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Drogenkrieg in Mexiko

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Drogenkrieg in Mexiko
Datei:Criminal organizations presence (2020).png
Territorien der kriminellen Organisationen in Mexiko im September 2020,
Quelle: Secretaría de Hacienda y Crédito Público
Datum seit Dezember 2006
Ort Mexiko, sowie in der Grenzregion der Anrainerstaaten USA (dort in Texas, Arizona, New Mexico und Kalifornien<ref>Christopher Woody: These maps show how Mexican cartels dominate the US drug market. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 28. Februar 2018; abgerufen am 19. Oktober 2019.</ref><ref>Jeremy Bender, Christopher Woody, Amanda Macias: Here are the powerful Mexican drug cartels that operate in the US. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 28. März 2018; abgerufen am 19. Oktober 2019.</ref>), El Salvador,<ref>El Salvador Fears Ties Between Cartels, Gangs. Abgerufen am 19. Oktober 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Nicaragua, Belize<ref>Mexican drug cartels reach into tiny Belize. In: The Washington Post. 11. Oktober 2011, abgerufen am 19. Oktober 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und Guatemala
Ausgang offen
Konfliktparteien

MexikoDatei:Flag of Mexico.svg Mexiko

Unterstützt von:

Haupt-Drogenkartelle

geschwächte oder aufgelöste Kartelle:

Befehlshaber

MexikoDatei:Flag of Mexico.svg Mexiko
Präsidenten (Amtszeiten)

Drogenbosse
(flüchtig oder unklar)

Drogenbosse
(verhaftet oder tot)

Der Drogenkrieg in Mexiko ist ein bewaffneter Konflikt zwischen Staat und mexikanischer Bevölkerung auf der einen Seite und Drogenkartellen, die sich vor allem untereinander bekriegen, auf der anderen Seite. In einigen Landesteilen Mexikos haben die Kartelle das Gewaltmonopol des Staates faktisch außer Kraft gesetzt; Experten stuften den Konflikt als innerstaatlichen Krieg ein. Mit dem Regierungsantritt von Andrés Manuel López Obrador Ende des Jahres 2018 sollten Anti-Korruptionsmaßnahmen sowie Deeskalation helfen, den Krieg einzudämmen. Dies ist weitgehend gescheitert. Einer durch Science publizierten Studie aus dem Jahr 2023 zufolge sind die Drogenkartelle mit 185.000 Mitgliedern Mexikos fünftgrößter Arbeitgeber.

Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung stufte den Konflikt zwischen dem mexikanischen Staat und den Drogenkartellen seit dem Jahre 2010 als innerstaatlichen Krieg ein.<ref>Conflict Barometer 2010. (PDF 4,8 MB) HIIK, 6. September 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 13. September 2011; abgerufen am 18. Mai 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), pdf, S. 50ff.).</ref> In einigen Landesteilen Mexikos haben die Kartelle das Gewaltmonopol des Staates faktisch außer Kraft gesetzt.<ref name="Hunderttausende" /><ref name="bpb 2017">Karsten Bechle: Mexiko. Bundeszentrale für politische Bildung, 23. November 2017, abgerufen am 19. Juni 2020.</ref> Im Jahr 2011 kämpften 50.000 Angehörige der mexikanischen Streitkräfte und 35.000 der mexikanischen Bundespolizei gegen schätzungsweise 300.000 Angehörige der – untereinander verfeindeten – mexikanischen Drogenkartelle und ihre paramilitärischen Einheiten. Auf Seiten des Staates konnten immer wieder Erfolge verbucht werden, insbesondere durch Verhaftungen von Anführern. Jedoch setzten Nachfolger bzw. Abspaltungen der Drogenkartelle Gewalt und Geschäfte fort.<ref name="bpb 2017" />

Eine Ursache des Krieges ist die gewinnträchtige Nachfrage nach illegalen Drogen, insbesondere in den Vereinigten Staaten.<ref name="bpb 2017" /> Die Kartelle kämpfen um die besten Drogenrouten, Gebiete und Märkte.<ref name="halbenMeter">Jens Glüsing: „Die Leichen liegen nicht tiefer als einen halben Meter“ – Wie Eltern in Mexiko nach ihren ermordeten Kindern suchen. In: Spiegel Online. 24. Juli 2022, abgerufen am 24. Juli 2022.</ref><ref name=":1" /> Die Armut in Lateinamerika bewegt viele Mexikaner und spanischsprachige Ausländer dazu, sich in den Dienst der vermögenden kriminellen Organisationen zu stellen. Jugendliche werden, angesichts ihrer relativen Perspektivlosigkeit, vom offen zur Schau getragenen Reichtum der Narcos angezogen (siehe auch Narco-Staat). Jene nutzen moderne Waffen sowie Verschlüsselungs- und Überwachungssysteme.<ref>Sonja Peteranderl: Spionage im Drogenkrieg: Wie Mexikos Kartelle ganze Städte überwachen. In: Spiegel Online. 26. Mai 2019, abgerufen am 12. August 2019.</ref> Bei den Tötungen von Rivalen machen sich die Drogenkartelle die neuen Medien bzw. das Internet zunutze, um öffentlichkeitswirksam Macht durch Gewalt zu demonstrieren. Insgesamt gibt es in diesem Krieg (Stand 2020) über 200 kriminelle, bewaffnete Gruppen, deren Geschäftsfelder sich nicht ausschließlich auf den Drogenhandel beschränken, sondern die ähnlich wie die Mafiosi ihre Geschäftsfelder und Einkommensquellen diversifizieren.<ref name="zurückschreckte">Jens Glüsing: Er tut, wovor selbst „El Chapo“ zurückschreckte. In: Spiegel Online. Abgerufen am 12. August 2020.</ref>

Der Krieg hat von 2006, als das Militär systematisch im Inland eingesetzt wurde, bis zu den Jahren 2017–2018 zwischen 200.000<ref name=":9">David Agren: Mexico’s monthly murder rate reaches 20-year high. In: The Guardian. 21. Juni 2017 (Online [abgerufen am 9. August 2019]).</ref> und 250.000<ref name=":10">José de Córdoba, Juan Montes: ‘It’s a Crisis of Civilization in Mexico.’ 250,000 Dead. 37,400 Missing. In: Wall Street Journal. 14. November 2018 (Online [abgerufen am 9. August 2019]).</ref> Menschen das Leben gekostet.<ref>Mexico: The Other Disappeared. 15. Januar 2019, abgerufen am 9. August 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Bis in das Jahr 2020 kamen in diesem Krieg geschätzt 300.000 Menschen um.<ref name=":7">Mexico’s drug war leaves 39,000 unidentified bodies in its morgues. 22. September 2020, abgerufen am 13. April 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name=":8">Mexiko: Attentäter feuern auf Kindergeburtstag – zahlreiche Tote. In: Spiegel Online. 15. November 2021, abgerufen am 15. November 2021.</ref> Bis 2024 waren es knapp 450.000 Menschen, die in dem Krieg starben.<ref name=":6">Mexiko: Zwei Kommunalpolitiker vor Wahlen ermordet – Gewalt gegen Amtsträger nimmt zu. In: Der Spiegel. 20. April 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 20. April 2024]).</ref> Mehr als 27.000 der Verstorbenen erreichten höchstens das 19. Lebensjahr (Stand 2019).<ref>Anabel Hernández: Die monströse Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in Mexiko. 18. November 2019, abgerufen am 19. Juni 2020.</ref> Die meisten Tötungsdelikte in Mexiko werden jedoch nie aufgeklärt.<ref name=":1" /> Wurden Mitte des Jahres 2020 über 73.000 Menschen in Mexiko vermisst<ref name="TrotzCorona">Trotz Corona-Pandemie: Mexiko meldet so viele Morde und Femizide wie nie zuvor. In: Spiegel Online. Abgerufen am 20. Juli 2020.</ref>, stieg die Zahl der Vermisstenfälle bis zum Jahr 2025 auf über 125.000 an.<ref name=":13">»Wir leben auf einem Friedhof«. In: spiegel.de. 22. Juni 2025, abgerufen am 6. Juli 2025.</ref><ref name="Bürgerwehrbekennt">Bürgerwehr bekennt sich: Staatsanwalt für indigene Angelegenheiten in Mexiko erschossen. In: Spiegel Online. Abgerufen am 11. August 2021.</ref> Ein großes Problem auf staatlicher Seite ist die Korruption, auch bei Justiz und Verwaltung. Vergehen auf staatlicher Seite, bis hin zu Hinrichtungen seitens der Polizei, bleiben oft straflos.<ref>Boris Herrmann: Im Staat der Straflosigkeit. 22. April 2018, abgerufen am 19. Juni 2020.</ref> Historisch wird die tiefe Verwicklung von Kriminalität und mexikanischem Staat auch mit der 71-jährigen Herrschaft (1929 bis 2000) der Partei PRI in Verbindung gebracht, deren Funktionäre sich arrangierten und an den Gewinnen beteiligt wurden.<ref name="bpb 2017" /> Laut einem Mexikoexperten der International Crisis Group gibt es „oftmals keine Trennlinie zwischen Staat und Organisierter Kriminalität mehr“.<ref name=":2" />

Wiederholt bilden sich Bürgerwehren, die staatliche Sicherheitskräfte ersetzen wollen. Auch kommt Lynchjustiz gehäuft vor, insbesondere in ländlichen Gegenden und in den Randgebieten der Städte.<ref name="bpb 2017" /> Die Aufklärungsquote von Verbrechen der Kartelle ist äußerst gering, viele werden gar nicht erst bei der Polizei angezeigt.

