Eugen Ulmer (Jurist)
Eugen Richard Karl Ulmer (* 26. Juni 1903 in Stuttgart; † 26. April 1988 in Heidelberg) war ein deutscher Rechtswissenschaftler.
Leben
Eugen Ulmer wurde als Sohn des Verlegers Richard Ulmer und seiner Frau, geb. Hedinger, geboren.<ref name=":0">Deutsch, Eugen Ulmer, 2007, S. 207.</ref> Zwischen 1913 und 1921 besuchte er das Karls-Gymnasium Stuttgart.<ref name=":0" /> Daraufhin studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Tübingen und der Humboldt-Universität zu Berlin. Er war seit dem Sommersemester 1921 der dem süddeutschen Liberalismus nahestehenden Tübinger Studentenverbindung Akademische Gesellschaft Stuttgardia.<ref>Jürg Arnold: Stuttgardia Tübingen 1869–1994. Geschichte der Akademischen Gesellschaft Stuttgardia. Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein, Stuttgart 1994, S. 398.</ref> Er wurde 1926 in Tübingen promoviert und habilitierte sich 1928 in Berlin, jeweils unter der Betreuung von Philipp Heck.<ref>Deutsch, Eugen Ulmer, 2007, S. 207 f.; Katzenberger, Eugen Ulmer (1903–1988), 2017, S. 267.</ref> 1929/1930 war Ulmer ordentlicher Professor für Deutsches Recht, Arbeitsrecht, Bürgerliches Recht, Deutsche Rechtsgeschichte, Deutsches und Mecklenburgisches Privatrecht, Handelsrecht, Seerecht, Wechselrecht an der Universität Rostock.<ref name=":1">Deutsch, Eugen Ulmer, 2007, S. 208.</ref> 1930 wurde er Ordinarius für deutsches und ausländisches Privat- und Handelsrecht an der Universität Heidelberg (Nachfolge Karl Heinsheimer).<ref name=":1" />
Ulmer trat mit Rückdatierung auf den 1. Oktober 1933 der SA und im November 1933 dem „Bund der nationalsozialistischen deutschen Juristen“ bei. In der SA bekleidete er zuletzt den Rang eines Truppführers. Im November 1937 wurde er nach eigenen Angaben aus der SA in die NSDAP überführt (Mitgliedsnummer 4.271.041). Für seine Mitgliedschaften in den NS-Organisationen musste sich Ulmer nach 1945 in einem Entnazifizierungsverfahren nach dem Befreiungsgesetz verantworten. Hier wurde er am 10. September 1946 in einer mündlichen Verhandlung als Mitläufer eingereiht und hatte 1500 RM als Sühne an den Wiedergutmachungsfonds zu leisten sowie die Kosten des Verfahrens zu tragen.<ref>Jan Ohnemus: Eugen Ulmer: Hochschullehrer und Kriegsrichter. In: Wolfgang Proske (Hrsg.): Täter, Helfer, Trittbrettfahrer NS-Belastete aus Nordbaden + Nordschwarzwald. Band 7. Kugelbergverlag, Gerstetten 2017, ISBN 3-945893-08-9, S. 283–298.</ref>
Nach dem Abschluss des Entnazifizierungsverfahrens lehrte Ulmer zunächst wieder in Heidelberg, bis er 1955 einem Ruf der Ludwig-Maximilians-Universität nach München folgte. Hier war er in den Jahren 1959 und 1960 auch Rektor.
Ulmer war in den Jahren 1965 bis 1973 Direktor des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Patent-, Urheber- und Wettbewerbsrecht in München.<ref>Eugen Ulmer im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar).</ref> Er wirkte insbesondere am Abschluss des Welturheberrechtsabkommens im Jahre 1951 mit. Außerdem hatte er Anteil an der Urheberrechtsreform und der Revision der Berner Übereinkunft in Stockholm (1967) und Paris (1971).
Eugen Ulmer ist nicht der Namensgeber des gleichnamigen Verlages, allerdings mit diesem verwandt. Ulmer hatte drei Kinder, darunter Rechtswissenschaftler Peter Ulmer und Verleger Roland Ulmer.
