Garz (Havelberg)
Garz Hansestadt Havelberg
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| Koordinaten: | Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(133)&title=Garz 52° 45′ N, 12° 12′ O
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| Höhe: | 26 m ü. NHN | |||||
| Fläche: | 7,89 km² | |||||
| Einwohner: | 133 (31. Dez. 2022)<ref name="EW-2022" /> | |||||
| Bevölkerungsdichte: | 17 Einwohner/km² | |||||
| Eingemeindung: | 1. Januar 2005 | |||||
| Postleitzahl: | 39539 | |||||
| Vorwahl: | 039382 | |||||
Lage von Garz in Sachsen-Anhalt
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Garz ist eine Ortschaft und ein Ortsteil der Hansestadt Havelberg im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt.<ref name="Hauptsatzung" />
Geografie
Lage
<mapframe latitude="52.7526" longitude="12.203" zoom="15" width="300" height="200" align="right" /> Garz, ein Dorf mit Kirche, liegt 12 Kilometer südöstlich der Hansestadt Havelberg und 11 Kilometer südöstlich der Stadt Sandau (Elbe) im westlichen Elb-Havel-Winkel in der unteren Havelniederung. Im Norden und Osten grenzt das Dorf an das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet „Untere Havel und Schollener See“.<ref name="DE-ST_SAV">Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)</ref>
Nachbarorte sind Neukamern im Westen, Kuhlhausen im Norden, das brandenburgische Strodehne im Osten und Warnau im Südosten.<ref name="DE-ST_SAV">Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)</ref>
Gliederung
Zur Ortschaft Garz gehört der gleichnamige Ortsteil mit den Wohnplätzen Ausbau Garzer Mühle und Ausbau Garzer Schleuse.<ref name="Hauptsatzung" /><ref name="OT-LSA-2013" />
Geschichte
Mittelalter bis Neuzeit
Die ersten Erwähnungen des Dorfes stammen aus dem Jahre 1386<ref name="Jacobs-1873" /> aus dem Lehnbuch des Magdeburger Erzbischofs Albrecht IV. (1383–1403). Sein Stiftsvasalle Tile Burfient hatte 5 Stendalsche Groschen als Einnahmen in villa Garcz und Tydeke Burwigend 4 Talente Groschen in villa Garntz.<ref name="Hertel-Lehnbücher" />
Garz entstand als slawisches Runddorf. Um den zentralen Dorfplatz herum siedelten sich Hüfner, Bauern und Fischer an und errichteten ihre Wohn- und Stallgebäude aus Backstein im Vierseit-Stil.<ref name="HP" /> Bereits 1562 hatte das Dorf eine Kirche. Im Jahre 1626 wurden die Kirchenglocken geraubt. 1682 vernichtete ein Dorfbrand die Kirche.<ref name="Altmarkkirchen" /> 1897 hat ein großer Dorfbrand viele Gebäude um die Kirche herum zerstört.<ref name="Wernicke-1898" /> Die Einwohner bauten sie aber wieder auf.<ref name="HP" />
Der Bau der 1912 fertiggestellten Schleuse Garz führte zu einer Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur und zur Verringerung der Hochwassergefahr. Für die Familie des Schleusenwärters wurde ein Gehöft angelegt. Gütertransporte und Fahrgastschifffahrt schufen einige Arbeitsplätze. Der Ort erhielt in diesem Zusammenhang auch einen Hafen.
1950 bis 1993
Zu DDR-Zeiten befand sich im Ort das Kinderferienlager Otto Lilienthal (Adresse: Ausbau Schleuse 1), das der VEB Elektronikhandel Berlin für die Kinder seiner Betriebsangehörigen unterhielt. Außerhalb der Schulferien diente die Einrichtung als Schulungszentrum.<ref name="FB" /> Das Lager bestand aus dem historischen Backsteinhaus des Schleusenwärters, einem neu errichteten Flachbau und einem Appellplatz. Nach der Wende übernahm ein ehemaliger Mitarbeiter des Betriebes die Einrichtung und führte sie einige Jahre privat fort. Danach kaufte eine Geschäftsfrau das Anwesen und führt seitdem dort eine Pension.
Nach 1990
Die Dorfkirche konnte auch dank der Spenden der Bürger renoviert werden. Die Einwohner ließen ihre Wohngebäude ebenfalls nach und nach sanieren. Nun steht der gesamte Dorfkern unter Denkmalschutz.<ref name="HP" />
Eingemeindungen
Garz gehörte früher zum zweiten Distrikt im Jerichowschen Kreis im Norden des Herzogtums Magdeburg.<ref name="Heineccius-1785" /> 1816 kam es zum Kreis Jerichow II, dem späteren Landkreis Jerichow II in der preußischen Provinz Sachsen.