Entwicklung des Konflikts

Hintergrund und Entstehung

Die Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) regierte Mexiko von 1930 bis zur Jahrtausendwende bzw. dem Wahlsieg des Konservativen Vicente Fox. In den sieben Jahrzehnten in Regierungsverantwortung hatten PRI-Politiker auf lokaler und regionaler Ebene Abkommen mit dem organisierten Verbrechen, den mächtigen kolumbianischen Drogenkartellen (Cali, Medellin), geschlossen. Diese hatten in der Folge in vielen mexikanischen Gebieten die Polizei und Justiz unterwandert.<ref name=":2">Jens Glüsing: (S+) Mexiko: Stochern im Drogensumpf. In: Der Spiegel. 25. Februar 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 25. Februar 2024]).</ref>

In den 80er Jahren gewannen die mexikanischen Schmuggler unter Führung von Miguel Ángel Félix Gallardo immer größere Bedeutung im Drogengeschäft und lösten damit in immer größeren Bereichen die kolumbianischen Kartelle ab.<ref name=":2" /> War das Geschäft zu Zeiten von Félix weitgehend monopolisiert, zerfiel es nach seiner Verhaftung 1989 in einzelne Kartelle (Tijuana, Sinaloa, Sonora, Juárez, Golf). Gewalttätige Konflikte zwischen den einzelnen Drogenkartellen gab es daher bereits in den 1990er und in den frühen 2000er Jahren. So wurden während der sechsjährigen Amtszeit von Vicente Fox (2000 bis 2006) etwa 9000 Personen in Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit dem Drogenhandel getötet. Die mexikanische Regierung verhielt sich trotzdem lange passiv. Dies änderte sich erst mit der Wahl von Felipe Calderón als Präsident, der die Bekämpfung der organisierten Drogenkriminalität in Mexiko zu einem seiner wichtigsten Ziele für seine Amtszeit 2006 bis 2012 erklärte. Am 11. Dezember 2006 sandte er 6500 Militärangehörige in den Bundesstaat Michoacán. Diese lieferten sich regelrechte Straßenschlachten mit den Kriminellen, ohne dass daraus ein erklärter Sieger hervorging. Diese Handlung wird allgemein als Beginn des Drogenkrieges zwischen dem mexikanischen Staat und den Drogenkartellen betrachtet.

Konfliktparteien

Staat – Polizei und Militär

Zur mexikanischen Polizei werden die Polizeikräfte der Gemeinden, Städte und Bundesstaaten sowie die zentrale Bundespolizei gezählt. Die meisten Polizisten (über 425.000) arbeiten für die Gemeinden; die Munizipalpolizei ist häufig schlecht entlohnt und wenig ausgebildet. Die Bundespolizei besteht aus ungefähr 34.500 Polizisten. Weil jeder Gliedstaat und jede Gemeinde ein eigenes Corps hat, gibt es über 2000 Einheiten. Die von Präsident Calderón angestrebte Vereinheitlichung der Polizei stieß indessen im Parlament auf Widerstand der kommunalen Behörden und der Gouverneure der Bundesstaaten.<ref name="NZZMoral">Alex Gertschen: Moral für den Krieg ohne absehbares Ende. In: Neue Zürcher Zeitung. 6. September 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 13. Dezember 2013; abgerufen am 30. Januar 2011.</ref>

Das Corps der Munizipalpolizei gilt als besonders anfällig für Korruption.<ref>Gudrun Springer: Die Kartelle haben überall ihre Spione und Kollaborateure. Der Standard, 3. Oktober 2010, abgerufen am 30. Januar 2011 (Interview mit Karl-Dieter Hoffmann).</ref> Es werden immer wieder Fälle bekannt, in denen kommunale Polizisten selbst kriminell verwickelt waren, indem sie bspw. Personen entführten und den Drogenkartellen übergaben.<ref name="entwaffnetPolizei">Mexiko: Militär entwaffnet Polizei in Acapulco. In: Spiegel Online. Abgerufen am 3. Mai 2020.</ref> Als Maßnahme wurden im Bundesstaat Guerrero daher von 2014 bis 2018 die Waffen örtlicher Polizeien in mehr als einem Dutzend Orten, darunter die der Stadtpolizei von Acapulco, eingezogen und teilweise durch das Militär entmachtet.<ref name="entwaffnetPolizei" />

Aber auch die Bundespolizei gilt als korrumpierbar. So wurde im August 2010 die Entlassung von ungefähr 4700 Bundespolizisten angekündigt, weil sie sich nicht als vertrauenswürdig erwiesen hätten.<ref>3220 Polizisten in Mexiko entlassen. In: 20 Minuten Online. 31. August 2010, abgerufen am 30. Januar 2011.</ref> Nach Schätzungen aus dem Jahr 2010 sollen 5 bis 15 Prozent der Sicherheitskräfte mit den Kartellen zusammenarbeiten.<ref name="Schlacht">Toni Keppeler: Offene Schlacht. In: die tageszeitung. 23. Dezember 2010, abgerufen am 28. Dezember 2010.</ref>

Die mexikanischen Streitkräfte, die sich in die Bereiche Heer und Marine trennen, unterstehen dem mexikanischen Verteidigungsministerium. Im Jahr 2011 waren von den ungefähr 200.000 Militärangehörigen über 50.000 Soldaten gegen Drogenkartelle im Einsatz. Laut einer im Jahr 2023 oder 2024 getätigten Aussage eines Mexikoexperten der International Crisis Group gibt es „oftmals keine Trennlinie zwischen Staat und Organisierter Kriminalität mehr“.<ref name=":2" />

Bürgermilizen

Ab 2013 bildeten sich vermehrt autonom organisierte Selbstverteidigungsgruppen (span. grupos de autodefensa), die insbesondere in den Bundesstaaten Guerrero und Michoacan das Drogenkartell Los Caballeros Templarios bekämpften.<ref>Ragnar Vogt: Mit Bürgerwehren gegen Mexikos Drogenhändler. In: Zeit Online. 2. Februar 2013, abgerufen am 17. Januar 2014.</ref> Diese bewaffneten Milizen sorgten bzw. sorgen selbst für die öffentliche Sicherheit und behaupten, sich lediglich gegen Erpressung, Entführung und Gewaltdelikte durch kriminelle Organisationen zur Wehr zu setzen. Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der Bürgermilizen stark an. In fast der Hälfte der 32 Bundesstaaten gab es laut Berichten aus dem Jahr 2013 Selbstverteidigungsgruppen.<ref>Nichtregierungsorganisationen kritisieren Passivität der Regierung. In: DMZ Online. 5. November 2013, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 1. Februar 2014; abgerufen am 18. Januar 2014.</ref>

Drogenkartelle

Die Landschaft der organisierten Kriminalität in Mexiko ist unübersichtlich und unterliegt im Drogenkrieg einem steten Wandel. Zwar gibt es mit den in den 1990er-Jahren entstandenen Drogenkartellen bekannte und einflussreiche Organisationen, die sich auch bis in die Gegenwart behaupten konnten – dazu zählen das Sinaloa-Kartell, das Golf-Kartell und das Juárez-Kartell –, doch ist mit dem Tijuana-Kartell auch das Gegenteil passiert. Im Verlauf des Krieges bildeten sich viele Gangs, die wiederum Kooperationen mit anderen kriminellen Gruppen oder den großen Kartellen eingingen, aus denen sich wiederum neue Organisationen, wie beispielsweise das CJNG, bildeten. Andere Gangs, die sich im Verlauf des Krieges bildeten, wurden wiederum aufgelöst bzw. eliminiert, wie das Beltrán-Leyva-Kartell oder die Los Caballeros Templarios. Mitunter kam es vor, dass Gruppen zusammenarbeiteten, ehe sie sich zerstritten und bekämpften (bspw. La Resistencia mit der CJNG).<ref>'Chapo' y Cártel de Jalisco, aliados contra Zetas: Stratfor. Abgerufen am 12. August 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Laut der International Crisis Group gibt es (Stand 2020) über 200 bewaffnete Gruppen in Mexiko (Bürgermilizen ausgenommen).<ref name="zurückschreckte" /> Nach Angaben eines mexikanischen Sicherheitsexperten sind die mexikanischen Kartelle „die reichsten und bestausgerüsteten Verbrecherorganisationen der Welt“.<ref name=":4">Jens Glüsing: (S+) Rauschgiftschwemme in Lateinamerika: Warum Mexiko und Kolumbien den Kampf gegen die Kartelle aufgegeben haben. In: Der Spiegel. 28. Januar 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 29. Januar 2024]).</ref>

Vorgehen der Drogenkartelle

Geschäftsfelder und Einkommensquellen

Eines der größten Geschäftsfelder sind gestohlene oder illegal abgebaute Rohstoffe.<ref>Andreas Knobloch: Drogenkartelle weiten Geschäftsfelder aus. Deutsche Welle, 26. März 2014, abgerufen am 11. August 2019.</ref> Der unterwanderte Handel mit Eisenerz, Erdöl, Erdgas sowie Treibstoff macht einen Großteil des Bruttoinlandsprodukts von Mexiko aus.<ref>Interview von Christoph Gurk, Sebastian Schoepp: "Die Kartelle sind überall". In: sueddeutsche.de. 29. Juli 2019 (Online [abgerufen am 10. August 2019]).</ref><ref name="zurückschreckte" /> Auch der Handel mit Lebensmitteln wie Avocados gehört zu Einkommensquellen der Drogenkartelle.<ref>Interview von Christoph Gurk, Sebastian Schoepp: „Die Kartelle sind überall“. In: sueddeutsche.de. 29. Juli 2019, abgerufen am 10. August 2019.</ref><ref name="zurückschreckte" /> So würden die Kartelle laut der International Crisis Group im mexikanischen Bundesstaat Guerrero besonders von Goldminen profitieren, in Michoacán von Eisenerz, während in Michoacán und Jalisco teilweise der Handel mit Avocados kontrolliert werde. Im Bundesstaat Guanajuato floriere der Schmuggel mit Benzin.<ref name="zurückschreckte" />

Eine weitere Einkommensquelle der Kartelle ist die Entführung von zentralamerikanischen Migranten, die auf dem Weg in die USA sind, um von bereits in den Vereinigten Staaten lebenden Verwandten Lösegeld zu erpressen. Diese Migranten reisen oft auf Güterzügen, wo sie einfach überfallen werden können. Es wird davon ausgegangen, dass viele dieser Menschen zu den nicht identifizierbaren Todesopfern des Drogenkrieges gehören, die in Massengräbern an vielen verschiedenen Orten Mexikos gefunden werden. Etliche dieser Migranten werden auch zur Mitarbeit in Drogenkartellen gezwungen, Frauen zur Prostitution in Grenzstädten wie Tijuana oder Ciudad Juárez.

