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Lehnheim

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Lehnheim
Stadt Grünberg
Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(734)&title=Lehnheim 50° 37′ N, 8° 59′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(734) 50° 36′ 37″ N, 8° 59′ 17″ O
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Höhe: 302 (285–317) m ü. NHN
Fläche: 5,18 km²<ref name="Statistik" />
Einwohner: 734 (31. Dez. 2020)<ref name="Statistik">Statistiken der Stadt Grünberg. In: Internetauftritt. Stadt Grünberg, abgerufen am 1. Januar 2022.</ref>
Bevölkerungsdichte: 142 Einwohner/km²
Postleitzahl: 35305
Vorwahl: 06401
Datei:Einwoherzahlengrünberg.jpg
Karte
Stadtteile von Grünberg

Lehnheim ist ein Stadtteil von Grünberg im mittelhessischen Landkreis Gießen.

Geographie

Lehnheim liegt nordöstlich von Grünberg im Vorderen Vogelsberg am Äschersbach, der südlich des Ortes entspringt. Durch den Ort führt die Landesstraße 3072; die Bundesstraße 49 verläuft im Süden. Dort führt auch die Bahnstrecke Gießen–Fulda vorbei.

Ortsgeschichte

Mittelalter

Die schriftliche Ersterwähnung des Orts erfolgte um 1350: Lenhan im Kopialbuch des Stifts St. Johann in Mainz.<ref name="lagis" /> In der gleichen Zeit, zwischen 1340 und 1351, wird der Ort erneut genannt: „... Item in Lenheym“.<ref>Stephan Alexander Würdtwein: Dioecesis Moguntia. Band III. Mannheim 1777. S. 368.</ref> Ein Akteneintrag aus dem 15. Jahrhundert lautet: „Leenheym“.<ref>Universitätsbibliothek Gießen: Handschrift 556/60, p. 32.</ref> In einem Salbuch findet sich 1589 der Name: „Lennheim“.<ref>Eduard Edwin Becker: Die Salbücher des Kreises Alsfeld. Alsfeld 1940. S. 331.</ref>

Der Ortsname wird in der Namensforschung als „Siedlung am Abhang“ gedeutet.<ref>Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 226.</ref> Das ahd. Wort „lina“, mhd. „lene“ wird als Abhang, aber auch Rückenlehne erklärt.<ref>Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage Berlin 1967. bearbeitet von Walther Mitzka. S. 431.</ref> Der Ort lag an der Kurzen Hessen, einer wichtigen Handelsstraße von Mainz über Gießen nach Eisenach.

Neuzeit

In Ortsnähe wurde früher Eisenerz abgebaut. Die erste Schule wurde 1783 erbaut. In der 1954 neu errichteten Schule befindet sich heute der Kindergarten.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Lehnheim:

„Lehnheim (L. Bez. Grünberg) evangel. Filialdorf; liegt 12 St. von Grünberg, hat 59 Häuser und 321 Einwohner, die alle evangelisch sind. Die Einwohner gehören alle zum Bauernstand.“<ref name="Wagner161">Vorlage:BibOCLC</ref>

Im Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden konnte der Ort mehrfach Preise erringen.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Lehnheim zum 31. Dezember 1971 auf freiwilliger Basis in die Stadt Grünberg eingegliedert.<ref>Gemeindegebietsreform in Hessen; Zusammenschlüssen und Eingliederungen von Gemeinden vom 21. Dezember 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1972 Nr. 3, S. 84, Punkt 93 Abs. 22 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 6,0 MB]).</ref><ref>Vorlage:BibOCLC</ref> Für Lehnheim sowie für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Grünberg und die Kernstadt wurde je ein Ortsbezirk m gebildet.<ref name="Hauptsatzung">Hauptsatzung. (PDF; 43 kB) § 5. In: Webauftritt. Stadt Grünberg, abgerufen im März 2022.</ref>

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten, in denen Lehnheim lag, und deren Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:<ref name="lagis" /><ref>Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref><ref>Vorlage:BibOCLC</ref>

Recht

Materielles Recht

In Lehnheim galt der Stadt- und Amtsbrauch von Grünberg als Partikularrecht. Das Gemeine Recht galt nur, soweit der Amtsbrauch keine Bestimmungen enthielt. Dieses Sonderrecht alten Herkommens behielt seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen im 19. Jahrhundert, bis es zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst wurde.<ref>Arthur Benno Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 67, Anm. 40 und S. 103.</ref>

