Zum Inhalt springen

Andrej Hunko

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 10. Februar 2026 um 17:33 Uhr durch imported>X-angel (Politik: vermutlichen Tippfehler korrigiert t).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Andrej Hunko.2025.jpg
Andrej Hunko (2025)

Andrej Konstantin Hunko (* 29. September 1963 in München) ist ein deutscher Politiker (BSW, zuvor Die Linke, WASG, PDS). Er war von 2009 bis 2025 Mitglied des Deutschen Bundestages. Dem Parteivorstand der Linken gehörte er von 2014 bis 2021 an. Seit 2025 ist er Co-Landesvorsitzender des BSW in Nordrhein-Westfalen.

Herkunft, Ausbildung und berufliche Tätigkeiten

Andrej Hunko ist ukrainischer Abstammung. Sein Großvater kämpfte während des Zweiten Weltkriegs in der Ukraiinska Nazionalna Armija gegen die Rote Armee.<ref name="Antiimperialistische">Antiimperialistische Front. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. 10. Januar 2010, abgerufen am 26. Februar 2020.</ref>

Hunko wurde in München geboren und wuchs in Aachen auf.<ref name="Biografie">Andrej Hunko: Zur Person. In: andrej-hunko.de. Abgerufen am 26. Februar 2020.</ref> Dort machte er 1983 auf dem Kaiser-Karls-Gymnasium das Abitur und leistete danach beim DPWV seinen Zivildienst.

1985 begann er an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg ein Studium der Medizin, das er 1991 ohne Abschluss beendete<ref name="Antiimperialistische" />. In einem Interview sagte er 2018, dies sei „eine Reaktion 1991 auf den Irak-Krieg“ gewesen, „eine nicht sehr reife Reaktion, wie ich rückblickend finde“.<ref>Franz Ludwig Averdunk: Der Protestler: Andrej Hunko. In: Das Parlament. 22. Oktober 2018, abgerufen am 9. Juli 2020.</ref> Anschließend übte er verschiedene Tätigkeiten in Freiburg, Aachen und Berlin aus, unter anderem als LKW-Fahrer, Drucker, Krankenpfleger und Publizist. 1999 bis 2004 absolvierte er eine Berufsausbildung zum Mediengestalter und arbeitete als Mediengestalter und Drucker. Von 2007 bis 2009 war er Mitarbeiter des MdEP Tobias Pflüger. Von 2009 bis 2025 war er Mitglied des Deutschen Bundestages; bis 2023 für die Partei Die Linke, von 2023 bis 2025 gehörte er der Gruppe von Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) im Bundestag an.

Politik

Datei:Andrej Hunko im Bundestag (2020).jpg
Andrej Hunko im Fraktionssaal der Linksfraktion im Bundestag in Berlin

Hunko war von 1986 bis 1989 in der Bunten Liste Freiburg aktiv und von 1991 bis 1995 Mitglied der Sozialistischen Arbeitergruppe.<ref>Andrej Hunko: Zur Person. In: andrej-hunko.de. Abgerufen am 26. Februar 2020.</ref> Ab 2004 war er einer der Organisatoren der Montagsdemonstrationen gegen Sozialabbau in Aachen.

2005 trat Hunko der neu gegründeten WASG bei, deren Kreissprecher für Stadt und Kreis Aachen er 2006 wurde. Im gleichen Jahr trat er auch in die PDS ein und zählte zu den Befürwortern einer Fusion beider Parteien unter Einbezug der sozialen Bewegungen.<ref>Andrej Hunko u.a.: Aachener Appell zur Entstehung der Neuen Linken aus Sozialen Bewegungen, WASG und Linkspartei. In: neue-linke.info. 19. Oktober 2005, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 12. Februar 2006; abgerufen am 23. März 2024.</ref> Beim Zusammenschluss von WASG und PDS und Gründung des Landesverbands Die Linke Nordrhein-Westfalen wurde Hunko in den Landesvorstand gewählt.

2009 zog er über Platz 6 der Landesliste seiner Partei in den Bundestag ein. Seine Fraktion entsandte ihn in den Ausschuss für Angelegenheiten der Europäischen Union sowie in die Parlamentarische Versammlung des Europarates. Zur Bundestagswahl 2013 hatte ihn die Wahlversammlung der Mitglieder der Partei Die Linke in der Stadt Aachen ohne Gegenstimmen erneut als Direktkandidaten für den Wahlkreis Aachen-Stadt (jetzt Wahlkreis 87) aufgestellt.<ref>Nils Heinichen: Aachen: „Die Linke“: Traumergebnis für Andrej Hunko. In: Aachener Nachrichten. 20. Januar 2013, abgerufen am 27. Februar 2020.</ref> Die Landesvertreterversammlung Nordrhein-Westfalen der Partei Die Linke wählte ihn mit 91 Prozent der Delegiertenstimmen zum Kandidaten auf Listenplatz 4 der Landesliste.