Die Schutzgelderpressung („Narcocuota“) ist ebenfalls üblich. Es wird davon ausgegangen, dass die Gruppierung Los Zetas im Jahre 2007 damit begann. Die anderen Gruppierungen eiferten den Zetas nach. An vielen Orten in Mexiko zahlt heute jedes Einzel- oder Großhandelsgeschäft Schutzgeld – unabhängig davon, ob es mit dem Drogenhandel zu tun hat oder nicht. Die mexikanischen Drogenkartelle nutzen außerdem lateinamerikanische Gangs wie die Mara Salvatrucha oder die Mara 18. Diese Gangs arbeiten mittlerweile verstärkt für die mexikanischen Kartelle und sind zuständig für Vertrieb der Drogen und Kontrolle (Schmiergeld) bestimmter Stadtgebiete, ebenso für die Ausbeutung von Migranten, die von Zentralamerika über Mexiko in die USA reisen. Dies trifft vorrangig auf Südostmexiko und mittelamerikanische Staaten wie El Salvador, Guatemala und Honduras zu, wo diese Gangs seit Jahrzehnten das organisierte Verbrechen beherrschen und weit verbreitet sind.

Synthetische Drogen wie Fentanyl, die sich schneller in Laboren herstellen lassen und wirksamer sind als Heroin, führten im Jahr 2018 zu einem Preisabfall von Opium, aus dem Heroin erzeugt wird. In Guerrero, wo der Großteil des Opiums angebaut wurde, der Mexiko zu einem der größten Opium-Produzenten weltweit aufsteigen ließ, begannen die Kartelle daraufhin die Holzindustrie zu unterwandern. Innerhalb weniger Jahre, bis 2021, war laut einem Kriminalitätsexperten der Columbia-Universität nicht nur der Holzmarkt in Guerrero unterwandert, sondern auch der Großteil des mexikanischen Holzmarktes unter Kontrolle der Kartelle.<ref>Sonja Peteranderl: Umweltverbrechen in Mexiko: Wie Banden und Kartelle die Wälder plündern. In: Spiegel Online. Abgerufen am 22. September 2021.</ref>

Arbeitgeber und (Zwangs)Rekrutierung

Einer durch die Science publizierte Studie aus dem Jahr 2023 zufolge sind die Drogenkartelle mit 185.000 Mitgliedern Mexikos fünftgrößter Arbeitgeber.<ref name=":14">Jenny Barke: Zehntausende vermisst - und ein hilfloser mexikanischer Staat. In: tagesschau.de. 30. August 2025, abgerufen am 31. August 2025.</ref>

Über Tiktok bzw. Social Media werben die Kartelle vor allem junge prekär lebende Menschen (teils Kinder<ref name="rekrutierenKinder" />) mit guten Gehältern, Macht, Waffen und Aufstiegschancen an.<ref name=":14" /> Um die Reihen wieder aufzufüllen setzen die Kartelle aber auch Zwangsrekrutierung ein; um dabei erfolgreich zu sein, werden Personen mitunter erst unter falschem Vorwand, bspw. einer Jobanzeige, angelockt, dann entführt und schließlich – unter Androhung von Erschießung bei Verweigerung oder Flucht – zwangsrekrutiert.<ref name=":134">»Wir leben auf einem Friedhof«. In: spiegel.de. 22. Juni 2025, abgerufen am 6. Juli 2025.</ref> Eine Abkehr vom organisierten Verbrechen ist in Mexiko Berichten zufolge selten möglich; Aussteigern droht wegen ihres Insiderwissens getötet zu werden.<ref name=":14" />

Minderjährige als Auftragskiller

Drogenkartelle rekrutieren auch Minderjährige als Späher, Straßendealer und Sicarios bzw. Auftragsmörder. Nach Aussage eines wegen Mordes verurteilten Jugendlichen erhielt dieser für jeden durchgeführten Auftragsmord 500 bis 750 Dollar, zusätzlich zu einem Wochenlohn von 250 US-Dollar.<ref name="rekrutierenKinder" />

Gewalt als Mittel der Machtdemonstration

Das operative Vorgehen der Drogenkartelle ist je nach Gruppierung unterschiedlich. Alle teilen jedoch die Strategie, mit äußerster Gewalt gegen ihre Gegner vorzugehen. Wichtiger Bestandteil sind sogenannte „Casas de Seguridad“ („Sichere Häuser“), in denen Entführte, Drogen und Waffen bewacht werden. Diese Häuser sind oft luxuriöse Wohnhäuser in guten Wohngegenden. Dort werden Folter und Exekutionen durchgeführt. Oft werden die Opfer in solchen Häusern vergraben. Solche Häuser befinden sich auch auf dem Land, wo Schmuggelrouten gut zu kontrollieren sind, und liegen meist an geographisch-strategisch wichtigen Punkten. Oft unterhalten die Drogenkartelle Verbindungen zu korrupten Politikern (wie bspw. Genaro García Luna) und Sicherheitskräften.<ref name=":1" /> Bei Wahlkämpfen bestechen die Kartelle oft Politiker von mehr als einer Partei.<ref name=":2" />

Nach Morden an Verwandten und Beziehungspartnern von verfeindeten Kartellmitgliedern hinterlassen die Täter oft Botschaften (Narcomensajes), durch die sie mit weiteren Taten drohen oder die verfeindeten Kartellmitglieder verspotten.<ref name="CoronaFrauen" />

Außerdem stellen die Gangs und Kartelle ihr Foto- und Videomaterial von Tötungen ins Internet.<ref name="CoronaFrauen" /> So veröffentlichten Kartelle neben Exekutionen auch Aufnahmen, in denen Mitglieder anderer Drogenkartelle lebendig verbrannt oder auf andere Art und Weise zu Tode gefoltert werden.<ref>Jens Glüsing: Mexiko – Drogenkartelle: „Sie zersägen ihre Opfer bei lebendigem Leib“. In: Spiegel Online. Abgerufen am 6. Juli 2021.</ref><ref>Gregory Hoyt: Rival gang members burned alive by cartel 16 miles from Texas border. 9. Dezember 2019, abgerufen am 28. Mai 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>What will it take to end the pornography of videoed torture? 7. September 2015, abgerufen am 28. Mai 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Cartel leader who dismembered six-year-old girl while she was still alive jailed for life. 30. Juni 2017, abgerufen am 24. August 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Auch wurde über Kannibalismus bei Tötungen berichtet.<ref>Cannibalism inside Mexican drug cartels: Teen hit men eat victim’s hearts. 20. Januar 2019, abgerufen am 24. August 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Ein verhafteter Bürgermeister sagte aus, dass die vom CJNG entführten Zwangsrekrutierten gezwungen wurden, als Initiationsritus Menschenfleisch zu verspeisen.<ref name=":13" />

Opfer

Todesopfer

Vorlage:Hinweisbaustein

Die Regierung Mexikos veröffentlichte im Januar 2011 aufgrund einer neuen Berechnung die Zahl der Todesopfer des Drogenkrieges in den Jahren 2006 bis 2010 (siehe Tabelle).<ref>Jorge Ramos Pérez: Poiré: 2010 terminó con 15 mil 273 muertes. El Universal, 12. Januar 2011, abgerufen am 22. Februar 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Danach sind im Zusammenhang mit dem Drogenkrieg bis Ende 2011 insgesamt 47.515 Todesopfer zu beklagen. Fast die Hälfte aller Todesopfer wurden in den Bundesstaaten Chihuahua, Sinaloa und Guerrero gezählt; die fünf am stärksten betroffenen Städte waren Ciudad Juárez, Culiacán, Tijuana, Chihuahua und Acapulco.<ref>El Saldo de la Guerra. (PDF; 2,4 MB) El Universal, abgerufen am 22. Februar 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Für 2011 gibt die Regierung die Zahl von 12.903 Toten an.<ref>Mariano Castillo: 2011 drug violence kills nearly 13,000 in Mexico, new figures show. CNN, 11. Januar 2012, abgerufen am 7. Februar 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Statistik widerspricht den Angaben von Journalisten, wonach die Zahl der Toten etwa doppelt so hoch sei.<ref>Borderland Beat Reporter Chivis: ZETA Magazine Says True Drugwar Death Toll is 100K Plus. Abgerufen am 7. August 2019.</ref> Viele der Opfer wurden enthauptet. Alleine im Jahr 2011 fand man 453 enthauptete Leichen.<ref name="LH" /> Nachdem Acapulco gemäß der Mordrate in den Jahren von 2011 bis 2016 die gefährlichste Stadt Mexikos und damit in manchen jener Jahre auch der Welt war<ref>Acapulco – Stadt am Abgrund. In: NZZ. Abgerufen am 3. Mai 2020.</ref>, übernahm Tijuana diese Position im Jahr 2018.<ref name="Tötungsdelikte">So viele Tötungsdelikte wie nirgendwo anders – das ist die gefährlichste Stadt der Welt. 13. März 2019, abgerufen am 3. Mai 2020.</ref> Schätzungen aus dem Jahr 2013 und 2014 gingen davon aus, dass allein im Bundesstaat Chihuahua 10.000 bis 20.000 und in Mexiko bis zu 50.000 Kinder und Jugendliche verwaisten, viele davon in der Stadt Ciudad Juárez.<ref>Drogenkrieg in Mexiko. Erben der Gewalt. Zeit Online vom 6. August 2014.</ref><ref>Die Kinder des Drogenkrieges. Von kindlichen Opfern und Tätern im mexikanischen Drogenkrieg. ila Das Lateinamerika-Magazin Juni 2013</ref>

