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Niedersorbische Sprache

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Niedersorbisch (dolnoserbšćina)

Gesprochen in

Niederlausitz
Sprecher 5.000
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Anerkannte Minderheiten-/
Regionalsprache in
DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland (Brandenburg)
Sprachcodes
ISO 639-1
ISO 639-2 dsb
ISO 639-3 dsb
Datei:Dešno – Serbski napis.jpg
Niedersorbische Ortshinweistafel in Dissen/Dešno

Niedersorbisch (niedersorbisch {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); umgangssprachlich und teilweise als deutschsprachige Selbstbezeichnung auch Wendisch) ist eine westslawische Sprache, die von den Niedersorben/Wenden in der Niederlausitz gesprochen wird. Sie ist, neben dem Obersorbischen, eine der beiden sorbischen Schriftsprachen. Die Sprache gilt mit derzeit etwa 5.000 Sprechern<ref>Manfred Starosta, Hauke Bartels: Niedersorbisch. In: Sorabicon. Abgerufen am 11. Januar 2025.</ref> als akut vom Aussterben bedrohte Sprache.

Verbreitungsgebiet

Heutiges Verbreitungsgebiet

Niedersorbisch wird heute noch in einigen Dörfern in und um Cottbus/Chóśebuz gesprochen. In den Gegenden bei Vetschau/Wětošow, Lübbenau/Lubnjow und Spremberg/Grodk ist der alltägliche Gebrauch kaum noch anzutreffen. Straßen- und Ortsschilder in dieser Region sind zweisprachig.

In den Jahren von 1993 bis 1995 wurden in Dörfern der Niederlausitz Untersuchungen durchgeführt, um die Anzahl der Sprecherinnen und Sprecher des Wendischen/Niedersorbischen sowie deren Altersstruktur zu erfassen. Ziel der Untersuchungen war es, den Zustand des Spracherhalts zu bewerten.

Die meisten Sprecher lebten bei Cottbus im Landkreis Spree-Neiße:

  • Dissen/Dešno: 28,9 % wendischsprachig (+)
  • Fehrow/Prjawoz: 25,7 % wendischsprachig (+)
  • Neuendorf/Nowa Wjas: 23,5 % wendischsprachig (+)
  • Müschen/Myšyn: 21,4 % wendischsprachig (−)
  • Preilack/Pśiłuk: 20,3 % wendischsprachig (+)
  • Guhrow/Góry: 19,4 % wendischsprachig (−)
  • Jänschwalde/Janšojce: 18,9 % wendischsprachig (+)
  • Babow/Bobow: 16,6 % wendischsprachig (−)
  • Tauer/Turjej: 16,3 % wendischsprachig (−)
  • Drehnow/Drjenow: 16,0 % wendischsprachig (+)
  • Döbbrick/Depsk: 15,4 % wendischsprachig (+)
  • Merzdorf/Žylowk: 5,7 % wendischsprachig (−)

+ = Guter Spracherhalt / = Schlechter Spracherhalt

Zu beachten ist, dass in den Untersuchungen alle Personen auch mit geringeren Sorbisch-/Wendischkenntnissen als Wendischsprachige aufgenommen wurden. Es fällt auf, dass – bis auf Neuendorf – alle Dörfer, die einen guten Erhalt des Niedersorbischen aufweisen, in ihren Schulen die Sprache lehren bzw. lehrten.

Historisches Verbreitungsgebiet

Das Niedersorbische war ursprünglich (etwa im 17. Jahrhundert) wesentlich weiter verbreitet, etwa

Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1900 sprachen im Kreis Cottbus (Provinz Brandenburg) noch 55,8 % die wendische Sprache.

