Annette Murschetz
Annette Murschetz (* 11. Juli 1967 in München) ist eine deutsch-österreichische Bühnenbildnerin und Illustratorin, die zurzeit in Wien lebt.
Leben
Die in München aufgewachsene Tochter des Zeichners und Kinderbuchautors Luis Murschetz<ref>Laudatio in der Zeit zum 70. von L. Murschetz</ref> hat die deutsche und die österreichische Staatsbürgerschaft. Sie studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei dem Bühnenbildner Erich Wonder. Ihr Diplom erwarb sie 1991. Von 1987 bis 1992 arbeitete sie auch als Wonders Assistentin.
Ihre ersten eigenen Bühnenbilder entwarf Annette Murschetz 1992 für das Schauspielhaus Graz („Die Zofen“ und Marc Günthers Inszenierung von „Herzog Theodor von Gothland“). Seitdem ist sie freiberuflich an den bekanntesten Schauspiel- und Opernhäusern im deutschsprachigen Raum wie auch in Amsterdam, Barcelona, Brüssel und London tätig. Immer wieder arbeitet sie mit Regisseuren wie Alfred Kirchner, Jürgen Flimm oder Andrea Breth zusammen, aber auch mit Dirigenten wie Simon Rattle und Nikolaus Harnoncourt, der nicht zuletzt die akustische Brauchbarkeit ihrer Bühnenbilder für die Oper schätzte.
Von 1996 bis 1999 übernahm Annette Murschetz einen Lehrauftrag in der Meisterklasse von Erich Wonder an der Wiener Akademie der Bildenden Künste.
Seit 2006 arbeitet Annette Murschetz regelmäßig mit dem Regisseur Martin Kušej zusammen, mit dem sie neben zahlreichen Produktionen am Münchner Residenztheater und Marstall auch diverse Opernproduktionen wie zum Beispiel für das Royal Opera House Covent Garden oder das Festival d’Aix-en-Provence gestaltete.
Seit 2018 ist sie Professorin für Bühnengestaltung an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Institut 11 Bühnengestaltung ( vom 24. September 2020 im Internet Archive)</ref>
Neben ihrer Bühnentätigkeit illustriert Annette Murschetz Bücher für den Diogenes-, Hanser-, Sanssouci- und Heyne Verlag.
Über die Arbeit von Annette Murschetz
„Ein Traumschiff ist im Burgtheater gelandet. Ein kleiner, schmaler, dunkler Nachen. Hoch droben hängt er wie auf der Kippe einer gefrorenen Welle, die sich als ein schmaler, dünner Grat sanft zum Boden schwingt, als teile das Bühnenbild von Annette Murschetz die Welt in Sphären. Hinter dem Grat Tag, Wachheit, Wirklichkeit. Vor ihm Nacht, Schlaf, Traum. Genau auf der Kippe das Boot, dessen Konturen auch wirken wie die Abdruckränder eines großen Mundes, der vom Himmel gefallen die Erde geküßt haben könnte.“ (Gerhard Stadelmaier, FAZ, 30. April 2001, über „Käthchen von Heilbronn“)
„Annette Murschetz’ Bühnenbild schafft Atmosphäre, gibt den Figuren buchstäblich Raum für Tiefe.“ (Ulrich Weinzierl, Die Welt, 23. Dezember 2002 über „Emilia Galotti“)
„Um das zu beschreiben, womit Andrea Breth und ihre Mitarbeiterin Annette Murschetz . . . einen einzigen Augenblick aufladen, müsste man Flaubert heissen. Jedes Detail hat, ohne sich als Symbol wichtig zu machen, seinen Sinn; die Summe ergibt eine kompakte Dichte.“ (Barbara Villiger Heilig, Neue Zürcher Zeitung, 29. November 2004 über „Die Katze auf dem heißen Blechdach“)
Bühnenbilder (Auswahl)
- 1997: „Harrys Kopf“ von Tankred Dorst – Thalia Theater (Hamburg), Regie Jürgen Flimm<ref>Christiane Kühl: Schlauer Schädel von außen. In: taz.de. 10. November 1997, abgerufen am 7. März 2024.</ref>
- 1999: „Manon Lescaut“ von Giacomo Puccini – Oper Frankfurt, Regie Alfred Kirchner, Dirigent Paolo Carignani<ref>https://www.publicopera.info/opera199900/opera.html</ref>
- 2000: „Die See“ von Edward Bond – Akademietheater (Wien), Regie Andrea Breth<ref>https://www.furche.at/feuilleton/die-wogen-des-irrsinns-1291890</ref>
- 2001: „Käthchen von Heilbronn“ von Heinrich von Kleist – Burgtheater (Wien), Regie Andrea Breth<ref>Ulrich Weinzierl: Andrea Breth bietet dem "Käthchen von Heilbronn" Stirn und Herz. In: welt.de. 29. April 2001, abgerufen am 27. Januar 2024.</ref>
