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Annemarie Griesinger

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Datei:Griesinger Annemarie.JPG
Annemarie Griesinger in ihrer Heimatstadt Markgröningen am 23. August 2008

Annemarie Griesinger, geborene Roemer, (* 21. April 1924 in Markgröningen, Württemberg; † 20. Februar 2012 in Bad Urach, Baden-Württemberg) war eine deutsche Sozialpolitikerin (CDU). Von 1964 bis 1972 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages und von 1972 bis 1980 baden-württembergische Ministerin für Arbeit, Gesundheit und Sozialordnung.

Leben

Annemarie Griesinger wuchs als jüngstes Kind und einzige Tochter mit fünf älteren Brüdern in einer evangelischen Pfarrfamilie auf. Ihre Mutter Liesel besuchte eine Hauswirtschaftsschule.<ref name="alb">Annemarie Griesinger. In: hausaufderalb.de. Abgerufen am 18. Februar 2026.</ref> Ihr Vater, der evangelische Theologe und Historiker Hermann Roemer, war zu diesem Zeitpunkt Studienprofessor am dortigen Lehrerinnenseminar.<ref name="kas">Annemarie Griesinger. In: kas.de. Abgerufen am 18. Februar 2026.</ref> Er gründete in Bietigheim einen christlichen Arbeiterverein und engagierte sich während der Weimarer Republik politisch im „Christlichen Volksdienst“. Er gründete nach dem Zweiten Weltkrieg in Markgröningen den Ortsverband der CDU.<ref name="kas" />

1942 legte sie das Abitur ab.<ref name="alb" /> Anschließend wurde sie in den Reichsarbeitsdienst eingezogen und arbeitete in einer Flachszwirnerei. Nachdem sie sich um ihren schwer verwundeten Bruder gekümmert hatte, entschloss sie sich, eine Ausbildung zur Schwesternhelferin beim Roten Kreuz zu absolvieren. Bei Kriegsende hegte sie den Plan, Lehrerin zu werden, zog jedoch zunächst nach Arosa in der Schweiz, um eine Tuberkuloseerkrankung auszukurieren. Nach ihrer Rückkehr begann sie im Jahr 1950 eine Ausbildung zur Wirtschafts- und Jugendfürsorgerin an der Sozialen Frauenschule des Schwäbischen Frauenvereins in Stuttgart.<ref name="kas" />

Im Jahr 1953 heiratete sie Heinz Griesinger, den sie während ihrer Zeit an der Evangelischen Bauernschule Hohebuch kennengelernt hatte. Die Ehe blieb kinderlos. Während ihr Ehemann, der später Ausbildungsdirektor bei Bosch und Lehrbeauftragter an der Universität Stuttgart wurde, sein Studium absolvierte, war Annemarie Griesinger von 1956 bis 1964 als Kreisfürsorgerin beim Landratsamt Ludwigsburg tätig.<ref name="kas" />

Durch ihren Ehemann, der in den 1950er Jahren die Jungen Union (JU) im Kreis Ludwigsburg leitete, kam sie mit Politik in Kontakt. Im Jahr 1956 trat sie der JU bei, zwei Jahre später 1958 schloss sie sich der CDU an.<ref name="alb" /> Ihre erste Kandidatur für den Deutschen Bundestag fand 1961 statt, jedoch blieb sie damals ohne Erfolg. 1964 rückte sie für den ausgeschiedenen Wilhelm Hahn nach. 1965 erwarb sie als erste weibliche Abgeordnete das Goldene Sportabzeichen, später noch ein zweites.<ref name="kas" />

In den Jahren 1965 und 1969 gelang es ihr, im ersten Anlauf in den Bundestag einzuziehen. 1969 errang sie sogar das Direktmandat in ihrem Wahlkreis Ludwigsburg, der bis dahin von der SPD dominiert wurde.<ref name="alb" /> Zusätzlich wurde sie zu einer der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gewählt. Im Bundestag widmete sie sich insbesondere den Themen Sport und Landfrauen, mit einem besonderen Fokus auf die Förderung und Modernisierung der bäuerlichen Hauswirtschaft.<ref name="kas" />

