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Tannenkirch besteht aus den haufendorfähnlichen Ortsteilen Ettingen und Uttnach, die zusammen mit dem Kern von Tannenkirch ein nahezu geschlossenes Besiedlungsgebiet bilden. Etwa einen Kilometer südwestlich liegt eigenständig der Ortsteil Gupf. Am Ortsrand von Tannenkirch kreuzen sich die beiden Kreisstraßen K6318 und K6345 (→ Liste der Kreisstraßen im Landkreis Lörrach). Über die K6318 ist Tannenkirch mit der rund zwei Kilometer westlich verlaufenden Bundesstraße 3 an das nationale Fernstraßennetz verbunden.
Tannenkirche befindet sich am Fuße eines bewaldeten Höhenrückens, der sich nördlich vom Ort auf bis zu einer Höhe von 472 m ü. NHN mit der Erhebung Hohe Schule erhebt. Die südlichen Ausläufer des Höhenzuges werden zum Weinanbau verwendet. Südöstlich von Tannenkirch erhebt sich der 375 m ü. NHN hohe Hüppberg, der ebenfalls dem Weinanbau dient. Südlich und westlich des Ortes gibt es keine markanten Erhebungen.
Geologie
Für die Geologie der Gemarkung Tannenkirch ist eine von Hertingen über Tannenkirch und Holzen nach Hammerstein ziehende Verwerfung von größerer Bedeutung. Sie trennt zwei unterschiedliche Landschaftsräume: einerseits das Jurabergland im nordöstlichen Gemarkungsteil mit den Rebbergen und dem Wald der Hohen Schule und andererseits die lössbedeckten Tertiärhügel mit den Ackerfluren im Südwesten.<ref>LGBR Kartenviewer. LGBR Regierungspräsidium Freiburg i. Br., abgerufen am 28. September 2021.</ref>
Im nordöstlich der genannten Störungslinie befindlichen Kanderner Jurabergland haben sich als Randschollen des Oberrheingrabens Schichten des Deckgebirges erhalten, die einst auch das Gebiet des Schwarzwaldes bedeckten, dort aber bei dessen Aufsteigen in der Tertiärzeit längst der Abtragung anheimgefallen sind. Es handelt sich um Ober- und Mitteljurakalke und -mergel. Den Untergrund der Hohe Schule-Tafel bildet der massige helle Korallenkalk (Oxford), den man am Weg zum Schützenhaus antrifft. Diese Korallenkalktafel der HohenSchule steigt ostwärts leicht an, so dass am Rebhang unter Ober Berg die unterlagernden Mitteljuraschichten erscheinen. Eine kleine Nord-Süd-Verwerfung zwischen Pflanzer und Erzberg verstärkt diese Anhebung. Diese Mitteljurasedimente (Bath und Callov) werden heute als Kandern-Formation klassifiziert. Ihre vorwiegend weichen, tonig-mergeligen Schichten konnten leicht abgetragen werden, so dass zwischen Riedlingen und Uttnach eine Ausräumzone entstand, in welcher der Hüppberg (mit einer, ebenfalls tonigen, Oberjurakappe) nur als ein sanft gerundeter Hügel in Erscheinung tritt.<ref>K. Schnarrenberger: Geologische Karte von Baden-Württemberg 1:25 000, Erläuterungen zu Blatt 8211 Kandern (Reprint). Stuttgart 1985.</ref>
Die Mitteljuraschichten sind weithin unter einer Lehmdecke, zum Teil unter Löss (am Hüppberg) oder Lösslehm (Auf dem Hühner) verborgen. Auch die Hohe Schule ist von lössführendem Lehm bedeckt. Darunter schürfte man bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts nach Bohnerzen. Die Spuren dieses Bergbaus, Gruben (Pingen), Stollen, Abraumhalden, sind auf der Hohen Schule nicht zu übersehen. Bohnerze sind erbsen- oder bohnenförmige Eisenkonkretionen, die bei der Verwitterung eisenhaltigen Kalkgesteins in der frühen Tertiärzeit entstanden sind. Eingelagert sind sie in gelbbraune bis tiefrote Tone, die oft auch als Spaltenfüllung im verkarsteten Korallenkalk zu beobachten sind. Nach den Bohnerzen wurde einst von Auggen, über Schliengen, Liel bis zur Hohen Schule und dem Holzener Behlen geschürft.
