Hypercinnabarit
| Hypercinnabarit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
|
| IMA-Symbol |
Hcin<ref name="Warr" /> |
| Andere Namen |
|
| Chemische Formel |
|
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Sulfide und Sulfosalze |
| System-Nummer nach Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
II/C.18-020<ref name="Lapis" /> 2.CD.15b 02.08.08.01 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | hexagonal |
| Kristallklasse; Symbol | nicht definiert<ref name="StrunzNickel" /> |
| Gitterparameter | a = 7,01 Å; c = 14,13 Å<ref name="StrunzNickel" /> |
| Formeleinheiten | Z = 12<ref name="StrunzNickel" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 3 (VHN25 = 51,5 kg/mm2)<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 7,43; berechnet: 7,54<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Spaltbarkeit | fehlt<ref name="Lapis" /> |
| Bruch; Tenazität | schwach muschelig bis uneben<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Farbe | schwarz mit violettem Schimmer; im polierten Zustand gräulich weiß<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Strichfarbe | dunkelschwarzviolett<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Transparenz | durchscheinend<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Glanz | Diamantglanz<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nω 2,610<ref name="Mindat" /> nε 2,850<ref name="Mindat" /> |
| Doppelbrechung | δ 0,240<ref name="Mindat" /> |
| Optischer Charakter | einachsig positiv |
Hypercinnabarit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung HgS und damit chemisch gesehen Quecksilbersulfid.
Hypercinnabarit kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem und entwickelt nur mikroskopisch kleine Kristalle von schwarzer Farbe mit einem Stich ins Violette. Seine Strichfarbe ist ebenfalls dunkelschwarzviolett.
Etymologie und Geschichte
Erstmals erwähnt wurde die Hochtemperaturmodifikation von Quecksilbersulfid 1965 durch Mikolaechuk und Dutchak und als Gamma-Quecksilbersulfid bezeichnet. Ihre Charakterisierung umfasste jedoch nur das Beugungsmuster. 1971 wurde diese Phase auch von Z. M. Protodyakonova, T. S. Timofeeva und V. P. Fedorchuk mit Röntgentechniken in einer Quecksilber-Antimon-Lagerstätte in Zentralasien (ehemalige UdSSR) identifiziert, die zudem eine vierte Form von Quecksilbersulfid zu enthalten schien.<ref name="PotterBarnes" />
Als natürliche Mineralbildung wurde Hypercinnabarit 1978 in der „Mount Diablo Mine“ bei Clayton (Contra Costa County, Kalifornien) in den USA entdeckt. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch Robert W. Potter II und H. L. Barnes, die das Mineral in Bezug auf seine nahe Verwandtschaft mit Cinnabarit und Metacinnabarit benannten.<ref name="PotterBarnes" />
Das Mineral ist von der International Mineralogical Association (IMA) als eigenständige Mineralart anerkannt. Die von der Prüfungskommission vergebene interne Eingangs-Nummer ist allerdings nicht bekannt oder ging verloren. In der IMA-Datenbank findet sich nur die Status-Notiz IMA1977-D<ref name="IMA-Database" /> und in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA wird Hypercinnabarit unter der Summenanerkennung „IMA 1977 s.p.“ (special procedure) geführt.<ref name="IMA-Liste" />
Klassifikation
Da der Hypercinnabarit erst 1977 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der ebenfalls letztmalig 1977 aktualisierten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. II/C.18-020. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : S,Se,Te ≈ 1 : 1“, wo Hypercinnabarit zusammen mit Cinnabarit die unbenannte Gruppe II/C.18 bildet.<ref name="Lapis" />
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Hypercinnabarit in die Abteilung der „Metallsulfide, M : S = 1 : 1 (und ähnliche)“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „mit Zinn (Sn), Blei (Pb), Quecksilber (Hg) usw.“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 2.CD.15b bildet.
Die im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Hypercinnabarit der Unterabteilung der „Sulfide einschließlich Seleniden und Telluriden mit der allgemeinen Zusammensetzung AmBnXp sowie dem Stoffmengenverhältnis (m+n):p=1:1“ zu. Dort findet er sich als einziges Mitglied der unbenannten Gruppe 02.08.08.
Kristallstruktur
Hypercinnabarit kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem in bisher nicht ermittelter Raumgruppe mit den Gitterparametern a = 7,01 Å und c = 14,13 Å sowie 12 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />
Modifikationen und Varietäten
Chemisch gesehen ist Hypercinnabarit die Hochtemperaturmodifikation von drei Modifikationen des Quecksilbersulfids (HgS). Die beiden anderen sind das trigonal kristallisierende Cinnabarit und das kubisch kristallisierende Metacinnabarit.
Bildung und Fundorte
Da Hypercinnabarit eng mit Metacinnabarit verwandt ist, bildet er sich wie dieses in Quecksilber-Lagerstätten, allerdings bei höheren Temperaturen, das heißt in tieferen Erdschichten.
Bisher sind für das Mineral außer seiner Typlokalität „Mount Diablo Mine“ in Kalifornien noch drei weitere Fundorte bekannt (Stand: 2023): Die „White Caps Mine“ bei Manhattan im Nye County des US-Bundesstaates Nevada, die Antimon (Sb)-Quecksilber-Lagerstätte von Chauwai (russisch: Чаувай) im Alai-Gebirge von Kirgisistan und die „Monarch Cinnabar Mine“ bei Gravelotte in der südafrikanischen Provinz Limpopo.<ref name="Fundorte" />
Ein weiterer Fundort in einer Uran-Prospektion am Huron River zum Oberen See (engl. Lake Superior) in Michigan (USA) gilt bisher als fraglich bzw. unbestätigt.<ref name="Mindat-Hypercinnabar-HuronRiver" />
Siehe auch
Literatur
Weblinks
- Hypercinnabarit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- IMA Database of Mineral Properties – Hypercinnabar. In: rruff.info. RRUFF Project (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
Einzelnachweise
<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> Hypercinnabar. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 48 kB; abgerufen am 19. Juli 2023]). </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Hypercinnabarit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 19. Juli 2023. </ref> <ref name="IMA-Database"> IMA Database of Mineral Properties – Hypercinnabar. In: rruff.info. RRUFF Project (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-invalid-unnamed-minerals"> Jim Ferraiolo, Jeffrey de Fourestier, Dorian Smith: Invalid unnamed minerals, update 2012-01. IMA Subcommittee on Unnamed Minerals, Januar 2012, abgerufen am 23. Juli 2023. </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Hypercinnabar. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 19. Juli 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-Hypercinnabar-HuronRiver"> Hypercinnabar from Huron River Uranium prospect (Unnamed V prospect; MRDS – 10171055), Huron River, Baraga County, Michigan, USA. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 24. Juli 2023. </ref> <ref name="PotterBarnes"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 82. </ref> <ref name="Warr"> </ref> </references>