Zum Inhalt springen

Will McBride

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 7. März 2025 um 15:55 Uhr durch imported>Faktorei (Werk und Bedeutung: Text von Henning Kober zusätzlich auf dessen Website verlinkt).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Will McBride 1975.jpg
Will McBride und Modell, Südfrankreich 1975

Will McBride (* 10. Januar 1931 in St. Louis, Missouri; † 29. Januar 2015 in Berlin<ref>Ulf Poschardt: Will McBride: Zum Tod des großen Fotografen. In: Die Welt. 29. Januar 2015 (welt.de [abgerufen am 24. Dezember 2022]).</ref>) war ein in Deutschland lebender US-amerikanischer Fotograf und bildender Künstler.

Leben

Datei:Grabschild Will McBride.jpg
Das Grab von Will McBride auf dem Französischen Friedhof II in Berlin

McBride verbrachte seine Kindheit und Jugend in Chicago. Er studierte unter anderem von 1950 bis 1951 Malerei an der National Academy of Design und von 1951 bis 1953 Kunstgeschichte, Malerei und Illustration an der Syracuse University, beide in New York. Daneben nahm er Privatunterricht bei Norman Rockwell.

Während seines Militärdienstes in der US Army war er zwischen 1953 und 1955 in Würzburg stationiert; danach blieb er in Deutschland und studierte Philologie an der Freien Universität Berlin. Ab 1959 etablierte er sich als freischaffender Fotograf, zunächst in Berlin, ab 1961 in München. Dort gründete er 1965 auch ein eigenes Fotostudio,<ref name=":0">Die DGPh trauert um Will McBride. Deutsche Gesellschaft für Photographie, abgerufen am 11. Februar 2022.</ref> in dem er hauptsächlich für die Werbebranche arbeitete z. B. für die Zigarettenmarke HB und den Jeans-Hersteller Levi’s.<ref name=":0" />

Ab 1959 war McBride mit Barbara Wilke verheiratet. Die beiden bekamen drei Söhne. Seine Frau verließ ihn 1969, heiratete den Gastrokritiker Wolfram Siebeck<ref>Ulrike Schumacher: Ein halbes Leben vor dem Teller. Wümme-Zeitung, 25. Juli 2015, abgerufen am 5. Dezember 2016.</ref> und erhielt das alleinige Sorgerecht für die Söhne. Damals war er durch Drogen und Alkohol und durch die Entdeckung seiner Homosexualität in schwere persönliche Krisen geraten.<ref name=":0" /> Als dann twen (s. u. Abschnitt „Werk und Bedeutung“) eingestellt wurde und 1972 sein Münchener Studio insolvent wurde,<ref name=":0" /> erlitt er einen Nervenzusammenbruch, der einen Sanatoriumsaufenthalt erforderte.<ref>Christian Schröder: Nachruf auf Will McBride: Der Schatten auf der Mauer. Der Tagesspiegel, 31. Januar 2015, abgerufen am 11. Februar 2022.</ref>

Von 1972 bis 1982 zog sich McBride aus dem Berufsleben zurück und lebte zusammen mit einem Freund in der Nähe von Casoli bei Camaiore in der Toskana, wo er sich mit Malerei und Bildhauerei befasste. Im Jahre 1983 eröffnete er in Frankfurt am Main ein Fotostudio, das er bis 1998 betrieb. Danach lebte McBride als freischaffender Künstler in Berlin, wo er nach eigenen Aussagen zwar noch täglich fotografierte, die Bilder jedoch ausschließlich als Material für die Malerei nutzte. Seine gemalten Bilder, oft Akte junger Männer, stießen auf wenig Interesse.<ref name=":0" />

McBride wurde auf dem Französischen Friedhof II in Berlin-Mitte beigesetzt.

Werk und Bedeutung

McBride arbeitete als Bildreporter für Illustrierte wie Quick, Brigitte, Film und Frau, Eltern, Geo, Stern,<ref>„Kinderwelten“ in der Fotokunst: Faszinierende Kinderaugenblicke: 3 Mädchen (Florenz 1957). stern.de, 23. März 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 27. März 2014; abgerufen am 5. Dezember 2016.</ref> Life, Look, Playboy und Paris Match. Bekannt wurde er vor allem durch seine Fotostrecken oder Foto-Essays in Zeitschriften, allein 30<ref name=":0" /> in den insgesamt 129 Ausgaben Jugendzeitschrift twen. Sein dort 1960 veröffentlichtes Porträt seiner schwangeren Frau Barbara im Profil im eng anliegenden Pulli und einer aufgeknöpften Jeans<ref>Will McBride. Abgerufen am 24. Dezember 2022.</ref> löste einen Skandal aus.<ref>Thomas Bärnthaler: „In den sechziger Jahren war ich meistens schwanger“. 25. Februar 2010, abgerufen am 24. Dezember 2022.</ref>