Entwicklung des Prozentsatzes der Wenden in diversen Kreisen
Landkreis Calau Cottbus Guben Luckau Lübben Sorau Spremberg
1843 30,8 71,1 1,1 0,05 3,6 5,4 64
1900 3,5 56 1,2 0 0,2 0,1 4

Phonologie

Die Phonologie des Niedersorbischen ist stark durch Sprachkontakt mit dem Deutschen beeinflusst worden, besonders in Cottbus und den größeren Städten. Zum Beispiel neigt eine deutschbeeinflusste Aussprache dazu, einen stimmhaften uvularen Frikativ <templatestyles src="IPA/styles.css" />​[⁠ʁ⁠]​ anstatt des alveolaren Vibranten <templatestyles src="IPA/styles.css" />​[⁠r⁠]​ und ein nicht besonders palatalisiertes <templatestyles src="IPA/styles.css" />​[⁠l⁠]​ anstatt <templatestyles src="IPA/styles.css" />[lʲ] zu haben. In Dörfern und ländlichen Gebieten ist der deutsche Einfluss weniger stark und die Aussprache eher „typisch slawisch“.

Konsonanten

Die konsonantischen Phoneme des Niedersorbischen sind wie folgt:

  Bilabial Labiodental Dental Alveolar Alveolopalatal Postalveolar Palatal Velar Glottal
Verschlusslaut <templatestyles src="IPA/styles.css" />p  b
<templatestyles src="IPA/styles.css" />pʲ  bʲ
<templatestyles src="IPA/styles.css" />t  d <templatestyles src="IPA/styles.css" />k  g
<templatestyles src="IPA/styles.css" />kʲ  gʲ
Affrikate <templatestyles src="IPA/styles.css" />ts <templatestyles src="IPA/styles.css" />tɕ  dʑ <templatestyles src="IPA/styles.css" />tʃ  dʒ
Nasal <templatestyles src="IPA/styles.css" />m
<templatestyles src="IPA/styles.css" />
<templatestyles src="IPA/styles.css" />n <templatestyles src="IPA/styles.css" />
Frikativ <templatestyles src="IPA/styles.css" />f  v
<templatestyles src="IPA/styles.css" />fʲ  vʲ
<templatestyles src="IPA/styles.css" />s  z <templatestyles src="IPA/styles.css" />ɕ  ʑ <templatestyles src="IPA/styles.css" />ʃ  ʒ <templatestyles src="IPA/styles.css" />x <templatestyles src="IPA/styles.css" />h
Approximant <templatestyles src="IPA/styles.css" />r
<templatestyles src="IPA/styles.css" />
<templatestyles src="IPA/styles.css" />j
Lateral <templatestyles src="IPA/styles.css" />

Im Niedersorbischen kommen sowohl Auslautverhärtung als auch regressive Assimilation der Phonation vor:

  • dub (Eiche) wird <templatestyles src="IPA/styles.css" />/dup/ ausgesprochen
  • licba (Nummer) wird <templatestyles src="IPA/styles.css" />/'lidzba/ ausgesprochen
  • susedka (Nachbarin) wird <templatestyles src="IPA/styles.css" />/'susetka/ ausgesprochen

Der postalveolare Frikativ <templatestyles src="IPA/styles.css" />​[⁠ʃ⁠]​ wird vor <templatestyles src="IPA/styles.css" />[tɕ] zu <templatestyles src="IPA/styles.css" />​[⁠ɕ⁠]​ assimiliert:

  • šćit (Schutz) wird <templatestyles src="IPA/styles.css" />/ɕtɕit/ ausgesprochen

Vokale

Die vokalischen Phoneme sind wie folgt:

Monophthonge Vorne Zentral Hinten
Geschlossen <templatestyles src="IPA/styles.css" />i <templatestyles src="IPA/styles.css" />ɨ <templatestyles src="IPA/styles.css" />u
Halboffen <templatestyles src="IPA/styles.css" />ɛ <templatestyles src="IPA/styles.css" />ɔ
Offen <templatestyles src="IPA/styles.css" />a
Diphthonge Zentrierend Auf <templatestyles src="IPA/styles.css" />​[⁠j⁠]​ endend Auf <templatestyles src="IPA/styles.css" />​[⁠w⁠]​ endend
Geschlossen beginnend <templatestyles src="IPA/styles.css" /> <templatestyles src="IPA/styles.css" />ij  ɨj  uj <templatestyles src="IPA/styles.css" />iw  ɨw  uw
Mittel beginnend <templatestyles src="IPA/styles.css" />ej  ɔj <templatestyles src="IPA/styles.css" />ɛw  ow
Offen beginnend <templatestyles src="IPA/styles.css" />aj <templatestyles src="IPA/styles.css" />aw

