Georg Hohmann
Georg Hohmann (* 28. Februar 1880 in Eisenach; † 5. Oktober 1970 in Bergen (Chiemgau))<ref name="gesundheit" /> war ein deutscher Orthopäde und Hochschullehrer.
Leben
Georg Hohmann war Sohn des Kaufmanns Louis Hohmann (1843–1922) und der Ida Hohmann (1853–1931), geborene Neumann. Er studierte Medizin an der Universität Jena, der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.<ref name="gesundheit" /> In Würzburg bestand er 1903 das Staatsexamen und promovierte er zum Dr. med.<ref>Dissertation: Studie über Gießfieber.</ref><ref name="gesundheit" />
In München war er Assistenzarzt und Oberarzt bei Fritz Lange. Ab 1910 betrieb er eine eigene Arztpraxis.<ref name="gesundheit" /> Während des Ersten Weltkriegs baute er zusammen mit Franz Schede, der ihn „Meister der operativen Technik“ nannte, ein erstes „Rehabilitations“-Zentrum für Kriegsversehrte auf. 1918 habilitierte er sich in München.<ref>Habilitationsschrift: Die Pseudarthrosen und die durch Knochendefekte entstandenen Schlottergelenke.</ref> Im Dezember 1918 wurde er der erste Vorsitzende der neu gegründeten Deutschen Demokratischen Partei und Abgeordneter im Bayerischen Landtag.<ref name="gesundheit" /><ref name="HistLexBay" /> Er galt dabei als Anhänger des im darauf folgenden Jahres verstorbenen Friedrich Naumann (1860–1919)<ref name="HistLexBay" /> und als Meinungsführer des Linksliberalismus.<ref name="HistLexBay" />
Seit 1926 in München außerordentlicher Professor, folgte er 1930 dem Ruf der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main auf ihren Lehrstuhl für Orthopädie. Zugleich wurde er Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim.<ref name="gesundheit" /> 1937 übernahm Hohmann den Vorsitz des Fachverbandes Deutsche Orthopädische Gesellschaft (DOG).<ref name="gesundheit" /> Für das akademische Jahr 1945/46 zum Rektor ernannt, erreichte er die Wiedereröffnung der Universität.<ref name="biografie" /> Im April 1946 übernahm er den Lehrstuhl von Karl Bragard in München.<ref>Wolfgang Plitz: 100 Jahre Staatliche Orthopädische Klinik München. In: Sport-Orthopädie – Sport-Traumatologie, 2013, Band 29, Heft 4, S. 327–330, doi:10.1016/j.orthtr.2013.10.004.</ref> Dort wurde er für das akademische Jahr 1946/47 zum Rektor gewählt und bleibt dies bis Oktober 1953.<ref name="gesundheit" /> 1950 würdigte die DOG sein Wirken mit der Ehrenmitgliedschaft.<ref name="gesundheit" /><ref>Home: Ehrenmitglieder. Deutsche Orthopädische Gesellschaft, abgerufen am 20. November 2015.</ref> Weiter bekam er 1953 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.<ref name="gesundheit" /> Er wurde 1950 emeritiert, leitete den Lehrstuhl und die Klinik aber bis 1954.<ref name="biografie" />
Georg Hohmann war zweimal verheiratet und starb im Alter von 91 Jahren.<ref name="gesundheit" />
Wirken
Georg Hohmann galt neben seiner wissenschaftlichen und hervorragenden ärztlichen Tätigkeit als ein ausgezeichneter Lehrer für seine Assistenten und Studenten sowie als Gestalter für die gesamte Orthopädie in Technik, Krankengymnastik, Massage und orthopädischer Schuhmacherei, die er sinnvoll zur Behandlung einsetzte.
„Ruhe und Bewegung“<ref>Vgl. etwa G. Hohmann: Ruhe und Bewegung. Zwei orthopädische Heilprinzipien. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. 19–22.</ref> waren die Grundlagen seines ärztlichen Handelns. Hohmann beschäftigte sich mit dem ganzen Menschen, dessen Umwelt sowie dessen sozialer Situation. Georg Hohmann wurde geprägt von Friedrich Naumann, der ihn schon als Student faszinierte und sein soziales Empfinden neben nationalen und fortschrittlichen Gedanken zu formen verstand. Auch nachdem er sich in Bergen endgültig zur Ruhe gesetzt hatte, zeigen Fachbücher, Kongreßbesuche, Vorträge und wissenschaftliche Arbeiten sein unermüdliches Potential. Im Jahr 1939 wurde Hohmann zum Mitglied der Leopoldina gewählt.<ref>Mitgliederverzeichnis. Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 20. November 2015.</ref> Seit 1982 verleiht die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (frühere DOG) die Georg-Hohmann-Plakette an Menschen, die sich in besonderer Weise um die Entwicklung der Deutschen Orthopädie verdient gemacht haben.<ref name="gesundheit" />
Von 1958 bis 1967 war er Mitglied des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Bis zu seinem Tod war er Ehrenmitglied des Gremiums.