Vermisste

Tote (die dem Drogenkrieg zugeschrieben werden) - Mordrate in Mexiko<ref>Homicide Monitor. Abgerufen am 9. August 2019.</ref>
Jahr Anzahl
2006 (nach 11. Dezember) 62
2007 2.826 – 12.484
2008 6.837 – 14.595
2009 9.724<ref>El Universal – Aumenta nivel de violencia del narco. Abgerufen am 7. August 2019.</ref> – 17.882
2010 15.273<ref>La lucha anticrimen deja 34 mil muertos en 4 años. Abgerufen am 7. August 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> – 22.943
2011 12.903 – 25.353
2012 18.061 – 24.115
2013 10.094 – 20.337
2014 7.993 – 17.366
2015 8.423 – 17.889
2016 10.967 – 22.567
2017 12.500 – 25.339<ref>Detenidos todos los policías de un municipio de Michoacán. In: El País. Madrid 25. Juni 2018 (elpais.com [abgerufen am 7. August 2019]).</ref>
2018 29.000<ref>Mexiko vor der Präsidentenwahl – Korruption, Gewalt und wenig Hoffnung. Abgerufen am 10. August 2019.</ref> – 36.000<ref>Mexico sets new murder record with more than 33,000 killed in 2018. Deutsche Welle (www.dw.com), 22. Januar 2019, abgerufen am 9. August 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Mexico’s 2018 Murder Rate Sets Another Record. Abgerufen am 9. August 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Drogenkrieg in Mexiko: Kartell knüpft Tote an Brücke auf. Abgerufen am 10. August 2019.</ref>
2019 34.600<ref name="TrotzCorona" /><ref name="DeutscheWelle/mayoría">La mayoría de los homicidios en México tiene que ver con el narcotráfico. Deutsche Welle, 25. Januar 2021, abgerufen am 2. September 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> – 35.000<ref name="TrotzCorona" /><ref>Gewalt: Mordrate in Mexiko 2019 so hoch wie noch nie seit Beginn der Zählung. In: Welt Online. 21. Januar 2020, abgerufen am 29. April 2020.</ref>
2020 34.515<ref name="DeutscheWelle/mayoría" />
2021 33.410<ref name=":0">Auto voller Leichen vor Regionalregierungspalast in Mexiko abgestellt. In: Der Tagesspiegel Online. 7. Januar 2022, abgerufen am 3. Februar 2022.</ref>
2022 31.936<ref name=":1">Bandengewalt in Mexiko: Sechs vermisste Frauen ermordet – Knochenreste identifiziert. In: Der Spiegel. 18. März 2023, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 18. März 2023]).</ref>

Über 125.000 Menschen (Juni 2025) werden vermisst. Nicht wenige werden von den Drogenkartellen entführt und – unter Androhung von Erschießung bei Verweigerung – zwangsrekrutiert. Um viele Personen auf einmal zu entführen und zwangszurekrutieren, locken Kartelle bspw. mit falschen Jobangeboten bzw. Masseneinstellungen.<ref name=":13" />

Weil die Strafverfolgung faktisch oftmals erfolglos bleibt und daher generelles Misstrauen gegenüber der mexikanischen Polizei in der Bevölkerung besteht, begannen sich Hinterbliebene untereinander zu organisieren, um selbst nach vermissten Angehörigen zu suchen.<ref name=":15">Tim van Olphen: Mexiko: Das Land der Verschwundenen. In: Spiegel Online. Abgerufen am 6. Mai 2020.</ref><ref name=":13" />

Nach Angaben eines Mexikoexperten der International Crisis Group sind die Opfer der Gewalt „zumeist arm […] Sie stellen einen stetig wachsenden, aber immer noch kleinen Anteil der Gesellschaft dar und haben keine wirksame Lobby.“<ref>Jens Glüsing: (S+) Rauschgiftschwemme in Lateinamerika: Warum Mexiko und Kolumbien den Kampf gegen die Kartelle aufgegeben haben. In: Der Spiegel. 28. Januar 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 30. Januar 2024]).</ref>

Personengruppen

Beamte und Politiker

Die Zahl an getöteten Militärangehörigen, Polizisten, Staatsanwälten und weiteren in der Justiz tätigen Personen wurde bis März 2010 mit 1000 angegeben.<ref>Oficial: más de 22 mil 700 muertos por violencia. El Universal, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 3. Januar 2015; abgerufen am 10. Juni 2010 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Von Dezember 2006 bis Juni 2011 starben 32 Bürgermeister durch Mordanschläge. 130 Politiker starben vor den mexikanischen Wahlen im Jahr 2018.<ref>Bereits 130 Politiker im mexikanischen Wahlkampf getötet. In: Deutsche Welle. 26. Juni 2018, abgerufen am 7. August 2019.</ref>

Nach Stand vom Juli 2012 waren bis dahin 2.888 Soldaten, Marineangehörige, Polizisten und Geheimagenten getötet worden. 45 Prozent der Opfer waren Gemeindepolizisten.<ref name="LH" />

Medienvertreter

Häufig kommen auch Zivilpersonen ums Leben. So wurden zahlreiche Journalisten von Angehörigen der Drogenkartelle mit dem Tode bedroht, entführt oder ermordet. Dies führt faktisch zu einer massiven Einschränkung der Pressefreiheit.<ref>Alex Gertschen: Pressefreiheit im Schraubstock. Neue Zürcher Zeitung, 22. Januar 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 27. März 2010; abgerufen am 2. Februar 2010.</ref> Laut Angaben der mexikanischen Journalistenschutzorganisation „Artículo 19“ wurden 131 Medienschaffende seit dem Jahr 2000 umgebracht.<ref name="GesetzAngst">Klaus Ehringfeld: Morde an Journalisten in Mexiko: Wo das Gesetz der Angst und Kugeln gilt. In: Spiegel Online. 7. August 2019, abgerufen am 7. August 2019.</ref> Reporter ohne Grenzen zufolge gehört Mexiko zu den gefährlichsten Staaten für Journalisten.<ref>Die Reporter ohne Grenzen-Jahresbilanz 2010. (PDF; 242 kB) Reporter ohne Grenzen, 30. Dezember 2010, abgerufen am 31. Dezember 2010.</ref><ref name="GesetzAngst" /> Bekanntestes Beispiel ist die im September 2011 enthauptete Journalistin María Elisabeth Macías Castro. Die vielfach verstümmelte Leiche wurde von den Tätern an einer belebten Hauptstraße in der Grenzstadt Nuevo Laredo abgelegt.<ref>Blutiger Drogenkrieg in Mexiko – ein Überblick. Newsgrape, 3. Oktober 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 4. Oktober 2011; abgerufen am 7. Februar 2012.</ref><ref>Wolf Dieter Vogel: Mexikanische Journalistin enthauptet. 26. September 2012, abgerufen am 7. Februar 2012.</ref>

Flüchtlinge

Laut einer Untersuchung im Jahr 2011 des Internal Displacement Monitoring Centre waren schon 230.000 Menschen vor der Gewalt im Drogenkrieg geflüchtet. Die Ziele sind die USA oder weniger gefährliche Regionen Mexikos.<ref name="Hunderttausende">Klaus Ehringfeld: Hunderttausende fliehen vor Mafia-Gewalt. In: Frankfurter Rundschau. 31. März 2011, abgerufen am 1. April 2011.</ref>

Identität der Toten, Behinderung der Identifizierung und Mordmotive

Stand September 2020 konnten etwa 37.000 Tote nicht identifiziert werden, da beispielsweise das CJNG-Drogenkartell seine hingerichteten Opfer zerstückelt und die Leichenteile in Massengräbern vermischt, um die Identifikation zu erschweren, falls die Massengräber entdeckt werden.<ref>Frank Thadeusz: Deutscher Forensiker ermittelt im mexikanischen Drogenkrieg: Der Leichen-Doc und das Kartell. In: Der Spiegel. Nr. 38, 2020 (online).</ref> Wenn sich die Kartelle die Mühe machen, ihre Opfer zu vergraben, kann das an dem Umstand liegen, dass die mexikanischen Staatsanwaltschaften bei Vermisstenfällen keinen Ermittlungsaufwand betreiben.<ref name="halbenMeter" />

Laut Beobachtungen einer Datenanalystin, die zu den Morden recherchiert, sind die Mordmotive unterschiedlich. Unter den Todesopfern (von denen die meisten männlich sind<ref name="halbenMeter" />) seien Mitglieder von Kartellen ebenso zu finden wie auch Menschen, die nur wegen einer Verwandtschaft oder anderweitigen Beziehung zu Kartellmitgliedern ermordet werden.<ref name="CoronaFrauen" /> So ließ das Kartell Los Viagras das verfeindete CJNG-Kartell im Jahr 2020 wissen, dass es künftig auch die Kinder und Frauen der CJNG-Mitglieder ermorden wird.<ref name="CoronaFrauen" /> Neben Mitgliedern verfeindeter Kartelle sind es auch Personen, die offene Schulden nicht beglichen haben. Auch kommen gänzlich unbeteiligte Menschen zu Tode, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Die Drogenkartelle haben auch schon Mütter ermordet, die nach ihren Kindern suchten, wenn das ihre Geschäfte störte.<ref name="halbenMeter" />

Datei:Fuerza del Estado Michoacán.jpg
Mexikanisches Militär zu Beginn des Krieges bei einer Straßenpatrouille (2007)

Chronologie

Diese Chronologie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Datei:Mexican drug cartels 2008.jpg
Einflussbereiche der Kartelle in Mexiko (2008)

2008

2009

  • Wikileaks veröffentlichte eine Depesche der US-amerikanischen Botschaft, in welcher erwähnt wurde, dass der damalige mexikanische Staatssekretär für Inneres, Gerónimo Gutiérrez Fernández, vorschlug, die Anstrengungen im Drogenkrieg auf drei wichtige Städte zu konzentrieren, darunter Ciudad Juárez und Tijuana, um schnell Erfolge vorzeigen zu können. Er zeigte sich wegen der Möglichkeit des „Verlierens“ bestimmter Regionen ernsthaft besorgt, denn dies würde Mexikos internationales Ansehen beschädigen, ausländische Investitionen reduzieren und zum Eindruck einer hilflosen Regierung führen.<ref>Anfragen an US-Diplomaten in aller Welt. ORF, 3. Dezember 2010, abgerufen am 3. Dezember 2010.</ref>
  • Am 16. Dezember wurde Marcos Arturo Beltrán-Leyva, einer der führenden Drogenhändler des Landes, von Soldaten der Marine in einer Luxusresidenz in Cuernavaca im Süden des Landes aufgespürt und getötet. Der Schlag gegen den als „Boss der Bosse“ bezeichneten Beltrán-Leyva wurde als einer der wichtigsten Erfolge im Jahr 2009 für Präsident Calderón in seinem Krieg gegen die Drogenkriminalität angesehen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Mexikanische Marine erschießt Drogenbaron Beltran Leyva. (Memento vom 9. Mai 2010 im Internet Archive) In: Reuters, 17. Dezember 2009, abgerufen am 21. Dezember 2009.</ref> Danach beanspruchten dessen Brüder Héctor sowie Valdez den Führungsposten.
Datei:Mexican States with mafia conflicts.png
Karte aller Bundesstaaten Mexikos (rot: heftige Konflikte) (2010)

