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Vaterschaftsurlaub

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Ein Vaterschaftsurlaub ist eine Freistellung von der Arbeit aufgrund von Vaterschaft. Die Zeit wird auch als Vaterschaftsfreistellung bezeichnet. Ein Vaterschaftsurlaub ist üblicherweise eine bezahlte Freistellung, ähnlich wie der Mutterschaftsurlaub, der nur innerhalb vorgegebener Zeit nach der Geburt eines Kindes in Anspruch genommen werden kann, da der Anspruch andernfalls verfällt. In einzelnen Staaten ist vorgesehen, dass in Ausnahmefällen wie Tod, Krankenhausaufenthalt der Mutter, Verlassen des Kindes oder ausschließlicher Anvertrauung des Kindes an den Vater der Mutterschaftsurlaub in einen Vaterschaftsurlaub umgewandelt werden kann.

In Ergänzung des Vaterschaftsurlaubs ist in vielen Staaten eine Väterkarenz, als Freistellung auch des Vaters bei Krankheit eines Kindes (Pflegeurlaub), aber auch andere Formen zeitweiliger Erwerbsunterbrechung oder -reduzierung für die Familienpflege unabhängig vom Alter der Kinder vorgesehen.

Europäische Union

Regelungen in Europa

Datei:Vaderschapsverlof.jpg
Demonstration für Vaterschaftsurlaub im Europäischen Parlament
  • In Belgien besteht ein verpflichtender Vaterschaftsurlaub von drei Tagen mit 100 % durch den Arbeitgeber bezahltem Entgelt. Arbeitnehmer, die in den letzten 15 Monaten mindestens 12 Monate angestellt waren, haben Anspruch auf sieben weitere, durch die Krankenversicherung zu 82 % bezahlten Tagen Vaterschaftsurlaub innerhalb der ersten 30 Tage nach der Geburt. Stirbt die Mutter oder erkrankt sie schwer, kann der noch nicht genutzte Mutterschaftsurlaub vom Vater genommen werden und wird in Höhe von 60 % des Arbeitsentgelts bezahlt.<ref>Rebecca Ray: A Detailed Look at Parental Leave Policies in 21 OECD Countries. (PDF) Center for Economic and Policy Research, September 2008, abgerufen am 26. April 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Darüber hinaus gibt es für Väter ebenso wie für Mütter die Möglichkeit, den sogenannten „Elternurlaub“ zu nehmen. Dieser kann bis zu vier Monate Vollzeit umfassen – oder entsprechend mehr Monate in verschiedenen Teilzeitmodellen.<ref>https://beschaeftigung.belgien.be/de/themen/urlaub/der-elternurlaub</ref>
  • In Dänemark wird ein Vaterschaftsurlaub von zwei Wochen Vätern gewährt, die in den vorangehenden 13 Wochen mindestens 120 Stunden berufstätig waren oder selbständig, arbeitslos gemeldet oder in Berufsausbildung sind. Er muss während des 14-wöchigen Mutterschaftsurlaubs in Anspruch genommen werden. Zusätzlich besteht ein Anspruch auf Elternzeit, die zwischen den Eltern geteilt werden kann.<ref>Rebecca Ray: A Detailed Look at Parental Leave Policies in 21 OECD Countries. (PDF) Center for Economic and Policy Research, September 2008, S. 9, abgerufen am 26. April 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
  • In Deutschland besteht kein in seiner Dauer festgelegter gesetzlicher Anspruch auf Vaterschaftsurlaub. Laut Urteil vom 18. Januar 2001 des Bundesarbeitsgerichts haben verheiratete Väter allerdings aufgrund § 616 BGB einen Anspruch auf Sonderurlaub mit Lohnfortzahlung.<ref name="Krahl-Mens-Health">Marco Krahl: Warum Väter in Deutschland nach der Geburt kaum frei bekommen. In: Men's Health. 3. Mai 2022, abgerufen am 14. Juli 2022.