Lucy Fricke
Lucy Tanja Fricke (* 1974 in Hamburg) ist eine deutsche Autorin, die seit dem Jahr 2000 in Berlin lebt und arbeitet.<ref>Mit Lucy Fricke über den Dächern Berlins. Abgerufen am 1. November 2025: „Lucy Fricke lebt seit fast 25 Jahren in Berlin, geboren wurde sie 1974 in Hamburg.“</ref>
Leben
Fricke arbeitete an zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen mit, zunächst als Schnittassistentin<ref name="Literaturport">Lucy Fricke - Autorenlexikon. Abgerufen am 30. Januar 2025.</ref>, überwiegend jedoch als Script/Continuity, unter anderem für die Filme Kurz und schmerzlos und Absolute Giganten<ref>Vorlage:IMDb/1</ref>, bevor sie ab 2003 am Deutschen Literaturinstitut Leipzig studierte.
Noch vor Abschluss ihres Studiums gewann sie 2005 mit der Kurzgeschichte Winken bis nach Buenos Aires den 1. Preis beim Open-Mike-Wettbewerb für junge Literatur.<ref>Wolfgang Schneider: Open Mike: Winken bis nach Buenos Aires. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 3. Januar 2022]).</ref>
Werk
2007 erschien ihr Debütroman Durst ist schlimmer als Heimweh im Piper Verlag. 2010 wechselte sie mit dem zweiten Roman, Ich habe Freunde mitgebracht, zum Rowohlt Verlag.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ich habe Freunde mitgebracht im Herbstprogramm 2010 des Rowohlt Verlags ( vom 4. Juli 2010 im Internet Archive) (PDF; 8,5 MB, S. 22)</ref> 2018 erschien ihr vierter Roman Töchter, der mit über 100.000 verkauften Exemplaren zum Bestseller avancierte und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Die französische Übersetzung unter dem Titel Les occasions manquées von Isabelle Liber wurde 2021 für den Prix Femina<ref>Découvrez la première liste du prix Femina. 8. September 2021, abgerufen am 30. Januar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> nominiert und stand auf der Shortlist für den Prix Medicis<ref>La deuxième liste du prix Médicis a été dévoilée. 6. Oktober 2021, abgerufen am 30. Januar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>. Die Verfilmung mit Birgit Minichmayr, Alexandra Maria Lara und Josef Bierbichler in den Hauptrollen kam 2021 in die deutschen Kinos.<ref>Daughters (2021) - IMDb. Abgerufen am 3. Januar 2022.</ref> Für die deutsch-griechisch-italienische Koproduktion schrieb Fricke gemeinsam mit der Regisseurin Nana Neul das Drehbuch.<ref>NDR: "Töchter": Roadtrip mit Vaterkomplex. Abgerufen am 3. Januar 2022.</ref> Außer Töchter waren auch die Romane Die Diplomatin und Das Fest auf der Spiegel-Bestsellerliste.<ref>SPIEGEL Bestsellerliste Belletristik Hardcover Nr. 31 / 2022. 3. August 2022, abgerufen am 1. November 2025.</ref><ref>Tobias Becker: (S+) Lucy Fricke und ihr Roman »Das Fest«: Eine solche Lebenskrise hätte man selbst gern. In: Der Spiegel. 17. Oktober 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 1. November 2025]).</ref>
