Amt Heepen
| Wappen | Deutschlandkarte | |||||
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| Basisdaten (Stand 1972) | ||||||
| Koordinaten: | Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:adm2nd(35873) 52° 2′ N, 8° 37′ O
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| Bestandszeitraum: | 1843–1972 | |||||
| Bundesland: | Nordrhein-Westfalen | |||||
| Regierungsbezirk: | Detmold | |||||
| Kreis: | Bielefeld | |||||
| Fläche: | 57,8 km² | |||||
| Einwohner: | 35.873 (27. Mai 1970) | |||||
| Bevölkerungsdichte: | 621 Einwohner je km² | |||||
| Amtsgliederung: | 9 Gemeinden | |||||
Das Amt Heepen war ein Amt im Kreis Bielefeld in Nordrhein-Westfalen, Deutschland mit Sitz in Heepen. Durch das Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Bielefeld (Bielefeld-Gesetz) wurde es zum 31. Dezember 1972 aufgelöst und in die kreisfreie Stadt Bielefeld eingegliedert. Seine Gemeinden gehören heute zu den Bielefelder Stadtbezirken Heepen und Stieghorst. Die historischen Vorgänger des Amtes waren die Vogtei Heepen und der Kanton Heepen.
Vorgeschichte
Die Vogtei Heepen
Bis 1806 existierte im Raum Heepen die Vogtei Heepen im Amt Sparrenberg der Grafschaft Ravensberg, die seit dem 17. Jahrhundert zu Brandenburg-Preußen gehörte. Als große und bedeutende Vogtei besaß die Vogtei Heepen einen Amtmann an ihrer Spitze und wurde daher in zeitgenössischen Darstellungen auch als Amtsvogtei oder Amt bezeichnet. Zur Vogtei Heepen gehörten das Kirchdorf Heepen, die Bauerschaften Altenhagen, Brönninghausen, Elverdissen, Gräfinghagen, Hillegossen, Lämershagen, Lippe, Oldentrup, Senne, Sieker, Stieghorst und Ubbedissen sowie die adligen Güter Lübrassen, Milse und Niedermühlen. Im Jahr 1788 hatte die Vogtei 6.661 Einwohner.<ref name="weddigen">Peter Florenz Weddigen: Beschreibung des Preußischen Amts Heepen. In: Neues westphälisches Magazin zur Geographie, Historie und Statistik. 1789, S. 140 ff. (Digitalisatonline [abgerufen am 12. April 2010]).</ref>
Der Kanton Heepen
Nachdem die Grafschaft Ravensberg 1807 an das Königreich Westphalen gefallen war, wurden neue Verwaltungsstrukturen nach französischem Vorbild geschaffen. Aus dem Gebiet der Vogtei Heepen wurde im Distrikt Bielefeld des Departements der Weser der Kanton Heepen gebildet, der im Jahre 1808 8320 Einwohner hatte.<ref name="LWL">Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.); Projekt Westfälische Geschichte : "Königliches Decret, wodurch die Eintheilung des Königreichs in acht Departements angeordnet wird", mit: "Verzeichniß der Departements, Districte, Cantons und Communen des Königreichs"</ref><ref>Johann Georg Hassel: Geographisch-statistischer Abriß des Königreichs Westphalen. Verlag des Landes-Industrie-Comptoirs, Weimar 1809 Volltext bei Google Books, S. 250</ref> Im Kanton Heepen wurden 1808 zwei Munizipalitäten eingerichtet. Die Erste Munizipalität umfasste Heepen, Hillegossen, Altenhagen, Elverdissen und Sieker, die Güter Niedermühle, Lübrassen und Milse sowie einen Teil des Gutes Eckendorf. Die Zweite Munizipalität umfasste Stieghorst, Brönninghausen, Oldentrup, Ubbedissen, Lippe, Lämershagen, Gräfinghagen und Heepen-Senne.<ref>Eintheilung derjenigen Cantons des Districtes Bielefeld, im Weser-Departement, enthält, in welchen zwei Municipalitäten seyn sollen. In: Gesetz-Bülletin des Königreichs Westphalen. 18. Mai 1808, S. 144 f. (Digitalisat online [abgerufen am 13. April 2010]).</ref>
