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Hepatitis E

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Klassifikation nach ICD-10
B17.2 Akute Virushepatitis E
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Vorlage:Infobox International Classification of Diseases 11 Die Hepatitis E ist eine virale, infektiöse Hepatitis beim Menschen, die durch humanpathogene Varianten des Hepatitis-E-Virus (HEV) verursacht wird (Spezies Paslahepevirus balayani). Besonders bei Überschwemmungen in Südostasien während der Monsunzeit kann sich Hepatitis E zu einer Epidemie entwickeln, da sie durch Wasser übertragen wird und auch im Zusammenhang mit Tieren als Reservoir des Erregers steht. In Europa ist unzureichend gegartes Schweinefleisch der hauptsächliche Infektionsweg für den Menschen.<ref>RKI – RKI-Ratgeber – Hepatitis E. In: rki.de. Abgerufen am 29. Juli 2018.</ref><ref name="efsa">Hepatitis E: rohes Schweinefleisch ist Hauptursache für Infektionen in der EU. In: efsa.europa.eu, Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, 11. Juli 2017, abgerufen am 29. Juli 2017.</ref> Ein Impfstoff ist in der Volksrepublik China seit April 2012 zugelassen.

Erreger und Epidemiologie

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Hepatitis-E-Virus
Datei:Hepatitis E virus.jpg

Virionen des Hepatitis-E-Virus im TEM

Systematik
Klassifikation: Viren
Realm: Riboviria<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />ICTV Master Species List 2018b v1. (Memento des Vorlage:IconExternal vom 30. März 2019 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/talk.ictvonline.org MSL #34, Feb. 2019.</ref>
Reich: Orthornavirae<ref name="ICTV_MSL#35">ICTV: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />ICTV Master Species List 2019.v1. (Memento des Vorlage:IconExternal vom 2. August 2022 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/talk.ictvonline.org New MSL including all taxa updates since the 2018b release. MSL #35. März 2020.</ref>
Phylum: Kitrinoviricota<ref name="ICTV_MSL#35" />
Klasse: Alsuviricetes<ref name="ICTV_MSL#35" />
Ordnung: Hepelivirales<ref name="ICTV_MSL#35" />
Familie: Hepeviridae
Unterfamilie: Orthohepevirinae
Gattung: Paslahepevirus
Art: Paslahepevirus balayani
Taxonomische Merkmale
Genom: (+)ssRNA linear
Baltimore: Gruppe 4
Symmetrie: ikosaedrisch
Hülle: keine
Wissenschaftlicher Name
{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)
Kurzbezeichnung
HEV
Links
Datei:Hepevirus virion image.svg
Schemazeichnungen: Virion der Unterfamilie Orthohepevirinae in verschiedenen Ansichten
Datei:Hepevirus genome image.svg
Genomkarte der Unterfamilie Orthohepevirinae
Datei:Hepatitis E-Virus-Genotypen weltweit.svg
Weltweite Verbreitung der Hepatitis E-Virus-Genotypen (2014).<ref name="Ärzteblatt_2014" /> Bei den Genotypen 1 und 2 erfolgt die fäkal-orale Übertragung von Mensch zu Mensch, bei den Genotypen 3 und 4 bilden vermutlich Schweine bzw. Schweinefleisch das Hauptübertragungsreservoir.
Genotyp 1
Genotyp 2
Genotyp 3
Genotyp 4
Genotypen 1 und 2
Genotypen 1 und 3
Genotypen 2 und 3
Genotypen 1 und 4
Genotypen 3 und 4
keine Daten

Der Erreger ist das Orthohepevirus A alias Hepatitis-E-Virus (HEV). Es handelt sich um ein unbehülltes Einzel(+)-Strang-RNA-Virus von 32–34 nm Größe. Früher der Familie Caliciviridae zugeordnet, wird es inzwischen in die Familie der Hepeviridae eingeteilt.<ref>Arbeitskreis Blut, Untergruppe «Bewertung Blutassoziierter Krankheitserreger»: Hepatitis E Virus. In: Transfus Med Hemother. Band 36, Nr. 1, Februar 2009, S. 40–47, doi:10.1159/000197321, PMID 21048820.</ref> Mehrere humanpathogene Subtypen des HEV sind beschrieben worden. Die Erkrankung tritt meist in anikterischer Form auf und wurde erstmals 1980 in Indien entdeckt.