2010

  • Ein Massaker durch Angehörige eines Drogenkartells am 31. Januar auf einer Geburtstagsparty in Ciudad Juarez forderte 17 Todesopfer, die meisten davon unter 18 Jahre alt. Das Verbrechen an den Jugendlichen beruhte anscheinend auf einer Verwechslung. Der Kondolenzbesuch von Präsident Calderón am 14. Februar 2010 bei den Angehörigen der Opfer führte zu Unruhen im Veranstaltungssaal.<ref>Unruhen bei Präsidentenbesuch. Der Standard, 15. Februar 2010, abgerufen am 20. Mai 2010.</ref>
  • Rodolfo Torre (46), aussichtsreichster Kandidat bei den Gouverneurswahlen im nordöstlichen Bundesstaat Tamaulipas, geriet am 28. Juni gemeinsam mit seinen Beratern nahe dem Flughafen von Ciudad Victoria in einen Hinterhalt und wurde erschossen. Calderón forderte die politische Klasse und die Zivilgesellschaft zu einem nationalen Dialog auf. Alle politischen Kräfte des Landes müssten denjenigen eine gemeinsame und geschlossene Antwort liefern, die das demokratische Leben und den Frieden der Mexikaner angreifen.<ref>Mexikanischer Politiker stirbt im Kugelhagel. stern.de, 29. Juni 2010.</ref>
  • Ende Juli wurde bekannt, dass eine Gefängnisdirektorin mehrere Insassen über Nacht freigelassen und mit Waffen ausgestattet hatte, damit diese Morde an konkurrierenden Banden verüben konnten. Insgesamt sollen die nächtlichen Freigänger für 35 Tote bei drei Überfällen in Torreón verantwortlich sein.<ref>Gefängnisdirektorin setzt Häftlinge als Mörder ein. In: Die Welt, 26. Juli 2010.</ref>
  • Am 30. Juli wurde Ignacio „Nacho“ Coronel, die Nr. 3 des mächtigen Sinaloa-Kartells, von mexikanischen Militärangehörigen getötet.<ref>Mexikos Armee tötet mächtigen Drogenboss. In: Spiegel Online. 30. Juli 2010, abgerufen am 1. August 2010.</ref>
  • Am 24. August wurden in einer Hacienda die Leichen von 72 Migranten aus Brasilien, Ecuador, Honduras und El Salvador entdeckt (San-Fernando-Massaker).<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Entsetzen über Massaker in Mexiko. (Memento vom 29. April 2014 im Internet Archive) In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. August 2010.</ref>
  • Am 30. August wurde mit Edgar Valdez Villareal einer der meistgesuchten Verbrecher Mexikos festgenommen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />«Barbie» festgenommen. (Memento vom 3. September 2010 im Internet Archive) In: Neue Zürcher Zeitung, 31. August 2010.</ref>
  • Am 2. September griff die Armee ein Ausbildungslager der Zetas an der Grenze zu den USA an und tötete 27 Mitglieder. Es war bis dahin das Gefecht mit den meisten Verlusten für ein Drogenkartell im Drogenkrieg.<ref name="NZZMoral" />
  • Am 12. September wurde Sergio Villareal vom Beltrán-Leyva-Kartell in Puebla festgenommen.<ref>Klaus Ehringfeld: Mexikanische Armee nimmt „El Grande“ fest. In: Frankfurter Rundschau, 13. September 2010.</ref> Für seine Festnahme hatten die Behörden eine Belohnung von zwei Millionen US-Dollar (1,6 Millionen Euro) ausgesetzt.
  • Am 25. September fassten die Sicherheitskräfte im westmexikanischen Bundesstaat Jalisco den Kriminellen Margarito Soto Reyes alias „El Tigre“. Er gehörte nach Angaben der Behörden zur Führungsriege des Sinaloa-Kartells und war für den Schmuggel von monatlich einer halben Tonne unterschiedlicher Drogen in die USA verantwortlich.
  • Am 26. September wurde José Ángel Fernández de Lara, ein Anführer der Los Zetas, in Cancún festgenommen.<ref>Gleich zwei Drogenbarone festgenommen. In: 20 Minuten, 26. September 2010.</ref>
  • Am 6. Oktober ging ein Gesetzesentwurf für eine Polizeireform an den Senat. Dabei sollen viele der zweitausend Abteilungen aufgelöst werden. Jeder Bundesstaat soll nur mehr eine Polizeiverwaltung besitzen, die dem Gouverneur unterstellt ist.<ref>Polizeireform in Mexiko. In: Neue Zürcher Zeitung. 7. Oktober 2010, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 10. Oktober 2010; abgerufen am 7. Oktober 2010.</ref>
  • Am 18. Oktober wurden bei einer Operation von Militär und Polizei 105 Tonnen Marihuana (nach anderen Berichten 134 Tonnen<ref>Rekorddrogenfund in Tijuana. In: ORF. 25. Oktober 2010, abgerufen am 29. Oktober 2010.</ref>) beschlagnahmt und elf Verdächtige festgenommen. Zwei Personen wurden verletzt. Die Drogen sind auf dem mexikanischen Schwarzmarkt 335 Millionen US-Dollar, umgerechnet 240 Millionen Euro, wert. Jedoch ist der Wert der Drogen auf dem US-amerikanischen Markt viermal so hoch.
  • Im Dezember flohen aus einem Gefängnis in Nuevo Laredo 141 Häftlinge.<ref name="ft">Fluchttunnel in die Freiheit. In: die tageszeitung. 18. September 2012, abgerufen am 18. September 2012.</ref>
  • Am 19. Dezember rief die Regierung von Guatemala in der Provinz Alta Verapaz den Ausnahmezustand aus. Als Grund gab sie die offene Machtübernahme der Los Zetas an, die seit mindestens 2009 die Region als einen Korridor für den Drogenhandel verwendeten.<ref name="Ausnahmezustand">Toni Keppeler: Mit Ausnahmezustand gegen das Kartell. In: die tageszeitung. 20. Dezember 2010, abgerufen am 22. Dezember 2010.</ref>
  • Ende des Jahres drohten die Zetas, alle Bürger der Stadt Ciudad Mier zu töten. Die Bewohner flüchteten daraufhin und hinterließen eine Geisterstadt.<ref name="Hunderttausende" />

2011

Datei:Casino Royale Monterrey 2.jpg
Das zerstörte Casino Royale fünf Tage nach dem Anschlag am 30. August 2011
  • Bei einem Brandanschlag auf das Casino Royale in Monterrey drangen am 25. August bewaffnete Männer in das Spielkasino ein, wonach mindestens 52 Menschen im Feuer starben. Laut Regierungsangaben soll ein Kartell dafür verantwortlich gewesen sein.<ref name="BlSchutzgeld">Kasino sollte Schutzgeld an Drogenkartell zahlen. In: Welt Online. 11. August 2011, abgerufen am 23. April 2012.</ref>
  • Am 20. September wurden in Veracruz direkt neben einem Konferenzhotel, das zu der Zeit von den Generalstaatsanwälten genutzt wurde, 35 gefolterte Leichen aus zwei Kleinlastern entladen. Die Toten sollen Mitglieder der Zetas gewesen sein, was von der Polizei später bestätigt wurde. Es wurden Drohungen an die Gruppe am Tatort gefunden.<ref name="NZZWiderstand">Widerstand gegen die Drogenmafia. In: Neue Zürcher Zeitung. 28. September 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 28. September 2011; abgerufen am 28. September 2011.</ref><ref name="TAZMexikaner">Toni Keppeler: Die „guten Mexikaner“. In: die tageszeitung. 11. Oktober 2011, abgerufen am 12. Oktober 2011.</ref> Die Generalstaatsanwaltschaft identifizierte die Täter in der Folge als Mitglieder des Sinaloa-Kartells.<ref name="LH" />
  • Am 22. September fand die Polizei abermals 14 Leichen mit Drohungen an die Zetas.<ref name="TAZMexikaner" />
  • Am 24. September übernahm eine Gruppe namens Mata Zetas („die Zetamörder“) die Verantwortung für die am 20. und am 22. gefundenen Leichen. Ihre Gruppe sei gegründet worden, um die Zetas zu bestrafen und ihre Herrschaft zu brechen.<ref name="TAZMexikaner" />
  • Am 6. Oktober fand die Polizei in Veracruz in drei Privathäusern insgesamt 32 Tote. Lokale Medien gingen von einer Täterschaft der Mata Zetas aus.<ref name="TAZMexikaner" />
  • Im Oktober wurden, nach einer Welle von Entführungen und Erpressungen in der Region um Linares, sämtliche Polizeikräfte der Stadt (insgesamt mehr als 100) zur Überprüfung einer möglichen Verwicklung in die Vorgänge festgenommen.<ref>Mexican City Linares’ Police Force Detained For Corruption Investigation. In: The Huffington Post. 9. Oktober 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 1. Februar 2014; abgerufen am 18. Januar 2014 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
  • Am 13. Oktober wurde die Nummer drei der Zetas, Carlos Oliva Castillo, in Saltillo im Bundesstaat Coahuila festgenommen. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft soll Castillo für die Aktivitäten der Zetas in den Bundesstaaten Coahuila, Nuevo León und Tamaulipas verantwortlich gewesen sein. Er soll auch den Brandanschlag auf das Casino Royale befohlen haben.<ref name="ORForganisiert">Anschlag auf Kasino organisiert? ORF, 2. November 2011, abgerufen am 2. November 2011.</ref><ref name="WSJCasino">David Luhnow, Jose de Cordoba: Casino Arrests Stir Scandal in Mexico. In: The Wall Street Journal. 14. Oktober 2011, abgerufen am 14. Oktober 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
  • Im November fand man in Culiacán 16 verbrannte Leichen und in der Stadt Guadalajara entdeckte man die sterblichen Überreste von 26 Menschen.<ref name="LH" />
  • Im Dezember flohen aus zwei Gefängnissen im Norden Mexikos insgesamt 226 Häftlinge.<ref name="ft" />
  • Im Dezember genehmigte der Senat der Vereinigten Staaten für die Mérida-Initiative ein Budget von 249 Millionen US-Dollar für das Jahr 2012. Dies war deutlich weniger als in den Jahren zuvor.<ref name="NZZMexiko">Alex Gertschen: Die USA im Drogenkrieg Mexikos. In: Neue Zürcher Zeitung. 20. Dezember 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 8. Januar 2012; abgerufen am 20. Dezember 2011.</ref>

2012

2013

2014

2015

  • Anfang Mai 2015 wurde ein Hubschrauber des mexikanischen Militärs abgeschossen.
  • Am 20. Mai 2015 wurde nahe Michoacán eine Patrouille der Bundespolizei angegriffen. Die Angreifer flüchteten auf eine 112 Hektar große Farm in der Nähe, wo sich 40 mit großkalibrigen Waffen ausgerüstete Bewacher aufhielten. Nach stundenlangen Feuergefechten mit der Bundespolizei waren mindestens 37 Angreifer tot, zwei Bundespolizisten wurden erschossen und Teile der Farm brannten.<ref>Dutzende Tote bei Kämpfen zwischen Bewaffneten und Polizei in Mexiko</ref> Auf der Farm wurden weitere Waffen, darunter ein Granatwerfer, und Drogen gefunden. Eine Landebahn bei der Ranch wurde möglicherweise zum Drogenschmuggel verwendet. Vermutlich handelte es sich um eine Basis des Kartells Jalisco Nueva Generación.

