Berlin-Wilhelmstadt
| Wilhelmstadt Ortsteil von Berlin | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
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Bild:Berlin_Spandau_Wilhelmstadt.svg|300px|Wilhelmstadt auf der Karte von Spandau rect 372 396 524 522 Berlin poly 0 526 123 528 95 486 99 434 209 300 165 268 109 278 137 158 161 156 181 76 135 86 121 46 173 30 187 10 211 2 297 50 307 58 315 38 279 2 1 8 Brandenburg poly 119 408 99 492 127 518 189 510 251 438 151 384 Kladow poly 155 390 211 442 249 442 261 338 193 330 155 380 Gatow poly 115 272 141 152 171 168 173 190 207 200 225 272 203 298 157 268 Staaken poly 165 160 171 116 269 162 265 196 243 216 205 206 175 182 Falkenhagener Feld poly 213 238 215 260 229 264 195 294 217 304 193 326 261 336 293 322 313 288 315 254 293 250 293 274 275 248 Wilhelmstadt poly 205 212 221 240 277 258 289 272 295 242 329 256 371 256 369 238 297 218 301 182 289 160 261 162 263 200 245 218 Spandau poly 299 194 299 214 345 224 379 216 369 178 353 184 355 150 329 132 321 182 Haselhorst poly 341 224 379 244 441 230 415 174 379 172 351 152 353 176 367 180 371 216 Siemensstadt poly 125 50 137 74 183 68 179 118 273 162 301 172 293 184 335 132 323 96 299 54 207 12 171 44 Hakenfelde desc bottom-left </imagemap> | ||||||
| Koordinaten | 52° 31′ 16″ N, 13° 11′ 48″ O
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| Fläche | 10,422 km² | |||||
| Einwohner | 41.250 (31. Dez. 2024) | |||||
| Bevölkerungsdichte | 3958 Einwohner/km² | |||||
| Postleitzahl | 13593, 13595 | |||||
| Ortsteilnummer | 0509 | |||||
| Gliederung | ||||||
| Bezirk | Spandau | |||||
| Ortslagen | ||||||
Die Wilhelmstadt ist ein Ortsteil im Bezirk Spandau in Berlin, dessen Name sich von Kaiser Wilhelm I. ableitet. Anlässlich des 100. Geburtstags des Kaisers erhielt die ehemalige Potsdamer Vorstadt im Jahr 1897 ihren heutigen Namen.
Geographie
Abgegrenzt wird der Ortsteil im Norden in etwa durch den Bullengraben sowie entlang der Ruhlebener Straße/Charlottenburger Chaussee, im Osten durch die Havelchaussee sowie die Stößenseebrücke am Stößensee gegen Westend, im Süden durch eine ost-westlich verlaufende Linie südlich des Jaczo-Turms gegen Gatow und im Westen durch die Sandstraße gegen Staaken. Wichtige Straßen in der Wilhelmstadt sind die Heerstraße (Bundesstraße 5 und östlich bis zur Wilhelmstraße auch Bundesstraße 2), die Wilhelmstraße (südlich ab Heerstraße Bundesstraße 2) sowie Gatower Straße und Pichelsdorfer Straße.
Neben der geschlossenen Mietshausbebauung der historischen Wilhelmstadt (nördlich der Heerstraße) und den überwiegend mit Einfamilienhäusern bebauten Bereichen zwischen Heerstraße und Weinmeisterhornweg gehören auch die Ortslagen Pichelsdorf, Pichelswerder und Tiefwerder (ohne Südhafen und Wohnbereich an der Dorfstraße) zum Ortsteil Wilhelmstadt.
