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Ursula Franklin

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Ursula Franklin (2006)

Ursula Martius Franklin, CC, O.Ont, FRSC (* 16. September 1921 in München; † 22. Juli 2016 in Toronto<ref>Renowned University of Toronto scientist Ursula Franklin dead at 94</ref>) war eine deutsch-kanadische Physikerin.

Leben

Ursula Maria Martius wuchs in München auf, als Tochter des lutherischen Ethnographen Albrecht Martius (1884–1969), der für Leo Frobenius arbeitete<ref>Familiengeschichte Martius</ref>, und der Kunsthistorikerin Ilse Maria geb. Sperling (geb. 1890; jüdischer Abstammung), die 1920 geheiratet hatten. Später zog die Familie nach Berlin. 1940 begann Ursula an der Universität Berlin ein Studium der Physik und Chemie, wurde aber 1942 zwangsexmatrikuliert und wegen ihrer „halbjüdischen“ Abstammung für 18 Monate in einem Arbeitserziehungslager interniert, während beide Eltern im KZ saßen.<ref name="westminsterhb">Susan Hill Lindley, Eleanor J. Stebner (Hrsg.): The Westminster Handbook to Women in American Religious History. Westminster John Knox Press, Louisville KY u. a. 2008, ISBN 978-0-664-22454-7, S. 82–83. Ursula Franklin Speaks: Thoughts and Afterthoughts, hrsg. v. Sarah Jane Freeman, 2014</ref> In einem Brief an Otto Hahn vom 23. April 1946 äußerte sie resignativ über die deutschen Physiker: „Was die Leute aufbauen, es wird immer eine Kaserne, eine Kaserne, in der ich nicht sehr große Lust habe, zu leben.“<ref>Zit. n. Gerhard Rammer: „Sauberkeit im Kreise der Kollegen“. Die Vergangenheitspolitik der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, in: Hoffmann/Walker (Hrsg.): Physiker zwischen Autonomie und Anpassung: Die Deutsche Physikalische Gesellschaft im Dritten Reich, S. 393, Anm. 102</ref> 1947 griff sie die Deutsche Physikalische Gesellschaft wegen deren Duldsamkeit gegenüber alten Nationalsozialisten an. Dabei nannte sie Namen, z. B. Pascual Jordan, Herbert Arthur Stuart, Erich Schumann und Hans Otto Kneser.<ref>„Videant consules …“. In: Deutsche Rundschau. Bd. 70, Nr. 11, 1947, ZDB-ID 205873-x, S. 99–102.</ref> Sie promovierte 1948 in Experimentalphysik an der Technischen Universität Berlin bei dem ebenso ehemals verfolgten Hartmut Kallmann, der wenig später Deutschland verließ.<ref>Carlotta Hacker: Scientists. Weigl Educational Publishers, Calgary 1999, ISBN 1-896990-03-7, S. 43.</ref> Im folgenden Jahr ging sie als Post-Doktorandin an die Universität Toronto und blieb von da an in Kanada. Sie wurde Quäkerin. 1967 wurde sie die erste Professorin im Fachbereich Metallurgie und Materialwissenschaften der Universität Toronto.<ref>Janine Marchessault, Kim Sawchuk (Hrsg.): Wild Science. Reading Feminism, Medicine, and the Media. Routledge, London u. a. 2000, ISBN 0-415-20430-5, S. XII.</ref>

Werk

Sie gilt als Pionierin der Archäometrie. Franklin entwickelte unter anderem Methoden zur präzisen Bestimmung des radioaktiven Strontiumisotops 90Sr, das in der Atmosphäre nach Atombombenexplosionen entsteht.<ref name="westminsterhb" /> Sie beschäftigte sich ebenso mit Technikfolgenabschätzung wie mit Wechselwirkungen von Technologie und Gesellschaft, insbesondere auch mit Friedensfragen. Nachdem sie 1989 die Massey Lectures halten durfte, veröffentlichte sie daraus 1992 das Buch The Real World of Technology.

In der Vorlesungsreihe beschrieb Franklin Technologie als Zusammenhang von Wissensformen und Prozessen, der auch Abhängigkeiten erzeugen und soziale Beziehungen verändern könne. Sie schlug daher unter anderem eine Kriterienkatalog für Projekte der öffentliche Hand und die Vergabe öffentlicher Förderung vor, der deren Beitrag zu Gerechtigkeit, Reziprozität, allseitigen Vorteilen, Menschenzentrierung, Risikominimierung, Ressourcenschonung und Reversibilität der Maßnahmen beurteilbar machen sollte.<ref>„To move from the specific to the general: Let’s make a checklist to help in the discourse on public decision-making. Should one not ask of any public project or loan whether it: (1) promotesjustice; (2) restores reciprocity; (3) confers divisible or indivisible benefits; (4) favours people over machines; (5) whether its strategy maximizes gain or minimizes disaster; (6) whether conservation is favoured over waste; and (7), whether the reversible is favoured over the irreversible?“ – The Real World of Technology, S. 126 (CBC Enterprises, Ausgabe 1990)</ref>

Auszeichnungen

Schriften

  • The Real World of Technology (= CBC Massey lectures series.). CBC Enterprises, Montréal 1990, ISBN 0-88784-531-2.
  • The Ursula Franklin Reader. Pacifism as a Map. With an introduction by Michelle Swenarchuk. Between the Lines, Toronto 2006, ISBN 1-897071-18-3.

Literatur

  • Dieter Hoffmann, Mark Walker (Hg.): Physiker zwischen Autonomie und Anpassung. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft im Dritten Reich, Weinheim, Wiley-VCH, 2007, ISBN 978-3-527-40585-5

Weblinks

Commons: Ursula Franklin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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