2016

2017

  • Von 2006 bis 2017 kamen geschätzt ca. 200.000 Menschen in dem Drogenkrieg um.<ref name=":9" />
  • Anfang März 2017 wurden Massengräber mit Überresten von Opfern im Osten des Bundesstaates Veracruz gefunden. Es ist das 125. Massengrab in der Region seit dem August 2016.<ref>Massengrab mit 250 Leichen entdeckt</ref>
  • Am 2. Mai 2017 nahmen Soldaten den Anführer des Drogenkartells von Sinaloa, Dámaso López Núñez, fest.<ref>„El Chapos“ möglicher Nachfolger gefasst</ref>
  • Der Oktober 2017 zählt mit 2764 Morden zum blutigsten Monat seit Beginn des Konflikts.<ref>2371 Morde – in einem Monat</ref>

2018

2019

2020

  • Bis in das Jahr 2020 kamen in diesem Krieg geschätzt ca. 300.000 Menschen um.<ref name=":7" /><ref name=":8" />
  • Mit 337 Morden an Frauen im April 2020 wurde ein monatlicher Höchststand seit Beginn der öffentlichen Statistik (im Jahr 2015) über Frauenmorde in Mexiko erreicht.<ref>Zahl ermordeter Frauen in Mexiko erreicht neuen Höchststand. In: Spiegel Online. Abgerufen am 26. Mai 2020.</ref>
  • Von Januar bis einschließlich Juni 2020 wurden in Mexiko laut der Regierung Obrador 17.982 Morde gezählt. Das waren durchschnittlich 99 Morde pro Tag.<ref name="TrotzCorona" />

2021

  • Im Jahr 2021 wurden pro Tag im Schnitt 94 Morde (somit insgesamt 33.410 Morde) in Mexiko registriert.<ref name=":0" /><ref>Bandenkriminalität: Angreifer töten 20 Menschen in mexikanischer Kleinstadt. In: Der Spiegel. 6. Oktober 2022, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 26. November 2022]).</ref>
  • Im Jahr 2021 standen mit der Neubesetzung von 20.000 Ämtern die umfangreichsten Wahlen in der Geschichte Mexikos an. Von Beginn der Wahlkampagnen bis Anfang Juni 2021 waren 89 Politiker getötet worden und mehr als 780 Übergriffe auf Politiker den Behörden gemeldet worden.<ref>Zwischenwahl in Mexiko: Narco-Kandidaten und tote Konkurrenten. tagesschau.de, abgerufen am 6. Juni 2021.</ref>
  • Im Juli 2021 versuchten 213.000 Menschen die Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko in Richtung USA zu überqueren. Unter den Flüchtenden waren auch wegen des Drogenkriegs binnenvertriebene Mexikaner.<ref>David Walden: USA: Flüchtlingsdrama am Rio Grande. In: Spiegel Online. Abgerufen am 2. September 2021.</ref>
  • Gründung des Bataillons für Touristensicherheit für die Region Riviera Maya als Reaktion auf von Drogenbanden begangenen Gewaltverbrechen an Urlaubsorten, durch die zwei ausländische Touristen getötet wurden.<ref>Drogenkrieg in Mexiko: Spezialeinheit der Nationalgarde soll an der Riviera Maya Touristen schützen. In: Spiegel Online. 17. November 2021 (spiegel.de [abgerufen am 17. November 2021]).</ref>
  • Von Ende November 2021 bis Ende März 2022 verschwanden in Mexiko 2700 Menschen (durchschnittlich 22 Menschen pro Tag).<ref name="halbenMeter" />

2022

2023

  • Bei einem in Folge der Verhaftung des Drogenbosses Ovidio Guzmán (Sohn von El Chapo) im Januar ausgebrochenen Feuergefecht zwischen mexikanischem Militär und Sinaloa-Kartell starben mindestens 29 Menschen (19 Kartellangehörige und 10 Soldaten).
  • Eine Langzeitstudie über die mexikanischen Drogenkartelle identifizierte die Kartelle vor Oxxo und Pemex als fünftgrößten Arbeitgeber des Landes. Zwischen 2012 und 2022 seien insgesamt 37 Prozent ihrer Mitglieder getötet oder verletzt ausgeschieden, dennoch sei deren Gesamtzahl im Zeitraum um über 50 Prozent gewachsen. Die Studie kam zu dem Schluss, dass allein das Unterbinden der Neurekrutierung wesentlich zur Befriedung des Drogenkriegs beitragen könne.<ref>Rafael Prieto-Curiel, Gian Maria Campedelli, Alejandro Hope: Reducing cartel recruitment is the only way to lower violence in Mexico. In: Science. Band 381, Nr. 6664, 21. September 2023, ISSN 0036-8075, S. 1312–1316, doi:10.1126/science.adh2888 (science.org [abgerufen am 21. September 2023]).</ref><ref>Sara Reardon: Cutting cartel recruitment could be the only way to reduce Mexico’s violence. 21. September 2023, doi:10.1126/science.adk9865 (science.org [abgerufen am 21. September 2023]).</ref>

2024

2025

  • Anfang 2025, am ersten Tag der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump, stufte die US-Regierung auf Dekret von Trump persönlich sechs mexikanische Kartelle als terroristische Vereinigungen ein.<ref name=":11" />
  • Spätestens seit 2025 setzen die mexikanischen Kartelle auch Drohnen als Teil der Kriegsführung ein. So wurden im ersten Halbjahr über 20 Polizisten durch Drohnen der Kartelle getötet.<ref name=":11" />
  • Infolge des im Vorjahr ausgebrochenen Kriegs innerhalb des Sinaloa-Kartells wurden alleine dadurch innerhalb eines Jahres (von Juli 2024 bis Juli 2025) über 1300 Menschen getötet, weitere 1500 Menschen gelten außerdem durch den internen Konflikt als vermisst.<ref name=":11" />
  • Stand 2025 befinden sich laut zivilgesellschaftlichen Organisationen mehr als 50.000 unbekannt Verstorbene in den überfüllten Leichenhallen bzw. Forensiken des Landes. Würden die Körper identifiziert, würde die Zahl der Vermissten auf etwa 77.000 sinken.<ref name=":14" />

Drogenkrieg unter Präsident Felipe Calderón (2006–2012)

Die mexikanische Regierung unter Präsident Felipe Calderón setzte ihr Schwergewicht auf die Verhaftung von Anführern der Drogenkartelle.<ref>Patrick Corcoran: The Kingpin Strategy, Nacho Coronel, and Violence on the Pacific. In: Sight Online. 17. Mai 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 24. April 2012; abgerufen am 18. Mai 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Diese sogenannte Kingpin Strategy wurde von der DEA 1992 für die Bekämpfung von Drogenkartellen entwickelt. Im März 2009 veröffentlichte der mexikanische Generalstaatsanwalt (Procurador General de la Republica) eine Liste der 37 meistgesuchten Drogenbosse in Mexiko. 16 von ihnen wurden zwischen 2009 und 2012 von mexikanischen Sicherheitskräften (Marine, Armee, Bundespolizei) festgenommen und sechs weitere getötet.

Nicht prioritär war die Verhinderung der Produktion, des Handels oder des Schmuggels von illegalen Drogen – im Gegensatz zum War on Drugs in den 1970er Jahren (Operation Condor), bis in die späten 1990er Jahre. Die Verlagerung der Bekämpfungsstrategie hing auch damit zusammen, dass die mexikanischen Drogenkartelle nach Schätzungen mehr als 60 % ihrer Einnahmen mit anderen kriminellen Aktivitäten als dem Drogenhandel (z. B. Erpressung) erzielen.

Ab 2010 setzte Präsident Calderón nicht mehr einzig auf Sicherheitsmaßnahmen. Der mexikanische Staat sollte nun zusätzlich in Bildung, Gesundheit und Sozialarbeit investieren. Damit sollte die Zivilgesellschaft gestärkt werden und Jugendliche bessere Perspektiven erhalten. Der „Eingriffsplan Juárez“ (benannt nach der Stadt Ciudad Juárez) sollte umgerechnet insgesamt 200 Millionen Euro kosten und galt als Pilotprojekt.