Stiftung Pfennigparade
Initiiert durch Georg Hohmann gründete sich 1950 eine Bürgerinitiative zugunsten Poliogelähmter.<ref name="pfennig" /> Diese wird zwei Jahre später als Verein eingetragen entwickelt sich zur Stiftung Pfennigparade mit heute (2015) einem Rehabilitationszentrum für körperbehinderte Menschen, dreizehn gemeinnützigen Tochtergesellschaften und einem Förderverein.
Ehrungen
- Dr. med. h. c. der Universität Würzburg (1953)
- Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, Großes Verdienstkreuz (1953)<ref name="gesundheit" />
- Dr. med. h. c. der Justus-Liebig-Universität Gießen
- Dr. med. vet. h. c. der Universität München (1955)
- Dr. rer. nat. h. c. der Universität Frankfurt (1955)
- Dr. med. h. c. der Universität Leipzig (1959)<ref>Verzeichnis der Ehrenpromotionen. Archiv der Universität Leipzig, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 19. Oktober 2020; abgerufen am 11. November 2020 (Ordnung nach Graduierungsjahr).</ref>
- Ehrenplakette der Stadt Frankfurt am Main (1960)
- Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst (1961)
- Bayerischer Verdienstorden (1962)
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Fuß und Bein, ihre Erkrankung und deren Behandlung. 1923; 5. Auflage 1951.
- Johann Georg Heine (1770–1838). In: Münchner Medizinische Wochenschrift. Band 76, 1929, S. 2056–2058.
- mit Lina Jegel-Stumpf: Orthopädische Gymnastik, ein Übungsbuch. 1933; 2. Auflage Georg Thieme; 3. Auflage 1956.
- Orthopädische Apparate und Bandagen. In: Zeitschrift für orthopädische Chirurgie. 1936; 2. Auflage 1938.
- mit Karl Giuliani: Orthopädische Technik. 1941; 4. Auflage 1958.
- Orthopädie. Ein Studienführer. 1947.
- Hand und Arm, ihre Erkrankungen und deren Behandlung. 1949.
- Ruhe und Bewegung. Zwei orthopädische Heilprinzipien. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. 19–22.
- Würzburg, die Wiege der deutschen Orthopädie. In: Archiv für Orthopädie. Band 45, 1953, S. 563–572.
- Ein Arzt erlebt seine Zeit. 1954.
- als Hrsg. mit Matthias Hackenbroch und Kurt Lindemann: Handbuch der Orthopädie. 4 Bände. 1957–1961.
- Die Ärztefamilie der Heine. In: Münchner Medizinische Wochenschrift. Band 104, 1962, S. 1102–1103.
Literatur
- Karl Ritter von Klimesch (Hrsg.): Köpfe der Politik, Wirtschaft, Kunst und Wissenschaft. Verlag Johann Wilhelm Naumann, Augsburg 1951, o. S.
- Eduard Güntz: In: FAZ, 2. November 1970
- Matthias Hackenbroch: In: Zeitschrift für Orthopädie und ihre Grenzgebiete, 108, 1971, S. 550
- Matthias Hackenbroch: Deutsche Medizinische Wochenschrift, 96, 1971, S. 558
- Eduard Güntz: Hohmann, Georg. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 9. Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
- Udo Benzenhöfer: Die Universitätsmedizin in Frankfurt am Main von 1914 bis 2014. Kontur, Münster 2014. S. 92, 155, 159, 163.
- Cornelia Rabe: Die Frankfurter Zeit (1930 bis 1946) des Orthopäden Georg Hohmann. Frankfurt a. M., Univ., Diss., 2014.
Weblinks
- Literatur von und über Georg Hohmann im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Georg Hohmann in der Parlamentsdatenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte in der Bavariathek.
- Zentrale Datenbank Nachlässe. In: nachlassdatenbank.de. Abgerufen am 30. August 2016 (Informationen über den Nachlass Georg Hohmanns im Institut für Stadtgeschichte Frankfurt).