Wortakzent

Der Wortakzent fällt im Niedersorbischen normalerweise auf die erste Silbe des Wortes:

In Lehnwörtern kann der Akzent auf eine der letzten drei Silben des Wortes fallen:

  • internat <templatestyles src="IPA/styles.css" />/intɛrˈnat/ „Internat“
  • kontrola <templatestyles src="IPA/styles.css" />/kɔnˈtrɔlʲa/ „Kontrolle“
  • policija <templatestyles src="IPA/styles.css" />/pɔˈlʲitsija/ „Polizei“
  • september <templatestyles src="IPA/styles.css" />/sɛpˈtɛmbɛr/ „September“
  • organizacija <templatestyles src="IPA/styles.css" />/ɔrganʲiˈzatsija/ „Organisation“

Orthographie

Das niedersorbische Alphabet basiert auf dem Lateinischen Alphabet, verwendet aber diakritische Zeichen wie den Akut und das Caron (Kokolka). Die Standardzeichenkodierung für das Sorbische Alphabet ist ISO 8859-2 (Latin-2).

Niedersorbisches Alphabet
a b c č ć d e ě f g h ch i j k ł l m n ń o p r ŕ s š ś t u w y z ž ź
A B C Č D E F G H Ch I J K Ł L M N O P R S Š Ś T U W Y Z Ž Ź

Textbeispiel

«W cuzej zemi» (In einem fremden Land) von Mato Kosyk

Ako mějach kšute spodki
skońcnje pod nogoma raz
a pon zwignuch swoje lodki,
ab kraj pśedrogował zas,
zacuwach bźez wědobnja,
až how njejo domizna:
běch źe w cuzej zemi.
Ak běch pytnuł rězne zuki
pijanego yankeea
grozecego z rjagom ruki
wšomu, což se pśibliža,
zacuwach bźez wědobnja,
až how njejo domizna:
źěch po cuzej zemi.
Ak mě dachu noclěg prědny
w napołnjonej gospoźe,
źož mnjo pśimje carnak bědny
z naźeju na pjenjeze,
zacuwach bźez wědobnja,
až how njejo domizna:
budu źe w cuzej zemi.
Lěc se zemja cuza zdawa
kenž mě kšuśe powita,
glichlan wěm, až buźo pšawa
moja nowa fryjota.
zacuwach bźez wědobnja,
lichy se wot spinanja
how w tej cuzej zemi

Geschichte

Seit dem 7. Jahrhundert wurde die Niederlausitz von slawischer Bevölkerung (Lusici) besiedelt. Früheste Zeugnisse der Sprache finden sich in Orts-, Flur- und Gewässernamen. Aus dem 12. Jahrhundert sind einige Textpassagen in niedersorbischer Sprache bekannt (Magdeburger Glossen).<ref>Heinz Schuster-Šewc: Gibt es Beziehungen zwischen der Entstehung der Freisinger Beichtformeln und den St. Emmeramer sowie den Magdeburger Glossen? Zbornik Brižinski spomeniki, Ljubljana 1996, S. 177–123.</ref><ref>Heinz Schuster-Šewc: Das Sorbische im slawischen Kontext. Ausgewählte Studien. Bautzen 2000, S. 158–164 (Schuster-Šewc sieht in den Texten einen niedersorbischen Dialekt).</ref> In der Forschungsbibliothek Gotha befindet sich im Nachlass von Paul Eber ein handschriftliches Fragment von Martin Luthers Kleinem Katechismus als einer der frühesten Nachweise niedersorbischer Sprachkultur.<ref>Luthers Katechismus: Fragmente auf Niedersorbisch. In: religion.orf.at. Österreichischer Rundfunk, 24. November 2014, abgerufen am 4. Dezember 2023.</ref> Seit dem 16. Jahrhundert wurden dann Bibeln, Gesangbücher und Gebete in niedersorbischer (wendischer) Sprache gedruckt.

