Zivilschutzsignale sind Signale, die möglichst schnell eine große Anzahl an Personen auf akute Gefahren aufmerksam machen sollen. Es kann sich im weiteren Sinne um Warnungen, Alarme oder Entwarnungen bei Gefährdung handeln. Mit einem Zivilschutz-Probealarm wird die Funktionsfähigkeit des jeweiligen Alarmierungssystems getestet.
Aufgabe
Um die Bevölkerung schnell zu warnen und somit Schaden für Leib und Leben abzuwenden, sind Zivilschutzsignale ein Teil der erweiterten öffentlichen Daseinsvorsorge. Warnmöglichkeiten sind sowohl für zivile Großschadensfälle (Naturkatastrophen wie Unwetter, Hochwasser, Störfälle wie Chemie- oder Reaktorunfälle, ABC-Alarm) als auch für militärische Fälle (Angriff auf einen Staat) wichtig.
Staaten
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.
Belgien
Belgien verfügte über 550 elektronische Sirenen. Diese befanden sich in der Nähe von Industriebetrieben und kerntechnischen Anlagen. Am 4. Oktober 2018 wurden die Sirenen mit Ausnahme jener in der Nähe kerntechnischer Anlagen abgebaut.
Alle Sirenen werden zweimal täglich getestet, indem sie einen für den Menschen unhörbaren Ton abgeben. Auf diese Weise können die verschiedenen Elemente der Sirenen geprüft werden.
Die Regierung empfiehlt die Nutzung von BE-Alert, ein Alarmsystem das Informationen über E-Mail, SMS und Telefon verbreitet.<ref>Alarmierung der Bevölkerung. Krisenzentrum.be; abgerufen am 11. September 2020.</ref>
Dänemark
Das Sirenennetz in Dänemark besteht aus 1078 Sirenen, die ungefähr 80 % der Bevölkerung warnen können. Sie werden jede Nacht stumm getestet. Ein Test mit Signal findet jeden ersten Mittwoch im Mai um 12 Uhr statt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Siren warning. (Memento vom 30. Mai 2009 im Internet Archive; PDF)</ref>
Deutschland
In der Bundesrepublik Deutschland wird ein Warnmix auf Grundlage des Modularen Warnsystems (MoWaS) betrieben.
Italien
In Venedig warnte bis 2007 ein einfaches Sirenensystem vor Hochwasser Acqua alta. Seit Dezember 2007 ist ein differenziertes Signalsystem im Betrieb. Hierbei ist je nach zu erwartender Wasserstandshöhe mehrfach ein Sirenenton von den insgesamt acht Sirenen im Stadtgebiet zu hören. Bei einer zu erwartende Höhe von 110 cm über dem Normalstand hört man einen einfachen Ton, bei 120 cm mit einem zusätzlich höheren, bei 130 cm mit zwei jeweils höheren und bei 140 cm mit drei jeweils höheren Tönen.<ref>BM032176: Sirene allertamento acqua alta. 28. März 2017, abgerufen am 19. Juli 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
In Südtirol wurde im Jahr 2002 das Alarmsystem von Österreich teilweise übernommen. Der Systempunkt Warnung wurde nicht übernommen.<ref>Technischer Bericht über die Alarmierung (PDF; 18 kB) abgerufen am 7. Februar 2013.</ref> Ausgelöst werden können sie von der Landesnotrufzentrale in Bozen.<ref>Landesnotrufzentrale. provinz.bz.it, Abteilung für Brand- und Zivilschutz; abgerufen am 7. Februar 2013.</ref>
Luxemburg
Landesweit gibt es in Luxemburg 338 Sirenen, die einzeln, pro Ort, Gemeinde, Region oder landesweit ausgelöst werden können. Außerhalb der Stadt Luxemburg wird jeden ersten Montag im Monat um 12 Uhr ein Sirenentest durchgeführt.
Diese Informationen sind auf den Deckelinnenseiten der luxemburgischen Telefonbücher nachzulesen.
Niederlande
In den Niederlanden gibt es landesweit 3800 Sirenen, die jeden ersten Montag im Monat um 12 Uhr getestet werden. Die Sirenen ertönen ohne Unterbrechung 1 Minute und 26 Sekunden lang. Sie werden nie an einem nationalen oder religiösen Feiertag oder Gedenktag getestet.<ref>When are the public warning sirens tested. Government of the Netherlands; abgerufen am 11. September 2020.</ref>
Es sind drei verschiedene allgemeine Signale vorgesehen: Warnung, Alarm und Entwarnung. Nicht erkennbar ist aus den Warn- und Alarmzeichen, um welche Art einer Katastrophe es sich handelt. Diese erfährt man nur aus den gleichzeitig ausgesendeten Sondernachrichten des ORF und Verhaltensmaßnahmen, die über Massenmedien (Rundfunk, Fernsehen und Internet) bekanntgegeben werden. Bei nur lokal auftretenden Alarmierungen kann die Mitteilung auch durch Lautsprecherdurchsagen, beispielsweise durch die Feuerwehr, erfolgen.