Geschichte
Zum Ortsteil Wilhelmstadt gehört der sogenannte „Seeburger Zipfel“. 1945 führten die alliierten Streitkräfte aus der Sowjetunion und Großbritannien einen Interessensgebietsaustausch durch, unter anderem zwischen dem brandenburgischen Seeburg und dem Berliner Bezirk Spandau. Seeburg erstreckte sich damals bis auf wenige Meter an die Havel heran, sodass die südlichen Gebiete von Spandau (Gatow und Kladow) per Straße (Potsdamer Chaussee, Gatower Straße) von der Wilhelmstadt nur über das Gebiet von Seeburg in der sowjetischen Besatzungszone erreicht werden konnten. Die Briten betrieben im Süden von Spandau ihren Militärflugplatz sowie zwei Kasernen und wollten eine ungehinderte Zufahrt erreichen. Daher wurde der Seeburger Zipfel an Spandau abgetreten. Er umfasst das nahe der Havel gelegene Wohngebiet Weinmeisterhöhe, heute die Wohnlage mit den höchsten Bodenpreisen in Spandau, und die Rieselfelder. An die Gemeinde Seeburg wurden dafür im geringeren räumlichen Umfang Spandauer Gebiete westlich der Potsdamer Chaussee (Rieselfelder) abgetreten. Der Seeburger Zipfel bildet heute die Gemarkung Seeburg in der Wilhelmstadt. Mit dem Einigungsvertrag wurde bei der deutschen Wiedervereinigung entschieden, dass die Austauschgebiete Seeburger Zipfel und Groß Glienicke beim Bezirk Spandau verbleiben. Eine Verfassungsklage der Gemeinde Groß Glienicke hiergegen blieb erfolglos. Der 1945 im Gegenzug an die Sowjetische Besatzungszone übergebene Westteil des Ortsteils Staaken war seit 1961 eine selbstständige Gemeinde Staaken in der DDR und kam 1990 wieder zurück zu Spandau.
Internationale Bekanntheit erlangte der Ortsteil ab 1947, als im dortigen Kriegsverbrechergefängnis sieben in den Nürnberger Prozessen verurteilte NS-Kriegsverbrecher inhaftiert wurden (Karl Dönitz, Walther Funk, Rudolf Heß, Konstantin von Neurath, Erich Raeder, Baldur von Schirach, Albert Speer). Das Gefängnis lag am südwestlichen Rand der Wilhelmstadt und war dem Alliierten Kontrollrat unterstellt, wobei die Bewachung der Häftlinge im Monatswechsel durch die ehemaligen Alliierten erfolgte. 1987, nach dem Suizid des letzten und jahrelang einzigen Gefangenen, Rudolf Heß, wurde das Gefängnis abgerissen, um es nicht zu einer Wallfahrtsstätte für Rechtsradikale werden zu lassen. Das Gelände wurde mit einem 1990 eröffneten Einkaufszentrum, dem ehemaligen Britannia Centre Spandau <ref>Berlin Bulletin, Band 41, Nr. 9, 2. März 1990.</ref> der NAAFI neu bebaut. 2011 stellte eine Entwicklungsgesellschaft als neue Eigentümerin den Antrag auf Abriss des Kinokomplexes des ehemaligen Britannia Centers. Die Pachtverträge für den Kinokomplex und den Shoppingkomplex wurden gekündigt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Einkaufszentrum im neuen Gewand. ( vom 30. März 2012 im Internet Archive; PDF; 9,9 MB) In: Spandauer Volksblatt, 10. August 2011, S. 4.</ref> 2013 folgte ein umfassender Teilabriss und Neugestaltung in Form eines einzelnen Supermarktgebäudes für den Discounter Kaufland.
Bevölkerung
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 2007 | 37.289 |
| 2010 | 37.162 |
| 2015 | 39.741 |
| 2020 | 40.463 |
| 2021 | 40.346 |
| 2022 | 40.920 |
| 2023 | 41.309 |
| 2024 | 41.250 |
Quelle: Statistischer Bericht A I 5. Einwohnerregisterstatistik Berlin. Bestand – Grunddaten. 31. Dezember. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (jeweilige Jahre)<ref>Statistischer Bericht A I 5 – hj 2 / 23. Einwohnerregisterstatistik Berlin 31. Dezember 2023. (PDF) Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, S. 25, abgerufen am 1. März 2024.</ref>
Sehenswürdigkeiten
- Melanchthon-Kirche am Melanchthonplatz, 1893 eingeweiht
- Laurentius-Kirche, 1958 eingeweiht
- Nathan-Söderblom-Kirche, 1968 eingeweiht
- Haus Baensch, Weinmeisterhöhe, Höhenweg 9, geplant von Hans Scharoun, 1935
- Jaczo-Schlucht am westlichen Ufer der Havel. Auf Höhe der Gatower Straße 199 beginnt kurz vor Gatow ein Weg durch die Schlucht zur Havel. Hier befindet sich ein kleiner, runder, unscheinbarer und verwahrloster Turm. Er wurde 1914 mit privaten Mitteln eines anonymen Spandauer Bürgers zur Erinnerung an den slawischen Fürsten Jaxa von Köpenick errichtet, der auch der Schlucht den Namen gab. Jaxa oder auch Jaczo ging in die Geschichte ein als Gegenspieler von Albrecht dem Bären bei der Gründung der Mark Brandenburg im Jahr 1157. Ein schon weit zerfallenes Relief am Turm zeigt Jaxa auf der Flucht vor Albrecht dem Bären und zwei seiner Reiter. Der Legende und der lateinischen Inschrift nach soll Albrecht den Slawenfürsten am Ende der Schlucht in die Havel getrieben haben. Das rettende gegenüber liegende Ufer bei Schildhorn erreichte er nur mit Hilfe des – in letzter Not angerufenen und bislang verhassten – Christengottes, dem er zum Dank die Treue schwor. Bei Schildhorn ließ König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen 1845 zur Erinnerung an Jaxas wundersame Bekehrung ein Denkmal errichten.