Ehrungen
- 1968: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
- 1973: Großes Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland<ref>Bekanntgabe von Verleihungen des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. In: Bundesanzeiger. Jg. 25, Nr. 190, 9. Oktober 1973.</ref>
- Bayerischer Verdienstorden
Bekannte Doktoranden
- Reinhard Goerdeler, 1948
- Gerhard Schricker, 1961
- Norbert Nothhelfer, 1963
Werke (Auswahl)
- Die direkte Anweisung im modernen Zahlungsverkehr, insbesondere das Dokumentakkreditiv. Jur. Diss., Stuttgart 1926.
- Warenzeichen und unlauterer Wettbewerb in ihrer Fortbildung durch die Rechtsprechung. Berlin 1929.
- Das Recht der Wertpapiere. Stuttgart u. a. 1938.
- Urheber- und Verlagsrecht. Berlin 1951 (2. Aufl. 1960, 3. Aufl. 1981).
- Der Rechtsschutz der ausübenden Künstler, der Hersteller von Tonträgern und der Sendegesellschaften in internationaler und rechtsvergleichender Sicht. München 1957.
- Der Urheberschutz wissenschaftlicher Werke unter besonderer Berücksichtigung der Programme elektronischer Rechenanlagen. München 1967.
- Elektronische Datenbanken und Urheberrecht. München 1971.
Literatur
- Karl Beier, Gerhard Schricker: Nachruf. In: GRUR. 1988, S. 411f. (GRURInt. 1988, S. 465f.)
- Gerhard Schricker: Ulmer, Eugen. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 26. Duncker & Humblot, Berlin 2016, ISBN 978-3-428-11207-4, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
- Erwin Deutsch: Eugen Ulmer: Ein Zivilrechtslehrer des 20. Jahrhunderts. In: Stefan Grundmann, Karl Riesenhuber (Hrsg.): Deutschsprachige Zivilrechtslehrer des 20. Jahrhunderts in Berichten ihrer Schüler: Eine Ideengeschichte in Einzeldarstellungen. Band 1. De Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-89949-456-3, S. 207–220. [Mit Bild]
- Adolf Dietz: Eugen Ulmer and Modern German Copyright Theory – The So-called Monistic Theory. In: Gunnar Karnell et al. (Hrsg.): Liber Amicorum Jan Rosén. eddy.se ab, Visby 2016, ISBN 978-91-85333-66-0, S. 225–239.
- Paul Katzenberger: Eugen Ulmer (1903–1988). In: Simon Apel u. a. (Hrsg.): Biographisches Handbuch des Geistigen Eigentums, Verlag: Mohr Siebeck, Tübingen 2017, ISBN 978-3-16-154999-1, S. 267–273.
- Ulrich Loewenheim: Eugen Ulmer. In: Archiv für Urheber-, Film-, Funk- und Theaterrecht (UFITA). Band 109, 1988, S. VII–IX. [Nachruf, mit Bild]
- Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Patent-, Urheber- und Wettbewerbsrecht (Hrsg.): Eugen Ulmer zum Gedächtnis. VCH, Weinheim 1989. [Mit umfassender Bibliographie, S. 59–113]
- Gerhard Schricker: Eugen Ulmer. In: Neue Juristische Wochenschrift. Band 41, Nr. 28, 1988, S. 1711–1712. [Nachruf]
- Jan Ohnemus: Eugen Ulmer: Hochschullehrer und Kriegsrichter. In: Wolfgang Proske (Hrsg.): Täter, Helfer, Trittbrettfahrer NS-Belastete aus Nordbaden + Nordschwarzwald. Band 7. Kugelbergverlag, Gerstetten 2017, ISBN 3-945893-08-9, S. 283–298.
