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Spangolith

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Spangolith
Datei:Spangolite-283007.jpg
Spangolith aus der Blanchard Mine, Bingham, Socorro County, New Mexico, USA (Bildbreite 2,5 mm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Spg<ref name="Warr"></ref>

Chemische Formel Cu6Al[Cl|(OH)12|SO4]·3H2O<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfate (einschließlich Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate)
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VI/D.03
VI/D.08-010

7.DD.15
31.01.05.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem trigonal
Kristallklasse; Symbol ditrigonal-pyramidal; 3m<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe P31c (Nr. 159)Vorlage:Raumgruppe/159<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 8,25 Å; c = 14,35 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 2<ref name="StrunzNickel" />
Häufige Kristallflächen {0001}, {1010}, {0110}, {1011}, {0111}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Zwillingsbildung Kontaktzwillinge nach {0001}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2 nach {0001}, 3 auf den geneigten Ebenen<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,135 bis 3,141; berechnet: 3,14<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit vollkommen nach {0001}, deutlich nach {1011} und {0111}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität muschelig; spröde
Farbe blaugrün, hell- bis dunkelgrün, smaragdgrün
Strichfarbe hellgrün
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nω 1,694<ref name="Mindat" />
nε 1,641<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,053<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter einachsig negativ
Pleochroismus schwach: ω= grün; ε= bläulichgrün<ref name="Mindat" />
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale Pyroelektrizität

Spangolith ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Sulfate (und Verwandte). Es kristallisiert im trigonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Cu6Al[Cl|(OH)12|SO4]·3H2O<ref name="StrunzNickel" /> und ist damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Kupfer-Aluminium-Sulfat mit zusätzlichen Chlor- und Hydroxidionen.

Spangolith entwickelt blau- bis smaragdgrüne, hemimorph pyramidale oder tafelige bis isometrische Kristalle. Daneben sind auch massige Aggregate bekannt.

Etymologie und Geschichte

Der Name des Minerals setzt sich zusammen aus dem Nachnamen des US-amerikanischen Mineraliensammlers Norman Spang (1841–1922) und aus dem griechischen {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) lithos, „Stein“. Der Mineraloge Samuel Lewis Penfield beschrieb das neuentdeckte Mineral 1890<ref name="Penfield" /> und ehrte Spang auf diese Weise, nachdem dieser seine riesige Privatsammlung an Mineralienfundstücken mit geschätzten 5.000 bis 6.000 Einzelstücken für eine nur geringe Summe von 10.000 $ dem American Museum of Natural History in New York verkauft hatte.<ref name="Minrec Charles Spang" />

Der Erstfundort (Typlokalität) des Minerals konnte nie exakt geklärt werden. Norman Spang erwarb das Mineral von einem Mann, der in der Nähe von Tombstone (Cochise County) im Süden des US-Bundesstaates Arizona in den Vereinigten Staaten wohnte und seine Mineralproben in einem Umkreis von etwa 200 Meilen um den Ort sammelte.<ref name="Miers" />

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Spangolith zur Mineralklasse der „Sulfate, Chromate, Molybdate, Wolframate“ und dort zur Abteilung „Wasserhaltige Sulfate mit fremden Anionen“, wo er gemeinsam mit Aluminit, Chalkoalumit, Cyanotrichit, Felsőbányait, Glaukokerinit, Hydrobasaluminit, Meta-aluminit, Minasragrit und Zinkaluminit in der „Aluminit-Cyanotrichit-Gruppe“ mit der Systemnummer VI/D.03 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VI/D.08-010. Dies entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate, Molybdate und Wolframate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Sulfate, mit fremden Anionen“, wo Spangolith zusammen mit Bechererit, Camérolait, Carbonatcyanotrichit, Carrboydit, Chalkoalumit, Cyanotrichit, Glaukokerinit, Hydrombobomkulit, Hydrowoodwardit, Kyrgyzstanit, Mbobomkulit, Nickelalumit, Woodwardit, Zincowoodwardit und Zinkaluminit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VI/D.08 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Spangolith in die Klasse der „Sulfate (Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate)“ und dort in die Abteilung „Sulfate (Selenate usw.) mit zusätzlichen Anionen, mit H2O“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; Lagen von kantenverknüpften Oktaedern“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 7.DD.15 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Spangolith die System- und Mineralnummer 31.01.05.01. Das entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen und (A+B2+)m(XO4)pZq × x(H2O), mit m:p>6:1“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 31.01.05.