Auf dem Bundesparteitag im Mai 2014 wurde er erstmals in den Parteivorstand gewählt.<ref>DIE LINKE: Wahl des Parteivorstandes. In: die-linke.de. Abgerufen am 26. Februar 2020.</ref> Im Frühjahr 2016 wurde als Nachfolger von Diether Dehm europapolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag.<ref>Markus Decker: Forderungen: Gregor Gysi stellt die Linke vor die Wahl. In: Berliner Zeitung. 11. April 2016, abgerufen am 26. Februar 2020.</ref>

Bei der Bundestagswahl 2017 zog Hunko über Platz 4 der Landesliste Nordrhein-Westfalen ins Parlament ein.<ref>Bundeswahlleiter: Gewählte auf Landeslisten der Parteien in Nordrhein-Westfalen. Abgerufen am 26. Februar 2020.</ref> Zudem war er wieder als Direktkandidat im Wahlkreis Aachen I angetreten und hatte dort sein Ergebnis auf 8,8 % verbessern können.

Am 11. Februar 2020 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden der Linksfraktion im Bundestag gewählt, nachdem bei der Vorstandswahl am 12. November 2019 kein Nachfolgekandidat für Sevim Dağdelen eine Mehrheit erzielen konnte.<ref>Matthias Meisner: So tickt der neu gewählte Vize-Chef der Linksfraktion. In: Tagesspiegel. 12. Februar 2020, abgerufen am 26. Februar 2020.</ref> Dieses Amt hatte er bis 2023 inne.

2021 wurde er von der Partei Die Linke erneut zum Direktkandidaten für den Wahlkreis Aachen I aufgestellt, wo er allerdings nur 4,4 % der Erststimmen erreichte.<ref>Wolfgang Schumacher-Münstermann: Eindeutiges Votum: Andrej Hunko wieder Aachener Direktkandidat der Linken für den Bundestag. 20. Februar 2021, abgerufen am 20. Februar 2021.</ref> Er zog über Platz 4 der Landesliste in den Bundestag ein.

Zudem war Hunko von 2010 bis 2025 Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates. Von 2024 bis 2025 war er dort Co-Vorsitzender der Fraktion der Vereinigten Europäischen Linken.<ref>Profil auf der Website der Parlamentarischen Versammlung des Europarats. Europarat, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 7. Oktober 2024; abgerufen am 12. Dezember 2024 (englisch).</ref>

Im Oktober 2023, mit der Vorstellung des Vereins BSW – Für Vernunft und Gerechtigkeit, trat Hunko mit neun weiteren Bundestagsabgeordneten aus der Linkspartei aus. Er wurde im Januar 2024 Mitglied der neugegründeten Partei BSW, die aus dem Verein hervorging.<ref>Spaltung der Linkspartei vollzogen: Wagenknecht und Co. treten aus. In: Die Tageszeitung: taz. 23. Oktober 2023, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 23. Oktober 2023]).</ref><ref>Wagenknecht tritt aus Linke aus – Ende des Fraktionsstatus droht. In: tagesschau.de. 23. Oktober 2023, abgerufen am 23. Oktober 2023.</ref> Bei der Bundestagswahl 2025 kandidierte er auf Platz 5 der Landesliste des BSW in Nordrhein-Westfalen, verfehlte jedoch den Wiedereinzug in den Bundestag. Am 12. Oktober 2025 wurde er zum Co-Vorsitzenden des BSW in Nordrhein-Westfalen gewählt.<ref>Alexander Mroos: Gründungsmitglied Andrej Hunko an Spitze des BSW in NRW gewählt. In: rp-online.de. 12. Oktober 2025, abgerufen am 20. Oktober 2025.</ref>