Empörung erregten auch McBrides Fotodokumentation der Geburt seines Sohnes und insbesondere sein Aufklärungsbuch Zeig mal!,<ref>Der Nacktkriegs-Fotograf: Abschied von Will McBride. In: Berliner-Kurier.de. 11. Juli 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 11. Juli 2016; abgerufen am 24. Dezember 2022.</ref> das erstmals auch Sexualität von Kindern und Jugendlichen thematisierte. Das Buch mit Texten der Psychologin Helga Fleischhauer-Hardt wurde 1974 in dem der evangelischen Kirche nahestehenden Jugenddienst-Verlag (der damals bereits im Peter Hammer Verlag aufgegangen war) veröffentlicht. In den Folgejahren erschienen auch Übersetzungen ins Englische, Französische und Niederländische.<ref>Fleischhauer-Hardt, Helga 1936-. Archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 24. Dezember 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Es wurde international beachtet: einerseits preisgekrönt, aber auch in seiner englischen Ausgabe in vielen Staaten der USA verboten. Der Verlag und McBride nahmen das Buch 1996 vom Markt.<ref name=":0" />

Datei:Bristow Gutshof Wirtschaftsgebauede 06.jpg
Sitz des Will-McBride-Archivs, Gutshof 9 in Bristow.

Ikonographisch ist sein Schwarzweißfoto der nackten Darsteller der deutschen Uraufführung des Musicals Hair in übereinandergestapelten Kartons von 1968.<ref>Hair-Darsteller und Studiofreund, München. Abgerufen am 12. Februar 2022.</ref>

Das Eigentum an McBrides gesamten künstlerischen Nachlass einschließlich 65 Jahren fotografischer Produktion und Korrespondenz wurde in das Will-McBride-Archiv<ref>Will McBride Archive. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 19. März 2020; abgerufen am 12. Februar 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> in Bristow, Mecklenburg-Vorpommern, aufgenommen, das sein Sohn Shawn McBride in dem alten Gutshof des Dorfes eingerichtet hat.<ref>Fotograf Will McBride: „Mein Vater hat den Teufelspakt als Künstler geschlossen“. Von Henning Kober. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung Nr. 38 vom 24. September 2023 (Onlineversion – als PDF ohne Bezahlschranke zugänglich auf der Website des Autors unter dem Titel Sohn und Vater), abgerufen am 7. März 2025.</ref>

Preise und Auszeichnungen

2004 wurde McBride für sein „stilbildendes Lebenswerk“ mit dem Dr.-Erich-Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) geehrt.<ref>Will McBride erhält Salomon-Preis 2004 der DGPh. Deutsche Gesellschaft für Photographie, 2003, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 30. Juni 2004; abgerufen am 5. Dezember 2016.</ref> Für sein Lebenswerk zeichnete ihn im Jahr 2011 der Deutsche Designer Club mit der Ehrenmitgliedschaft aus.<ref>Ehrenmitglieder: Will McBride †. Deutscher Designer Club, 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 4. März 2016; abgerufen am 5. Dezember 2016.</ref>

Ausstellungen

Gruppenausstellungen (Auswahl)

  • 2009: Nude Visions. 150 Jahre Körperbilder in der Fotografie. Münchner Stadtmuseum/Sammlung Fotografie, München
  • 2010: Eros und Stasi. Ostdeutsche Fotografie Sammlung Gabriele Koenig. Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen

