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Zitadelle von Huy

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Blick über die Maas auf die Zitadelle

Blick über die Maas auf die Zitadelle

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Ort Huy
Architekt Donato de Boni, Menno van Coehoorn, van Ingen, Evers und andere
Bauherr Grafen von Namur, Herzog von Burgund, Habsburger
Baujahr 5. bis 19. Jahrhundert
Koordinaten 50° 31′ 3″ N, 5° 14′ 14″ OKoordinaten: 50° 31′ 3″ N, 5° 14′ 14″ O
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Die Zitadelle von Huy ist eine Festung in der Stadt Huy in Belgien.

Geographie

Die Zitadelle von Huy ist eine Festung am Ufer der Maas mit Blick auf die Stadt Huy in der belgischen Provinz Lüttich. Sie gehörte zur ersten Befestigungslinie der Wellington-Barriere. Die Zitadelle wurde am Ort der ehemaligen Festung Château de Huy errichtet.<ref name="Goorts186" />

Geschichte

Datei:Huy 53 fort.jpg
Blick in den Innenhof der Zitadelle

Die Zitadelle von Huy wurde kurz nach der Gründung des Königreichs der Vereinigten Niederlande zur Verteidigung gegen Frankreich errichtet. Das Vereinigte Königreich Großbritannien und Irland finanzierte dabei die sogenannte Wellington-Barriere im großen Ausmaß. Diese Barriere bestand aus drei Befestigungsanlagen, welche parallel zur französischen Grenze errichtet wurden. Die Bauarbeiten an der Zitadelle von Huy begannen am 6. April 1818 unter der Aufsicht und Leitung von Hauptmann Johannes Allatus Anemaet. Die Pläne für die Zitadelle stammten von Oberstleutnant Heimerick Camerlingh vom Pionierkorps der Streitkräfte des Königreichs der Vereinigten Niederlande. Die Bauarbeiten dauerten insgesamt fünf Jahre.<ref name="Suttor82" />

Bis ins Jahr 1830 stand die Zitadelle unter dem Kommando der der Streitkräfte des Königreichs der Vereinigten Niederlande. Als Ende August 1830 die Belgische Revolution begann, beteiligte sich auch die Bevölkerung der Provinz Lüttich am Aufstand. Am 7. September 1830 konnte die bürgerliche Stadtgarde von Huy die Zitadelle kampflos einnehmen. Die Verteidiger bestanden zur damaligen Zeit aus 20 kriegsversehrten Kanonieren unter dem Kommando von Hauptmann Banneux, welcher die Schlüssel zur Zitadelle persönlich an die Stadtgarde übergab. Umgehend wurde die Flagge von Lüttich über der Zitadelle gehisst und die Garnisionssoldaten in Haft genommen. Wenig später wurden sie per Schiff nach Lüttich gebracht. Der neue Kommandant der Zitadelle wurde Isidore Donckier.

Zu einer wirklichen Nutzung der Zitadelle durch die belgische Armee kam es jedoch nicht. Ab 1848 diente sie als Gefängnis für politische Gefangene der revolutionären Risquons-Tout-Bewegung. Ab 1876 wurde die Zitadelle an die Stadt Huy abgegeben und 1880 vom belgischen Staat zurückgekauft. Als am 7. April 1899 eine Inspektion durchgeführt wurde, explodierte um 10:30 Uhr eine 12-cm-Granate. Dabei kamen vier Soldaten ums Leben, sechs weitere wurden verwundet. Zudem brach in der Zitadelle ein Feuer aus, welches zügig gelöscht werden konnte.<ref name="Levarlet614" /> Im Jahr 1914 wurde die Zitadelle dann in das Verteidigungssystem an der Maas integriert.<ref name="Lejeune23" />

Als der Erste Weltkrieg ausbracht, rückten die deutschen Truppen Richtung Belgien vor. Es gelang ihnen, die Stadt und die Zitadelle zu erobern. Während der Besatzungszeit diente die Zitadelle den Deutschen Truppen als internes Disziplinierungslager für Deutsche. Nach dem Ende des Weltkrieges wurde die Zitadelle wieder an Belgien übergeben und diente als Unterkunft für russische Kriegsgefangene. Nachdem diese in ihr Land zurückgekehrt waren, diente die Zitadelle als Regimentsschule für das belgische 14. Linieninfanterie-Regiment. Ab dem Jahr 1932 wurde die Zitadelle für die Öffentlichkeit geöffnete und war eine touristische Attraktion für Panoramablicke auf die Stadt.