Positionen und Kontroversen

Allgemein

Hunko sprach sich 2009 angesichts der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise für „soziale Unruhen“ aus, die fälschlicherweise „gezielt mit Gewalt und Faschismus in Verbindung gebracht“ würden.<ref name="WeltSozUnruhe">Franz Solms-Laubach: Wirtschaftskrise: Linke ruft zu sozialen Unruhen in Deutschland auf. In: Die Welt. 27. April 2009.</ref> Das Gegenteil sei jedoch der Fall, wie das Beispiel Island zeige: „Sozialer Protest gegen die Krise kann eine Regierung stürzen, Neuwahlen erzwingen und neue gesellschaftliche Hoffnung erzeugen“, erklärte Hunko. Der Tübinger Politikwissenschaftler Josef Schmid sah soziale Unruhen in Deutschland jedoch als unwahrscheinlich an.<ref name="WeltSozUnruhe" />

Um die Jahreswende 2010/2011 erregte Hunko mediales Aufsehen, als er sich dem Krawattenzwang für Schriftführer im Bundestag widersetzte.<ref>Pressespiegel zum Krawattenzwang</ref>

2013 kritisierte Hunko die Drohnen-Strategie der Bundeswehr<ref>Veit Medick: Bundesregierung drängt auf Einsatz bewaffneter Drohnen. In: Der Spiegel. 24. Januar 2013, abgerufen am 27. Februar 2020.</ref> und die Unterstützung autoritärer Regime in Ägypten und Tunesien bei der Internetüberwachung durch das BKA.<ref>Christian Fuchs, John Goetz: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Unterstützung für autoritäre Regierungen – Internetüberwachung mit BKA-Hilfe (Memento vom 30. April 2013 im Internet Archive). In: tagesschau.de. 29. April 2013.</ref>

Hunko machte wiederholt auf die schrittweise Mandatserweiterung der EU-Agenturen Europol und Frontex aufmerksam.<ref>Andrea Dernbach: „EU-Behörden spionieren widerrechtlich Migranten aus“. In: Tagesspiegel. 17. Januar 2020, abgerufen am 9. Oktober 2020.</ref><ref>Andrej Hunko: Menschenrechtsverletzungen bei Frontex nicht unter den Teppich kehren! In: Die Freiheitsliebe. 26. Juni 2019, abgerufen am 9. Oktober 2020.</ref><ref>Stefan Krempl: Europol stellt Eingreiftruppe gegen internationale Cyberangriffe auf. In: Heise Online. 3. Oktober 2019, abgerufen am 9. Oktober 2020.</ref> Auch den Ausbau von Datenbanken<ref>Jannis Brühl: Furcht vor dem „großen Big-Brother-Datentopf“. In: Süddeutsche Zeitung. 21. November 2018, abgerufen am 9. Oktober 2020.</ref><ref>Dietmar Neuerer: Bundestags-Gutachten: Wie der Brexit Europas Sicherheit bedroht. In: Handelsblatt. 18. Oktober 2016, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 9. Oktober 2020.@1@2Vorlage:Toter Link/www.handelsblatt.com (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> sowie die Abwehr irregulärer Migration im Mittelmeer<ref>Andrea Dernbach und Ulrike Scheffer: Sklavenhandel in Libyen: Starke Jungs für 400 Dollar. In: Tagesspiegel. 21. November 2017, abgerufen am 9. Oktober 2020.</ref><ref>Linkspartei lehnt Aufstockung der Mittel für Außengrenzschutz ab. In: PNP. 19. September 2018, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 9. November 2020; abgerufen am 9. Oktober 2020.</ref> begleitet er kritisch durch parlamentarische Anfragen. Zu Möglichkeiten der Seenotrettung im Mittelmeer gab er bei den Wissenschaftlichen Diensten des Bundestages mehrere Ausarbeitungen in Auftrag.<ref>Marion Trimborn: Rettung von Bootsflüchtlingen: Bundestags-Gutachten stärkt Hilfsorganisationen den Rücken. In: noz.de. 3. August 2017, abgerufen am 9. Oktober 2020.</ref><ref>Uwe Kalbe: Tödliche Kumpanei auf hoher See. In: Neues Deutschland. 22. Februar 2018, abgerufen am 9. Oktober 2020.</ref><ref>Seenotrettung vor Libyen: Kapitäne in rechtlicher Grauzone. In: Zeit Online. 10. März 2020, abgerufen am 9. Oktober 2020.</ref> In mehr als einem Dutzend parlamentarischen Initiativen versuchte Hunko die Auslandszusammenarbeit des Verfassungsschutzes in der „Counter Terrorism Group“ des Berner Club zu kontrollieren.<ref>Andrej Hunko: Ein Inlandsgeheimdienst im Ausland. In: Neues Deutschland. 22. Juni 2017, abgerufen am 9. Oktober 2020.</ref><ref>Peter Temel: Insider: Rauswurf des BVT aus „Berner Club“ war nicht geplant. In: kurier.at. 2. November 2018, abgerufen am 9. Oktober 2020.</ref>