Außerdem kann der Feuerwehralarm über das System gegeben werden. Die Verwendung des Alarmsignals hängt von der einzelnen Feuerwehr ab. Wenn beispielsweise eine Feuerwehr hauptsächlich mittels Funkmeldeempfänger ihre Mitglieder alarmiert, so wird das Sirenensignal (<phonos file="Motorsirene - Feuerwehralarm.ogg">Feuerwehralarmton einer Motorsirene</phonos>/?<phonos file="Pneumatische Sirene - Alarm.ogg">Alarmton einer Hochleistungssirene</phonos>/?) nur selten verwendet, so in vielen Städten und großen Orten. In vielen Feuerwehren wird allerdings auch unterschieden, dass bei Bränden oder Menschenrettung mit beiden alarmiert wird, bei technischen Einsätzen hingegen nur mit den Funkrufempfängern. Dies ist abhängig von den örtlichen Alarmplänen.
Es gibt eine wöchentliche Sirenenprobe (ein 15-sekündiger Dauerton) mit dem Signal Sirenenprobe jeden Samstag gegen 12 Uhr; dabei werden auch die unterschiedlichen Auslösewege – Bundeswarnzentrale (BWZ), Landeswarnzentralen (LAWZ), Bezirks-Alarm- und Warnzentralen (BAWZ) oder Direktauslösung – abwechselnd getestet.
Seit 1998 findet einmal jährlich am ersten Samstag im Oktober zwischen 12:00 und 12:45 Uhr eine österreichweite Sirenenprobe mit allen Katastrophensignalen statt.<ref>Sirenensignale in Österreich. Zivilschutzsignale, Weitere Signale. In: Österreichischer Zivilschutzverband. Abgerufen am 2. Oktober 2022.</ref><ref name="Probealarm" /><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zivilschutz-Probealarm (Memento vom 4. Oktober 2015 im Internet Archive), Seite des Zivilschutzverbandes (aktualisierte Inhalte).</ref> Dies wird vorher in den Massenmedien bekanntgegeben. Dabei werden einerseits die Funktionstüchtigkeit, andererseits die Hörbarkeit überprüft. Gleichzeitig soll auch eine Bewusstseinsbildung bei der Bevölkerung erzielt werden. Obwohl zentral ausgelöst, sind alle Feuerwehren mit eingebunden, die die Rückmeldungen durchführen.
Die Sirenenprobe ist ein 15 Sekunden dauernder Dauerton (ein besonders kurzer Alarmton). Sie findet österreichweit (außer in Wien)<ref>Probealarme, Stadt Wien.</ref> jeden Samstag je nach Ort etwa um 12:00 Uhr statt.
Der Feuerwehralarm besteht aus dreimal 15 Sekunden Dauerton mit dazwischen zweimal 7 Sekunden Pause. Datei:Sirene Warnung Dauerton 3 Min.oggWarnung in Österreich 3 Minuten Dauerton (Sirenenprobe im Oktober 2019)
Herannahende Gefahr (Warnung) wird mit einem dreiminütigen Dauerton angekündigt. Die Bevölkerung wird damit aufgefordert, Radio- oder Fernsehgerät einzuschalten und dort bekanntgegebene Anordnungen zu beachten. Datei:Alarm (Sirenenprobe am 5. Oktober 2019) in Österreich 1 Min auf und ab.oggAlarm in Österreich 1 Minute auf und ab (Probe Oktober 2019)
Das Signal Gefahr (Alarm) besteht aus einem auf- und abschwellenden Ton von einer Minute Dauer und bedeutet unmittelbare Gefahr: schützende Räumlichkeiten aufsuchen (ein Auto bietet keinen ausreichenden Schutz), über Medien durchgegebene Verhaltensmaßnahmen befolgen und Radio einschalten. Datei:Sirene Entwarnung Dauerton 1 Min.oggEntwarnung in Österreich: 1 Minute Dauerton (Probe Oktober 2019)
Das Ende der Gefahr (Entwarnung) wird mit einem einminütigen Dauerton angezeigt. Mögliche Einschränkungen für den normalen Tagesablauf werden über die Medien verbreitet.