Kristallstruktur

Spangolith kristallisiert trigonal in der nicht-zentrosymmetrischen Raumgruppe P31c (Raumgruppen-Nr. 159)Vorlage:Raumgruppe/159 mit den Gitterparametern a = 8,25 Å und c = 14,35 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Eigenschaften

Spangolith ist pyroelektrisch, reagiert also während einer Temperaturänderung mit Ladungstrennung. Der Kristall lädt sich bei Temperaturerhöhung in Richtung der kristallographischen c-Achse, also entlang der polaren dreizähligen Drehachse („3“), am einen Ende positiv und am anderen negativ auf. Bei Temperaturerniedrigung lädt er sich ebenfalls auf, jedoch sind dann das positive und das negative Ende vertauscht. Dieser Effekt kann bei Spangolith aufgrund der nicht-zentrosymmetrischen Kristallklasse 3m auftreten.

Bildung und Fundorte

Spangolith bildet sich als Sekundärmineral hydrothermal in der Oxidationszone von Kupfer-Lagerstätten. Begleitende Minerale (Paragenesen) von Spangolith sind daher typischerweise auch kupferhaltig wie unter anderem Aurichalcit, Azurit, Brochantit, Caledonit, Chalkophyllit, Chrysokoll, Connellit, Cuprit, Cyanotrichit, Klinoklas, Linarit, Malachit, Olivenit, Tirolit und Parnauit.

Als seltene Mineralbildung konnte Spangolith nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand 2015) rund 100 Fundorte als bekannt gelten.

In Deutschland wurde Spangolith unter anderem bei Freiamt (Schwarzwald) in Baden-Württemberg, auf einer Schlackenhalde bei Richelsdorf in Hessen, in der Grube Glücksrad bei Oberschulenberg und den Schlackenfeldern bei Goslar in Niedersachsen, an mehreren Stellen bei Meschede, Müsen und Wilnsdorf in Nordrhein-Westfalen, bei Niederfischbach in Rheinland-Pfalz, bei Sadisdorf in Sachsen sowie an der Nordküste von Helgoland in Schleswig-Holstein gefunden.

In Österreich fand man das Mineral bisher nur auf Schlackenhalden bei Waitschach in Kärnten und am Severinggraben bei Johnsbach in der Steiermark sowie an der Nordseite des Hohen Sonnblicks in Salzburg und an wenigen Stellen im Gebiet um Brixlegg und Rattenberg in Tirol.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, Chile, der Demokratischen Republik Kongo (Zaire), Griechenland Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, Mexiko, Portugal, Spanien, im Vereinigten Königreich, und den Vereinigten Staaten.<ref name="Fundorte" />

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Commons: Spangolith – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> Spangolite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org PDF; 67,1 kB). </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Spangolith beim Mineralienatlas und bei Mindat. </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="Miers"> H. A. Miers: Spangolite. In: Mineralogical Magazine. Band 10 (1894), S. 273–277 (minersoc.org PDF; 219 kB). </ref> <ref name="Mindat"> Mindat – Spangolite. (englisch). </ref> <ref name="Minrec Charles Spang"> The Mineralogical Record – Charles Spang und die Entstehungsgeschichte der Namensgebung des Minerals Spangolith zur Ehrung seines Sohnes Norman Spang 1890. </ref> <ref name="Penfield"> S. L. Penfield - Spangolite, a new copper mineral. In: The American journal of science. S. 374 (biodiversitylibrary.org abgerufen am 8. April 2015). </ref> <ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 401. </ref> <ref name="Webmineral"> Webmineral – Spangolite. (englisch) </ref> </references>