Südlich der eingangs erwähnten Verwerfung sind die Juragesteine tief versenkt und von Schichten der tertiären Rheingrabenfüllung überdeckt. Diese bilden unter einer Lössdecke den Untergrund des ganzen südlichen Markgräflerlandes. (Nur am Isteiner Klotz treten die Jurakalke noch einmal in der Landschaft in Erscheinung.) Der fruchtbare Löss, Feinstmaterial, das in den Kaltzeiten aus den Schotterfeldern des Rheines ausgeblasen und im Umland deponiert wurde, macht diesen Gemarkungsteil zur idealen Ackerbaulandschaft. Hier befinden sich die Ortsteile Gupf und Kalte Herberge. Auch Ettingen liegt noch in der Lösslandschaft, nahe der Verwerfung. Uttnach dagegen wird von dieser durchquert. Die mit abgeschwemmtem Löss(-Lehm) erfüllten Tälchen (Fehrbachgraben, Flösch, Meiermatt u. a.) wurden traditionell als Dauergrünland genutzt.
Geschichte
Auf der Gemarkung von Tannenkirch gab es zahlreiche Funde aus der Jungsteinzeit (um 5000 v. Chr.). Steinbeile, Gegenstände aus Feuerstein und Keramik lassen „ausgedehnte Siedlungsareale“ vermuten.<ref>Anneliese Müller: Tannenkirch. Ur- und Frühgeschichte In: Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/379951354X ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.</ref>
Das Hofgut KaltenherbergeDatei:Erioll world.svg{{#coordinates:47.710310|7.582326||dim=|name=Hofgut Kaltenherberge|region=DE-BW|type=landmark}}<ref>Die Schreibweise variiert in der Geschichte bis heute. Auf der eigenen Website wird die Bezeichnung Hofgut Kaltenherberge verwendet. Die Ortshinweistafel trägt die Aufschrift Kalte Herberge und darunter Stadt Kandern. In der historischen Literatur finden sich weitere Schreibweisen: Kaltherberg (Fecht),</ref> im Nordwesten der Gemarkung war über Jahrhunderte (spätestens seit dem 17. Jahrhundert) eine wichtige Post- und Vorspannstation, wo die Fuhrleute vor dem Anstieg auf den nördlich der Kalten Herberg liegenden Schliengener Berg die Pferde wechseln und zusätzliche vorspannen konnten.<ref>Dabei waren ca. 70 Höhenmeter zu überwinden.</ref> Der Fund römischer Mauerreste wurde so interpretiert, dass hier schon eine Römerstraße verlief und das Hofgut über einer villa rustica erbaut sein könnte.<ref>Anneliese Müller: Kaltenherberg. In: Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/379951354X ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.</ref>
Im 18. Jahrhundert führten zwei Straßen von Süden zur Kaltenherberge. Einerseits die Alte Poststraße von Lörrach über die Lucke, Rümmingen, Schallbach und Mappach und andererseits die Alte Basler Straße von Basel über Eimeldingen und die Pritsche.<ref>auch Britsche oder Britschen</ref> Außer der Poststation mit zahlreichen Pferden gab es die Gastwirtschaft Zum Lamm und eine Metzgerei. Die Poststation war nicht nur der Haltpunkt der Postkutschen, sondern auch eine Postverteilstation von und zu der Postreiter auf verschiedenen Routen die Verbindung herstellten. Die Reichspost-Route von Frankfurt über Kehl nach Basel verlief über die Kalte Herberge.
Mit dem Bau der Rheintalbahn bis Efringen (1848) verlor die Kaltenherberge ihre verkehrstechnische Bedeutung, das Gasthaus und die Poststation wurden geschlossen.
Das Hofgut liegt heute an der Bundesstraße 3 nahe der Stelle, wo der Haselbach die Bundesstraße unterquert.
