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Ottmar Edenhofer

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Ottmar Edenhofer (2015)

Ottmar Georg Edenhofer (* 8. Juli 1961 in Gangkofen, Niederbayern) ist ein deutscher Ökonom.

Edenhofer ist Professor an der Technischen Universität Berlin und Direktor (zusammen mit Johan Rockström) sowie Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Er gilt als Experte auf dem Gebiet der CO2-Bepreisung.<ref>„Eine CO2-Bepreisung stärkt den Bewusstseinswandel“. Deutschlandfunk, 7. Juni 2020, abgerufen am 18. Juli 2021.</ref>

2012 wurde er zum Direktor des gemeinsam von der Stiftung Mercator und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung im gleichen Jahr in Berlin gegründeten „Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change“ (MCC) ernannt. Das MCC ist seit Anfang 2025 als fünfte Forschungsabteilung „Klimaökonomie und Politik“ Teil des PIK.<ref>Es ist soweit: Das MCC wird Anfang 2025 Teil des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Abgerufen am 24. April 2025.</ref> Von 2008 bis 2015 war Edenhofer einer der Ko-Vorsitzenden<ref>Ottmar Edenhofer übernimmt Chefposten. 4. September 2008, abgerufen am 5. Juli 2021.</ref> der Arbeitsgruppe III des „Weltklimarates“ IPCC, dem 2007 der Friedensnobelpreis verliehen worden war. Er ist seit Mai 2022 Vorsitzender („Chair“) des European Scientific Advisory Board on Climate Change (ESABCC)<ref>EU Climate Advisory Board chair elected. 18. Mai 2022, abgerufen am 24. April 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>. Dieses 2021 durch das Europäische Klimagesetz einberufene Gremium berät die Europäische Union unabhängig und auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnis<ref>European Climate Law - European Commission. Abgerufen am 24. April 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>. Die Arbeit des ESABCC trug zur Empfehlung des Klimaziels für 2040 durch die Europäische Kommission bei (Senkung der Netto-Treibhausgasemissionen um 90 %)<ref>Fragen und Antworten – Mitteilung zu Europas Klimaziel für 2040 und dem Weg zur Klimaneutralität bis 2050. Abgerufen am 24. April 2025.</ref>. Edenhofer ist weiterhin Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, der Akademie der Wissenschaften in Hamburg, der Green Growth Knowledge Platform (Gemeinschaftsprojekt des Global Green Growth Institute, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der Weltbank) und Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften acatech und Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Er wurde mehrfach von Clarivate Analytics zu den meistzitierten Forschern der Welt gezählt.<ref>Clarivate Names World’s Influential Researchers with Highly Cited Researchers 2022 List | Clarivate. Abgerufen am 24. April 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Zehn PIK-Forscher unter den einflussreichsten Wissenschaftlern weltweit. Pressemitteilung des PIK. Abgerufen am 11. Dezember 2018.</ref><ref>Highly Cited Researchers 2018. Clarivate Analytics. Abgerufen am 11. Dezember 2018.</ref>

Kindheit und Ausbildung

Ottmar Edenhofer wurde 1961 in Gangkofen, Niederbayern geboren.

Er studierte Volkswirtschaftslehre in München und erwarb an der Ludwig-Maximilians-Universität 1987 sein Diplom mit Auszeichnung. Von 1987 bis 1994<ref name=CV>pik-potsdam.de</ref> war er Mitglied des Jesuitenordens<ref name="faz-1882769">Alexander Armbruster: Ein ehemaliger Jesuit rettet jetzt die Welt. In: FAZ.net. 18. November 2009, abgerufen am 13. Oktober 2018.</ref>, als welches er nach dem Noviziat einen Bakkalaureus Artium der Hochschule für Philosophie München erlangte. Während seiner Studienzeit gründete er ein Unternehmen im öffentlichen Gesundheitswesen und leitete von 1991 bis 1993 eine humanitäre Hilfsorganisation in Kroatien und Bosnien.

Karriere

Von 1994 bis 2000 arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent an der Technischen Universität Darmstadt und schrieb dort im Jahr 1999 seine Doktorarbeit im Bereich Wirtschaftswissenschaften summa cum laude.<ref>Ottmar Edenhofer: Social conflict and technological change: evolutionary models of energy use. In: TU Darmstadt (Hrsg.): Dissertation. (dnb.de [abgerufen am 3. Oktober 2023]).</ref>

Seit August 2008 ist Ottmar Edenhofer Lehrstuhlinhaber für die Ökonomie des Klimawandels an der Technischen Universität Berlin. Er ist Direktor des „Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change“ (MCC) mit Sitz auf dem EUREF-Campus in Berlin und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates des ifo-Institutes für Wirtschaftsforschung in München, Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina Halle (Saale)<ref name=":0">Mitglieder. Abgerufen am 5. Juli 2021.</ref> und Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech)<ref name=":1">Ottmar Edenhofer Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung e. V. (PIK). In: acatech. Abgerufen am 5. Juli 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>.