Seit dem 17. Jahrhundert war die Sprache einem zunehmenden behördlichen Druck von Seiten der sächsischen und preußischen Obrigkeit ausgesetzt.<ref name="Meschkank">Werner Meschkank: „Die Wenden im Festhalten und Gebrauch ihrer Muttersprache …“ – zum muttersprachlichen Kirchengesang der wendischen Bevölkerung in der Niederlausitz. Bibeln in wendischer Sprache. In: Bibelarchiv – bibelarchiv-vegelahn.de. Abgerufen am 4. Dezember 2023.</ref> Bücher in niedersorbischer Sprache wurden eingezogen und vernichtet, Pfarrern wurde verboten, in wendischer Sprache zu predigen, in Schulen durfte nicht mehr in dieser Sprache unterrichtet werden.

Seit dem Verbot öffentlichen sorbischen/wendischen Lebens durch die Nationalsozialisten 1937 wurde die Sprache in der Öffentlichkeit kaum noch gesprochen, obwohl einzelne Persönlichkeiten wie der Pfarrer Bogumił Šwjela in Dissen sich mit wendischen Gottesdiensten dieser Entwicklung widersetzten.<ref name="PBS2000_41ff">Detlef Kobjela, Werner Meschkank: Vom Regenzauberlied bis zur wendischen Pop-Ballade: Ein Beitrag zur Musikgeschichte der Lausitz unter besonderer Darstellung der niedersorbischen Musikgeschichte (= Podstupimske pśinoski k Sorabistice = Potsdamer Beiträge zur Sorabistik. Nr. 3). 2000, S. 41–44 (uni-potsdam.de [PDF; 16,2 MB]).</ref> Am 19. Mai 1941 folgte dann ein Verbot wendischer Gottesdienste durch das evangelische Konsistorium der Provinz Brandenburg.<ref name="PBS2000">Detlef Kobjela und Werner Meschkank: Vom Regenzauberlied bis zur wendischen Pop-Ballade: Ein Beitrag zur Musikgeschichte der Lausitz unter besonderer Darstellung der niedersorbischen Musikgeschichte. In: Podstupimske pśinoski k Sorabistice = Potsdamer Beiträge zur Sorabistik, 2000/3 (2000), S. 40.</ref>

Nach 1945 wurde die Pflege der niedersorbischen Sprache zwar staatlich unterstützt, unter anderem durch Sorbischunterricht in den Schulen, der alltägliche Gebrauch ging trotzdem weiter zurück und wurde auch in der evangelischen Kirche<ref name="PBS2000" /> zunächst nicht gefördert. Erst mit der Unterstützung des wendischen Kirchengesangs durch die deutschen Pfarrer Alfred Schmidt und Reinhardt Richter begann in den 1950er Jahren eine Wiederbelebung des Wendischen im Gottesdienst, die seit den 1994 durch den Förderverein für den Gebrauch der wendischen Sprache in der Kirche e. V. (Spěchowańske towaristwo za serbsku rěc w cerkwi z. T.) verstärkt wurde<ref name="PBS2000_41ff" /> und schließlich 2006 zur Veröffentlichung eines neuen wendischen Gesangbuchs führte.<ref name="Meschkank" />

Derzeitige Sprachsituation

Datei:Bilinguale Straßenbeschilderung Cottbus.jpg
Zweisprachige Straßenbezeichnung auf Deutsch und Niedersorbisch

