Axel Nawrocki
Axel Nawrocki (* 5. Oktober 1944 in Beuthen O. S.; † 8. November 2025 in Aachen<ref>Traueranzeige in der Aachener Zeitung vom 15. November 2025, abgerufen am 15. November 2025</ref>) war ein deutscher Manager und Politiker. In den 1990er Jahren wurde er der breiten Öffentlichkeit bekannt durch seine Funktionen im Rahmen der Bewerbung der Stadt Berlin für die Olympischen Spiele 2000 und als Leiter der S-Bahn Berlin GmbH.
Leben
Nawrocki studierte Rechts- und Sozialwissenschaften. 1978 promovierte er an der Philosophischen Fakultät der Technischen Hochschule Aachen. Seit seiner Studienzeit in Aachen (1968) war Nawrocki Mitglied der pflichtschlagenden Studentenverbindung Corps Silesia Breslau.<ref>Kösener Corpslisten 1996, 154/1068</ref>
In den 1970er und 1980er Jahren arbeitete Nawrocki für den CDU-Generalsekretär und Landesvorsitzenden der CDU Nordrhein-Westfalen, Kurt Biedenkopf. Er war Leiter von Biedenkopfs Bonner Büro und Geschäftsführer der Landtagsfraktion der CDU im nordrhein-westfälischen Landtag. Nach Tätigkeiten in der Wirtschaft, unter anderem als Unternehmensberater, wechselte er nach der Wende in der DDR als Manager zur Treuhandanstalt in Berlin.
Im Dezember 1991 wurde er als Nachfolger des wegen mehrerer Pannen entlassenen Lutz Grüttke zum Geschäftsführer der Olympia GmbH bestellt, die verantwortlich für die Bewerbung Berlins für die Olympischen Sommerspiele 2000 war. Von Beginn an stieß Nawrockis Berufung auf diesen Posten wegen seiner fehlenden Kontakte zur Sportwelt auf Kritik.
Die Olympiabewerbung Berlins scheiterte. Bei der Wahl am 22. September 1993 in Monte Carlo erhielt Berlin gerade neun von 88 möglichen Stimmen. Vorausgegangen waren viele Ungeschicklichkeiten seitens der Olympia GmbH; unter anderem wurden Dossiers über die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees angelegt.<ref>Wie dem Berliner Olympia-Bärchen das Grinsen verging, Berliner Morgenpost, 4. Februar 2007</ref>
In Kritik geriet Nawrocki im Nachhinein durch die sogenannte Reißwolf-Affäre, bei der nach dem Scheitern der Olympiabewerbung angeblich Akten vernichtet wurden. Ein entsprechendes Gerichtsverfahren wurde allerdings wegen fehlender Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Straftat eingestellt. Auch ein Verfahren wegen angeblich zu hoher Abfindungen an Nawrocki nach seinem Ausscheiden aus der Olympia GmbH wurde eingestellt.<ref>Verfahren gegen Ex- Olympiachef Nawrocki eingestellt. In: Berliner Zeitung. 2. März 1994, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 16. November 2025.</ref> Dennoch hielt die Kritik am Wirken der Olympia GmbH einerseits wegen Verschwendung von Steuergeldern,<ref>Senats-Anweisung "Olympia GmbH" stößt auf Kritik. In: Berliner Zeitung. 15. Dezember 1994, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 16. November 2025.</ref> andererseits auch aus fachlichen Gründen an. So nannte der seinerzeitige Präsident des Deutschen Sportbundes, Manfred von Richthofen, die Berliner Olympiapräsentation „amateurhaft“.<ref>Immo v. Fallois: Olympia-Ausschuß: Scharfe Kritik an der Bewerbung Diepgen: Aktenvernichtung war politische Dummheit. In: Berliner Zeitung. 30. Juni 1995, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 16. November 2025.</ref> Die Einsetzung eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses, der bis Ende 1995 die Vorgänge untersuchen sollte, blieb folgenlos.<ref>Axel Nawrocki auf dem Abstellgleis – der Ex-Olympia-Bewerber war stets umstritten, Tagesspiegel, 14. September 1999</ref>