- Prof. Dr. med. Dr. h. c. mult. Georg Hohmann (DVfR)
- Hohmann, Georg. Hessische Biografie. (Stand: 28. Februar 2020). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
Einzelnachweise
<references> <ref name="gesundheit"> Georg Hohmann (1880–1970). In: ihre-gesundheit.tv. Abgerufen am 20. November 2015. </ref> <ref name="HistLexBay"> Petrus Müller: Deutsche Demokratische Partei in Bayern (DDP). In: Historisches Lexikon Bayerns. 8. Januar 2007, abgerufen am 17. September 2018. </ref> <ref name="biografie"> Vorlage:Deutsche Biographie/core </ref> <ref name="pfennig"> Pfennigparade – Über uns. In: pfennigparade.de. Abgerufen am 20. November 2015. </ref> </references>
Rektoren (1826–2007): Georg Leonhard von Dresch | Andreas Florian Meilinger | Friedrich Wilhelm von Thiersch | Joseph Franz Allioli | Hieronymus von Bayer | Johann Adam Oberndorfer | Johann Nepomuk von Ringseis | Thaddäus Siber | Georg Friedrich Wiedemann | Hieronymus von Bayer | Johann Baptist von Weißbrod | Thaddäus Siber | Georg Friedrich Wiedemann | Franz Xaver Zenger | Johann Adam Oberndorfer | Johann Andreas Buchner | Franz Streber | Ignaz von Döllinger | Georg Phillips | Johann Baptist von Weißbrod | Maximilian von Stadlbaur | Hieronymus von Bayer | Franz Streber | Maximilian von Stadlbaur | Karl Ludwig Arndts | Johann Nepomuk von Ringseis | Peter Ernst von Lasaulx | Franz Xaver Reithmayr | Joseph von Pözl | Franz von Seitz | Hubert Beckers | Maximilian von Stadlbaur | Joseph von Pözl | Max von Pettenkofer | Philipp von Jolly | Ignaz von Döllinger | Bernhard Windscheid | Joseph von Pözl | Max von Pettenkofer | Wilhelm von Giesebrecht | Ignaz von Döllinger | Johann Julius Wilhelm Planck | Wilhelm Heinrich Riehl | Karl von Hecker | Carl Adolf Cornelius | Alois von Brinz | Johann von Helferich | Karl von Prantl | Karl Alfred von Zittel | Peter Schegg | Alois von Brinz | Wilhelm Heinrich Riehl | August von Rothmund | Heinrich Brunn | Ludwig Radlkofer | Josef Maria Schönfelder | Hermann von Sicherer | Karl Gayer | Hugo Wilhelm von Ziemssen | Wilhelm von Christ | Adolf von Baeyer | Alois Knöpfler | Josef Berchtold | August von Bechmann | Franz von Baur | Karl Wilhelm von Kupffer | Karl Theodor von Heigel | Eugen von Lommel | Joseph von Bach | Emanuel von Ullmann | Lujo Brentano | Franz Ritter von Winckel | Ernst Kuhn | Ferdinand von Lindemann | Otto Bardenhewer | Karl von Birkmeyer | Max Endres | Otto von Bollinger | Hermann Paul | Alois Knöpfler | Carl Gareis | Georg Ritter von Mayr | Friedrich von Müller | Hermann von Grauert | Karl von Goebel | Eduard Weigl | Clemens Baeumker | Friedrich von Müller | Reinhard von Frank | Erich von Drygalski | Georg Pfeilschifter | Carl von Kraus | Leopold Wenger | Wilhelm Wien | Karl Vossler | Vinzenz Schüpfer | Oswald Bumke | Eduard Eichmann | Albert Rehm | Reinhard Demoll | Leo von Zumbusch | Karl Escherich | Leopold Kölbl | Philipp Broemser | Walther Wüst | Albert Rehm | Karl Vossler | Georg Hohmann | Aloys Wenzl | Walther Gerlach | Michael Schmaus | Mariano San Nicolò | Josef Nikolaus Köstler | Alfred Marchionini | Melchior Westhues | Friedrich Klingner | Egon Wiberg | Joseph Pascher | Eugen Ulmer | Julius Speer | Gerhard Weber | Ludwig Kotter | Carl Becker | Audomar Scheuermann | Peter Walter | Nikolaus Lobkowicz | Wulf Steinmann | Andreas Heldrich | Bernd Huber | Präsidenten (ab 2007): Bernd Huber | Matthias Tschöp
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hohmann, Georg |
| ALTERNATIVNAMEN | Hohmann, Karl Georg Gottlieb (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Chirurg und Orthopäde |
| GEBURTSDATUM | 28. Februar 1880 |
| GEBURTSORT | Eisenach |
| STERBEDATUM | 5. Oktober 1970 |
| STERBEORT | Bergen |
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- Mediziner (20. Jahrhundert)
- Orthopäde, Unfallchirurg
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