Die Frankfurter Rundschau schrieb dazu:

„Experten halten diesen Paradigmenwechsel zwar für überfällig, doch für Fachleute wie Edgardo Buscaglia geht Calderóns neue Politik noch immer nicht weit genug. ‚Nur wenn du an ihre Vermögenswerte und Besitztümer gehst, hast du eine Chance den Krieg zu gewinnen‘, sagt der Experte für organisierte Kriminalität und Hochschullehrer an der Universität ITAM in Mexiko-Stadt. Aber an dem Punkt tue die Regierung nichts, weil Politik und Justiz bis in hohe Instanzen von der organisierten Kriminalität unterwandert seien.“<ref>Klaus Ehringfeld: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Calderons neue Strategie. (Memento vom 7. März 2016 im Internet Archive) In: Frankfurter Rundschau, 10. März 2010</ref>

Der mexikanische Geheimdienstminister unter Calderón, Genaro García Luna, der für die Bekämpfung der Kartelle zuständig war, wurde aufgrund des Verdachts einer jahrelangen Zusammenarbeit mit mexikanischen Kartellen im Jahr 2019 in Texas festgenommen und 2024 deswegen verurteilt.<ref>Mexiko: Ex-Antidrogen-Minister muss 38 Jahre in Haft – wegen Annahme von Drogengeldern. In: Der Spiegel. 17. Oktober 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 17. Oktober 2024]).</ref>

Drogenkrieg unter Präsident Enrique Peña Nieto (2012–2018)

Während des Prozesses gegen den Drogenboss Joaquín Guzmán wurde Präsident Enrique Peña Nieto von einem Zeugen der Anklage beschuldigt, kurz vor seiner Wahl im Jahr 2012 von Guzmán 250 Millionen US-Dollar Schutzgeld gefordert zu haben. Guzmán habe Nieto daraufhin auf 100 Millionen US-Dollar heruntergehandelt und den Betrag bezahlt. Der Zeuge, Alex Cifuentes, bezeichnet sich selbst als ehemalige rechte Hand Guzmáns. Nieto ließ die Anschuldigungen dementieren.<ref>Brendan Pierson: 'El Chapo' paid former Mexican president $100 million bribe: trial witness. reuters.com, 15. Januar 2019, abgerufen am 25. Januar 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Drogenkrieg unter Präsident Andrés Manuel López Obrador (2018–2024)

Mit dem Regierungsantritt von Andrés Manuel López Obrador Ende des Jahres 2018 sollten Anti-Korruptionsmaßnahmen sowie Deeskalation helfen, den Krieg einzudämmen. Dies ist de facto gescheitert.<ref name="halbenMeter" />

Während López Obradors sechsjähriger Präsidentschaft starben im mexikanischen Drogenkrieg über 180.000 Menschen. Weitere 50.000 Menschen sind verschwunden. Beobachter kritisierten, dass López Obrador die Kartelle nur halbherzig bekämpft habe, weil sie zu mächtig seien. Obrador habe sich laut dem Sicherheitsexperten David Saucedo entschieden, das Problem nur zu verwalten und es seiner Nachfolgerin Claudia Sheinbaum zu überlassen.<ref>Jens Glüsing: (S+) Präsidentschaftskandidatin Claudia Sheinbaum: Kann »La Doctora« Mexiko heilen? In: Der Spiegel. 1. Juni 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 2. Juni 2024]).</ref><ref name=":12">Jens Glüsing: (S+) Drogenkrieg in Mexiko: Festnahme des Sinaloa-Kartellchefs – »Das Monster ist erwacht«. In: Der Spiegel. 22. September 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 22. September 2024]).</ref> Während Obradors Amtszeit konnten die Kartelle ihre Herrschaft auf große Teile des Landes ausweiten. Schutzgelderpressungen wie auch die Anzahl der vermissten Personen nahmen in den sechs Jahren stark zu. Während seiner Amtszeit ließ López Obrador die Kooperation der mexikanischen Sicherheitsbehörden mit der amerikanischen Drogenbehörde DEA de facto einstellen.<ref>»Die Gangster sind besser ausgerüstet als das Militär«. In: spiegel.de. 5. Juli 2025, abgerufen am 5. Juli 2025.</ref>

Von 2012 bis 2018 war Salvador Cienfuegos mexikanischer Verteidigungsminister. Ab dem Jahr 2015 liefen in den USA Ermittlungen der DEA gegen ihn, wegen des Verdachts der Geldwäsche und Beihilfe beim Drogenschmuggel.<ref>Tim Golden: The Cienfuegos Affair: Inside the Case that Upended the Drug War in Mexico. In: The New York Times. 8. Dezember 2022, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 25. Februar 2024]).</ref> Im Jahr 2020 wurde der ehemalige Minister bei einer Einreise in die USA festgenommen.<ref>Azam Ahmed: Mexico’s Former Defense Minister Is Arrested in Los Angeles. In: The New York Times. 16. Oktober 2020, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 25. Februar 2024]).</ref> Die mexikanische Regierung von Obrador, insbesondere jedoch die mexikanischen Streitkräfte, die unter López Obrador mächtiger geworden waren, kritisierten, dass die mexikanische Regierung nicht im Voraus über die Festnahme informiert wurde, obwohl ein mit den USA abgeschlossenes Abkommen dies angeblich vorschreibt.<ref name=":3">Mexico's president: we didn't threaten to expel U.S. drug agents over General Cienfuegos arrest. In: reuters.com. 19. November 2020, abgerufen am 25. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name=":2" /> Noch im selben Jahr wurde die Anklage gegen Cienfuegos fallengelassen und Cienfuegos durfte nach Mexiko ausreisen.<ref name=":5">Evan Perez,Matt Rivers,Natalie Gallón,Madeline Holcombe: Former Mexican defense secretary accused of drug trafficking to be turned over to Mexico for investigation. 18. November 2020, abgerufen am 25. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Medien berichteten, dass die Anklage auf Druck der mexikanischen Bundesregierung fallengelassen worden sei, die mit der Ausweisung von DEA-Agenten aus dem Land gedroht hatte.<ref name=":3" /> Die mexikanische Regierung von Obrador sicherte jedoch zu, dass die mexikanische Staatsanwaltschaft im Gegenzug für die Zustimmung der US-Regierung, die Anklage fallen zu lassen, eigene Ermittlungen gegen Cienfuegos einleiten würde.<ref name=":5" /> Cienfuegos wurde im Januar 2021 in Mexiko von allen Anklagen freigesprochen. Staatspräsident Obrador sagte, dass die Anschuldigungen gegen ihn politisch motiviert gewesen seien, und veröffentlichte als angeblichen Beweis Abhörprotokolle von US-Agenten.<ref>Mexican president accuses U.S. of fabricating drug case against ex-defense chief. 15. Januar 2021, abgerufen am 25. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name=":2" /> Das US-Justizministerium drohte daraufhin zum einen mit der Wiederaufnahme der Strafverfolgung gegen Cienfuegos, falls Mexiko diese nicht selbst wiederaufnimmt<ref>U.S. says could restart prosecution of ex-Mexican defense minister. In: reuters.com. 15. Januar 2021, abgerufen am 25. Februar 2024.</ref>, zum anderen stellte das Justizministerium infrage, ob die USA zukünftig noch bestimmte Informationen mit Mexiko teilen können, da die Veröffentlichung des Dokuments angeblich gegen einen bilateralen Vertrag über gegenseitige Rechtshilfe zwischen den Ländern verstoßen habe.<ref>U.S. 'deeply disappointed' Mexico closed probe of ex-defense minister. In: reuters.com. 16. Januar 2021, abgerufen am 25. Februar 2024.</ref>

Drogenkrieg unter Präsidentin Claudia Sheinbaum (seit 2024)

Präsidentin Claudia Sheinbaum brach mit der Linie ihres Vorgängers, der auf Deeskalation mit den Kartellen gesetzt hatte. Dennoch ging die Anzahl der Morde in einigen Regionen Mexikos in den ersten Monaten ihrer Amtszeit zurück. Gleichzeitig nahm die Anzahl der zerstörten Labore und der beschlagnahmten Drogen im Vergleich zur Regierungszeit von López Obrador (Stand Juli 2025) drastisch zu. Sheinbaum ließ die Zusammenarbeit zwischen Politik und Militär stärken, indem sie eine Einheit von Sicherheitsexperten zusammenstellte und dieser Gruppe hohe Befugnisse erteilte. Eine militärische Intervention der USA, die nach Beginn der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump sechs mexikanische Kartelle zu terroristischen Vereinigungen erklärt hatten, lehnte Sheinbaum auf Nachfrage von Trump ab, schloss aber ein vertrauliches Abkommen über die Sicherheitszusammenarbeit mit den USA ab.<ref name=":11" /><ref name=":13" />

Unter Sheinbaum wurde im Februar 2026 der Drogenbaron Nemesio Oseguera Cervantes getötet, woraufhin es zu Gewalttaten der Kartelle in großen Teilen des Landes kam.<ref>Nach Tod von Drogenboss - Unruhen und Gewalt in Mexiko – die Übersicht. In: SRF. Abgerufen am 5. April 2026.</ref>

Auswirkungen

Auswirkungen auf die USA

Drogen- und Waffenschmuggel

Im April 2009 stellte US-Präsident Barack Obama anlässlich seines ersten Staatsbesuchs in Mexiko fest, dass der US-Bedarf an Drogen den Drogenkartellen helfe, im Geschäft zu bleiben. Der Krieg werde ausgetragen mit Schusswaffen, die nicht in Mexiko, sondern in den USA erworben worden seien.<ref>Joint-Press-Conference-With-President-Barack-Obama-And-President-Felipe-Calderon-Of-Mexico. U.S. Government, 16. April 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 7. November 2009; abgerufen am 10. November 2009 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die US-Behörden gehen davon aus, dass der Hauptanteil der in die USA geschmuggelten Drogen via Mexiko in die USA geschmuggelt werden. Ein Teil davon wird in Mexiko selbst angebaut (Marihuana) oder hergestellt (Methamphetamin). Vor allem aber ist Mexiko ein Transitland für Kokain aus Kolumbien und anderen südamerikanischen Ländern: Schätzungsweise 90 % des gesamten in den USA verkauften Kokains wird durch Mexiko transferiert und in die USA geschmuggelt. Der in den USA erzielte Erlös aus dem Drogenschmuggel soll für die mexikanischen und kolumbianischen Drogenkartelle jährlich zwischen 18 und 39 Milliarden US-Dollar betragen.<ref>National Drug Threat Assessment 2009. U.S. National Drug Intelligence Center (NDIC), Dezember 2008, abgerufen am 10. November 2009 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Mit einem Teil der Einkünfte werden Waffen durch Strohmänner der Drogenkartelle in den USA rechtmäßig erworben und danach illegal nach Mexiko geschmuggelt. So sollen nach einer Untersuchung des U.S. Government Accountability Office 87 % aller in den letzten fünf Jahren in Mexiko beschlagnahmten Waffen in den USA gekauft worden sein.<ref>U.S. Efforts to Combat Arms Trafficking to Mexico Face Planning and Coordination Challenges. GAO, 18. Juni 2009, abgerufen am 10. November 2009 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Das Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives (ATF), eine dem Justizministerium der Vereinigten Staaten unterstellte Bundespolizeibehörde, versucht diesen Waffenschmuggel zu unterbinden, teilweise mit verdeckten Operationen wie etwa der gescheiterten Operation Fast and Furious der Jahre 2009 und 2010.