Eine mündliche Frage Hunkos an die Bundesregierung ergab 2016, dass die US-Basis in Ramstein für den Drohnen-Krieg der USA von zentraler Bedeutung ist.<ref>USA führen Drohnenkrieg von Deutschland aus. In: NDR. 30. November 2016, abgerufen am 27. Februar 2020.</ref> Hunko gehört auch zu den acht Unterzeichnern einer Strafanzeige gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen angeblicher Beihilfe zum Mord an dem General der Iranischen Revolutionsgarde Qasem Soleimani.<ref>Linke-Abgeordnete zeigen Angela Merkel wegen Soleimanis Tötung an. In: Zeit Online. 27. Februar 2020, abgerufen am 9. Oktober 2020.</ref> Die Bundesanwaltschaft sah keinen Tatverdacht.<ref>[1]</ref> Die Strafanzeige stieß innerhalb und außerhalb Hunkos Partei auf heftige Kritik.<ref>Linksfraktion zofft sich wegen Drohnen-Klage gegen Merkel. In: RedaktionsNetzwerk Deutschland. 28. Februar 2020, abgerufen am 9. September 2020.</ref><ref>Linksfraktion zofft sich wegen Drohnen-Klage gegen Merkel. In: RedaktionsNetzwerk Deutschland. 28. Februar 2020, abgerufen am 9. September 2020.</ref><ref>Linke-Abgeordnete zeigen Angela Merkel wegen Soleimanis Tötung an. In: Die Zeit. 27. Februar 2020, abgerufen am 9. März 2022.</ref><ref>Linken-Abgeordnete provozieren mit Anzeige gegen Merkel. In: Der Tagesspiegel. 29. Februar 2020, abgerufen am 9. März 2022.</ref>

Im April 2019 war er der erste Bundespolitiker, der Venezuela seit Beginn des Machtkampfes zwischen Nicolás Maduro und Juan Guaidó besuchte und beide Politiker in Caracas traf.<ref>Georg Ismar: „Staatsbesuch“ in Venezuela Die seltsame Reise eines deutschen Linken-Politikers zu Maduro. In: Der Tagesspiegel. 26. April 2019.</ref><ref>Andrej Hunko: Bericht zur Venezuela-Reise im April 2019. In: amerika21. 20. Juli 2019, abgerufen am 27. Februar 2020.</ref> Zuvor hatte ein Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages, das von Hunko in Auftrag gegeben wurde, die Völkerrechtskonformität der Anerkennung von Juan Guaidó durch die Bundesregierung angezweifelt.<ref>Gutachten nährt Zweifel an Guaidó-Anerkennung. In: FAZ. 9. Februar 2019, abgerufen am 10. März 2020.</ref>

Im April und Mai 2020 beteiligte sich Hunko am bundesweiten Protest gegen die Krisenpolitik der Bundesregierung im Rahmen der COVID-19-Pandemie. Dabei trat er als Redner auf zwei Kundgebungen unter dem Motto „Die Gedanken sind frei“ in Aachen auf. Der Auftritt wurde von anderen Politikern und Abgeordneten der Partei Die Linke kritisiert.<ref>Der Tagesspiegel: Eklat um Linken-Fraktionsvize Andrej Hunko, am 18. Mai 2020, abgerufen am 1. November 2022</ref>