Der Versammlungsplatz der Markgräfler Bauernschaft
Datei:Sausenhard Gedenkstein 3.JPGDer Sausenhard-Gedenkstein markiert das Gelände auf dem sich im 14.–17. Jahrhundert die Landschaft (bäuerlichen Landstände) der Herrschaft Rötteln und der Landgrafschaft Sausenberg versammelt haben.
Die Versammlung der Markgräfler Landstände (Landschaft genannt) erfolgte auf dem Sausenhard<ref>auch Susenhard oder Sausenhard geschrieben; siehe Karl Seith: Das alte Maifeld des Markgräflerlandes. In: Markgräfler Jahrbuch 1939, S. 74–78 Digitalisat der UB Freiburg mit einer Lageskizze auf S. 75</ref> einer großen, leicht ansteigenden Mulde im Feld zwischen Mappach und Tannenkirch (Ortsteil Gupf) auf dessen Gemarkung das Feld liegt. Noch heute bestehen die Gewannnamen Auf dem äußeren Sausenhart und Auf dem inneren Sausenhart. Von alters her soll einer der Landgerichtsplätze im südlichen Breisgau bei Schliengen gewesen sein. Nachdem die Rechte über Schliengen lange Streitpunkt zwischen den Markgrafen von Hachberg-Sausenberg und den Fürstbischöfen von Basel waren, wurde der Landgerichtsplatz auf den Sausenhart verlegt, wo das Gericht schon 1356 tagte<ref>Badische Historische Kommission (Herausgeber), bearbeitet von Albert Krieger: Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Baden. 2. Band, Heidelberg 1904, Spalte 1143–1144 Digitalisat der UB Heidelberg</ref>. Die Versammlung der Landschaft fand dann später auf diesem Landgerichtsplatz statt.
Ausgehend von einer beim Hebelschoppen entstandenen Idee wurde am 9. Juli 1976 vom SchwarzwaldvereinKandern auf dem Sausenhard Datei:Erioll world.svg{{#coordinates:47.693028|7.586963||dim=|name=Sausenhard-Gedenkstein|region=DE-BW|type=landmark}} ein Moränenfindling aus Kaltenbach als Gedenkstein aufgestellt und mit einer Tafel versehen.<ref>Fritz Schülin: Die Heimat setzte am 9. Juli 1976 einen Gedenkstein ihrer Geschichte. Der Gedenkstein auf dem „Äußeren Sausenhard“ bei Tannenkirch. In: Das Markgräflerland, Heft 3/4 1976, S. 373–375 Digitalisat der UB Freiburg; Schülin erwähnt den Schwarzwaldverein nicht, aber in dessen Chronik und bei Volker G. Scheer: Kandern. Stadt seit 1810. Ereignisse, Personen und Bilder der Kanderner Stadtgeschichte seit der Stadterhebung und bekannte und bedeutende Personen aus der älteren Geschichte Kanderns, Todtnauberg: Scheer, 2. erweiterte und ergänzte Auflage 2006, S. 388 wird er genannt. Bei Scheer ist die Einweihung auf den 10. Juli 1976 datiert. Schülin nennt als Initiator F. Schächtelin, beim Schwarzwaldverein wird Adolf Schöpflin genannt.[1]</ref> Die Tafel trägt die Inschrift: „SAUSENHARD = Versammlungsort - des Markgräfler Landtages - 14. - 17. Jahrh.“ Eine zusätzliche Informationstafel des Schwarzwaldvereins zeigt die wichtigsten Daten der Landschaft.<ref>Siehe Fotografien auf Commons</ref> Anlass für die Errichtung des Gedenksteins war die 1200-Jahr-Feier von Kandern.
Am 1. März 1974 wurde Tannenkirch in die Stadt Kandern eingegliedert.<ref></ref>
Politik
Datei:Tannenkirch Rathaus 3.jpgEhemaliges Rathaus von Tannenkirch und heutiger Sitz der Ortsverwaltung und des Küfermuseums.