Die Sirenen werden durch die kantonalen oder lokalen Behörden ausgelöst. Die stationären Sirenen können ferngesteuert aktiviert werden.<ref name="sirenen_babs" /> Die Sirenen werden jedes Jahr am ersten Mittwoch im Februar zwischen 13:30 und 15:00 Uhr mit dem Signal „Allgemeiner Alarm“ getestet.<ref>Radioansage zum Sirenentest.</ref><ref name="Liechtenstein" />
Seit dem 1. April 2004 gibt es in der Schweiz nur noch zwei Alarmierungszeichen: der allgemeine Alarm und der Wasseralarm. Die früheren Zeichen C-Alarm und Strahlenalarm wurden aufgehoben. Zudem ist die Alarmierung der Feuerwehren (Cis-Gis-Signal) mit Zivilschutzsirenen nicht mehr gestattet.
Allgemeiner Alarm
Datei:BABS - Allgemeiner Alarm.ogg Regelmäßig auf- und absteigender Ton der Sirenen mit einer Dauer von einer Minute. Nach einer Unterbrechung von zwei Minuten wird der Alarm wiederholt. Bei Ertönen des allgemeinen Alarms soll die Bevölkerung das Radio einschalten und die Anweisungen der Behörden befolgen.
Wasseralarm
Datei:BABS - Wasseralarm.ogg Der Wasseralarm ertönt nur in gefährdeten Gebieten unterhalb von Stauanlagen. Er besteht aus zwölf tiefen Dauertönen von je 20 Sekunden Dauer in Abständen von je 10 Sekunden. Bei Ertönen des Wasseralarms soll die Bevölkerung das gefährdete Gebiet verlassen, und anschließend das Radio einschalten und die Anweisungen der Behörden befolgen.
Massenmedien
Die behördlichen Warnungen werden über die TV- und Radioprogramme der SRG SSR verbreitet. Diese verfügt über ein Notdispositiv (Information Catastrophe Alarme Radio Organisation, ICARO) und über mehrere geschützte Radiosendeanlagen mit verstärkter Sendeleistung, deren Signale auch im Falle eines Schutzraumbezugs empfangen werden können.<ref>ICARO und IBBK. Abgerufen am 3. Mai 2018.</ref>
In Tschechien wird das landesweit einheitliche Alarm- und Warnsystem jeden ersten Mittwoch im Monat getestet. Um 12:00 Uhr ertönen dann die Sirenen mit einem 2 Minuten langen ununterbrochenen Heulton. In der Hauptstadt Prag werden die Bewohner und ausländische Gäste kurz vorher über elektronische „sprechende Sirenen“ in tschechischer und englischer Sprache über den bevorstehenden Probealarm aufmerksam gemacht. Zuständig ist das Operative Informationszentrum des Feuerwehrrettungskorps in Prag.<ref>Sirenenalarm: Landesweiter Probealarm in Tschechien. Tschechien-online.org; abgerufen am 11. September 2020.</ref>
Vereinigte Staaten
In den Vereinigten Staaten wurde nach dem Zweiten Weltkrieg das Emergency Broadcast System (EBS), 1997 in Emergency Alert System (EAS) umbenannt, als nationale Warnsystem eingeführt. Das System ermöglicht dem Präsidenten der Vereinigten Staaten im Falle einer akuten Lage innerhalb von 10 Minuten über alle Verbreitungswege zur amerikanischen Bevölkerung zu sprechen. Zusätzlich kann die Bevölkerung vor extremen Naturkatastrophen (Tornados, Wirbelstürmen, starken Schneefällen mit Blitzeis und Sturmfluten etc.) gewarnt werden.
Europäische Angleichung
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.
Es gibt auch innerhalb Europas noch unterschiedliche Bedeutungen für gleich klingende Signale. So ist der an- und abschwellende Heulton während einer Minute in Luxemburg ein Voralarm, in Österreich und der Schweiz der Hauptalarm bei akuter Gefahr. Das deutsche Bundesamt für Zivilschutz empfahl 1999 eine „Untersuchung zur Entwicklung eines einheitlichen Sirenensignals und daran anknüpfender Verhaltensempfehlungen“.
In der englischen Sprache werden auch die Begriffe {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) oder {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) (PWS) für Zivilschutzsignale verwendet, insbesondere solche, die an Handys gesendet werden.
Rainer Fritz Lick, Heinrich Schläfer: Unfallrettung. Medizin und Technik. Schattauer, Stuttgart / New York 1973, ISBN 978-3-7945-0326-1; 2., neubearbeitete und erweiterte Auflage: ebenda 1985, ISBN 3-7945-0626-X, S. 104 f.