Zum russischen Krieg in der Ukraine

Hunko war Mitglied von Wahlbeobachtungsdelegationen des Europarates bei den Parlamentswahlen 2012<ref>Daniel Tost: "Man muss jetzt fair mit der Ukraine umgehen". In: Euractiv. 29. Oktober 2012, abgerufen am 27. Februar 2020.</ref> und, nach dem Sturz der Regierung Janukowytsch, im Herbst 2014<ref>Jasper Barenberg: Ukraine-Wahl – „Zeichen wieder auf Eskalation“. In: Deutschlandfunk. 27. Oktober 2014, abgerufen am 27. Februar 2020.</ref>. Nach Beginn des russischen Krieges in der Ost-Ukraine sammelte er gemeinsam mit seinem Abgeordneten-Kollegen Wolfgang Gehrcke Spenden in Höhe von 135.200 Euro<ref>Abschlussbericht zur Initiative „Hilfe für die Kinder im Donbass“. 1. Juni 2016, abgerufen am 27. Februar 2020.</ref> für ein Kinderkrankenhaus im umkämpften Donezbecken.<ref>Klaus Joachim Herrmann: Den Kindern in Gorlowka fehlt alles. In: Neues Deutschland. 27. Januar 2015, abgerufen am 27. Februar 2020.</ref> Anfang 2015 brachten die beiden Abgeordneten den ersten Teil der Hilfslieferung in das Kriegsgebiet in der international nicht anerkannten „Volksrepublik Donezk“. Dabei trafen sie sich auch mit dem „Staatschef“ der „Volksrepublik“, Alexandr Sachartschenko, was von deutschen Journalisten als „Propagandaerfolg für die Separatisten“ gewertet wurde.<ref name="Abenteuertour">Matthias Meisner und Claudia con Salzen: Linken-Abgeordnete auf Abenteuertour im Kriegsgebiet. In: Tagesspiegel. 20. Februar 2015, abgerufen am 27. Februar 2020.</ref><ref>Separatisten machen Propaganda mit Linke-Abgeordneten. In: Zeit Online. 18. Februar 2015, abgerufen am 27. Februar 2020.</ref> Die ukrainische Regierung protestierte daraufhin beim Auswärtigen Amt in Berlin. Im Zuge dessen und der Verletzung des ukrainischen Aufenthaltsrechts wurde ein Einreiseverbot in die Ukraine über ihn verhängt.<ref name="Abenteuertour" />

Im Europarat setzte sich Hunko für die Rückkehr der russischen Delegation ein.<ref>Andrej Hunko und René Jokisch: Russlands Ausschluss aus dem Europarat wäre ein großer Fehler. In: euractiv.de. 7. Juni 2016, abgerufen am 28. Februar 2020.</ref> Nachdem die Parlamentarische Versammlung sie 2014 aufgrund der völkerrechtswidrigen russischen Annexion der Krim 2014 sanktioniert hatte,<ref>Citing Crimea, PACE suspends voting rights of Russian delegation and excludes it from leading bodies. 10. April 2014, abgerufen am 28. Februar 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> nahmen die russischen Parlamentarier fünf Jahre lang nicht mehr an den Sitzungen teil.

Hunko gehörte zu den Mitunterzeichnern einer Erklärung, welche den Vereinigten Staaten eine maßgebliche Verantwortung für den Russischen Überfall auf die Ukraine 2022 zuschreibt. Der außenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion der Linken Gregor Gysi zeigte sich angesichts des Briefs entsetzt über die völlige Emotionslosigkeit hinsichtlich des Angriffskrieges und warf den Politikern vor, nur daran interessiert zu sein, ihre alte Ideologie in jeder Hinsicht zu retten.<ref>»Liebe Sahra, ich bin über eure Erklärung entsetzt«. Abgerufen am 9. März 2022.</ref>

Einsatz für Gefangene

Hunko erwirkte die Aufnahme von Vadim Kuramshin (Kasachstan), Grigorij Petrenko (Republik Moldau), Mustafa Balbay und Faysal Sarıyıldız, Selma Irmak (Türkei/Kurdistan), Ahmed Said (Ägypten) und Brigitte Kafui Adjamagbo-Johnson (Togo)<ref>Lucas Lypp: Deutscher Bundestag - Andrej Hunko steht Brigitte Kafui Adjamagbo-Johnson aus Togo bei. Abgerufen am 20. April 2022.</ref> in das Bundestags-Programm „Parlamentarier schützen Parlamentarier“ (PsP)<ref>Andrej Hunko setzt sich für verfolgte Menschenrechtler ein. In: Deutscher Bundestag. 30. Juli 2018, abgerufen am 9. Oktober 2020.</ref> und besuchte viele der Gefangenen auch vor Ort.<ref>Sandra Ketterer: Hunko: Aufmerksamkeit zeigt Wirkung. In: Deutscher Bundestag. 3. August 2016, abgerufen am 9. Oktober 2020.</ref>

Im Oktober 2019 besuchte er den Duisburger Ismet Kilic während seiner Inhaftierung in Slowenien und setzte sich für dessen Freilassung ein.<ref>Anwalt: Duisburger nach wochenlanger Haft in Slowenien frei. In: welt.de. 17. Oktober 2019, abgerufen am 16. März 2021.</ref> Kilic war wegen eines türkischen Haftbefehls auf Grundlage eines Urteils aus den 1990er Jahren wegen angeblicher Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung festgenommen worden. Mitte Oktober 2019 konnte er nach Deutschland zurückkehren.