Nach der Annexion großer Teile Norddeutschlands durch Frankreich änderte sich 1811 auch im Raum Heepen die Verwaltungseinteilung. Die südlich des Teutoburger Waldes gelegene Heepen-Senne, die spätere Gemeinde Senne II, wurde durch Erlass des Königs von Westphalen in den Kanton Brackwede umgegliedert. Gleichzeitig wurde Milse in den Kanton Schildesche umgegliedert und die Einteilung des Kantons Heepen in zwei Munizipalitäten wieder aufgehoben. Der neu abgegrenzte Kanton Heepen hatte im Jahre 1811 8.468 Einwohner.<ref>Territorial-Eintheilung des Districts Bielefeld. In: Gesetz-Bülletin des Königreichs Westphalen Band 2. 20. November 1812, S. 425 (Digitalisat online [abgerufen am 13. April 2010]).</ref>
Nach dem Ende der Franzosenzeit fiel das Ravensberger Land 1813 wieder an Preußen. Im Rahmen einer großen Verwaltungsreform wurde Preußen in neu eingerichtete Provinzen, Regierungsbezirke und Kreise gegliedert. 1816 wurde im Regierungsbezirk Minden der Provinz Westfalen der Kreis Bielefeld gebildet, der bis auf Elverdissen, das zum Kreis Herford kam, auch das Gebiet des Kantons Heepen umfasste. In der Folgezeit wurde der Kanton Heepen als Verwaltungsbezirk Heepen oder auch als Bürgermeisterei Heepen bezeichnet.<ref>GenWiki: Amt Heepen</ref>
Das Amt Heepen
Mit der Einführung der Westfälischen Landgemeindeordnung wurde schließlich aus dem Verwaltungsbezirk Heepen im November 1843 das Amt Heepen. Nun wurden auch die einzelnen Dörfer und Bauerschaften als eigenständige Gemeinden konstituiert.<ref>Landgemeindeordnung für die Provinz Westfalen. (Digitalisat; PDF; 1,6 MB) In: Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten. 31. Oktober 1841, abgerufen am 14. April 2010.</ref> Das Amt Heepen bestand anfänglich aus den folgenden neun Gemeinden:<ref>Verordnung Nr. 713. In: Amtsblatt der Regierung Minden. 17. November 1843, S. 360 (Digitalisat online [abgerufen am 22. April 2010]).</ref>
- Altenhagen
- Brönninghausen
- Heepen (Amtssitz)
- Hillegossen
- Lämershagen-Gräfinghagen
- Oldentrup
- Sieker
- Stieghorst
- Ubbedissen (später Ubbedissen-Lippe)
1893 wurde die Gemeinde Milse aus dem benachbarten Amt Schildesche in das Amt Heepen umgegliedert.<ref>Amtsblatt der Regierung Minden 1893, S. 93</ref> Etwa seit Beginn des 20. Jahrhunderts lautete der amtliche Name der Gemeinde Ubbedissen Ubbedissen-Lippe.<ref>Gemeindelexikon für die Provinz Westfalen 1905, S. 12</ref><ref>Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich 1940, S. 124</ref> 1930 kam es zu einer umfangreichen kommunalen Neuordnung. Sieker, Stieghorst sowie Gebietsteile der Gemeinden Heepen und Oldentrup schieden aus dem Amt Heepen aus und wurden nach Bielefeld eingemeindet. Gleichzeitig kam die Gemeinde Brake aus dem aufgelösten Amt Schildesche zum Amt Heepen.<ref>Gesetz über die Erweiterung des Stadtkreises Bielefeld. (PDF; 7 kB) In: Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten. 11. Juni 1930, S. § 1, abgerufen am 14. April 2010.</ref> Im September 1964 wurde der Name der Gemeinde Ubbedissen-Lippe durch einen Beschluss der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen wieder in Ubbedissen geändert.<ref>Ministerialblatt NRW 1964, S. 1581</ref> 1965 gab Brake ein Gebietsstück im Raum Baumheide an die Stadt Bielefeld ab.<ref>Landkreis Bielefeld (Hrsg.): 150 Jahre Landkreis Bielefeld. 1966, S. 32.</ref>