Am 20. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Garz nach Warnau eingemeindet.<ref name="2VO-LSA-1950" />
Am 15. Oktober 1993 wurde der Ortsteil Garz wieder aus der Gemeinde Warnau ausgegliedert und entstand als politisch selbstständige Gemeinde neu.<ref name="Metzler-Poeschel" /> Diese gehörte dann zur Verwaltungsgemeinschaft Elbe-Havel-Land im Landkreis Stendal. Durch die Eingemeindung nach Havelberg am 1. Januar 2005 verlor Garz seine politische Selbstständigkeit.<ref name="destatis" />
Einwohnerentwicklung
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Quelle, wenn nicht angegeben: 1867 bis 1946 Unterlagen der Volkszählung
Politik
Ortsbürgermeisterin
Astrid Braunsdorf ist seit 2019 Ortsbürgermeisterin der Ortschaft Garz.<ref name="OR" />
Ortschaftsrat
Bei der Ortschaftsratswahl am 26. Mai 2019 gewann die Wählergemeinschaft Bündnis der Mitte Garz alle 5 Sitze.<ref name="Wahl 2019" />
Wappen
Blasonierung: „In Silber ein roter steigender Rehbock mit dreiendigem Geweih auf grünem Schildfuß.“
Der Magdeburger Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch gestaltete das Wappen 1995, die zuständige Gemeinde genehmigte es ohne große Änderungen. Die Farben des Ortsteils sind Rot-Weiß.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
- Die evangelische Dorfkirche Garz, ein achteckiger Fachwerkbau mit einem Zeltdach und achteckiger Laterne, stammt aus dem Jahr 1688. Der westliche Vorbau dient als Eingang.<ref name="Altmarkkirchen" /> In der Kirche befindet sich eine Lütkemüller-Orgel aus dem Jahr 1871, die 2007 restauriert wurde. Die Kirche wurde von 2014 bis 2020 umfassend saniert und erstrahlt nun im ursprünglichen sehr blassen Rosa.<ref name="Leader" />
- Ein Staudamm (Nadelwehr) an der Havel, der Ortskern und viele Bauernhäuser im Dorf stehen unter Denkmalschutz.<ref name="DE-ST_SAV">Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)</ref>
Wirtschaft und Kultur
- Haupterwerbszweig für den Ort ist der Tourismus in Verbindung mit der Havel und dem Biosphärenreservat Mittelelbe.
- Der 2009 gegründete Orts- und Kulturverein Garz/Havel e. V. organisiert mit den Einwohnern und Gästen Feste – ein Frühlingsfest, ein Sommerfest, ein Kartoffelfest, Fischessen am Feuer, Bastelnachmittage für Kinder oder einen Weihnachtsmarkt mit Kulturprogramm in der Kirche.<ref name="Kulturverein" />
Quappenwinkel
Die Gegend um Garz, Kuhlhausen und Warnau heißt im Volksmund scherzhaft „Quappenwinkel“ und die Bewohner „Quappenköppe“, da früher dort viele Quappen gefangen wurden,<ref name="Sagenschatz, S. 104" /> eine heute in der Havel ausgestorbene Dorschart.
Sage – Der wilde Birnbaum
Der Lehrer Schmidt überlieferte 1908 im Altmärkischen Sagenschatz die Sage. Auf der rechten Seite des Weges von Warnau nach Garz stand damals noch auf freiem Felde ein wilder Birnbaum, im Volksmund „Der wilde Beerboom“ genannt. Nur alle zwei Jahre trug er Früchte, dann aber so viele, dass die Äste zu brechen drohten. An diesem Baum wurden früher allerlei Krankheiten und Gebrechen gebötet, denn es war ein Feldmarkgrenzbaum, dem Heilkräfte innewohnten. Der Baum war an verschiedenen Stellen angebohrt, es waren Nägel und Holzpflöcke hineingeschlagen worden, doch hatte das ihm alles nichts geschadet.<ref name="Sagenschatz, S. 151" />
Verkehr
Durch das Dorf führt die überregionale Radroute Havelradweg.<ref name="DE-ST_SAV">Sachsen-Anhalt-Viewer des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation (Hinweise)</ref>
Es verkehren Linienbusse und Rufbusse von stendalbus.<ref>Strecken und Fahrpläne. In: stendalbus.de. Abgerufen am 11. Juni 2023.</ref>
Literatur
- W. Schmidt: Heimatkunde der Kreise Jerichow I und II für Schule und Haus. Selbstverlag des Verfassers, Ferchels 1894, S. 159. (Nachdruck: SelbstVerlag Eugen & Constanze Gliege)
- Vorlage:BibOCLC
Weblinks
- Garz im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für Computergenealogie
- Ortschaft Garz. In: havelberg.de. Abgerufen am 8. Juli 2023.