Datei:Bundesarchiv B 145 Bild-F054627-0025, Ludwigshafen, CDU-Bundesparteitag, Späth.jpg
Annemarie Griesinger neben Lothar Späth 1978

Ministerpräsident Hans Filbinger berief sie nach der Landtagswahl 1972 als Ministerin für Arbeit, Gesundheit und Sozialordnung in sein Kabinett, sie war die erste Frau, die je in einem baden-württembergischen Landeskabinett tätig war.<ref name="alb" /> Von 1976 bis 1984 war Annemarie Griesinger Landtagsabgeordnete für den Landtagswahlkreis Vaihingen.<ref name="kas" />

In ihrer Rolle als Sozialministerin engagierte sie sich für Frauen im ländlichen Raum. So setzte sie unter anderem für ein flächendeckendes System von Sozialstationen und Behindertenwerkstätten ein.<ref>Thomas Breining: Die erste Frau im Ministeramt. In: Stuttgarter-Zeitung.de vom 21. Februar 2012, abgerufen am 22. Februar 2012.</ref>

Im Jahr 1980 ernannte Ministerpräsident Lothar Späth sie im Zuge einer Kabinettsumbildung zur Ministerin für Bundesangelegenheiten.<ref name="kas" /> Danach war sie von 1980 bis 1984 Ministerin für Bundesangelegenheiten im Staatsministerium Baden-Württemberg und Bevollmächtigte des Landes in Bonn sowie Europabeauftragte der Landesregierung. Von 1981 bis 1990 war sie Landesvorsitzende der Europa-Union Baden-Württemberg.<ref name="alb" /> Sie wurde aufgrund ihres Engagements für Europa und die Europa-Union zur Ehrenvorsitzenden ernannt.<ref>Unsere Abgeordneten & Vorstandsmitglieder. In: eubw.eu. Abgerufen am 18. Februar 2026.</ref> Ihre Geselligkeit brachte ihr den schwäbischen Spitznamen „Feschtles-Marie“ (Betonung auf dem a) ein.

1984 ging sie in den Ruhestand, blieb aber sozialpolitisch aktiv. Sie war von 1984 bis 1996 Vorsitzende der Bundesvereinigung für Lebenshilfe.<ref>„Sie war eine Frau mit großem Herzen“. In: lebenshilfe.de. Abgerufen am 18. Februar 2026.</ref> 1994 wurde sie Landesvorsitzende der Senioren-Union Baden-Württemberg, die sie drei Jahre lang blieb.<ref name="kas" />

Annemarie Griesinger starb am 20. Februar 2012 im Alter von 87 Jahren in Bad Urach.<ref name="alb" />

Gedenken

Jährlich wird der Annemarie-Griesinger-Preis durch den CDU-Kreisverband Ludwigsburg vergeben, um Menschen zu ehren, die sich durch außergewöhnliche bürgerschaftliche Engagements verdient gemacht haben.<ref>Annemarie-Griesinger-Preis. In: cdu-kv-lb.de. Abgerufen am 18. Februar 2026.</ref>

Ein Wohnprojekt für Demenkranke und Pflegebedürfte in Gerlingen trägt ihren Namen.<ref>Annemarie-Griesinger-Haus. In: breitwiesenhaus.de. Abgerufen am 18. Februar 2026.</ref>

Schriften

  • Heidenei, Frau Minister! Lachen ist die beste Medizin. Hg. Martin Hohnecker. Hohenheim-Verlag, Stuttgart 2006 ISBN 3-89850-140-X.

Literatur

  • Ina Hochreuther: Frauen im Parlament. Südwestdeutsche Abgeordnete seit 1919. Theiss, Stuttgart 1992, ISBN 3-8062-1012-8, S. 188–190.

Weblinks

Commons: Annemarie Griesinger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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