Nach einem Bericht des mexikanischen Verteidigungsministeriums wurden zwischen 2009 und 2019 mehr als zwei Millionen Schusswaffen, größtenteils aus den USA, nach Mexiko geschmuggelt.<ref>Mexiko will US-Waffenhersteller verklagen – Maßnahme im Drogenkrieg. In: Der Spiegel. Abgerufen am 2. September 2021.</ref>

Im Jahr 2022 stellte die Drug Enforcement Administration (DEA) 50,6 Millionen Fentanyl-Pillen und mehr als 4500 Kilogramm Fentanyl-Pulver sicher. Die beschlagnahmte Menge entspricht laut DEA theoretisch mehr als 379 Millionen potenziell tödlichen Dosen Fentanyl. Laut DEA sind die Hauptquellen für Fentanyl in den USA die mexikanischen Drogenkartelle Sinaloa und Jalisco. Mexikanische Kartelle haben ihren Handel während der Covid-19-Pandemie zu großen Teilen von Heroin oder Kokain auf Fentanyl umgestellt. Die für die Fentanylproduktion notwendigen Chemikalien bekommen diese vor allem aus der Volksrepublik China und Indien.<ref name=":62">Kampf gegen Drogen: US-Behörden beschlagnahmten 2022 genug Fentanyl »um alle Amerikaner zu töten«. In: Der Spiegel. 21. Dezember 2022, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 21. Dezember 2022]).</ref><ref name=":72">Roland Nelles: (S+) Fentanyl-Krise in den USA: »Die größte Bedrohung, die das Land in Sachen Drogen je erlebt hat«. In: Der Spiegel. 21. April 2023, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 23. April 2023]).</ref><ref>50 Mal potenter als Heroin: Fentanyl wird in den USA zur Todesdroge. In: nzz.ch. 19. Dezember 2022, abgerufen am 21. Dezember 2022.</ref><ref name=":82">Kampf gegen tödliche Droge: USA wollen chinesische Fentanyl-Produzenten stoppen. In: Der Spiegel. 4. Oktober 2023, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 4. Oktober 2023]).</ref>

Merida-Abkommen (2008)

Der Schwerpunkt der militärischen Operationen lag im Jahr 2008 in den nördlichen Bundesstaaten (Baja California, Sonora, Chihuahua, Coahuila und Tamaulipas) an der Grenze zu den USA. Weil der Drogenkrieg zunehmend in die USA überzuschwappen droht, unterstützen die USA in den nächsten drei Jahren – gestützt auf das 2008 vom US-Kongress genehmigte sog. Merida-Abkommen – die mexikanische Regierung mit 1,6 Milliarden Dollar.<ref name="GIGA">Karl-Dieter Hoffmann: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Mexikos „War on Drugs“ und die Mérida Initiative. (Memento vom 31. Januar 2012 im Internet Archive; PDF; 444 kB) In: GIGA Focus, Nummer 4/2008.</ref> Zusätzlich beabsichtigen sie Hilfe in Form von militärischer Ausrüstung, Ausbildung und Unterstützung durch ihre Geheimdienste.<ref>Unruhe über mexikanischen Drogenkrieg steigt in den USA. Unruhe über mexikanischen Drogenkrieg steigt in USA. ORF, abgerufen am 7. März 2009.</ref> Um dem Nachbarland Mexiko im Kampf gegen die mächtigen Drogenbosse zu helfen, will die amerikanische Regierung unter Barack Obama 80 Millionen Dollar zum Kauf von Black-Hawk-Hubschraubern beisteuern. Mit diesen Militärhubschraubern soll der mexikanischen Polizei die Möglichkeit gegeben werden, verstärkt gegen die rivalisierenden Drogenbosse vorzugehen. Mit dieser Maßnahme, die von US-Präsident Obama bereits angekündigt worden war, wollen die USA auch ihre eigenen Bürger schützen, da viele der Drogen über die Grenze geschmuggelt werden und auf diese Weise unter die US-amerikanische Bevölkerung geraten.

Auswirkungen auf Guatemala

Die mexikanischen Drogenkartelle beherrschen seit den 1990er Jahren den Kokainschmuggel in Mittelamerika, insbesondere aber im Nachbarstaat Guatemala. Mit dem Drogenkrieg in Mexiko hat sich der Konkurrenzkampf zwischen den Drogenkartellen auf mittelamerikanische Nachbarstaaten ausgeweitet, wo sie weniger vom Staat gestört werden als in Mexiko. Seit 2007 kämpfen Los Zetas um die Drogenkorridore in Guatemala, die ehemals vom Sinaloa-Kartell und dem Golfkartell beherrscht wurden. Los Zetas haben sich (Stand 2012) offenbar fest in Guatemala etabliert. Polizei und Justiz stehen dieser Entwicklung aus verschiedenen Gründen (mangelnde Ressourcen, Korruption, Ineffizienz des Rechtssystems, Armut im Land) machtlos gegenüber.<ref>Toni Keppeler: Guatemala in den Händen der Drogenkartelle. In: Le Monde diplomatique. 9. Dezember 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 10. Februar 2012; abgerufen am 6. Juni 2012.</ref>

Ex-General Otto Pérez Molina, 2012 bis 2015 Präsident der Republik Guatemala, vertritt die Meinung, dass Konsum und Produktion von Drogen innerhalb bestimmter Grenzen legalisiert werden sollten.<ref>Uruguay: Parlament stimmt für Legalisierung von Marihuana. Spiegel Online, 1. August 2013. Marihuana in Uruguay: Amerikas Drogen-Versuchslabor. Spiegel Online, 15. September 2013.</ref>

Literatur

  • Élmer Mendoza: Balas de plata. 2008. (Silber. Aus dem Spanischen von Matthias Strobel. Berlin 2010, ISBN 978-3-518-46187-7).
  • Arturo Perez-Reverte: La Reina del Sur, 2002 (Königin des Südens. Aus dem Spanischen von Angelica Ammar. 2003, ISBN 978-3-548-60433-6).
  • Juan Pablo Villalobos: Fiesta en la madriguera. 2010. (Fiesta in der Räuberhöhle. Aus dem Spanischen von Carsten Regling. Berlin 2011).
  • Don Winslow, The Power of the dog. 2005. (Tage der Toten. Aus dem Englischen von Chris Hirte. Berlin 2010).
  • Don Winslow: Zeit des Zorns. Das Buch diente als Vorlage für den Film Savages (2012) (Regie: Oliver Stone)
  • Don Winslow: The Cartel (The Power of the dog II). 2015. (Das Kartell. Aus dem Englischen von Chris Hirte. München 2015).

Dokumentationen

Siehe auch: Liste von Filmen über Drogenkartelle

Literatur

  • Sandro Benini: Drogen, Krieg, Mexiko. Der gefährlichste Ort der Welt. Echtzeit Verlag, 2013.
  • Erfolgreiche Strategie gesucht – Mexiko debattiert „Drogenkrieg“. Konrad-Adenauer-Stiftung, 16. August 2010; kas.de (PDF).
  • Malcolm Beith: The Last Narco. 2010. (El Chapo. Die Jagd auf Mexikos mächtigsten Drogenbaron. Aus dem Englischen übersetzt von Gunter Blank und Simone Salitter. 2011)
  • June S. Beittel: Mexico’s Drug Trafficking Organizations: Source and Scope of the Rising Violence. Hrsg. von Congressional Research Service, U.S.: CRS Report R41576, 7. September 2011. fas.org (PDF; 2 MB). CRS Report R41576, 15. April 2013. fas.org (PDF; 2 MB).
  • Isaac Campos: Degeneration and the Origins of Mexico’s War on Drugs. In: Mexican Studies / Estudios Mexicanos, 2010, Vol. 26, No. 2 (Summer), S. 379–408.
  • Drogen, Dollars, Demokratie. Herausforderungen durch den Drogenhandel in Mexiko und Brasilien. Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin 2009, ISBN 978-3-86928-002-8; <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />boell.de (Memento vom 3. Mai 2012 im Internet Archive) (PDF)
  • Ioan Grillo: „El Narco. The Bloody Rise of Mexican Drug Cartels“. Bloomsbury, 2011.
  • Jeanette Erazo Heufelder: Drogenkorridor Mexiko. Transit, Berlin 2011, ISBN 978-3-88747-259-7.
  • Karl-Dieter Hoffmann: Mexikos „War on Drugs“ und die Mérida Initiative. GIGA Focus, Nummer 4, 2008. giga-hamburg.de (PDF)
  • Anne Huffschmid: Mexiko – das Land und die Freiheit. Rotpunktverlag, Zürich 2010.
  • Anne Huffschmid, Wolf-Dieter Vogel (Hrsg.): NarcoZones – Entgrenzte Märkte und Gewalt in Lateinamerika. Assoziation A, Berlin 2012.
  • Viridiana Rios, David A. Shirk: Drug Violence in Mexico. Data and Analysis Through 2010. Hrsg. vom Trans-Border Institute, University of San Diego, Februar 2011. wordpress.com (PDF; 4 MB)
  • Roberto Saviano: Zero Zero Zero. Wie Kokain die Welt beherrscht. Carl Hanser Verlag, München 2014, ISBN 978-3-446-24497-9.
  • Stratfor (Hrsg.): Mexican Drug Wars: Bloodiest Year do Date. 10. Dezember 2010.
  • Tiffany Siegert: „Mexiko im Drogenkrieg. Akteure und Strukturen“, AVM München, 2011, ISBN 978-3-86924-157-9.

Weblinks

Commons: Drogenkrieg in Mexiko – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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