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Private Website mit Fotos aus Garz ( vom 25. Februar 2010 im Internet Archive)
Einzelnachweise
<references> <ref name="2VO-LSA-1950">Zweite Verordnung zum Gesetz zur Änderung der Kreis- und Gemeindegrenzen zum 27. April 1950 (GuABl. S. 161). In: Landesregierung Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Gesetz- und Amtsblatt des Landes Sachsen-Anhalt. Nr. 18, 5. August 1950, ZDB-ID 511105-5, S. 279 (PDF).</ref>
<ref name="Altmarkkirchen">Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/9783981403954 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.</ref>
<ref name="Bühling-1864">A. Bühling: Geographisch-statistisch-topographisches Handbuch des Regierungsbezirks. Ortschafts-Verzeichniß des Regierungs-Bezirkes Magdeburg. Magdeburg 1864, S. 32–33, VI. 58 (Digitalisat).</ref>
<ref name="destatis">Namens- und Gebietsänderungen der Gemeinden (siehe 2005). Statistisches Bundesamt, abgerufen am 8. Juli 2023.</ref>
<ref name="EW-2011">Andrea Schröder: Jederitz ist wieder die kleinste Ortschaft, in Vehlgast bleibt Einwohnerzahl stabil. In: Volksstimme Magdeburg, Lokalausgabe Havelberg. 2. Februar 2012 (volksstimme.de [abgerufen am 27. Dezember 2022]).</ref>
<ref name="EW-2018">Andrea Schröder: Mehr Zuzüge und Geburten. In: Volksstimme Magdeburg, Lokalausgabe Havelberg. 2. Februar 2019 (volksstimme.de [abgerufen am 27. Dezember 2022]).</ref>
<ref name="EW-2022">Yulian Ide: Hurra! Wir wachsen wieder! In: Stendaler Volksstimme, Biese-Aland-Kurier. 21. Januar 2023, DNB 1047269554, S. 19–20.</ref>
<ref name="FB">DDR Ferienlagers Alben - Kinderferienlager Otto Liliental RFT VEB Elektronikhandel Berlin. In: facebook.com. 14. November 2013, abgerufen am 8. Juli 2023.</ref>
<ref name="HP">Ortschaft Garz. In: havelberg.de. Stadt Havelberg, abgerufen am 11. Juni 2023.</ref>
<ref name="Hauptsatzung">Hauptsatzung der Hansestadt Havelberg. 25. März 2021, § 1 Name, Bezeichnung und § 14 Ortschaftsverfassung, S. 1 und 5 (havelberg.de [PDF; 103 kB; abgerufen am 11. Juni 2023]).</ref>
<ref name="Heineccius-1785">Johann Ludwig Heineccius: Ausführliche topographische Beschreibung des Herzogthums Magdeburg und der Grafschaft Mansfeld, Magdeburgischen Antheils. Berlin 1785, S. 266–267 (Digitalisat).</ref>
<ref name="Hermes-Weigelt">Vorlage:BibOCLC</ref>
<ref name="Hertel-Lehnbücher">Gustav Hertel: Die ältesten Lehnbücher der Magdeburgischen Erzbischöfe (= Historische Commission der Provinz Sachsen [Hrsg.]: Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete. Band 16). Otto Hendel, Halle an der Saale 1898, S. 260 (Digitalisat).</ref>
<ref name="Jacobs-1873">Eduard Jacobs: Früheste Erwähnung der noch bestehenden Ortschaften des Herzogthums Magdeburg mit Ausschluss des Saalkreises (= Geschichtsblätter für Stadt und Land Magdeburg. Band 8). 1873, S. 34 (Digitalisat).</ref>
<ref name="Kulturverein">Haveldorf Garz. In: garz-havel.de. Orts- und Kulturverein Garz/Havel e. V., abgerufen am 8. Juli 2023.</ref>
<ref name="Leader">Kirche Garz. In: leader-elbe-havel.de. Lokale Aktionsgruppe Elb-Havel-Winkel, 5. Dezember 2022, abgerufen am 8. Juli 2023.</ref>
<ref name="Metzler-Poeschel">Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/3824603217 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.</ref>
<ref name="OR">Ratsinformationssystem Havelberg, Ortschaftrat Jederitz. In: havelberg.de. Stadt Havelberg, abgerufen am 8. Juli 2023.</ref>
<ref name="OT-LSA-2013">Verzeichnis Gemeinden und Gemeindeteile. Gebietsstand: 1. April 2013 (= Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt [Hrsg.]: Verzeichnisse / 003. Nr. 2013). Halle (Saale) Mai 2013, S. 113 (destatis.de [PDF; 1,6 MB; abgerufen am 24. August 2019]).</ref>
<ref name="Sagenschatz, S. 104">Altmärkischer Sagenschatz (= Lehrerverband der Altmark [Hrsg.]: Beiträge zur Volks- und Heimatkunde der Altmark. Band 2). Klinkhardt, 1908, ZDB-ID 1198714-5, S. 104, Storkenpenner (Digitalisat).</ref>
<ref name="Sagenschatz, S. 151">Altmärkischer Sagenschatz (= Lehrerverband der Altmark [Hrsg.]: Beiträge zur Volks- und Heimatkunde der Altmark. Band 2). Klinkhardt, 1908, ZDB-ID 1198714-5, S. 151–152, Der wilde Beerboom (Digitalisat).</ref>
<ref name="Wahl 2019">Stimmenverteilung Ortschaftsräte der Wahl vom 25. August 2019. In: havelberg.de. Stadt Havelberg, abgerufen am 11. Juni 2023.</ref>
<ref name="Wernicke-1898">Ernst Wernicke: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Kreise Jerichow. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen. Band 21. Hendel, Halle an der Saale 1898, S. 367–368 (Textarchiv – Internet Archive).</ref> </references>
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