Zum 1. Januar 1994 schied Nawrocki aus der Olympia GmbH aus und wurde kaufmännischer Geschäftsführer der Projektgesellschaft der Berliner S-Bahn, die ein Jahr später als S-Bahn Berlin GmbH als eigenständige Organisation innerhalb der Deutschen Bahn (DB AG) fungierte. Nawrocki blieb bis 1998 deren Geschäftsführer. Seine Berufung war von Anfang an umstritten. Seitens des Berliner Senates wurde kritisiert, dass er bei dieser weitreichenden Personalentscheidung nicht von der Bahn einbezogen worden war.<ref>Nawrocki trat den Dienst an (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Juli 2024. Suche im Internet Archive ), Berliner Zeitung, 7. Januar 1994</ref>
In seine Amtszeit als Leiter der S-Bahn fielen verschiedene Versuche, neue Konzepte für die Berliner S-Bahn einzuführen, die meist nach kurzer Zeit wieder aufgegeben wurden. Dazu zählten Bemühungen, an Stelle der traditionellen rot-gelben Farbgebung der Berliner S-Bahn ein neues Farbkonzept einzuführen, die Einführung der ersten Klasse<ref>Berliner S-Bahn fährt bald mit erster Klasse (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Juli 2024. Suche im Internet Archive ), Berliner Zeitung, 5. September 1995</ref> und der Verkauf von Speisen und Getränken in den Zügen.<ref>Mit der Eß-Bahn von Berlin nach Potsdam (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Juli 2024. Suche im Internet Archive ), Berliner Zeitung, 6. März 1996</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />„S-Presso“ gibt auf ( vom 4. Februar 2016 im Internet Archive), Berliner Zeitung, 28. Mai 1997</ref>
Zum 13. Mai 1998 löste Nawrocki Heinz Neuhaus als für den Fernverkehr zuständiges Vorstandsmitglied ab.<ref name="eri-1998-296">Meldung Bilanz-Pressekonferenz der DB AG. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 7/8, 1998, ISSN 1421-2811, S. 296</ref> Am 24. September 1999 beschloss der Aufsichtsrat des Unternehmens, ihn zum 1. Oktober 1999 durch Christoph Franz abzulösen.<ref name="eri-1999-450">Meldung Neue Vorstände. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 11, Jahrgang 1999, ISSN 1421-2811, S. 450</ref> Gemeinsam mit dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Johannes Ludewig wurde Nawrocki mitverantwortlich für die Stagnation bei Fahrgastzahlen und Umsatz gemacht, so dass sich Bundesregierung und Aufsichtsrat der DB AG auf eine Ablösung von Ludewig und Nawrocki einigten.<ref>Immer wieder angeeckt, Manager-Magazin, 14. September 1999</ref> Bereits vorher war Kritik am Verhalten Nawrockis aufgekommen; unter anderem hatte er Eisenbahn-Netzkarten an bekannte Personen weitergegeben.<ref>Bahn: Justiz prüft Vergabe der Netzkarten (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Juli 2024. Suche im Internet Archive ), Berliner Zeitung, 4. Dezember 1998.</ref>
Nach seinem Ausscheiden aus der Führung der Deutschen Bahn zog sich Nawrocki zunächst in seine Heimat Aachen zurück.<ref> Was macht eigentlich Axel Nawrocki?, Manager-Magazin 1/2003</ref> Von 2002 bis 2009 war er Vorstand der Hansa Luftbild AG.<ref>Axel Nawrocki 60 Jahre in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3. September 2004.</ref>
Einzelnachweise
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Nawrocki, Axel |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (CDU) und Manager |
| GEBURTSDATUM | 5. Oktober 1944 |
| GEBURTSORT | Beuthen O. S. |
| STERBEDATUM | 8. November 2025 |
| STERBEORT | Aachen |