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Zweizeiliges Blaugras

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Zweizeiliges Blaugras
Datei:Oreochloa disticha a1.jpg

Zweizeiliges Blaugras (Oreochloa disticha)

Systematik
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Gattung: Oreochloa
Art: Zweizeiliges Blaugras
Wissenschaftlicher Name
Oreochloa disticha
(Wulfen) Link

Das Zweizeilige Blaugras (Oreochloa disticha), auch Zweizeiliges Kopfgras genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Oreochloa innerhalb der Familie der Süßgräser (Poaceae).

Beschreibung

Datei:Sesleria disticha Atlas Alpenflora.jpg
Illustration aus Atlas der Alpenflora
Datei:Oreochloa disticha a3.jpg
Blütenstand
Datei:Oreochloa disticha RF.jpg
Blütenstand

Vegetative Merkmale

Das Zweizeilige Blaugras ist eine vermutlich sommergrüne, ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 10 bis 20 (bis 30) Zentimetern.<ref name="Conert1992" /> Es bildet kleine aber dichte Horste mit zahlreichen Erneuerungssprossen, die innerhalb der untersten Blattscheiden emporwachsen.<ref name="Conert1992" /> Die Halme sind aufrecht, dünn und steif, unter dem Blütenstand rau oder kurz behaart und nur am Grund beblättert.<ref name="Conert1992" /> Die Blattscheiden sind anfangs bis oben hin geschlossen, aber bald aufreißend. Die Laubblätter der Erneuerungssprosse sind 5 bis 15 Zentimeter lang und 0,3 bis 0,6 Millimeter breit, borstlich gefaltet und haarfein.<ref name="Conert1992" />

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Juli bis August. In einem kurzen, ährenförmigen, traubigen Blütenstand sind die Ährchen streng zweizeilig und einzeln an der Achse angeordnet. Die Blütenstandsachse ist 0,7 bis 1,5 Zentimeter lang und von der Seite sichtbar. Die unteren Rispenäste haben kein Tragblatt. Die Ährchen enthalten drei bis fünf Blüten und sind 4 bis 5,5 Millimeter lang.<ref name="Conert1992" /> Die beiden Hüllspelzen sind fast gleich und 3,5 bis 4 Millimeter lang.<ref name="Conert1992" /> Die Deckspelze ist fünfnervig und 4 bis 5 Millimeter lang.<ref name="Conert1992" /> Sie ist am Ende spitz oder in eine bis 0,5 Millimeter lange Granne auslaufend.<ref name="Conert1992" /> Die Blütchen fallen zur Reifezeit einzeln aus den stehenbleibenden Hüllspelzen aus. Der Rücken der Deckspelzen ist grün oder strohfarben und von einem breiten blauvioletten Saum umgeben. Die Vorspelze ist etwa so lang wie die Deckspelze. Die Staubbeutel sind 1,5 bis 2 Millimeter lang.<ref name="Conert1992" />

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 14.<ref name="Oberdorfer2001" />

Ökologie

Beim Zweizeiligen Blaugras handelt es sich um einen Hemikryptophyten.

Vorkommen

Datei:Oreochloa disticha a1.jpg
Habitus im Habitat in der Tatra
Datei:OreochloaDistichaHoheTauern.jpg
Habitus im Habitat in den Hohen Tauern

Das Zweizeilige Blaugras ist in den Silikatgebieten der Gebirge Mittel- und Südeuropas bis zur Ukraine verbreitet.<ref name="WCSP" /> Es hat Vorkommen in Spanien, Frankreich, Italien, Schweiz, Deutschland, Österreich, Polen, Tschechien, Slowakei, im früheren Jugoslawien, Rumänien und in der Ukraine.<ref name="Euro+Med" /> In Deutschland kommt es nur im südwestlichen Bayern im Allgäu im Himmelsjoch, Kreuzeck und Laufbacher Eck vor.<ref name="Dörr-Lippert" /> In Österreich ist dieses Gras in den Bundesländern Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Kärnten und Steiermark von der alpinen bis subnivalen Höhenstufe verbreitet. In den Allgäuer Alpen kommt es oberhalb 2000 Metern Meereshöhe vor<ref name="Dörr-Lippert" /> und erreicht 2370 Meter Meereshöhe.<ref name="Conert1992" /> Im Kanton Wallis werden sogar 2700 Meter erreicht.<ref name="Conert1992" /> In Mitteleuropa kommt sie zwischen 1900 und 3300 Metern Meereshöhe vor.<ref name="Schmeil und Fitschen2024" />

Als Standort werden windexponierte, lückige Rassen mit kurzer Schneebedeckung auf sauren, trockenen, offenen Rohböden bevorzugt. Der Vorkommensschwerpunkt des Zweizeilige Blaugrases liegt in Krummseggenrasen (Caricetum curvulae), als deren Assoziationscharakterart es gilt.<ref name="Oberdorfer2001" /> Es wächst auch in Zwergstrauchheiden.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 5 (sehr hell), Reaktionszahl R = 1 (stark sauer), Temperaturzahl T = 1 (alpin und nival), Nährstoffzahl N = 1 (sehr nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Taxonomie und Systematik

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1781 unter dem Namen (Basionym) Poa disticha durch Franz Xaver von Wulfen in Nikolaus Joseph von Jacquins Miscellanea austriaca ad Botanicam, Chemiam et Historiam naturalem spectantia Band 2, S. 74, tab. 19. Die Neukombination zu Oreochloa disticha <templatestyles src="Person/styles.css" />(Wulf.) Link wurde 1827 durch Heinrich Friedrich Link in Hortus Regius Botanicus Berolinensis descriptus Band 1, S. 44 veröffentlicht. Weitere Synonyme sind Sesleria disticha <templatestyles src="Person/styles.css" />(Wulf.) Pers. Der Gattungsname Oreochloa leitet sich von den griechischen Wörtern ὄρος (óros) für Berg und χλόη (chlóe) für junges Grün, Gras ab. Das Artepitheton disticha leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet zweizeilig.<ref name="Genaust2012" />

Man kann 2 Unterarten unterscheiden:

  • Oreochloa disticha subsp. disticha: Sie kommt in Frankreich, Italien, der Schweiz, Österreich, Deutschland, Tschechien, der Slowakei, Polen, Rumänien, in der Ukraine und im früheren Jugoslawien vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Oreochloa disticha subsp. blanka <templatestyles src="Person/styles.css" />(Deyl) P. Küpfer: Sie kommt in Spanien und in Frankreich vor.<ref name="Euro+Med" />

Belege

Einzelnachweise

<references> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Dörr-Lippert">Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 174.</ref> <ref name="WCSP">Vorlage:WCSP</ref> <ref name="Genaust2012"> </ref> <ref name="InfoFlora"> Oreochloa disticha (Wulfen) Link In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Conert1992">Hans Joachim Conert: Familie Poaceae. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 3. Auflage, Band I, Teil 3, Seite 471–473. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg 1992. ISBN 3-489-52020-3.</ref> <ref name="Euro+Med"> B.Valdés, H.Scholz; with contributions from E. von Raab-Straube & G.Parolly (2009+): Poaceae (pro parte majore). Datenblatt Oreochloa disticha In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="Schmeil und Fitschen2024">Michael Koltzenburg: Oreochloa. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024. ISBN 978-3-494-01943-7. S. 310.</ref> </references>

Weblinks