Das Werk von Lucy Fricke umfasst Romane, Drehbücher sowie Kurzgeschichten, Reiseberichte und journalistische Texte. In Online-Ausgabe von Die Zeit erschien Frickes Reisebericht aus Georgien mit dem Titel Don’t smoke on the horse!<ref>Lucy Fricke: Don't smoke on the horse! In: Freitext. 22. September 2017, abgerufen am 1. November 2025.</ref> der später auch in der Anthologie Georgien – eine literarische Reise abgedruckt wurde.<ref>Georgien – eine literarische Reise. In: Perlentaucher. Abgerufen am 1. November 2025.</ref> Aus Vietnam berichtete sie ebenfalls für Die Zeit.<ref>Lucy Fricke: Reisen: Vietnam ist eine einzige Freundschaftsanfrage. In: Die Zeit. 12. Dezember 2023, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 1. November 2025]).</ref> Für die Literaturzeitschrift Akzente verfasste sie einen Reisebericht aus dem Sudan mit dem Titel Frühling in Khartum.<ref>Ausgabe. Abgerufen am 1. November 2025.</ref>
Seit 2011 besteht ein Stipendiatenprogramm des Goethe-Instituts in der Villa Kamogawa in Kyōto. Die erste Stipendiatin dieses Programms von April bis Juli 2011 war Lucy Fricke.<ref>Stipendiat*innen 2011 - Goethe-Institut Villa Kamogawa - Japan. Abgerufen am 1. November 2025.</ref> Während des Aufenthalts dort war Fricke direkt konfrontiert mit den Folgen der Nuklearkatastrophe von Fukushima. Dieser Aufenthalt hat sich auf den Roman Takeshis Haut ausgewirkt, was auch in der Deutschen Presse von mehreren Zeitungen thematisiert wurde.<ref>Lucy Fricke – Takeshis Haut. In: Perlentaucher. Abgerufen am 1. November 2025.</ref> Aus dieser Zeit stammen auch Reiseberichte über das von der Nuklearkatastrophe und dem Erdbeben erschütterte Japan. Diese Reiseberichte erscheinen in der Wochenzeitung der Freitag,<ref>Lucy Fricke: Überleben - Danke, dass Sie hier sind. In: Der Freitag. ISSN 0945-2095 (freitag.de [abgerufen am 1. November 2025]).</ref> in der Taz,<ref>Diese ferne Angst. 10. März 2012, abgerufen am 1. November 2025.</ref> in der Berliner Morgenpost<ref>Lucy Fricke: Welcher Gummistiefel passt zu mir? 4. Juni 2011, abgerufen am 1. November 2025.</ref> sowie beim Online-Portal des Senders Deutsche Welle.<ref>Als Japan ein anderes Land wurde – DW – 11.03.2012. Abgerufen am 1. November 2025.</ref>
Rezeption
Die autobiografische Kurzgeschichte Fischfabik erschien 2021 in der Anthologie Klasse und Kampf, herausgegeben von Maria Barankow und Christian Baron.<ref>Alex Rühle: Armut in Deutschland: Rezension des Sammelbands "Klasse und Kampf". 2. April 2021, abgerufen am 1. November 2025.</ref><ref>Marlen Hobrack: Sammelband „Klasse und Kampf“: Raus aus der Fischfabrik. In: Die Tageszeitung: taz. 18. April 2021, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 1. November 2025]).</ref> Auf Grundlage dieser Geschichte entwickelte der Choreograf David Kwiek eine Hip-Hop-Performance mit dem Titel Frutti di Mare.<ref>Frutti Di Mare - Urbanes Tanztheater - Programm - Künstler*innenhaus Mousonturm. Abgerufen am 1. November 2025.</ref> Frickes Roman Töchter war Gegenstand des Toledo-Programms des Deutschen Übersetzerfonds. Aus der Arbeit an der Übersetzung ging ein viersprachiges Online-Journal hervor, in den Sprachen Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch.<ref>Isabelle Liber, María Tellechea, Sinéad Crowe: Ein Übersetzungsroadtrip. Dreistimmiges Journal zur Übersetzung des Romans Töchter von Lucy Fricke. In: TOLEDO. Deutscher Übersetzerfonds, abgerufen am 1. November 2025.</ref> Der Roman Das Fest wurde auf der SWR-Bestenliste im Januar 2025 auf den dritten Platz gewählt.<ref>SWR Bestenliste Januar mit Büchern von Paul Lynch, Lucy Fricke, Botho Strauß und Han Kang. 19. Dezember 2024, abgerufen am 1. November 2025.</ref>