Die frühere Gattung Hepevirus wurde vom International Committee on Taxonomy of Viruses (ICTV) zunächst in die Gattung Orthohepevirus, dann in die Unterfamilie Orthohepevirinae umbenannt und neu aufgeteilt. In der neuen Unterfamilie sind neben der Spezies Paslahepevirus balayani (früher Orthohepevirus A) mit 8 Genotypen (1a bis 8a) noch weitere Gattungen und Spezies, nämlich P. alci, Avihepevirus magniiecur und A. egretti (früher Orthohepevirus B, Aviäre Hepatitis-E-Viren, AHEV, befallen Hühner bzw. Seidenreiher), Rocahepevirus ratti (früher Orthohepevirus C, befällt Ratten, Waldmäuse, Iltisse und die Moschusspitzmaus), R. eothenomi (befällt Wühlmäuse der Tribus Arvicolini), und Chirohepevirus (früher Orthohepevirus D, mit Ch. eptesici, Ch. rhinolophi, Ch. desmodi, befallen Fledermäuse) zu finden. Nicht-Landwirbeltiere (bisher nur Fische) sind dagegen Wirte von mindestens einer weiteren Gattung aus der Familie Hepeviridae (Spezies Piscihepevirus heenan aus der Schwester-Unterfamilie Parahepevirinae, Wirt: Cutthroat-Forelle).<ref name="2021.001S"/><ref name="ICTV_Tax"/>

Bereits nach der Einrichtung der Orthohepevirus-Spezies A bis D wurden auch die Genotypen neu benannt, die neuen Typen 1a bis 8a gehören zur Spezies Paslahepevirus balayani (früher Orthohepevirus A). Zuvor waren 5 Genotypen bekannt, verstreut über die Spezies, mit den humanpathogen Typen 1 bis 4 (zu Orthohepevirus A) und dem aviären (nur bei Vögeln vorkommenden) Typ 5 (zu Orthohepevirus B). Die weltweite Verteilung der Genotypen ist unterschiedlich. In Europa wird überwiegend der Genotyp 3 gefunden. Für die verschiedenen HEV-Genotypen bestehen unterschiedliche Erregerreservoire. Die Genotypen 1 und 2 werden ganz überwiegend nur von Mensch zu Mensch übertragen. Typischerweise finden sich daher Infektionen mit diesen Genotypen in Ländern mit schlechter Trinkwasserhygiene. In Mitteleuropa diagnostizierte HEV-Genotyp 1/2-Fälle sind überwiegend aus südlichen Ländern importierte Infektionen.

Die HEV-Genotypen 3 und 4 konnten wiederholt bei Tieren nachgewiesen werden, insbesondere bei Hausschweinen und Wildschweinen sowie in Schweinefleisch.<ref name="Ärzteblatt_2014" /><ref>O. Wichmann, S. Schimanski, J. Koch, M. Kohler, C. Rothe, A. Plentz, W. Jilg, K. Stark: Phylogenetic and case-control study on hepatitis E virus infection in Germany. In: The Journal of Infectious Diseases. Band 198, Nummer 12, Dezember 2008, S. 1732–1741, doi:10.1086/593211, PMID 18983248.</ref><ref>A. Schielke, K. Sachs, M. Lierz, B. Appel, A. Jansen, R. Johne: Detection of hepatitis E virus in wild boars of rural and urban regions in Germany and whole genome characterization of an endemic strain. In: Virology journal. Band 6, 2009, S. 58, doi:10.1186/1743-422X-6-58, PMID 19442307, PMC 2689194 (freier Volltext).</ref> Die Übertragung auf den Menschen auf diesem Weg ist die vermutete Hauptinfektionsquelle in den Industrienationen. Damit kann die HEV Genotyp 3/4-Infektion als Zoonose bezeichnet werden.

