-Wien Hof-DSC 3582w.jpg
Gedenktafel für Alois Kieslinger im Hof der TU Wien

Alois Kieslinger (* 1. Februar 1900 in Wien; † 1. Juni 1975 ebenda) war ein österreichischer Geologe und Paläontologe mit Schwerpunkt Angewandte Geologie und Petrographie. Er wurde Professor und wird in Österreich als „neuer Vermittler zwischen Geologie und Kunst“<ref name=geo/> und als Mitbegründer der Kulturgeologie angesehen.<ref>Deutsche Nationalbibliothek, abgerufen am 4. Juli 2009.</ref>

Frühes Leben

Über das frühe Leben von Kieslinger ist wenig bekannt. Die Familie von Alois Kieslinger stammte aus der Südwest-Steiermark aus Eibiswald am Fuße der Koralm. Der Sohn des Ministerialrates Ing. Franz Kieslinger besuchte das Schottengymnasium in Wien, wo er seine Matura mit Auszeichnung bestand. Seine humanistische Ausbildungsstätte und das kunsthistorische Interesse nächster Verwandter, wie seines älteren Bruders Franz Kieslinger, waren von großem Einfluss auf seinen Lebensweg. Anschließend studierte er Geologie.

Berufsleben

Kieslinger promovierte bei Carl Diener über „Die Nautiloideen der Mittleren und Oberen Trias von Timor“ und war sogleich als Assistent am Paläontologischen Institut der Universität Wien tätig, führte aber auch geologische Aufnahmen für die Geologische Bundesanstalt durch, vor allem im Golderz-Gebiet der Hohen Tauern. 1930 habilitierte er sich bei Josef Stini an der Technischen Hochschule Wien für Geologie, wo er 1937 eine Anstellung und den Titel eines Außerordentlichen Professors erhielt. Kieslinger engagierte sich zu dieser Zeit bereits für die illegale NSDAP. Anlässlich der Verleihung des Titels trat der Rektor der Hochschule, Karl Holey, mit einer Erklärung für Kieslinger ein: „Ich weiß, dass Kieslinger ein Nazi ist, trete aber trotzdem für ihn ein, weil ich seine Arbeit so hoch schätze.“<ref name="Mertz2020">Gunnar Mertz: „Das Braun der Erde“: Die Träger der Haidinger-Medaille der Geologischen Bundesanstalt und der Nationalsozialismus. In: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt. Band 160, Wien 2020, S. 359–408 (Vorlage:ZOBODAT).</ref>

Zwischen 1938 und 1945 war er Mitarbeiter des Reichsamtes für Bodenforschung, Zweigstelle Wien und schuf eine Kartei der Steinbrüche für Österreich und später für das ganze damalige Reichsgebiet. Mehrere Anträge auf Mitgliedschaft in der NSDAP wurden zurückgewiesen.<ref>Bundesarchiv R 9361-II/514151</ref><ref>Peter Danner: Görings Geologen in der Ostmark, S. 92 (Vorlage:ZOBODAT).</ref> Im September 1938, wenige Wochen nach dem Eintreffen der ersten Häftlinge im KZ Mauthausen, besuchte Kieslinger das „Mauthausener Revier“ und machte Aufnahmen für die Steinbruchkartei.<ref name="Mertz2020" /> 1942 wurde er zur Organisation Todt einberufen, wo er als Bauleiter bei der Schlacht um Narvik mit der Einsatzgruppe Wiking für den Bau von U-Bootbunkern in einem Granitvorkommen tätig war.<ref>James R. Underwood, Peter L. Guth: Military geology in war and peace. Geological Society of America, Boulder 1998 (Online auf Google-Books, abgerufen am 3. Juni 2010).</ref><ref name="geo">Christina Bachl-Hofmann, Tillfried Cernajsek, Christoph Hauser & Astrid Rohrhofer: Nachlässe bedeutender österreichischer Geologen an der Geologischen Bundesanstalt in Wien. In: Berichte der Geologischen Bundesanstalt. Band 52 (2000), Wien, S. 9–21 ([PDF; 830 kB]; abgerufen am 3. Juni 2010).</ref> Nach dem Ende des Krieges befand er sich mit Unterbrechung anderthalb Jahre vom 10. Mai 1945 bis zum September 1946 in englischer Internierungshaft in den Lagern Wolfsberg und Weissenstein. Danach wurde er zum Arbeitseinsatz für ehemalige Nationalsozialisten verpflichtet und arbeitete zwei Monate lang Steinbrecher in einem Schotterwerk in Dellach im Drautal.<ref name="Mertz2020" />