- 2001 und 2008: „Tristan und Isolde“ von Richard Wagner – Oper Amsterdam, Regie Alfred Kirchner, Dirigent Simon Rattle<ref>Ulrich Amling: Kultur: "Tristan": Aktive Sterbehilfe. In: tagesspiegel.de. 1. Februar 2001, abgerufen am 31. Januar 2024.</ref>
- 2002: „Emilia Galotti“, von Gotthold Ephraim Lessing – Akademietheater (Wien), Regie Andrea Breth, Berliner Festspiele<ref>https://www.berlinerfestspiele.de/de/chronicle/archiv/production/emilia-galotti-2003</ref>
- 2003: „Viva la Mamma“ von Gaetano Donizetti – Sächsische Staatsoper Dresden, Regie Alfred Kirchner, Dirigent Massimo Zanetti<ref>4.3.: oper und konzert aktuell +++ oper und konzert | nmz - neue musikzeitung. In: nmz.de. 4. März 2004, abgerufen am 16. März 2024.</ref>
- 2003: „Die Großherzogin von Gerolstein“ von Jacques Offenbach – Styriarte Graz und Opernhaus Zürich (2004), Regie Jürgen Flimm, Dirigent Nikolaus Harnoncourt<ref>Martin Adel: Getroffen von Blitzen der Operettenheiterkeit. In: derstandard.at. 12. August 2003, abgerufen am 2. Februar 2024.</ref>
- 2004: „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ von Tennessee Williams – Burgtheater Wien, Regie Andrea Breth<ref>Kultur: Sei politischer! In: tagesspiegel.de. 28. November 2004, abgerufen am 31. Januar 2024.</ref>
- 2005: „Carmen“ von Georges Bizet – Styriarte Graz, Regie Andrea Breth, Dirigent Nikolaus Harnoncourt<ref>Wolfram Goertz: Besuch in der Familienhölle. In: rp-online.de. 29. Oktober 2010, abgerufen am 8. Februar 2024.</ref>
- 2005: „L’incoronazione di Poppea“ von Claudio Monteverdi – Opernhaus Zürich, Regie Jürgen Flimm, Dirigent Nikolaus Harnoncourt<ref>https://www.der-theaterverlag.de/opernwelt/aktuelles-heft/artikel/reich-der-sinne/</ref>
- 2006: „Zur schönen Aussicht“ von Ödön von Horváth – Deutsches Schauspielhaus Hamburg, Regie Martin Kušej<ref>Oswald Demattia: Pulverdampf vom Paradiese her. In: derstandard.at. 20. Februar 2006, abgerufen am 2. Februar 2024.</ref>
- 2008: „Motortown“ von Simon Stephens – Akademietheater (Wien), Regie Andrea Breth<ref>Barbara Petsch: "Motortown": Welch ein edler Knallkörper! In: diepresse.com. 1. Februar 2008, abgerufen am 9. Februar 2024.</ref>
- 2008: „The Rake’s Progress“ von Igor Strawinski – Theater an der Wien<ref>Programm mit Fotos</ref> und Opernhaus Zürich (2009), Regie Martin Kusej, Dirigenten Nikolaus Harnoncourt (Wien), Thomas Adès (Zürich)
- 2009: „Der zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist – RuhrTriennale Essen, Regie Andrea Breth<ref>Gerhard Stadelmaier: Weltrichterin Eve oder Die Scherben des Glücks. In: FAZ.net. 28. September 2009, abgerufen am 28. Januar 2024.</ref>
- 2010: „Katja Kabanowa“ von Leoš Janáček – Théâtre Royal de la Monnaie<ref>Premierenkritik: "Katja Kabanova" in der Brüsseler Oper "La Monnaie" - BRF Nachrichten. In: brf.be. 27. Oktober 2010, abgerufen am 16. März 2024.</ref> (Brüssel) und Staatsoper Berlin (2014)<ref>Ulrich Amling: Kühles Unterfangen: "Katja Kabanova" an der Staatsoper. In: tagesspiegel.de. 26. Januar 2014, abgerufen am 31. Januar 2024.</ref>, Regie Andrea Breth
- 2010: „Peggy Pickit“ von Roland Schimmelpfennig – Deutsches Theater Berlin, Bregenzer Festspiele und Cuvilliestheater München, Regie Martin Kusej<ref>Monika Nellissen, Ulrich Weinzierl: Wer hat Angst vor Peggy Pickit? In: welt.de. 22. November 2010, abgerufen am 27. Januar 2024.</ref>
- 2012: „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ von Rainer Werner Fassbinder – Marstall-Theater München, Regie Martin Kusej<ref>Christine Dössel: Residenztheater: Die bitteren Tränen der Petra von Kant. In: sueddeutsche.de. 5. März 2012, abgerufen am 28. Januar 2024.</ref>
- 2013: „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss – Vlaamse Opera Antwerpen<ref>SIR: Opernpremiere in Antwerpen: Christoph Waltz wird bejubelt - Kultur. In: stuttgarter-nachrichten.de. 16. Dezember 2013, abgerufen am 5. März 2024.</ref>, Regie Christoph Waltz