</ref> Beamte haben in Deutschland gemäß § 21 der Sonderurlaubsverordnung bei Niederkunft der Ehefrau oder der Lebenspartnerin Anspruch auf einen Arbeitstag Sonderurlaub. Für Angestellte ist der konkrete Anspruch von meist einem Tag häufig im Arbeitsvertrag, im Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung geregelt. Seit 1. Januar 2001 können beide Elternteile ganz oder zeitweise zusammen in Elternzeit gehen, bis dahin war lediglich eine Abwechslung der Eltern möglich.<ref>Anneli Rüling, Karsten Kassner: Familienpolitik aus der Gleichstellungsperspektive. Ein europäischer Vergleich. Hrsg.: Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Politik und Gesellschaft. Berlin 22. Januar 2007, S. 130 (fes.de [PDF; 2,7 MB; abgerufen am 20. November 2021]).</ref><ref>Deutscher Bundestag (Hrsg.): Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Begriffs „Erziehungsurlaub“. 26. September 2000 (BT-Drs. 14/4133 [abgerufen am 26. April 2019]).</ref> Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ging davon aus, das Elterngeld würde Mütter und Väter damit bereits besser stellen, als es die EU-Richtlinie vorsieht.<ref name="Krahl-Mens-Health">Marco Krahl: Warum Väter in Deutschland nach der Geburt kaum frei bekommen. In: Men's Health. 3. Mai 2022, abgerufen am 14. Juli 2022.</ref> Im Koalitionsvertrag der 20. Wahlperiode (seit 2021) wurde vereinbart: „Wir werden eine zweiwöchige vergütete Freistellung für die Partnerin oder den Partner nach der Geburt eines Kindes einführen. Diese Möglichkeit soll es auch für Alleinerziehende geben.“<ref>MEHR FORTSCHRITT WAGEN BÜNDNIS FÜR FREIHEIT, GERECHTIGKEIT UND NACHHALTIGKEIT. (PDF) KOALITIONSVERTRAG 2021–2025 ZWISCHEN DER SOZIALDEMOKRATISCHEN PARTEI DEUTSCHLANDS (SPD), BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN UND DEN FREIEN DEMOKRATEN (FDP). S. 79, abgerufen am 14. Juli 2022.</ref> Selbständige Väter sollen von dieser Regelung ausgeschlossen werden.<ref>Sarah Frühauf: Gesetzesentwurf sieht Sonderurlaub nach der Geburt des Kindes vor. Abgerufen am 4. Mai 2023.</ref>
  • In Frankreich besteht seit dem 1. Juli 2021 ein Anspruch auf insgesamt 25 Kalendertage bezahlten Vaterschaftsurlaub (zuvor: 14 Tage); im Fall einer Mehrlingsgeburt erhöht er sich um 7 Kalendertage. Unmittelbar nach der Geburt gilt zunächst der im Arbeitsgesetzbuch vorgesehene Geburtsurlaub. Vier Kalendertage des Vaterschaftsurlaubs sind unmittelbar nach dem Geburtsurlaub zu nehmen, alle weiteren können innerhalb der 6 Monate nach der Geburt des Kindes verteilt werden, wobei der Arbeitgeber spätestens einen Monat im Voraus informiert werden muss.<ref>Olivier Geslin: Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaub in Frankreich: Gesetzliche Regelungen. In: connexion-emploi.com. Abgerufen am 17. August 2025.</ref><ref>Congé de paternité : comment ça fonctionne ? In: economie.gouv.fr. 16. September 2024, abgerufen am 17. August 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
  • In Großbritannien besteht ein Anspruch auf zwei Wochen Vaterschaftsurlaub, für alle Väter in gleicher Höhe bezahlt (Stand 2007: 154 Euro). Zusätzlich besteht ein individueller Anspruch auf 13 Wochen unbezahlte Elternzeit für jeden Elternteil.<ref>Anneli Rüling, Karsten Kassner: Familienpolitik aus der Gleichstellungsperspektive. Ein europäischer Vergleich. Hrsg.: Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Politik und Gesellschaft. Berlin 22. Januar 2007, S. 130 (fes.de [PDF; 2,7 MB; abgerufen am 26. April 2019]).</ref>
  • Italien – In Südtirol, im deutschsprachigen Teil Italiens, spricht man im Fall der Umwandlung von Mutter- in Vaterschaftsurlaub von einer „Freistellung wegen Vaterschaft“.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorlage:Webarchiv/Wartung/TodayDer Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. sgb-cisl.it</ref>