Niedersorbisch ist laut UNESCO eine der am stärksten gefährdeten Sprachen Europas.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Brandenburg will niedersorbische Sprache stärker fördern (Memento vom 17. September 2017 im Internet Archive) dpa via Berlin.de, 21. Juni 2016.</ref><ref>Nach UNESCO Bericht Languages in Danger von 2009, vgl. Lower Sorbian im Endangered Languages Projekt.</ref> Heute wird Niedersorbisch noch von etwa 5.000 Menschen gesprochen, jedoch meist von den älteren Generationen, womit das Niedersorbische schlechter dasteht als das Obersorbische, welches auch aktiv von jungen Leuten und Kindern verwendet wird. Der polnische Sorabist Tadeusz Lewaszkiewicz ist der Meinung, dass das Niedersorbische nur noch 200 Muttersprachler hat und dass es sich im sogenannten Stadium der Todesagonie befindet.<ref>Tadeusz Lewaszkiewicz im Nowy Casnik, Januar 2016</ref>

Laut einer Arbeit von Sabine Asmus und Till Vogt von der Universität Leipzig von 2024 sind weniger als hundert Personen der Sprache auf „kompetentem Niveau“ in Wort und Schrift mächtig.<ref name="tagesschau-20250412">Andre Kartschall: Minderheit in Ostdeutschland. Wer spricht noch Sorbisch? In: tagesschau.de. 12. April 2025, abgerufen am 13. April 2025.</ref><ref name="asmus-wojto-2025"></ref> In diese Schätzung hat das Autorenteam die dörflichen Muttersprachler jedoch bewusst nicht aufgenommen, da diese meist weder die Schriftsprache noch standardsprachliches Niedersorbisch ausreichend beherrschen. Zudem wurden für die Arbeit keinerlei soziolinguistische Daten erhoben, was von Fachleuten kritisiert wurde.<ref>Nicole Dołowy-Rybińska: Opinion on the article by Till Wojto & Sabine Asmus „Kak wjele kompetentnych powědarjow dolnoserbšćiny jo w lěśe 2024? Pówoblicenje na zakłaźe aktualnych datow”. Warsaw 30. März 2025 (brandenburg.de [PDF]).</ref>

Seit 1998 ist Niedersorbisch, nach der Verabschiedung des Gesetzes zur Europäischen Charta und Regionalsprachen des Europarates, offiziell als eigenständige Sprache anerkannt, die jedoch eng mit dem Obersorbischen verwandt ist. Ein Merkmal, um niedersorbisch als eigene Sprache anzuerkennen, ist die niedersorbische Schriftsprache, die sich von der obersorbischen Schriftsprache unterscheidet.

Heute fehlt dem Niedersorbischen – im Gegensatz zum Obersorbischen – ein stabiles Kernsprachgebiet, in dem es Mehrheitssprache ist.

Verschiedene Vereine und Organisationen setzen sich für den Erhalt und die Pflege der Niedersorbischen Kultur und der Sprache ein. In Cottbus gibt es zudem das einzige Niedersorbische Gymnasium. Seit 2023 wird im Rahmen des Strukturwandelprojektes Zorja („Morgenröte“) ein zehnmonatiges Intensivlernprogramm für jeweils 12 Teilnehmende in Form eines Sprachnestes angeboten.<ref>Internetpräsenz von Zorja; abgerufen am 23. Februar 2024 (niedersorbisch, deutsch)</ref><ref>Aline Anders-Lepsch und Florian Ludwig: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Willkommen im „Sprachnest“ (Memento vom 28. September 2023 im Internet Archive), rbb24.de, 6. September 2023; abgerufen am 23. Februar 2024.</ref>

Bildung in niedersorbisch-wendischer Sprache

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Datei:Schulen 1954-55.PNG
Niedersorbisch-wendische B-Schulen 1954/55
Datei:Sb sulska syc ne 09.10.2012.svg
Sorbisches Kindertagesstätten- und Schulnetz
(Schuljahr 2012 / 2013)

Geschichte

Bis 1933

Die schulische Bildung in niedersorbisch-wendischer Sprache war bis 1933 zumeist auf den Religionsunterricht sowie als Hilfsmittel zur Vermittlung der deutschen Sprache beschränkt.

