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Reinhardshain

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Reinhardshain
Stadt Grünberg
Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(588)&title=Reinhardshain 50° 37′ N, 8° 54′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(588) 50° 37′ 14″ N, 8° 54′ 0″ O
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Höhe: 305 (302–322) m ü. NHN
Fläche: 8,25 km²
Einwohner: 588 (31. Dez. 2020)<ref name="DF">Statistiken der Stadt Grünberg. In: Internetauftritt. Stadt Grünberg, abgerufen am 1. Januar 2022.</ref>
Bevölkerungsdichte: 71 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1972
Postleitzahl: 35305
Vorwahl: 06401
Datei:Einwoherzahlengrünberg.jpg
Karte
Stadtteile von Grünberg

Reinhardshain ist ein Stadtteil von Grünberg im mittelhessischen Landkreis Gießen.

Geografische Lage

Reinhardshain liegt 5 km nordwestlich von Grünberg in Mittelhessen im Vorderen Vogelsberg. Durch den Ort führt die Landesstraße 3357 und im Norden die Bundesautobahn 5 (Frankfurt-Kassel) am Ort vorbei. In der Gemarkung Reinhardshain liegt die gleichnamige Autobahnraststätte.

Ortsgeschichte

Mittelalter

Datei:2011-09 Reinhardshain.jpg
Kirche von Reinhardshain, September 2011

Die älteste urkundliche Erwähnung des Orts erfolgte im Jahr 1318 als „Reynhartshayn“.„bona nostra sita in Reynhartshayn“<ref>StAD Urkunden Oberhessen, Reinhardshain.</ref> (Unsere Güter, gelegen in Reinhardshain). In einem Dorsualvermerk aus dem 15. Jahrhundert wird sich auf die gleiche Urkunde von 1318 in mhd. Sprache bezogen: „die gudir zu Renhartshen“. Der Wäppner Mengot von Hirzenhain und seine Frau Jutta gaben in diesem Jahr dem Kloster Wirberg Güter zu Reynhartshayn im Tausch gegen Güter zu Wäldersheim.<ref>Eckhart G. Franz: Die oberhessischen Klöster. Regesten und Urkunden. Marburg 1977. Nr. 1018, S. 172.</ref> Der Ortsname wird von dem Rufnamen „Reginhard“ abgeleitet, also bedeutet er „Siedlung des Reginhard“.<ref>Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 298.</ref> In weiteren Urkunden des 14. Jahrhunderts taucht der Ort 1341 als „Reinhartishan“ und „Renhartzhain“ in den historischen Quellen auf. 1341 wird „Lyntza dicta de Reinhartishan monialis, opidana in Grunenberg“ (die Nonne Lyntza, genannt von Reinhartshain, Bürgerin zu Grünberg).<ref>Ludwig Baur: Arnsburger Urkundenbuch. Nr. 697, S. 441.</ref> Am 30. Oktober 1375 verpfändete Landgraf Hermann II. von Hessen das Dorf Reinhardshain für 148 Gulden an Eberhard Riedesel und seine Frau Gude. Der Landgraf behielt sich das Recht auf Rückkauf.<ref>StAM Urkunde 11, 53.</ref>

Das Stift St. Johannis in Mainz besaß 1495 in Reinhardshain 30 Morgen Land, 12 Morgen Ackerland und eine Wiese.<ref>Stephan Alexander Würdtwein: Dioecesis Moguntia in Archidiaconata distincta. I - IV. 1767 - 1790. Band III.S. 364 f.</ref>

Neuzeit

Die Evangelische Kirche, ein heute an zwei Seiten verschindelter Fachwerkbau, wurde 1617 errichtet. 1829 wurde die Schule erbaut. Der im Jahr 1908 erbaute, 18 m hohe Wasserturm ist ein markantes Wahrzeichen des Ortes.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Reinhardshain:

„Reinhardshain (L. Bez. Grünberg) evangel. Filialdorf; liegt 1 St. von Grünberg, hat 1 Kirche, 58 Häuser und 312 Einwohner, die alle evangelisch sind, und unter welchen 46 Bauern und 4 Taglöhner sich befinden. Hier stand wahrscheinlich ehemals das Schloß Hagen, das einem Manegold gehörte, dessen Geschlecht zwar noch im Dunkeln ist, aber erweißlich nicht zu jenen Herrn von Hagen gehörte, aus denen die Münzenberger hervorgegangen sind. Die Nachrichten bestimmen, daß mit diesem Manegold das Geschlecht erlosch, und die Burg Hagen zerstört wurde.“<ref name="GW">Vorlage:BibOCLC</ref>

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Reinhardshain zum 1. April 1972 auf freiwilliger Basis in die Stadt Grünberg eingemeindet.<ref>Vorlage:BibOCLC</ref> Für Reinhardshain sowie für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Grünberg und die Kernstadt wurde je ein Ortsbezirk gebildet.<ref name="HS">Hauptsatzung. (PDF; 43 kB) § 5. In: Webauftritt. Stadt Grünberg, abgerufen im März 2022.</ref>

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,<ref group="Anm.">Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan.</ref> denen Reinhardshain angehört(e):<ref name="lagis" /><ref>Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref><ref>Vorlage:BibOCLC</ref>

Recht

Materielles Recht

In Reinhardshain galt der Stadt- und Amtsbrauch von Grünberg als Partikularrecht. Das Gemeine Recht galt nur, soweit der Amtsbrauch keine Bestimmungen enthielt. Dieses Sonderrecht alten Herkommens behielt seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen im 19. Jahrhundert, bis es zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst wurde.<ref> Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 67, Anm. 40 und S. 103. </ref>