  • In Österreich wird der gesetzliche Anspruch auf Vaterschaftsurlaub (Väterkarenz) über das Väter-Karenzgesetz<ref>Väter-Karenzgesetz – VKG. Rechtsinformationssystem der Republik Österreich, abgerufen am 6. Juni 2021 (Aktuelle Fassung).</ref> geregelt. Das Bundesgesetz gilt (Stand 2021) für Arbeitsverhältnisse und Dienstverhältnisse, die auf einem privatrechtlichen Vertrag beruhen, für öffentlich-rechtliche Dienstverhältnisse zum Bund sowie gewisse Dienstverhältnisse, die gesetzlich vom Bund zu regeln sind, und für Beschäftigungsverhältnisse, auf die das Heimarbeitsgesetz 1960 anzuwenden ist. Die Elternkarenzzeit können sich Väter und Mütter teilen. Seit 1. September 2019 gibt es einen gesetzlich verankerten Vaterschutzmonat („Papa-Monat“) als Frühkarenz mit entsprechender Änderung des Väter-Karenzgesetzes.<ref>Papamonat – Freistellung für Väter aus Anlass der Geburt des Kindes. In: oesterreich.gv.at. Abgerufen am 20. November 2021</ref><ref>Antrag 575/A (XXII. GP): Vaterschutzmonat (Änderung des Väter-Karenzgesetzes und des Kinderbetreuungsgeldgesetzes). In: parlament.gv.at. Abgerufen am 20. November 2021</ref> Für den Bundesdienst und die Stadt Wien gibt es den „Papa-Monat“ bereits seit 2011.<ref>Halbe-Halbe ist angesagt In: Der Standard vom 28. Juni 2011. Abgerufen am 20. November 2021</ref>
  • In Schweden besteht zusätzlich zum Anspruch auf Elternzeit ein Recht auf 10 Tage Freistellung für Väter innerhalb der ersten 3 Monate nach der Geburt, bei Lohnersatz in Höhe von 80 %.<ref>Anneli Rüling, Karsten Kassner: Familienpolitik aus der Gleichstellungsperspektive. Ein europäischer Vergleich. Hrsg.: Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Politik und Gesellschaft. Berlin 22. Januar 2007, S. 130 (fes.de [PDF; 2,7 MB; abgerufen am 20. November 2021]).</ref>
  • Die Schweiz kannte bis 2020 keinen gesetzlichen Anspruch auf Freistellung für Väter. Einzelne Arbeitgeber und die öffentliche Verwaltung einzelner Kantone sahen aber bereits vorher einen Vaterschaftsurlaub vor.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vaterschaftsurlaub von 0 Tagen bis 4 Wochen (Memento vom 25. Dezember 2007 im Internet Archive) In: blick.ch vom 19. Januar 2007. Abgerufen am 26. April 2019</ref><ref>Rita Torcasso: Papi ist längst ferienreif. In: beobachter.ch vom 15. Juni 2007. Abgerufen am 26. April 2019.</ref> In der Schweiz sind Vaterschaftsurlaube in verschiedenen Beamtenordnungen und Gesamtarbeitsverträgen vorgesehen,<ref>Motion Jutzet Vaterschaftsurlaub. parlament.ch, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 19. August 2014; abgerufen am 10. Mai 2010. In: parlament.ch, amtliches Bulletin – Die Wortprotokolle von Nationalrat und Ständerat, Nationalrat – Frühjahrssession 1999 – Vierte Sitzung – 3. März 1999, 15h00, 98.3043. Abgerufen am 26. April 2019.</ref> beispielsweise in den Kantonen Zürich und Bern. Die Bundesangestellten haben Anspruch auf 10 Ferientage für Kinder, die seit dem 1. Januar 2014 geboren sind. Eine am 2. August 2017 zustande gekommene Volksinitiative (Eidgenössische Volksinitiative ‘Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie‘) wollte den Stimmberechtigten den Vorschlag vorlegen, auf Bundesebene einen gesetzlichen Anspruch auf Vaterschaftsurlaub von mindestens vier Wochen einzuführen.<ref>Eidgenössische Volksinitiative ‘Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie‘. In: bk.admin.ch, Schweizerische Bundeskanzlei. Abgerufen am 26. April 2019.