Einzelnachweise
<references />
Weblinks
- Eintrag zu Eugen Ulmer im Catalogus Professorum Rostochiensium
- Werke von und über Eugen Ulmer in der Deutschen Digitalen Bibliothek
- Eugen Ulmer im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
Rektoren (1826–2007): Georg Leonhard von Dresch | Andreas Florian Meilinger | Friedrich Wilhelm von Thiersch | Joseph Franz Allioli | Hieronymus von Bayer | Johann Adam Oberndorfer | Johann Nepomuk von Ringseis | Thaddäus Siber | Georg Friedrich Wiedemann | Hieronymus von Bayer | Johann Baptist von Weißbrod | Thaddäus Siber | Georg Friedrich Wiedemann | Franz Xaver Zenger | Johann Adam Oberndorfer | Johann Andreas Buchner | Franz Streber | Ignaz von Döllinger | Georg Phillips | Johann Baptist von Weißbrod | Maximilian von Stadlbaur | Hieronymus von Bayer | Franz Streber | Maximilian von Stadlbaur | Karl Ludwig Arndts | Johann Nepomuk von Ringseis | Peter Ernst von Lasaulx | Franz Xaver Reithmayr | Joseph von Pözl | Franz von Seitz | Hubert Beckers | Maximilian von Stadlbaur | Joseph von Pözl | Max von Pettenkofer | Philipp von Jolly | Ignaz von Döllinger | Bernhard Windscheid | Joseph von Pözl | Max von Pettenkofer | Wilhelm von Giesebrecht | Ignaz von Döllinger | Johann Julius Wilhelm Planck | Wilhelm Heinrich Riehl | Karl von Hecker | Carl Adolf Cornelius | Alois von Brinz | Johann von Helferich | Karl von Prantl | Karl Alfred von Zittel | Peter Schegg | Alois von Brinz | Wilhelm Heinrich Riehl | August von Rothmund | Heinrich Brunn | Ludwig Radlkofer | Josef Maria Schönfelder | Hermann von Sicherer | Karl Gayer | Hugo Wilhelm von Ziemssen | Wilhelm von Christ | Adolf von Baeyer | Alois Knöpfler | Josef Berchtold | August von Bechmann | Franz von Baur | Karl Wilhelm von Kupffer | Karl Theodor von Heigel | Eugen von Lommel | Joseph von Bach | Emanuel von Ullmann | Lujo Brentano | Franz Ritter von Winckel | Ernst Kuhn | Ferdinand von Lindemann | Otto Bardenhewer | Karl von Birkmeyer | Max Endres | Otto von Bollinger | Hermann Paul | Alois Knöpfler | Carl Gareis | Georg Ritter von Mayr | Friedrich von Müller | Hermann von Grauert | Karl von Goebel | Eduard Weigl | Clemens Baeumker | Friedrich von Müller | Reinhard von Frank | Erich von Drygalski | Georg Pfeilschifter | Carl von Kraus | Leopold Wenger | Wilhelm Wien | Karl Vossler | Vinzenz Schüpfer | Oswald Bumke | Eduard Eichmann | Albert Rehm | Reinhard Demoll | Leo von Zumbusch | Karl Escherich | Leopold Kölbl | Philipp Broemser | Walther Wüst | Albert Rehm | Karl Vossler | Georg Hohmann | Aloys Wenzl | Walther Gerlach | Michael Schmaus | Mariano San Nicolò | Josef Nikolaus Köstler | Alfred Marchionini | Melchior Westhues | Friedrich Klingner | Egon Wiberg | Joseph Pascher | Eugen Ulmer | Julius Speer | Gerhard Weber | Ludwig Kotter | Carl Becker | Audomar Scheuermann | Peter Walter | Nikolaus Lobkowicz | Wulf Steinmann | Andreas Heldrich | Bernd Huber | Präsidenten (ab 2007): Bernd Huber | Matthias Tschöp
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ulmer, Eugen |
| ALTERNATIVNAMEN | Ulmer, Eugen Richard Karl (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Rechtswissenschaftler |
| GEBURTSDATUM | 26. Juni 1903 |
| GEBURTSORT | Stuttgart |
| STERBEDATUM | 26. April 1988 |
| STERBEORT | Heidelberg |
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