Lehre
Gastprofessur Deutsches Literaturinstitut Leipzig Wintersemester 2023/24.<ref>Deutsches Literaturinstitut Leipzig: M411-01* Romanwerkstatt II. In: Kommentiertes Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 2023/24. Abgerufen am 1. November 2025.</ref> Online-Schreibwerkstatt Literaturhaus München.<ref>Onlinewerkstatt „Lasst sie sprechen!“ – 5-teilige Werkstatt mit Lucy Fricke. Abgerufen am 1. November 2025.</ref>
Engagement im Literaturbetrieb
Neben dem Schreiben gründete Lucy Fricke 2010 „HAM.LIT – Lange Nacht junger Literatur und Musik“ in Hamburg und kuratierte das erfolgreiche Lesefestival zehn Jahre lang. Laut Der Spiegel ist HAM.LIT „[e]in Lesefestival für Leute, die Lesungen nicht mögen.“<ref>Tobias Becker: Literaturfestival "Ham.lit": Tanz ums Buch. In: Der Spiegel. 30. Januar 2012, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 1. November 2025]).</ref> Dieses Festival, das Fricke ins Leben gerufen hat, wurde als „Hamburgs coolste Literatur-Party“ (Mopo) und als „[d]ie sexieste Literaturveranstaltung der Stadt“ (Hamburger Abendblatt) bezeichnet.<ref>HAM.LIT 2010-2025. Abgerufen am 1. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Sie war und ist auch in verschiedenen Jurys tätig, unter anderem für den Friedrich-Luft-Preis,<ref>Klaus Lederer: Damit die Zeit nicht stehen bleibt. 19. Mai 2017, abgerufen am 30. Januar 2025.</ref> den Karl-Heinz-Zillmer-Verlegerpreis<ref>Verleger Jörg Sundermeier ausgezeichnet. Abgerufen am 30. Januar 2025.</ref> und für den open mike 2018.<ref>26. open mike: Die Jury steht | BuchMarkt. 3. September 2018, abgerufen am 3. Januar 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Lucy Fricke ist Gründungsmitglied des Kook-Vereins,<ref>Verein – KOOK e.V. Abgerufen am 30. Januar 2025.</ref> eines unabhängigen Netzwerks von Künstlern. Bis zu ihrem Austritt war sie Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland und ist Gründungsmitglied des PEN Berlin,<ref>Mitgründer:innen. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 18. Juli 2022; abgerufen am 30. Juni 2022.</ref> dessen Board sie seit 2025 angehört.<ref>Deniz: Board - PEN Berlin. 11. September 2022, abgerufen am 1. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Auszeichnungen
- 2005 1. Preis beim 13. „open mike“ der Literaturwerkstatt Berlin<ref name="Literaturwerkstatt">Liste der bisherigen Gewinner des „open mike“ Berlin, siehe auch: Winken bis nach Buenos Aires. In: FAZ, 15. November 2005; zum 13. „open mike“</ref>
- 2005 Stipendiatin 9. Klagenfurter Literaturkurs<ref>Stipendiatinnen und Stipendiaten 2005 - Bachmannpreis. Abgerufen am 30. Januar 2025.</ref>
- 2007 Aufenthaltsstipendium in der Villa Decius, Krakau<ref>Liste der Stipendiaten 2007 auf der Website der Villa Decius</ref>
- 2008 Aufenthaltsstipendium im Künstlerhaus Lukas, Ahrenshoop<ref>Liste der Stipendiaten 2008. kuenstlerhaus-lukas.de, abgerufen am 10. Januar 2022.</ref>
- 2008 Arbeitsstipendium Stiftung Preussische Seehandlung<ref name="Literaturport" />
- 2009 Stipendiatin der Stiftung Künstlerdorf Schöppingen<ref>Stiftung Künstlerdorf Schöppingen — Stipendiat:innen — Archiv. Abgerufen am 30. Januar 2025.</ref>