- 2013: „John Gabriel Borkmann“ von Henrik Ibsen – Schauspiel Frankfurt, Regie Andrea Breth<ref>Roland Burchard: John Gabriel Borkman - Henrik Ibsen on Vimeo. In: vimeo.com. 20. August 2013, abgerufen am 16. März 2024.</ref>
- 2014: „In Agonie“ von Miroslav Krleža – Residenztheater München, Regie Martin Kusej<ref>https://www.nestroypreis.at/show_content2.php?s2id=111</ref>
- 2014: „Der Hausmeister“ von Harold Pinter – Residenztheater München, Regie Andrea Breth<ref> (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im März 2024. Suche im Internet Archive )</ref>
- 2014: „Idomeneo“ von Wolfgang Amadeus Mozart – Royal Opera House Covent Garden London, Regie Martin Kusej, Dirigat Marc Minkowski<ref>Andrew Clements: Idomeneo review – early Mozart as confusing study of regime change | Opera. In: theguardian.com. 4. November 2014, abgerufen am 5. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- 2015: „Jagdszenen aus Niederbayern“ von Martin Sperr – Münchner Kammerspiele, Regie Martin Kusej<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Trailer “Jagdszenen aus Niederbayern” ( vom 3. August 2017 im Internet Archive)</ref>
- 2015: „Entführung aus dem Serail“ von Wolfgang Amadeus Mozart – Festival d`Aix en Provence, Regie Martin Kusej, Dirigat Jeremie Rhorer<ref>https://bachtrack.com/de_DE/review-entfuhrung-serail-kusej-behle-aix-en-provence-july-2015</ref>
- 2016: „Luci mie traditrici“ von Salvatore Sciarrino – Koproduktion Staatsoper Berlin/Teatro Comunale di Bologna, Regie Jürgen Flimm, Dirigat David Coleman<ref>Staatsoper Unter den Linden: LUCI MIE TRADITRICI Oper von Salvatore Sciarrino - Staatsoper Berlin auf YouTube, 12. Juli 2016, abgerufen am 25. Februar 2024 (Laufzeit: 2:09 min).</ref><ref>Rezension mit Fotos</ref>
- 2016: „Iwanow“ von Anton Tschechow – Residenztheater München, Regie Martin Kušej<ref>Ronald Pohl aus München: "Iwanow": Ein Zauderer flieht den Tschechow-Staub. In: derstandard.at. 5. Juni 2016, abgerufen am 2. Februar 2024.</ref>
- 2017: „Phädras Nacht“ von Albert Ostermaier – Residenztheater München, Regie Martin Kušej<ref>Premiere von „Phädras Nacht“ am Münchner Residenztheater. In: merkur.de. 9. Mai 2017, abgerufen am 28. Februar 2024.</ref>
- 2017: „Sadko“ von Nikolaj Rimski-Korsakov, Regie Daniel Kramer, Dirigat Dimitri Jurowski<ref>Joachim Lange: Siehst du den Mond über Nowgorod … – Nikolai Rimsky-Korsakovs „Sadko“ in Gent | nmz - neue musikzeitung. In: nmz.de. 2. Juli 2017, abgerufen am 16. März 2024.</ref>
- 2017: „Disgraced“ von Ayad Akhtar – Teatro Stabile Torino, Regie Martin Kušej<ref>TeatroStabileTorino TST: DISGRACED - Trailer auf YouTube, 11. Oktober 2017, abgerufen am 25. Februar 2024 (Laufzeit: 1:50 min).</ref>
- 2018: „Don Karlos“ von Friedrich Schiller, Regie Martin Kušej<ref>https://www.burgtheater.at/wie-eine-lichtlupe-ueber-den-luster-don-karlos</ref>
- 2019: „La Bohème“ von Giacomo Puccini, Regie Daniel Kramer, Dirigat Kristiina Poska<ref>Theater Basel: Trailer LA BOHÈME auf YouTube, 20. Dezember 2019, abgerufen am 25. Februar 2024 (Laufzeit: 1:26 min).</ref><ref>Besprechung auf ioco.de</ref>
- 2020: „Das Leben ein Traum“ von Pedro Calderón de la Barca, Regie Martin Kušej<ref>Martin Lhotzky: Wiederkehr der Toten. In: FAZ.net. 16. September 2020, abgerufen am 28. Januar 2024.</ref>
Auszeichnungen
- 1991: Mit dem Diplom den Preis für besondere künstlerische Leistungen des Bundesministeriums für Wissenschaft und Kunst.
- 2003: Hein-Heckroth-Bühnenbildpreis (Förderpreis)
- 2013: Nestroy-Theaterpreis für die beste Ausstattung 2013 ("In Agonie" am Residenztheater München).
Einzelnachweise
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Murschetz, Annette |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Bühnenbildnerin |
| GEBURTSDATUM | 11. Juli 1967 |
| GEBURTSORT | München |