Ab Jänner 1947 war er Geologe des Bundesdenkmalamtes und führte eine Reihe größerer Untersuchungen für den Wiederaufbau durch, etwa für den Stephansdom in Wien, St. Martin in Linz oder die Stiftskirche in Ossiach.<ref name="Mertz2020" /> Im Oktober 1949 wurde er als Außerordentlicher Professor mit der Leitung des traditionsreichen Institutes für Geologie der Technischen Hochschule Wien betraut. Ab 1954 war er Ordentlicher Hochschulprofessor und 1970 erfolgte seine Emeritierung.<ref name="Kies">Walter Eppensteiner: Alois Kieslinger. In: Mitteilungen der österreichischen geologischen Gesellschaft. Band 68, April 1978, S. 189–192 (Nachruf, Vorlage:ZOBODAT).</ref><ref>Georg Horninger: Alois Kieslinger. In: Verhandlungen der Geologischen Bundesanstalt. Heft 4, Wien 1975, S. 201–211 (Vorlage:ZOBODAT).</ref> Er wurde am Hernalser Friedhof in einem ehrenhalber gewidmeten Grab bestattet.<ref>Ehrenhalber gewidmete und Historische Grabstellen am Friedhof HERNALS. (pdf) Friedhöfe Wien, abgerufen am 19. November 2023.</ref>

Wirken

Er erschloss sich das Gebiet der Angewandten Geologie und Petrographie, das seine vorherrschenden Arbeitsgebiete wurden. Seine Kenntnisse über die technische Gesteinskunde mit einem anfänglichen Schwerpunkt Verwitterungserscheinungen führten ihn 1931 als Berater zur Natursteinrestaurierung des Parthenon auch nach Athen und zu seiner Veröffentlichung Zerstörungen an Steinbauten, ihre Ursachen und ihre Abwehr (1932), das heute noch Gültigkeit hat und nur einiger Ergänzungen bedurfte, die sich aus den in der Zwischenzeit veränderten Umweltbedingungen, vor allem der Großstädte, ergaben. Er erkannte insbesondere, dass Anfang des 20. Jahrhunderts aufgrund der Belastung mit Abgasen „in allen größeren Städten der Pflanzenwuchs auf und an Gebäuden bis auf einen völlig unbedeutenden Rest verschwunden“ war.<ref>Die Abnahme des Pflanzenwuchses auf Großstadtgebäuden. In: Geologie und Bauwesen. Zeitschrift für die Pflege der Wechselbeziehungen zwischen Geologie, Gesteinkunde, Bodenkunde usw. und sämtlichen Zweigen des Bauwesens, Jahrgang 1933, S. 70 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/gub</ref>

Die Beschäftigung mit der Gesteinsverwitterung und sein kunsthistorisches Interesse führten ihn zu einem frühzeitigen und lebenslangen Kontakt mit der Denkmalpflege, wo er sich mit der Geologie der Steinbrüche, Steingewinnung und Steinbearbeitung beschäftigte. Ausgehend vom Wiener Stephansdom, bei dessen Wiederaufbau Kieslinger sein ganzes Wissen und Können einbrachte, wobei diese Arbeiten letztlich die Grundlage für sein Buch Die Steine von St. Stephan (1949) darstellten, als er sich mit der Schnittstelle zwischen Gestein, Nutzung, Baugeschichte und Verwitterung befasste. Von besonderer Bedeutung ist das Monumentalwerk Die Steine der Wiener Ringstraße (1972) und seine Monographie der nutzbaren Gesteine der Bundesländer Kärnten (1956) und Salzburg (1964).

Für seine Arbeiten erhielt er zahlreiche Ehrungen, unter anderem von geologischen, kulturellen Institutionen und Naturstein-Fachverbänden in Österreich und Deutschland. Im Jahr 1968 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt.

Schriften

Kieslinger verfasste acht Monographien und 328 Einzelveröffentlichungen.<ref name=Kies />

Würdigung

Im Jahr 1975 erhielt er die Haidinger-Medaille der Geologischen Bundesanstalt. Zu Ehren von Alois Kieslinger und Josef Schadler errichteten oberösterreichische Steinmetze 1980 „in bleibender Dankbarkeit für die Natursteinerschließung“ einen Gedenkstein in der Ortschaft Wolfgangstein in Kremsmünster.

Literatur

  • Gunnar Mertz: „Das Braun der Erde“. Die Träger der Haidinger-Medaille der Geologischen Bundesanstalt und der Nationalsozialismus. In: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt. Band 160, Wien 2020, S. 359–408 (Vorlage:ZOBODAT).
  • Georg Horninger: Alois Kieslinger. In: Verhandlungen der Geologischen Bundesanstalt. Wien 1975, S. 201–211 (Vorlage:ZOBODAT).
  • Walter Eppensteiner: Alois Kieslinger. In: Mitteilungen der Österreichischen Geologischen Gesellschaft. Band 68, Wien 1975, S. 189–192 (Vorlage:ZOBODAT).
  • Christina Bachl-Hofmann, Astrid Rohrhofer: Dokumentation und Evaluation des Nachlasses von Prof. Dr. Alois Kieslinger (1900–1975) unter besonderer Berücksichtigung bautechnisch wesentlicher Mineralrohstoffe und ingenieurgeologischer Fragestellungen. In: Berichte der Geologischen Bundesanstalt. Nr. 37. Wien 1997, ISSN 1017-8880, S. 1–25 (Vorlage:ZOBODAT).

Weblinks

Commons: Alois Kieslinger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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