Gerichtsverfassung seit 1803

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Lehnheim das „Amt Grünberg“ zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtum Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übertragen. „Landgericht Grünberg“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Lehnheim zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Grünberg“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.<ref>Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzog von Hessen und bei Rhein (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 17,8 MB]).</ref> Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Grünberg, und Lehnheim wurde dem Amtsgericht Alsfeld zugelegt.<ref>Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (Ändert GVBl. II 210–16) vom 12. Februar 1968. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1968 Nr. 4, S. 41–44, Artikel 1, Abs. 2 a) und Artikel 2, Abs. 4 d) (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 298 kB]).</ref>

Bevölkerung

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Lehnheim 741 Einwohner. Darunter waren 18 (2,4 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 123 Einwohner unter 18 Jahren, 233 zwischen 18 und 49, 150 zwischen 50 und 64 und 135 Einwohner waren älter.<ref name="Z2011E" /> Die Einwohner lebten in 297 Haushalten. Davon waren 66 Singlehaushalte, 96 Paare ohne Kinder und 105 Paare mit Kindern, sowie 24 Alleinerziehende und 9 Wohngemeinschaften. In 63 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 198 Haushaltungen lebten keine Senioren.<ref name="Z2011E" />

Einwohnerentwicklung

• 1806: 311 Einwohner, 55 Häuser<ref name="Adr-LG-HD-1806" />
• 1829: 321 Einwohner, 59 Häuser<ref name="Wagner161" />
• 1867: 300 Einwohner, 59 bewohnte Gebäude<ref>Vorlage:BibOCLC</ref>
• 1875: 361 Einwohner, 70 bewohnte Gebäude<ref>Vorlage:BibOCLC</ref>
Lehnheim: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2020
Jahr  Einwohner
1791
  
239
1800
  
277
1806
  
311
1829
  
321
1834
  
350
1840
  
365
1846
  
392
1852
  
453
1858
  
360
1864
  
333
1871
  
368
1875
  
361
1885
  
340
1895
  
306
1905
  
305
1910
  
345
1925
  
370
1939
  
362
1946
  
501
1950
  
497
1956
  
528
1961
  
519
1967
  
532
1970
  
577
1980
  
?
1987
  
637
2003
  
765
2011
  
741
2016
  
711
2020
  
734
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS<ref name="lagis" />; Ab 1970: Stadt Grünberg:<ref name="HH2015" /><ref>Einwohnerzahlen 2020. In: Webauftritt. Stadt Grünberg, abgerufen im März 2022.</ref>; Zensus 2011<ref name="Z2011E" />

Historische Religionszugehörigkeit

• 1829: 321 evangelische (= 100 %) Einwohner<ref name="Wagner161" />
• 1961: 439 evangelische (= 84,59 %) 76 katholische (= 14,64 %) Einwohner<ref name="lagis" />

Politik

Für den Stadtteil Lehnheim besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Lehnheim) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung.<ref name="Hauptsatzung" /> Der Ortsbeirat besteht aus neun Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 56,30 %. Alle Kandidaten gehörten der „Gemeinschaftsliste Lehnheim“ an.<ref>Ortsbeiratswahl Ortsbezirk Lehnheim. In: Votemanager. Stadt Grünberg, abgerufen im März 2024.</ref> Der Ortsbeirat wählte Birgit Otto zur Ortsvorsteherin.<ref>Politische Gremien. In: Webauftritt. Stadt Grünberg, abgerufen im März 2024.</ref>

Vereine

Mehrere Vereine bestimmen das kulturelle Dorfleben:

  • Frauenhilfe Lehnheim
  • Freiwillige Feuerwehr Lehnheim
  • Gesangverein Liederkranz
  • Hopfen- und Teeverein
  • Jugend- und Sportverein
  • Landfrauen Lehnheim/Stangenrod
  • Motorradfreunde Lehnheim
  • Obst- und Gartenbauverein
  • Skatclub Kreuz Bube
  • Theatergruppe Lehnheim
  • Wanderfreunde Gipfelstürmer

Literatur

Weblinks

Anmerkungen und Einzelnachweise

Anmerkungen <references group="Anm." />

Einzelnachweise <references> <ref name="lagis"> Lehnheim, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 22. November 2021). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). </ref> <ref name="HH2015"> Haushaltsplan 2015. (PDF; 1,9 MB) In: Webauftritt. Stadt Grünberg, S. 13, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen im März 2019. </ref> <ref name="NLVK"> Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 419 (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="Adr-LG-HD-1806"> Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1806. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1806, S. 256 ff. (Vorlage:HathiTrust Buch). </ref> <ref name="Nahmer8"> Vorlage:BibOCLC </ref> <ref name="Z2011E"> Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 6 und 46, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Oktober 2020;. </ref> <ref name="RB1937"> Gesetz über die Aufhebung der Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen vom 1. April 1937. In: Der Reichsstatthalter in Hessen Sprengler (Hrsg.): Hessisches Regierungsblatt. 1937 Nr. 8, S. 121 ff. (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 11,2 MB]). </ref> </references>

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