Edenhofer war stellvertretender Direktor und Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und leitete den Forschungsbereich III („Nachhaltige Lösungsstrategien“). Zusammen mit den Mitarbeitern des Forschungsbereichs formulierte er den „Global Deal“ für den Klimaschutz und entwickelte das Konzept für den transatlantischen Kohlenstoffmarkt.

Seit 2019 ist er gemeinsam mit Johan Rockström Direktor des PIK,<ref>Neue Direktoren für Klima-Institut. Abgerufen am 5. Juli 2021.</ref> wo er Promovierende und Studierende betreut und mehrere durch Drittmittel finanzierte Forschungsprojekte koordiniert.

Privatleben

Edenhofer ist römisch-katholisch, verheiratet und hat zwei Kinder. Er lebt in Potsdam.

Edenhofer ist im Januar 2021 von Papst Franziskus zum Berater am Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen berufen worden.<ref>Papst Franziskus beruft Edenhofer in Berater-Runde zu „ganzheitlicher Entwicklung des Menschen“. 12. Januar 2021, abgerufen am 12. Januar 2021.</ref>

Wirken in der öffentlichen Klimaschutzdebatte

Edenhofer ist an der öffentlichen und politischen Klimaschutz-Debatte in Deutschland und der EU beteiligt.

Im Jahr 2010 trat er als Co-Chair der Arbeitsgruppe öffentlich dafür ein, dass das Management und die Prozeduren des IPCC reformiert werden. In einem Aufsatz in der FAZ forderte er, dass ein unabhängiges Expertengremium den IPCC begutachten sollte.<ref>Aufsatz in der FAZ</ref> Diese Forderung fand eine breite Unterstützung auch innerhalb des IPCC, was dazu führte, dass der Vorsitzende des IPCC Rajendra Pachauri und der UNO-Generalsekretär gemeinsam den InterAcademy Council (IAC) beauftragten, den IPCC zu begutachten. Dieses Gutachten leitete den Reformprozess für den IPCC, der im Jahr 2012 erfolgreich abgeschlossen wurde.<ref>de-ipcc.de</ref>

In diesem Zusammenhang äußerte er sich 2010 und 2011 ebenfalls zum Verhältnis von Politik und Wissenschaft, in der er ein pragmatisches Modell wissenschaftlicher Politikberatung forderte. Seine Vorschläge sind bei IPCC-Autoren auf Zustimmung gestoßen.<ref>Vorschläge für ein pragmatisches Modell wissenschaftlicher Politikberatung</ref>

Auch in der deutschen Energiewende bezog er zugunsten des Ausstiegs aus der Kernenergie Stellung. Bereits vor Fukushima forderte er eine Energiewende; die Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke würden den Betreibern der Kraftwerke zusätzliche Gewinne bringen, aber die entscheidenden Fragen der Energiewende blieben ungelöst.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Energieversorgung der Zukunft: Vergesst den Atomkompromiss! (Memento vom 10. September 2010 im Internet Archive)</ref>

Mit den Mitarbeitern des PIK hat er in der 2010 Publikation „Global, aber gerecht“ realistische Lösungswege charakterisiert, die sowohl die Vermeidung gravierender Klimawandelfolgen umfassen als auch die Anpassung an den unvermeidbaren Klimawandel. In diesem Buch wurden das Klimaproblem auch umfassend als ein Problem internationaler Gerechtigkeit diskutiert. Darauf aufbauend wurde ein „Global Deal“ für die Klima- und Entwicklungspolitik entwickelt.<ref>O. Edenhofer, H. Lotze-Campen, J. Wallacher, M. Reder (Hrsg.): Global, aber gerecht: Klimawandel bekämpfen, Entwicklung ermöglichen. Beck Verlag, 2010.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Klimawandel & Gerechtigkeit (Memento vom 16. Dezember 2010 im Internet Archive)</ref>