Gerichtsverfassung seit 1803

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Reinhardshain das „Amt Grünberg“ zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übertragen. „Landgericht Grünberg“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht das für Reinhardshain zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Grünberg“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.<ref>Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzog von Hessen und bei Rhein (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 17,8 MB]).</ref> Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Grünberg, Reinhardshain wurde dem Amtsgericht Gießen zugelegt.<ref>Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (Ändert GVBl. II 210–16) vom 12. Februar 1968. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1968 Nr. 4, S. 41–44, Artikel 1, Abs. 2 a) und Artikel 2, Abs. 4 d) (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 298 kB]).</ref>

Bevölkerung

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Reinhardshain 573 Einwohner. Darunter waren 18 (3,1 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 90 Einwohner unter 18 Jahren, 255 zwischen 18 und 49, 138 zwischen 50 und 64 und 87 Einwohner waren älter.<ref name="Z2011E" /> Die Einwohner lebten in 243 Haushalten. Davon waren 63 Singlehaushalte, 66 Paare ohne Kinder und 75 Paare mit Kindern, sowie 24 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 36 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 162 Haushaltungen lebten keine Senioren.<ref name="Z2011E" />

Einwohnerentwicklung

Quelle: Historisches Ortslexikon<ref name="lagis" />
• 1577: 019 Hausgesesse
• 1630: 015 zweispännige, 6 einspännige Ackerleute, 5 Einläuftige
• 1669: 133 Seelen
• 1742: 001 Geistliche/Beamter, 51 Untertanen, 12 Junge Mannschaften
• 1806: 267 Einwohner, 54 Häuser<ref name="Adr-LG-HD-1806" />
• 1829: 312 Einwohner, 58 Häuser<ref name="GW" />
• 1867: 287 Einwohner, 55 bewohnte Gebäude<ref name="WP">Vorlage:BibOCLC</ref>
• 1875: 317 Einwohner, 60 bewohnte Gebäude<ref name="WP75">Vorlage:BibOCLC</ref>
Reinhardshain: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2020
Jahr  Einwohner
1791
  
214
1800
  
227
1806
  
287
1829
  
312
1834
  
324
1840
  
330
1846
  
370
1852
  
384
1858
  
369
1864
  
290
1871
  
327
1875
  
317
1885
  
283
1895
  
287
1905
  
301
1910
  
314
1925
  
323
1939
  
310
1946
  
531
1950
  
495
1956
  
393
1961
  
407
1967
  
508
1970
  
475
1980
  
?
1987
  
555
2003
  
642
2011
  
573
2016
  
584
2020
  
588
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS<ref name="lagis" />; Ab 1970: Stadt Grünberg:<ref name="HH2015" /><ref>Einwohnerzahlen 2020. In: Webauftritt. Stadt Grünberg, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 5. April 2020; abgerufen im Januar 2022.</ref>; Zensus 2011<ref name="Z2011E" />

Historische Religionszugehörigkeit

• 1830: 312 evangelische (= 100 %) Einwohner<ref name="lagis" />
• 1961: 312 evangelische (= 76,7 %), 77 katholische (= 18,9 %) Einwohner<ref name="lagis" />

Historische Erwerbstätigkeit

• 1961: Erwerbspersonen: 106 Land- und Forstwirtschaft, 51 Prod. Gewerbe, 19 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 65 Dienstleistungen und Sonstige.<ref name="lagis" />

Politik

Für den Stadtteil Reinhardshain besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Reinhardshain) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung.<ref name="HS" /> Der Ortsbeirat besteht aus neun Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 53,61 %. Alle Kandidaten gehörten der „Gemeinschaftsliste Reinhardshain“ an.<ref>Ortsbeiratswahl Ortsbezirk Reinhardshain. In: Votemanager. Stadt Grünberg, abgerufen im März 2024.</ref> Der Ortsbeirat wählte Rüdiger Hefter zum Ortsvorsteher.<ref>Politische Gremien. In: Webauftritt. Stadt Grünberg, abgerufen im März 2024.</ref>

Sehenswert

Sehenswert ist die etwa 1,5 km entfernt liegende Klosteranlage Wirberg.

Vereine

Mehrere Vereine bestimmen das kulturelle Dorfleben, nämlich

  • CDU-Ortsverband Reinhardshain
  • Freiwillige Feuerwehr Reinhardshain
  • Gesangverein Eintracht
  • Jagdgenossenschaft Reinhardshain
  • Jugendclub Reinhardshain
  • Reinhardshainer Karnevals-Verein 02 e. V.
  • Landfrauen Reinhardshain
  • Schutzgemeinschaft Wasser und Wald Reinhardshain e. V.
  • Sportverein Reinhardshain e. V.

Literatur

Weblinks

Anmerkungen und Einzelnachweise

Anmerkungen <references group="Anm." />

Einzelnachweise <references> <ref name="lagis">Reinhardshain, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 15. Januar 2019). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). </ref> <ref name="HH2015"> Haushaltsplan 2015. (PDF; 1,9 MB) In: Webauftritt. Stadt Grünberg, S. 13, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen im März 2019. </ref> <ref name="NLVK"> Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 419 (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="Adr-LG-HD"> Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 197 ff. (Vorlage:HathiTrust Buch). </ref> <ref name="Adr-LG-HD-1806"> Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1806. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1806, S. 256 ff. (Vorlage:HathiTrust Buch). </ref> <ref name="PR"> Vorlage:BibOCLC </ref> <ref name="RB1937"> Gesetz über die Aufhebung der Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen vom 1. April 1937. In: Der Reichsstatthalter in Hessen Sprengler (Hrsg.): Hessisches Regierungsblatt. 1937 Nr. 8, S. 121 ff. (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 11,2 MB]). </ref> <ref name="Z2011E">Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 6 und 46, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Oktober 2020;. </ref> </references>

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