Tannenkirch ist seit 1. März 1974 ein Stadtteil von Kandern. Kandern hat eine Ortschaftsverfassung und der Stadtteil Tannenkirch besteht aus den Ortsteilen Tannenkirch, Ettingen und Gupf.<ref>Die Wohnplätze Tannenkirch und Uttnach sind zusammengewachsen und Kaltenherberge gehört zu Gupf. Zur Begriffsverwirrung trägt die Website von Kandern bei, wo für die Stadtteile auch das Kürzel "OT" (Ortsteil) verwendet wird. Maßgeblich ist jedoch die Terminologie in der Hauptsatzung.</ref>
Die Blasonierung des Wappens lautet: „In Silber auf grünem Schildfuß in Seitenansicht eine rote Kirche zwischen je einer grünen Tanne.“<ref>Tannenkirch. In: Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/3877990460 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.</ref> Das redende Wappen wurde 1905 von der Gemeinde angenommen.
Im Rathaus von Tannenkirch befindet sich ein Museum für das Küfer-Handwerk.<ref>Das Markgräfler Küfermuseum in Tannenkirch auf der Homepage der Stadt Kandern; abgerufen am 16. Januar 2021.</ref> Gegenüber dem Rathaus steht die Evangelische Pfarrkirche Tannenkirch (Matthiaskirche),<ref>Im örtlichen Sprachgebrauch und auf der Website der Stadt Kandern und deren Webseiten zum Stadtteil Tannenkirch wird sie wegen des ursprünglichen Patrons auch St. Mathias genannt, aber die offizielle Bezeichnung bei der evangelischen Kirchengemeinde ist Mathiaskirche, da es in der evangelischen Kirche keine Heiligen gibt.</ref> welche aus einem mittelalterlichen Chorturm und einem 1973 neu erbauten Kirchenschiff besteht.
Für ein Fachwerkhaus aus dem Tannenkircher Ortsteil Ettingen wurde aufgrund dendrochronologischer Untersuchungen das Baujahr 1474 ermittelt. 2006 übernahm der Europa-Park Rust die Restaurierung des vom Verfall bedrohten Hauses und stellte es 2007 im deutschen Themenbereich als Vogtshaus mit einem Laden für Schwarzwälder Spezialitäten wieder auf.
Arno Herbener, Rolf Rubsamen, Dorothee Philipp, Jost Grosspietsch: Kunst. Thermen. Wein. Entdeckungsreisen durch das Markgräflerland, Kunstverlag Josef Fink 2006, ISBN 978-3-89870-273-7, Seiten 60–63.
Anneliese Müller: Tannenkirch. In: Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/379951354X ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.
Giselher Haumesser: Zur Geschichte Kanderns und seiner Teilorte. In: Das Markgräflerland, Heft 2/1990, S. 5–25; Tannenkirch s. S. 21–22 Digitalisat der UB Freiburg
Franz Xaver Kraus: Die Kunstdenkmäler des Großherzogthums Baden, Tübingen und Leipzig, 1901, Fünfter Band – Kreis Lörrach; S. 51–52 online
Ursula Tanner und Irmgard Heß: Ortsfamilienbuch Tannenkirch [1588-2015), Teilort der Stadt Kandern. Lahr-Dinglingen: Albert Köbele Nachfolger 2015 (= Badische Ortssippenbücher 006/1)
Karl Mink: Einiges aus der Chronik von Tannenkirch. In: Die Markgrafschaft, Heft 11/1951, S. 6–8 Digitalisat der UB Freiburg
Hermann Schäfer: Kaltenherberg. Aus der Geschichte einer berühmten Poststation. In: Das Markgräflerland, Heft 2/1962, S. 26–31 Digitalisat der UB Freiburg
Fred Wehrle: Das Hofgut Kaltenherberge bei Tannenkirch. In: Das Markgräflerland, Jg. 2013, S. 36–47 Digitalisat der UB Freiburg
Eugen A. Meier (Hrsg.): Rund um den Baselstab : 3 historische Bildbände über 235 Städte und Dörfer in der Regio Basilensis, Band 3, Markgräflerland; Sundgau, Birkhäuser Verlag Basel, 1978, ISBN 3-7643-0994-6, S. 160–162