Er hat 2010–2014 mehrere internationale Modellvergleichsstudien geleitet, in denen die Kosten und Strategien der Emissionsvermeidung ausführlich diskutiert wurden. Diese Ansätze haben ebenso Eingang in den IPCC Sonderbericht zu Erneuerbaren Energie und der Vermeidung des Klimawandels gefunden wie in der internationalen wissenschaftliche Debatte.<ref>O. Edenhofer, B. Knopf, T. Barker, L. Baumstark, E. Bellevrat, B. Chateau, P. Criqui, M. Isaac, A. Kitous, S. Kypreos, M. Leimbach, K. Lessmann, B. Magné, S. Scrieciu, H. Turton, D. P. van Vuuren: The Economics of Low Stabilisation: Model Comparison of Mitigation Strategies and Costs. In: The Energy Journal. Volume 31 (Special Issue 1). The Economics of Low Stabilization 2010, S. 11–48, IAEE.</ref><ref>IPCC [O. Edenhofer, R. Pichs-Madruga, Y. Sokona, K. Seyboth, P. Matschoss, S. Kadner, T. Zwickel, P. Eickemeier, G. Hansen, S. Schlömer, C. von Stechow (Hrsg.)]: IPCC Special Report on Renewable Energy Sources and Climate Change Mitigation. Prepared by Working Group III of the Intergovernmental Panel on Climate Change. Cambridge University Press, Cambridge, United Kingdom and New York, NY, USA 2011.</ref><ref>IPCC,: Climate Change 2014: Mitigation of Climate Change. Contribution of Working Group III to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change [O. Edenhofer, R. Pichs-Madruga, Y. Sokona, E. Farahani, S. Kadner, K. Seyboth, A. Adler, I. Baum, S. Brunner, P. Eickemeier, B. Kriemann, J. Savolainen, S. Schlömer, C. von Stechow, T. Zwickel, J. C. Minx (Hrsg.)]. Cambridge University Press, Cambridge, United Kingdom and New York, NY, USA 2014.</ref>

Im Juni 2019 besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, um sich von Edenhofer zu Optionen der CO2-Bepreisung beraten zu lassen<ref>CO2-pricing: German chancellor Angela Merkel visited PIK for a scientific briefing — Potsdam Institute for Climate Impact Research. Abgerufen am 5. Juli 2021.</ref>. Bis September 2009 beriet er den damaligen Bundesaußenminister und Vize-Kanzler Frank-Walter Steinmeier in Fragen der globalen Klimapolitik. Im Juni 2021 waren die deutschsprachigen Staatsoberhäupter von Belgien, Liechtenstein, Luxemburg, Österreich und der Schweiz auf Einladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Gast im Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, um mit Ottmar Edenhofer über den derzeitigen Wissenschaftsstand der Klimaforschung sowie notwendige europäische klimapolitische Schritte zu sprechen<ref>Süddeutsche Zeitung: Klimaschutz: Steinmeier hält „gewaltige Schritte“ für nötig. Abgerufen am 5. Juli 2021.</ref>.

Forschungsschwerpunkte

Ottmar Edenhofer beschäftigt sich mit dem Einfluss von technischem Wandel auf die Kosten und Strategien des Klimaschutzes sowie dem Design von Politikinstrumenten im Kontext von Klima- und Energiepolitik. Weitere Forschungsschwerpunkte sind die Ökonomie der Klimastabilisierung, soziale Kosten-Nutzen-Analysen, Nachhaltigkeitstheorie, die Theorie des Wirtschaftswachstums, Umweltökonomik, Wohlfahrtstheorie und Intertemporale Gleichgewichtstheorie. Edenhofer betreute mehr als 40 Dissertationen, darunter die von Christian Flachsland, Ulrike Kornek und Lion Hirth.

Mitgliedschaften

Veröffentlichungen

Neben Beiträgen in Wissenschaftsmagazinen wie Science, Nature Climate Change, Climatic Change, The Energy Journal, Energy Economics und Energy Policy war Ottmar Edenhofer an einer Reihe von weiteren Publikationen beteiligt, z. B. zusammen mit Nick Stern, „The Economics of Climate Change in China: Towards a Low Carbon Economy“ oder am Bericht „Global, aber Gerecht. Klimawandel bekämpfen, Entwicklung ermöglichen“. Unter seiner Leitung entstand der IPCC Sonderbericht zu Erneuerbaren Energien und der Vermeidung des Klimawandels (Special Report on Renewable Energy Sources and Climate Change Mitigation, SRREN<ref>IPCC – SRREN. Abgerufen am 5. Juli 2021.</ref>) und der Beitrag der Arbeitsgruppe III zum Fünften Sachstandsbericht des IPCC.<ref>Intergovernmental Panel on Climate Change: IPCC launches full report on mitigation of climate change. (PDF) 28. November 2014, abgerufen am 5. Juli 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Auszeichnungen

Literatur

  • Quirin Schiermeier: The Climate Chairman. In: Nature. Vol. 501, 19. September 2013, S. 303–305. (Porträt über Edenhofer als Chairman einer IPCC-Working Group)

Weblinks

Einzelnachweise

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