Im Rahmen der kommunalen Neugliederung des Raums Bielefeld wurden alle Gemeinden des Amts zum 1. Januar 1973 nach Bielefeld eingemeindet und das Amt aufgelöst. Rechtsnachfolger wurde die vergrößerte Stadt Bielefeld. Zuletzt gehörten dem Amt Heepen neun Gemeinden an:
- Altenhagen
- Brake
- Brönninghausen
- Heepen (Amtssitz)
- Hillegossen
- Lämershagen-Gräfinghagen
- Milse
- Oldentrup
- Ubbedissen
Sitz der Amtsverwaltung war das sogenannte „Heeper Schloss“ im Ortskern von Heepen. Heute befindet sich in dem Gebäude das Bezirksamt Heepen.<ref>Das Heeper Schloss. In: Heeper Sehenswürdigkeiten. Stadt Bielefeld, abgerufen am 23. April 2010.</ref>
Einwohnerentwicklung
| Jahr | Einwohner | Quelle |
|---|---|---|
| 1822 | 7.351 | <ref name="topo1821">Statistisch-Topographische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Minden 1821. In: Digitale Sammlungen ULB Münster. S. 41, abgerufen am 9. Januar 2025.</ref> |
| 1843 | 10.038 | <ref>Seemann: Geographisch-statistisch-topographische Übersicht des Regierungsbezirks Minden. 1843, abgerufen am 23. April 2024.</ref> |
| 1864 | 9.782 | <ref>Topographisch-statistisches Handbuch des Regierungs-Bezirks Minden. (Digitalisat) 1866, S. 12, abgerufen am 22. April 2010.</ref> |
| 1885 | 10.405 | <ref name="nrw2">Statistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Gemeindestatistik des Landes Nordrhein-Westfalen: Bevölkerungsentwicklung 1871–1961. Düsseldorf 1966</ref> |
| 1910 | 19.979 | <ref>Landkreis Bielefeld. Gemeindeverzeichnis 1900. In: gemeindeverzeichnis.de. Uli Schubert, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 6. April 2023.</ref> |
| 1939 | 17.595 | <ref name="rademacher">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref> |
| 1950 | 24.071 | <ref name="isys">Regionales Gemeindeverzeichnis-Informationssystem GV-ISys (mit historischen Bevölkerungszahlen)</ref> |
| 1961 | 30.637 | <ref name="isys" /> |
| 1966 | 33.901 | <ref>Landkreis Bielefeld (Hrsg.): 150 Jahre Landkreis Bielefeld. 1966, S. 60.</ref> |
| 1970 | 35.873 | <ref name="isys" /> |
Kirchliche Zugehörigkeiten
Heepen war seit jeher das Kirchdorf des evangelischen Kirchspiels Heepen, das aber nicht mit der Vogtei bzw. dem Amt Heepen deckungsgleich war. Pfarrkirche war die Peter- und Pauls-Kirche. Bis zur Bildung einer eigenen Kirchengemeinde in Ubbedissen im Jahre 1855 waren Lämershagen, Gräfinghagen, Ubbedissen und Lippe ins Kirchspiel Oerlinghausen eingepfarrt, obwohl Oerlinghausen selber seit jeher zum Fürstentum Lippe gehörte.<ref name="weddigen" /> Die Höfe in der Heeper Senne gehörten vor 1855 ebenfalls überwiegend zum Kirchspiel Oerlinghausen.<ref>Höfe der Bauerschaft Heepensenne. In: Der Genealogische Abend. Naturwissenschaftlicher und Historischer Verein für das Land Lippe e.V., abgerufen am 22. April 2010.</ref>
Einzelnachweise
<references />