- Landschaftsschutzgebiet Tiefwerder Wiesen, letztes natürliches Überschwemmungs- und Hecht-Laichgebiet in Berlin
Infrastruktur
Verkehr
Wilhelmstadt wird von den Bundesstraßen B 2 und B 5 durchzogen. Beide verlaufen größtenteils auf der gemeinsamen Trasse der Heerstraße in Richtung Innenstadt. Die B 2 zweigt im Ortsteil an der Wilhelmstraße nach Süden in Richtung Potsdam ab, die B 5 verläuft weiter nach Westen in Richtung Nauen.
Unweit des Ortsteils liegen der Fern- und Regionalbahnhof Spandau und der U-Bahnhof Rathaus Spandau. Die Wilhelmstadt selbst ist über den Busverkehr der BVG erschlossen. Langfristig ist eine (Wieder-)Anbindung durch die Straßenbahn geplant, nachdem die letzten Wilhelmstadt durchquerenden Straßenbahnlinien 75 und 76 am 24. Januar 1966 durch Busse ersetzt worden sind<ref>berlin-straba.de</ref>.
Bildung
- Bertolt-Brecht-Oberschule
- Wilhelmstadt Schulen (privates Schulzentrum)
Sport
- Kombibad Spandau-Süd (Uwe-Gaßmann-Bad), Gatower Straße 19
- Spandauer Yacht-Club, Scharfe Lanke 31
- Weltweit einzige „nasse“ Tiefenrauschsimulationsanlage an der Scharfen Lanke am südöstlichen Rand der Wilhelmstadt. Die DLRG Berlin kann mit ihrer Tauchturm-Anlage der Bundeslehr- und Forschungsstätte (BLFS) Tiefen bis zu 150 Meter Wassertiefe simulieren. Sporttaucher können hier unter sicheren Bedingungen die Gefahren des Tiefenrausches erfahren, und es werden Tauchunfälle behandelt.
Persönlichkeiten
- John Barnett Humphreys (1787–1858), Schiffbauer, Werftgründer in Pichelsdorf
- Rudolf Heß (1894–1987), deutscher Politiker (NSDAP), lebte von 1947 bis zu seinem Suizid 1987 im Kriegsverbrechergefängnis in der Wilhelmstadt.
- Hermann Wiederhold (1899–1968), Politiker (FDP), in Tiefwerder geboren
- Emmy Zehden (1900–1944), versteckte jüdische Mitbürger, Opfer des Nationalsozialismus, lebte in der Franzstraße 32
Wilhelmstadt in der Literatur
Die Wilhelmstadt ist zentraler Ort in den sogenannten Wilhelmstadtkrimis des Spandauer Autors Maik Bischoff. Die Krimireihe, die bisher drei Teile umfasst, handelt vom ehemaligen LKA-Ermittler Werner Böhme und dessen Freund Fabian Dost. In den Büchern werden versteckte Orte und weitgehend unbekannte Geschichten rund um die Wilhelmstadt zum Teil der Geschichte um private Mordermittlungen.
Siehe auch
- Liste der Straßen und Plätze in Berlin-Wilhelmstadt
- Liste der Kulturdenkmale in Berlin-Wilhelmstadt
- Liste der Gedenktafeln in Berlin-Wilhelmstadt
- Liste der Stolpersteine in Berlin-Wilhelmstadt
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
Falkenhagener Feld | Gatow | Hakenfelde | Haselhorst | Kladow | Siemensstadt | Spandau | Staaken | Wilhelmstadt