Nationalsozialismus

In der Zeit des Nationalsozialismus, insbesondere ab 1937, wurde die niedersorbisch-wendische Sprache aus der Schule und weiteren Bereichen des öffentlichen Lebens verdrängt.

Erste Einrichtung eines Schulwesens

Die ab 1949 in Brandenburg gesetzlich verankerte Förderung des Niedersorbischen wurde in der Folge von Teilen der ansässigen deutschen Bevölkerung, einschließlich der umgesiedelten Bevölkerungsteile, ablehnend betrachtet und führte zu öffentlichen Protesten. Eltern beantragten die Befreiung ihrer Kinder vom Sorbisch-Unterricht bzw. dessen Abschaffung und drohten z. B. mit Wahlboykott.

Bereits 1946 war in der Oberlausitz das bis 1991 bestehende Sorbisches Institut für Lehrerbildung in Radibor/Radwor bzw. Kleinwelka/Mały Wjelkow gegründet worden.

Nachdem 1952 die Bemühungen der bisherigen Sprachpolitik der DDR weiter verstärkt wurden, sollte der sorbisch-wendischen Sprache unter dem Motto „Die Lausitz wird zweisprachig“ ein noch höherer Stellenwert zugesichert werden. Vom Ministerium für Volksbildung wurden – erstmals von einer deutschen staatlichen Institution – Schulen errichtet, in denen die niedersorbisch-wendische Sprache vermittelt wurde. Im Schuljahr 1954/55 existierten 22 Schulen des Types B (Sorbisch als Fremdsprache). Jedoch wurde auch angedacht, die Schulen in den Ortschaften Döbbrick, Dissen und Drachhausen in A-Schulen umzuwandeln (Sorbisch als Unterrichtssprache; siehe auch Sorbisches Schulwesen).

Ebenfalls 1952 wurde die niedersorbisch-wendische Oberschule (ab 1959 EOS) Marjana Domaškojc gegründet. Die niedersorbisch-wendischen Schulen verteilten sich wie folgt:

Mit dem Ausschluss von Fred Oelßner aus dem Politbüro kündigte sich jedoch bereits Ende der 1950er Jahre ein Umschwung in der Nationalitätenpolitik an, so galt nun die Parole „Die Lausitz wird sozialistisch“, der die Sprachpolitik untergeordnet wurde. Die sogenannte 7. DB von 1964 machte Sorbisch vom in der Lausitz obligatorischen Unterrichtsfach zum Wahlfach. Damit verbunden war ein Einbruch der Schülerzahlen im Sorbisch-Unterricht um drei Viertel. Die Schülerzahlen der 1950er Jahre wurden bis zum Ende der DDR nicht wieder erreicht.<ref>Edmund Pech: Die Sorbenpolitik der DDR, 1949–1970. In: Schriften des Sorbischen Instituts, Band 21. Domowina-Verlag, Bautzen 1999, ISBN 978-3-7420-1807-6, S. 119.</ref>

Heutige sorbische Schulbildung

Trotz des Geburtenrückganges bleibt derzeit die Zahl der Schüler konstant, die in Brandenburg am Sorbischunterricht teilnehmen. Im Rahmen des Witaj-Projekts, das in Cottbus erstmals 1998 eingeführt wurde, besteht die Möglichkeit, den Kindern schon im Kindergarten die niedersorbisch-wendische Sprache in Anlehnung an die Immersionsmethode näherzubringen. An etwa 30 Schulen besteht heute die Option, Niedersorbisch/Wendisch zu lehren und zu lernen.