</ref> Nachdem sich das Parlament für einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub ausgesprochen hatte, wurde die Initiative zurückgezogen.<ref>Initiative für vier Wochen Vaterschaftsurlaub wird zurückgezogen. In: nzz.ch. 2. Oktober 2019, abgerufen am 2. Oktober 2019.</ref> Am 27. September 2020 befürwortete das Schweizer Stimmvolk die Einführung eines gesetzlichen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaubs. Die Umsetzung erfolgt auf den 1. Januar 2021 und wird über die Erwerbsersatzordnung finanziert.<ref>Bundesamt für Sozialversicherungen: Der Vaterschaftsurlaub tritt am 1. Januar 2021 in Kraft. In: admin.ch vom 21. Oktober 2020. Abgerufen am 21. Oktober 2020</ref>
  • In Spanien besteht ein Anspruch auf einen Vaterschaftsurlaub von 13 Tagen, ab dem zweiten Kind 15 Tagen. Der Vaterschaftsurlaub kann auch halbtägig beansprucht werden und besteht dann für die doppelte Zeitdauer. Ab dem dritten Kind oder bei behindertem Kind haben Väter seit dem 1. Januar 2009 Anspruch auf eine 20-tägige Freistellung. Der Vaterschaftsurlaub wurde im März 2007 von der sozialistischen Regierung im Rahmen des sogenannten Gleichheitsgesetzes eingeführt. Am 9. Dezember 2008 verabschiedete der Abgeordnetenkongress einstimmig eine Vereinbarung, die eine Erweiterung des gesetzlichen Anspruchs auf vier Wochen vorbereiten soll.<ref>Vaterschaftsurlaub soll auf vier Wochen erweitert werden. In: wochenblatt.es vom 20. Dezember 2008, abgerufen am 26. April 2019.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kanarische Väter nehmen Vaterschaftsurlaub in Anspruch. (Memento vom 14. Oktober 2008 im Internet Archive) In: kanarenexpress.com vom 13. Oktober 2008. (pdf; 1,4 MB)</ref>
  • In Tschechien können Männer, die als Väter des geborenen Kindes gelten oder dieses in Pflege nehmen, einen Vaterschaftsurlaub beantragen. Der Antrag kann von Männern gestellt werden, die zuvor mindestens 3 Monate als selbständig Berufstätige oder Angestellte Krankenkassenbeiträge geleistet haben. Die Freistellung kann sich ab dem 1. Januar 2022 bis auf 14 Tage belaufen und muss innerhalb der ersten 6 Wochen nach der Geburt des Neugeborenen oder der Inpflegenahme eines Kindes unter sieben Jahren in Anspruch genommen werden.<ref>Väter in der Tschechischen Republik dürfen sich auf doppelt so langen Vaterschaftsurlaub freuen. In: bnt.eu vom 27. Oktober 2021. Abgerufen am 23. Juni 2022.</ref>

Regelungen weltweit

  • Die Vereinigten Staaten von Amerika sind (Stand: 2019) das einzige westliche Industrieland, in dem es gesetzlich verankert weder Vaterschafts- noch Mutterschaftsurlaub gibt. So kehrt jede vierte Mutter innerhalb von zehn Tagen nach der Geburt an den Arbeitsplatz zurück; im Jahr 2016 gewährten die meisten Firmen lediglich zwei Wochen Mutterschaftsurlaub.<ref name="forbes-2019-05-07">Carrie Kerpen: Paid Family Leave Isn't A Women's Issue; It's A Workplace Issue. In: www.forbes.com. 7. Mai 2019, abgerufen am 30. Mai 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Nur große Unternehmen sind aufgrund des Family and Medical Leave Act (FMLA) verpflichtet, Müttern und Vätern eine Auszeit für die Kinderbetreuung zu gewähren. Gestattet ein Arbeitgeber allerdings Müttern Auszeiten, muss er sie Vätern genauso gewähren.<ref>Yuki Noguchi: A Dad Wins Fight To Increase Parental Leave For Men At JPMorgan Chase. In: NPR. 30. Mai 2019, abgerufen am 30. Mai 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

<references />