- 2011 Stipendiatin des Goethe-Instituts in der Villa Kamogawa, Kyoto, Japan<ref>Stipendiat*innen 2011 - Goethe-Institut Villa Kamogawa - Japan. Abgerufen am 30. Januar 2025.</ref>
- 2012 Stipendium des Heinrich-Heine-Hauses der Stadt Lüneburg
- 2012 Stipendium des International Writing Program der University of Iowa
- 2015 Senatsstipendium der Stadt Berlin 2015
- 2016 Casa-Baldi-Stipendium der Deutschen Akademie Rom
- 2018 Bayerischer Buchpreis, Kategorie Belletristik für Töchter
- 2019/2020 Stipendium Kulturakademie Tarabya, Istanbul, Türkei<ref>Kulturakademie Tarabya: Kulturakademie Tarabya | Lucy Fricke | August 2020-September 2020. Abgerufen am 3. Januar 2022.</ref>
- 2021 Stipendium Villa Concordia, Bamberg<ref>Fricke, Lucy: Internationales Künstlerhaus Villa Concordia. Abgerufen am 3. Januar 2022.</ref>
- 2023 Stipendium Deutsches Studienzentrum in Venedig<ref>Lucy Fricke. In: Deutsches Studienzentrum in Venedig. Abgerufen am 1. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- 2024 Roswitha-Preis, Literaturpreis der Stadt Bad Gandersheim
Veröffentlichungen
Romane
- Durst ist schlimmer als Heimweh. Piper Verlag, München 2007, ISBN 978-3-492-05141-5.
- Ich habe Freunde mitgebracht. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2010, ISBN 978-3-498-02130-6.
- Takeshis Haut. Roman. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2014, ISBN 978-3-498-02016-3.
- Töchter. Roman.<ref>Lucy Fricke: "Töchter"Am Rande des Nervenzusammenbruchs, Rezension auf Deutschlandfunk Kultur vom 9. März 2018, abgerufen am 15. März 2018</ref> Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2018, ISBN 978-3-498-02007-1.
- Die Diplomatin. Roman. Claassen Verlag, Berlin 2022, ISBN 978-3-8437-2653-5.
- Das Fest. Roman. Claassen Verlag, Berlin 2024, ISBN 978-3-5461-0095-3.<ref>NDR: Roman "Das Fest": Ein 50. Geburtstag voller Komik und Tragik. Abgerufen am 14. März 2025.</ref>
Weitere Veröffentlichungen
- Sonntags. In: die horen, Nr. 216. Edition Die Horen, Bremerhaven 2004.
- Winken bis nach Buenos Aires. In: 13. open mike. Allitera Verlag, München 2005.
- Durst ist schlimmer als Heimweh. In: EDIT, Nr. 41, Papier für neue Texte. Literaturverein EDIT, Leipzig 2006.
- Null zu Vier. In: BELLA triste Nr. 25. Hildesheim 2009.
- Tagebuchauszüge. In: „Wenn ich groß bin, werd ich Dichter“ – Frühe Texte bekannter Autoren. Arche, Zürich 2015, ISBN 978-3-7160-2733-2.
- Frühling in Khartum. In: Akzente, Zeitschrift für Literatur. Hanser, München 2015, ISBN 978-3-446-24891-5.
- Wer in der Festung sitzt. In: „Wie wir leben wollen“ – Texte für Solidarität und Freiheit. Suhrkamp, Berlin 2016, ISBN 978-3-518-46710-7.
- Fischfabrik. In: VOLLTEXT Nr.1/2021, S.4-7. Zeitschrift für Literatur, Wien.
- Fischfabrik. In: Klasse und Kampf – Hrsg. Christian Baron und Maria Barankow, Claassen Verlag, Berlin 2020, ISBN 978-3-546-10025-0.
Weblinks
- Literatur von und über Lucy Fricke im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Vorlage:IMDb/1
- Kurzbiographie und Angaben zum Werk von Lucy Fricke bei Literaturport
- Kurzbiografie und Rezensionen zu Werken von Lucy Fricke bei Perlentaucher
Texte
Einzelnachweise
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Fricke, Lucy |
| ALTERNATIVNAMEN | Fricke, Lucy Tanja (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Autorin |
| GEBURTSDATUM | 1974 |
| GEBURTSORT | Hamburg |