Die Erwachsenenbildung in diesem Bereich liegt vor allem in den Händen der Schule für niedersorbische Sprache und Kultur in Cottbus.<ref>Internetpräsenz der Schule für niedersorbische Sprache und Kultur; abgerufen am 23. Februar 2024.</ref>

Niedersorbisch-wendische Medien

Datei:Nowy casnik.svg
Kopfzeile des Nowy Casnik

Die erste Zeitung, die ihre Beiträge in niedersorbisch-wendischer Sprache veröffentlichte, war der Bramborski Serbski Casnik. Sie erschien erstmals im Jahre 1848 und wurde später vom Nowy Casnik abgelöst. Die Nowy Casnik wurde, nach dem Verbot, 1947 neu gegründet, jedoch vorerst als Wochenbeilage der Nowa Doba. Seit 1954 erschien sie wieder eigenständig als Wochenzeitung. Heute hat die Nowy Casnik deutsche und niedersorbisch-wendische Beiträge als Inhalt. Die Nowy Casnik hat eine Auflagenstärke von ungefähr 1.100. Für Kinder erscheint monatlich die niedersorbisch-wendische Kinderzeitschrift Płomje mit einer Auflagenstärke von etwa 850 Stück.

Datei:Logo Luzyca.PNG
Logo der niedersorbisch-wendischen Sendung Łužyca

Im Fernsehen gibt es seit 1992 das monatliche Fernsehmagazin Łužyca, welches im Wechsel von den beiden Moderatoren Anja Pohontsch und Christian Matthée moderiert wird. Alle drei Monate wird eine monothematische Sendung ausgestrahlt.

Im Hörfunk werden vom RBB mehrstündige niedersorbisch-wendische Radiosendungen (Bramborske serbske radijo) aufgenommen und ausgestrahlt. Die niedersorbisch-wendische Jugendsendung Bubak wird von jungen Niedersorben-Wenden selbst produziert und vom RBB ausgestrahlt.

Auch die in Bautzen monatlich erscheinende sorbische Kulturzeitschrift Rozhlad sieht sich als ein Gesamtkulturmagazin der Ober- und Niedersorben. Somit veröffentlicht Rozhlad regelmäßig Beiträge auch in niedersorbischer Sprache, aber auch Texte zu niedersorbischen Thematiken in obersorbischer Sprache. Die wissenschaftliche Zeitschrift Lětopis und die pädagogische Fachzeitschrift Serbska šula enthalten teilweise niedersorbische Beiträge.

Im Bautzener Domowina-Verlag erscheinen jährlich einige Bücher in niedersorbisch-wendischer Sprache.

Darüber hinaus erschienen in den 2000er bzw. 2010er Jahre die zwei alternativen (satirischen) Medien Slěpik und Njeknicomnik. Beide konnten sich vor allem aufgrund mangelnder Finanzierungsmittel nicht dauerhaft etablieren.

Zukunft

Die besten Aussichten, sich zu halten, hat die niedersorbische Sprache in der nördlichen Gegend um Cottbus (Chóśebuz) und im Westen ihres Sprachgebiets. Im Süden wird heute schon fast kein Wendisch mehr gesprochen, auch wenn z. B. in Bahnsdorf (südliche Niederlausitz, Landkreis Oberspreewald-Lausitz) noch in den 1930er Jahren nahezu alle Einwohner Sorbisch sprachen.

Literatur

Weblinks

Wiktionary: Niedersorbisch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references responsive />

Vorlage:Klappleiste/Anfang Ostslawisch:  Altnowgoroder Dialekt † | Altostslawisch † | Belarussisch | Karpato-Russinisch | Russinisch | Russisch | Ruthenisch † | Ukrainisch | Westpolessisch

Westslawisch:  Kaschubisch | Knaanisch † | Masurisch | Niedersorbisch | Obersorbisch | Polabisch † | Pomoranisch † | Polnisch | Schlesisch | Slowakisch | Slowinzisch † | Tschechisch

Südslawisch:  Ägäis-Mazedonisch | Altkirchenslawisch † | Banater Bulgarisch | Bosnisch | Bulgarisch | Burgenlandkroatisch | Kroatisch | Mazedonisch | Moliseslawisch | Montenegrinisch | Resianisch | Serbisch | Serbokroatisch | Slowenisch

Andere:  Interslawisch | Jugoslawo-Russinisch | Kirchenslawisch | Russenorsk † | Slawenoserbisch † | Slovio | Urslawisch †

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