Hunko setzte sich 2020 für eine Freilassung von WikiLeaks-Gründer Julian Assange ein. Unter anderem auf seine Initiative hin<ref>Sara Chessa: Council of Europe sides with Julian Assange. In: Independent Australia. 5. Februar 2020, abgerufen am 27. Februar 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> forderte die Parlamentarische Versammlung des Europarates die 47 Mitgliedstaaten in einer Resolution<ref>PACE – Resolution 2317 (2020) – Threats to media freedom and journalists’ security in Europe. Abgerufen am 27. Februar 2020.</ref> auf, den Fall als „gefährlichen Präzedenzfall für Journalisten“ zu bewerten und sich für seine „unverzügliche Freilassung“ und gegen die Auslieferung an die USA starkzumachen.

Tätigkeit als Wahlbeobachter

Datei:Head of Delegation of the PACE Hunko (45565107921).jpg
Andrej Hunko in seiner Funktion als Leiter der Wahlbeobachtungsdelegation des Europarates in Georgien (2018)

Andrej Hunko war Mitglied zahlreicher Wahlbeobachtungsmissionen der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (PACE) und der OSZE. Er beobachtete unter anderem die folgenden Wahlen:

Hunko war auch als Wahlbeobachter der OSZE für die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in der Türkei 2018 vorgesehen. Die Türkei verweigerte ihm jedoch die Einreise.<ref>Türkei lässt Abgeordneten Hunko zur Wahl nicht einreisen. In: Deutsche Welle. 21. Juni 2018, abgerufen am 27. Februar 2020.</ref>

Bearbeitung des Wikipedia-Artikels durch Hunko-Mitarbeiter

2020 wurden weite Teile des Artikels über Hunko in der Online-Enzyklopädie Wikipedia von einem Autor verfasst, der ausschließlich dann editierte, wenn es Bezüge zu Hunko gab. Obwohl der Autor auf die Wikipedia-Regeln zu Interessenkonflikten und bezahltem Schreiben hingewiesen worden war, reagierte er nicht darauf. Hunko räumte 2021 auf Nachfrage von netzpolitik.org ein, dass der Autor bei ihm als Mitarbeiter angestellt sei und bedauerte, dass dieser den Interessenkonflikt nicht offengelegt habe. Der Mitarbeiter holte dies dann auf Hunkos Bitte hin nach.<ref>Mit freundlichen Edits aus dem Bundestag, Anna Biselli, Netzpolitik.org 3. September 2021</ref>

Veröffentlichungen

  • Immer mehr und größere Drohnen: Die Polizei rüstet auf (gemeinsam mit Matthias Monroy). In: Peter Strutynski (Hrsg.): Töten per Fernbedienung. Kampfdrohnen im weltweiten Schattenkrieg. Promedia, Wien 2013. S. 187–199, ISBN 978-3-85371-366-2.
  • Mögliche Gegenstrategien der humanistischen Gesellschaft, In: Peter Bathke und Anke Hoffstadt (Hrsg.): Die neuen Rechten in Europa: Zwischen Neoliberalismus und Rassismus, Papyrossa, 2013, ISBN 978-3-89438-507-1.
  • Ukrainische Spuren, In: Özcan Mutlu (Hrsg.): Politik ohne Grenzen. Migrationsgeschichten aus dem Deutschen Bundestag, B & S Siebenhaar, 2016, ISBN 978-3-943132-55-7.
  • Ukraine zwischen Bürgerkrieg, Russland und dem Westen. Vom EU-Assoziierungsabkommen in einen neuen Kalten Krieg?, VSA-Verlag, 2017, ISBN 978-3-89965-701-2.
  • WHO – Wer bestimmt, was gesund ist?, In: Hannes Hofbauer und Stefan Kraft (Hrsg.): Lockdown 2020. Wie ein Virus dazu benutzt wird, die Gesellschaft zu verändern. Promedia, Wien 2020, ISBN 978-3-85371-473-7.

Weblinks

Einzelnachweise

<references responsive />

Vorlage:Navigationsleiste Landesvorsitzende des BSW

Vorlage:Hinweisbaustein