Im Jahr 1939 wurden deutsche Soldaten, welche die Grenze nach Belgien überquerten, in der Zitadelle interniert. Als am 10. Mai 1940 der Westfeldzug mit dem Einmarsch in Belgien begann, wurden diese Internierten zu Kriegsgefangenen erklärt.<ref name="Lejeune23" /> Kurze Zeit später erreichte die Wehrmacht die Stadt und griff die Zitadelle an, um die Gefangenen zu befreien. Diese waren kurz vor dem Eintreffen der Wehrmacht jedoch verlegt worden. Nachdem die deutschen Truppen die Zitadelle erobert hatten, wurde sie von den Besatzern als Internierungslager für politisch Gefangene und Geiseln genutzt. In der Zitadelle wurden mehr als 6500 Personen interniert. Die Gründe waren sehr vielfältig und reichten von Widerstand, über Schwarzmarktgeschäfte bis hin zu Kriegsdienstverweigerung. Dabei stammten die Internierten aus den verschiedensten Ländern.<ref name="Guides" />

Ab Juli 1940 wurden in der Zitadelle auch britische Gefangene und französische Streikende und ab 1941 russische Soldaten interniert. Etwa die Hälfte dieser Personen wurden als Geiseln gehalten, ihnen drohte die Hinrichtung. Die Zitadelle wurde jedoch nicht dafür genutzt, denn die Internierten wurden vor ihrer Ermordung an andere Orte verbracht. Ab dem 22. September 1941 diente die Zitadelle auch als Durchgangslager vor der Deportation in Konzentrationslager, hauptsächlich für die Lager Herzogenbusch und Neuengamme. Nach der Befreiung der Zitadelle durch die Westalliierten wurde dort ein Internierungslager für als unzivilisiert betrachtete Personen eingerichtet.<ref name="Guides" />

Heutige Nutzung

Datei:PanoHuy2.jpg
Panoramablick mit Sichtbarer Pendelbahn

Zwischen den Jahren 1957 und 2012 fuhr eine Pendelbahn von der Stadt zur Zitadelle. Am 6. April 2012 durchtrennte ein Hubschrauber des Typs Robinson R22 eines der Kabel der Pendelbahn, wodurch zwei Menschen ums Leben kamen. Nach diesem Vorfall stand die Pendelbahn mehrere Jahre still. Nach einer Ausschreibung der Stadt wurden die Architekturbüros U'MAN und ERIC mit der Planung der Sanierung der Pendelbahn beauftragt. Die Bauarbeiten begannen im September 2020 und am 28. April 2024 fand die Wiedereröffnung statt.<ref name="Guides" />

Seit dem Jahr 1992 befindet sich in der Zitadelle ein Museum des Widerstands und der Konzentrationslager. Im Jahr 2007 wurde ein Antrag eingereicht, die Zitadelle als Weltkulturerbe anzuerkennen, welcher jedoch abgelehnt wurde.<ref name="Guides" />

Weblinks

Commons: Zitadelle von Huy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • René Dubois: La révolution de 1830 à Huy. Annales du Cercle Hutois des Sciences et des Beaux-Arts, Huy.
  • Roeland Goorts: War, State, and Society in Liège: How a Small State of the Holy Roman Empire Survived the Nine Years' War 1688-1697. Leuven University Press, Leuven 2018, ISBN 978-94-6270-131-1.
  • Marie Lejeune: La citadelle de Huy pendant la Seconde Guerre mondiale. Universität Lüttich, Lüttich 2001.
  • Henri Levarlet: Accidents survenus en Belgique dans la fabrication, l’emmagasinage et le transport des explosifs. Annales des mines de Belgique, Liège.
  • Marc Suttor: Liège et le royaume des Pays‑Bas, une place forte dans un ensemble défensif 1815–1830. Lüttich 1982.
  • Rough Guides, Phil Lee, Victoria Trott: The Rough Guide to Belgium and Luxembourg. Rough Guides, 2018, ISBN 978-1-78919-540-8.

Einzelnachweise

<references responsive> <ref name="Suttor82"> Marc Suttor: Liège et le royaume des Pays‑Bas. 1982, S. 82–83. </ref> <ref name="Levarlet614"> Henri Levarlet: Accidents survenus en Belgique dans la fabrication, l’emmagasinage et le transport des explosifs. S. 614. </ref> <ref name="Lejeune23"> Marie Lejeune: La citadelle de Huy pendant la Seconde Guerre mondiale. 2001, S. 23. </ref> <ref name="Goorts186"> Roeland Goorts: War, State, and Society in Liège. 2018, S. 186. </ref> <ref name="Guides"> Rough Guides, Phil Lee, Victoria Trott: The Rough Guide to Belgium and Luxembourg. 2018. </ref> </references>