Publikationen

  • 1958: mit Lynn Millar: Berlin und die Berliner von Amerikanern gesehen. 60 Aufnahmen von Lynn Millar. 27 Aufnahmen von Will McBride. Rembrandt-Verlag, Berlin.
  • 1965: Adenauer, ein Portrait. Joseph Keller Verlag, Starnberg.
  • 1970: mit Martin Goldstein: Lexikon der Sexualität – 400-mal Auskunft, Antwort und Beschreibung. Mit ca. 112 Fotos auf Tafeln und im Text, 224 Seiten. Jugenddienst-Verlag, Wuppertal-Barmen.
  • 1972: Martin Goldstein, Will McBride: Lexikon der Sexualaufklärung. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1972.
  • 1974: Zeig mal! Ein Bilderbuch für Kinder und Eltern. Vorwort von Helmut Kentler. Jugenddienst-Verlag, Wuppertal, 1974, ISBN 978-3-7795-7318-0.
  • 1975: Show Me! A Picture Book of Sex for Children and Parents. St Martins Press, ISBN 0-312-72275-3 (Englische Ausgabe von Zeig mal!)
  • 1979: Knips. Berliner Bilder aus den 50er Jahren. Berlin, ISBN 3-7925-0264-X.
  • 1979: Das Vater Unser. Jugenddienst Verlag, Wuppertal, ISBN 3-7795-7332-6.
  • 1982: Siddhartha. 130 Seiten. SWAN, Kehl, ISBN 3-88230-502-9.
  • 1983: Foto-Tagebuch 1953–1961. 175 Seiten. ISBN 3-88725-085-0.
  • 1985: Will McBride, Uwe Seidel: Das Hohe Lied. Liebesgedichte übertragen aus dem alten Testament. Burckhardthaus-Laetare Verlag, Offenbach, ISBN 3-7664-9204-7.
  • 1986: Boys. 117 Seiten. Verlag C. J. Bucher, München, ISBN 3-7658-0520-3.
  • 1988: Zeig Mal Mehr. Beltz, Weinheim / Basel 1988, ISBN 3-407-85089-1.
  • 1988: „R“ Gedichte und Briefe Richard Geldmacher, Fotografien Will McBride, ISBN 3-9802000-0-0
  • 1992: Will McBride. 40 Jahre Fotografie. 192 Seiten. Schaffhausen, ISBN 3-908162-02-5. (Katalog des Frankfurter Kunstvereins u. a.)
  • 1994: My Sixties. (Text auf Englisch, deutsch und französisch). 80 Seiten. Verlag Taschen, ISBN 3-8228-9452-4.
  • 1998: I, Will McBride. 460 Seiten. Verlag Könemann, ISBN 3-89508-452-2.
  • 1999: Coming of Age. 112 Seiten. Aperture, ISBN 0-89381-853-4.
  • 2000: Situationen – Projekte. Ein Fotobuch. 63 Seiten. Rimbaud-Verlagsgesellschaft, Aachen, ISBN 3-89086-956-4.
  • 2002: Romy. 160 Seiten. Knesebeck, Berlin, ISBN 3-89660-142-3.
  • 2003: Mein Italien. 232 Seiten. Knesebeck, Berlin, ISBN 3-89660-111-3.
  • 2005: In Focus American Photo, Ed Hirsch.
  • 2013: Berlin im Aufbruch. Fotografien 1956–1963. Lehmstedt, Leipzig 2013, ISBN 978-3-942473-67-5.

Zitate

„Was ich nicht fühle, kann ich nicht fotografieren.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />McBride: 2004

„Wenn ein Junge meinen Weg kreuzt, bleibe ich stehen, all meine Aufmerksamkeit ist auf das gerichtet, was er tut. Ich schaue und schaue, nach Lebenszeichen suchend, und werde nie enttäuscht, denn das Leben zeigt sich nirgends offensichtlicher als in einem Jungen. Der Junge macht mich verrückt, weil ich nicht mehr so bin wie er. Das Leben hat Gewalt über mich, über den Jungen in mir, und macht ihn alt und kraftlos. Ein Meisterfotograf, das bin ich, obwohl eigentlich nur ein Amateur.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />McBride: im Fotobuch „Boys“, ISBN 3-7658-0520-3

Literatur

  • Monika Flacke: Will McBride. Adenauer und seine Kinder. Fotografien 1956–1968. Berlin 1994.
  • Christian Fricke: Will McBride. Gelebte Geschichte. In: Photographie Oktober 2004, S. 90ff.
  • Tom Moran: The photo essay. Will McBride & Paul Fusco (Masters of contemporary photography). New York 1974.
  • Franz H. Mösslang (Hrsg.): Report der Reporter. Wie sie zu ihren Fotoerfolgen kommen. Seebruck 1964.
  • Jordan Todorov: „Hey, das wäre ein Wahnsinnsbild, Herr Bundeskanzler!“. Gespräch mit dem Fotografen Will McBride (1931–2015). In: Fotogeschichte 35 (2015), Heft 136, S. 52–61.
  • Hans-Michael Koetzle: Fotografen A–Z. Taschen Deutschland 2015, ISBN 978-3-8365-1107-0, S. 376f.
  • Ulf Erdmann Ziegler: Die Erfindung des Westens. Eine deutsche Geschichte mit Will McBride. Suhrkamp, Berlin 2019, ISBN 978-3-518-07499-2.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein