Maria Koepcke
Maria Emilia Anna Koepcke, geborene von Mikulicz-Radecki (* 15. Mai 1924 in Leipzig; † zwischen 24. Dezember 1971 und 9. Januar 1972Vorlage:Todesdatum unklar nahe Puerto Inca, Peru), gelegentlich auch Maria Köpcke geschrieben, war eine deutsch-peruanische Ornithologin. Sie gehört zu den Opfern des Flugzeugabsturzes LANSA-Flug 508.
Leben
Maria von Mikulicz-Radecki wuchs in Deutschland auf und wurde 1949 in Zoologie an der Universität Kiel mit der Dissertation Studien über Musterung und Färbung von Wild- und Haustauben promoviert. Sie verließ 1950 Deutschland und wanderte nach Peru aus, wo sie im selben Jahr den Zoologen Hans-Wilhelm Koepcke heiratete, mit dem sie zusammen in Kiel studiert hatte. Zunächst arbeitete Maria Koepcke wie ihr Mann am Museo de Historia Natural der Universidad Nacional Mayor de San Marcos in Lima, wo sie die Vögel- und Mammalogie-Abteilung leitete.<ref name="Orbituaries: Hans-Wilhelm Koepcke">Orbituaries: Hans-Wilhelm Koepcke (PDF; 169 kB) auf der Seite der Universitätsbibliothek der University of New Mexico (englisch)</ref> Mit ihrem Mann arbeitete sie während ihrer wissenschaftlichen Forschungen eng zusammen und publizierte mit ihm gemeinsam. Zu ihren gemeinsamen Veröffentlichungen gehörten Las Aves de Importancia Económica del Perú, die zwischen 1963 und 1971 vom peruanischen Landwirtschaftsministerium herausgegeben wurden.<ref name="Orbituaries: Hans-Wilhelm Koepcke" /> Aus der Ehe ging eine Tochter, Juliane Koepcke, hervor. Zusammen mit ihrem Mann gründete Maria Koepcke 1968 die Forschungsstation „Panguana“ im Tiefland-Regenwald von Peru, die nach einer heimischen Vogelart benannt ist.<ref>Panguana auf der Seite der Zoologischen Staatssammlung München</ref> Maria Koepcke konnte sich zu einer Zeit, in der die Ornithologie in Südamerika sehr stark von Männern dominiert war, international einen Namen als Ornithologin machen. Ihr Spezialgebiet war die Avifauna der Neotropen.
Maria Koepcke war 1957 Erstbeschreiberin des Rostbauch-Dickichtschlüpfers (Synallaxis zimmeri), den sie nach dem verstorbenen Ornithologen John Todd Zimmer benannte, und 1954 des Weißohrkotinga (Zaratornis stresemanni), ein Name, den sie Erwin Stresemann widmete. Auch der Kaktuscanastero (Pseudasthenes cactorum) wurde 1959 von ihr beschrieben. Außerdem beschrieb sie einige neue Unterarten wissenschaftlich, so für den Braungimpelfink Tiaris obscurus pacificus (<templatestyles src="Person/styles.css" />Koepcke, 1963), den Kaktuscanastero Pseudasthenes cactorum lachayensis (<templatestyles src="Person/styles.css" />Koepcke, 1965) sowie Pseudasthenes cactorum monticola (<templatestyles src="Person/styles.css" />Koepcke, 1965), die Morgenammer Zonotrichia capensis illescasensis (<templatestyles src="Person/styles.css" />Koepcke, 1963), die Morgenammer Zonotrichia capensis markli (<templatestyles src="Person/styles.css" />Koepcke, 1971), den Rostschwanzcanastero Asthenes pudibunda grisior (<templatestyles src="Person/styles.css" />Koepcke, 1961), das Buckleytäubchen Columbina buckleyi dorsti (<templatestyles src="Person/styles.css" />Koepcke, 1962), den Weißbrauen-Baumschlüpfer Cranioleuca baroni zaratensis (<templatestyles src="Person/styles.css" />Koepcke, 1961), den Schwanzfleckenämmerling Rhopospina alaudina humboldti (<templatestyles src="Person/styles.css" />Koepcke, 1963), den Schwarzscheitelhemispingus Sphenopsis piurae macrophrys (<templatestyles src="Person/styles.css" />Koepcke, 1961), den Patagonienerdhacker Geositta cunicularia georgei (<templatestyles src="Person/styles.css" />Koepcke, 1965), den Rostkappen-Meisenschlüpfer Leptasthenura pileata latistriata (<templatestyles src="Person/styles.css" />Koepcke, 1965) und das Andensteißhuhn Nothoprocta pentlandii niethammeri (<templatestyles src="Person/styles.css" />Koepcke, 1968).
Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Maria Koepcke durch den Absturz von LANSA-Flug 508 am 24. Dezember 1971 bekannt, den ihre 17-jährige Tochter Juliane als einzige von 92 Insassen überlebte und anschließend tagelang durch den peruanischen Dschungel wanderte und schwamm. Das ungewöhnliche Schicksal von Juliane Koepcke fand damals breites Medieninteresse. Das im Jahr 2011 erschienene Buch von Juliane Koepcke Als ich vom Himmel fiel beschreibt neben dem Absturz auch die Vor- und Nachgeschichte.
Das Schicksal Maria Koepckes wurde trotz großer Anstrengungen ihres Mannes nie ganz geklärt. Vermutlich hatte sie wie ihre Tochter den Absturz selbst überlebt und starb erst etwa zwei Wochen danach, die Todesursache wurde nie untersucht. Offiziell wurde sie auf dem Friedhof in Aufkirchen am Starnberger See begraben, wo auch ihr Vater begraben wurde. Indizien sprechen aber dafür, dass dort lediglich ihr zur Identifikation durch Gebißvergleich verwendeter Unterkiefer beigesetzt wurde zusammen mit einigen wenigen Knochen einer unbekannten Leiche, von der nicht einmal das Geschlecht bekannt ist. Bei der ersten Identifikation durch ihren Mann am 12. Januar, in einer zur Leichenschauhalle umfunktionierten Fabrikhalle in Pucallpa, befand sich noch die auffällig gut erhaltene Leiche einer frisch verstorbenen Person mit diesem Unterkiefer in dem Sarg. Dies bestätigte auch der peruanische Arzt, der die Leiche für den Überführungsflug präparierte. In München, wo eigentlich eine Obduktion zur Klärung der Todesursache hätte stattfinden sollen, fanden die Mediziner in dem Sarg dagegen nur noch wenige Knochen vor, zusammen aber mit dem Unterkiefer, der nach zahnärztlichen Unterlagen zweifelsfrei Maria Koepcke zugeordnet wurde. Sie gaben die sterblichen Überreste daraufhin ohne jede Untersuchung zur Beerdigung frei. Die von ihrem Mann von Peru aus angestrengte Exhumierung zur Klärung der Identität der Knochen wurde nie durchgeführt. Nach Annahme ihrer Tochter Juliane befand sich ihre Leiche mit bei den Leichen und Leichenteilen, die am 24. Januar im Mausoleum Alas de Esperanza in Pucallpa beigesetzt wurden.<ref>Koepcke, Juliane: Als ich vom Himmel fiel: Wie mir der Dschungel mein Leben zurückgab. Piper, München 2011, ISBN 978-3-492-27493-7, S. 177 ff.</ref>
Zu Ehren von Maria Koepcke sind vier Vogelarten benannt:
- Andenkreischeule, Megascops koepckeae (<templatestyles src="Person/styles.css" />Hekstra, 1982)
- Koepckeschattenkolibri (Phaethornis koepckeae <templatestyles src="Person/styles.css" />Weske & <templatestyles src="Person/styles.css" />Terborgh, 1977)
- Koepckehokko (Pauxi koepckeae <templatestyles src="Person/styles.css" />Weske & Terborgh, 1971)
- Koepckekassike (Cacicus koepckeae <templatestyles src="Person/styles.css" />Lowery & <templatestyles src="Person/styles.css" />O’Neill, 1965)
Maria-Koepcke-Preis
Zu Ehren von Maria Koepcke vergibt die Fachgruppe „Ornithologische Sammlungen“ der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft seit 2007 den Maria-Koepcke-Preis.
Preisträger waren<ref>Maria-Koepcke-Preis. In: DO-G. Deutsche Ornithologen-Gesellschaft e. V., abgerufen am 1. Februar 2026.</ref>
- 2007: Christiane Quaisser
- 2008: Albrecht Manegold
- 2009: Martin Päckert
- 2010: Frank Dieter Steinheimer
- 2011: Dieter Thomas Tietze
- 2012: Till Töpfer
- 2013: Gerald Mayr
- 2015: Jörg Asmus
- 2017: Manuel Schweizer
- 2019: Justin J.F.J. Jansen
- 2025: Renate van den Elzen
- 2025: Angela Schmitz-Ornés
Publikationen (Auswahl)
- Ein neuer Asthenes (Aves, Furnariidae) von der Küste und dem westlichen Andenabhang Südperus. In: Beitrage zur Neotropischen Fauna. Band 1, Nr. 3, 1959, S. 243–248, doi:10.1080/01650525909380616.
- Zur Kenntnis der in Peru lebenden Tauben der Gattung Columbigallina Boie (mit der Beschreibung einer neuen Subspezies). In: Beitrage zur Neotropischen Fauna. Band 2, Nr. 4, 1962, S. 295–301, doi:10.1080/01650526209380631.
- Zur Kenntnis einiger Finken des peruanischen Küstengebietes (mit Beschreibungen neuer Subspezies). In: Beitrage zur Neotropischen Fauna. Band 3, Nr. 1, 1963, S. 2–19, doi:10.1080/01650526309360363.
- Zur Kenntnis einiger Furnariiden (Aves) der Küste und des westlichen Andenabhanges Perus (mit Beschreibungen neuer Subspezies). In: Beitrage zur Neotropischen Fauna. Band 4, Nr. 3, 1965, S. 150–173, doi:10.1080/01650526509360385.
Literatur
- Günther Niethammer: Maria Koepcke geb. Mikulicz-Radecki. In: Journal für Ornithologie. Band 115, Nr. 1, 1974, S. 91–102, doi:10.1007/BF01647319.
- Amadeo Michael Rea, León Kostritsky B.: Obituary: Maria Emilie Anna von Mikulicz-Radecki Koepcke. In: The Auk. Band 90, Nr. 3, 1973, S. 735–736 (sora.unm.edu [PDF; 295 kB; abgerufen am 13. Mai 2013]).
Weblinks
- Maria-Koepcke-Preis auf der Seite der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Koepcke, Maria |
| ALTERNATIVNAMEN | Mikulicz-Radecki, Maria von (Geburtsname); Köpcke, Maria |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsch-peruanische Ornithologin |
| GEBURTSDATUM | 15. Mai 1924 |
| GEBURTSORT | Leipzig |
| STERBEDATUM | 24. Dezember 1971 |