Das Robert Koch-Institut ermittelte für Deutschland eine HEV-Antikörper-Prävalenz von 16,8 %, d. h. 16,8 % der Untersuchten hatten Antikörper gegen das Virus, was auf einen früheren Kontakt hindeutet. Da die meisten HEV-Infektionen ohne wesentliche Symptome, d. h. klinisch inapparent, verlaufen, kann man aus diesen Zahlen auf etwa 320.000 HEV-Infektionen jährlich in Deutschland schließen.<ref>Mirko S. Faber, Jürgen J. Wenzel, Wolfgang Jilg, Michael Thamm, Michael Höhle: Hepatitis E Virus Seroprevalence among Adults, Germany. In: Emerging Infectious Diseases. Band 18, Nr. 10, Oktober 2012, S. 1654–1657, doi:10.3201/eid1810.111756, PMID 23018055, PMC 3471611 (freier Volltext) – (cdc.gov [abgerufen am 16. Juni 2016]).</ref> Die in Frankreich, Deutschland und UK gemeldeten Fallzahlen haben sich in den letzten zehn Jahren verzehnfacht, mit insgesamt 21.000 Fällen in diesem Zeitraum.<ref name="efsa" /> Nach Infektion bleiben die Antikörper jahrelang nachweisbar. Ob eine lebenslange Immunität besteht, ist unklar.<ref name="RKIRatgeberHEV20231208">RKI-Ratgeber:Hepatitis E, Stand 8. Dezember 2023; zuletzt abgerufen am 20. März 2024</ref>

Zu den Risikogruppen, bei denen ein Hepatitis-E-Virus mit erhöhter Wahrscheinlichkeit eine Hepatitis-E-Erkrankung auslöst, zählen Menschen mit einer akuten oder chronischen Immunschwäche sowie durch mehrere Vorerkrankungen immungeschwächte Menschen. Menschen, die zu diesen Risikogruppen gehören, rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) von dem Konsum roher, kurzgereifter und luftgetrockneter Haus- und Wildschweinerzeugnisse wie Mett, frischer Mettwurst sowie nicht mindestens auf 70 °C erhitzten Haus- und Wildschweinfleisches ab. Bei Temperaturen über 70 °C werden die Viren in aller Regel inaktiviert bzw. zerstört.<ref>Fragen und Antworten zur Übertragung des Hepatitis E-Virus durch Wild- und Hausschweine und daraus gewonnene Lebensmittel. In: FAQ des BfI. Bundesinstitut für Risikobewertung, 9. Februar 2016, abgerufen am 31. August 2016.</ref>

In Schweinelebern und insbesondere Schweinefleischerzeugnissen wie Leberwurst wurden 2019/2020 in signifikant vielen Stichproben aus Süd- und Westdeutschland, Belgien, den Niederlanden und Österreich relevante Mengen von Hepatitis-E-Virus-RNA nachgewiesen. Die Originalautoren der entsprechenden Studie der Universität Tübingen gehen davon aus, dass seit ca. 2009 die Hepatitis-E-Prävalenz „relativ unverändert und sehr hoch ist“.<ref>Hepatitis-E-Viren in Schweinefleisch nachgewiesen Neue Studie zeigt Häufigkeit von Verunreinigungen in kommerziellem Schweinefleisch. In: uni-tuebingen.de. Universitätsklinikum Tübingen. Medizinische Klinik. Institut für Tropenmedizin, Reisemedizin, Humanparasitologie, 8. September 2020, abgerufen am 9. September 2020.</ref>

Bisher konnte in dem in Deutschland vertriebenen Rindfleisch keine verbreitete Belastung mit Hepatitis-E-Viren festgestellt werden.

Eine HEV-Übertragung ist auch durch Transfusionen oder Transplantationen möglich, wenn beim Spender zum Zeitpunkt der Entnahme eine Virämie bestand. Zur Vermeidung einer HEV-Übertragung werden daher seit 2021 in Deutschland auf Anordnung des Paul-Ehrlich-Instituts alle Blutspenden mittels NAT auf das Vorliegen von HEV-Genom untersucht.<ref>Pressemitteilungen - Sicherheit der Blutspenden weiter erhöht – PEI ordnet Hepatitis-E-Testung bei Blutspenderinnen und Blutspendern an - Paul-Ehrlich-Institut. Abgerufen am 27. Juni 2022.</ref>

Eine großangelegte, auf China beschränkte Studie wies zudem die Belastung des Trinkwassers mit Hepatitis E nach. In Deutschland werden regelmäßig Proben aus Trinkwasserreservoirs auf Hepatitis-E-Viren untersucht, um einer Ausbreitung über das Trinkwasser vorzubeugen.<ref>Hepatitis E durch rohes Schweinefleisch. In: Visite. NDR, 30. August 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 2. September 2016; abgerufen am 31. August 2016.</ref><ref>Hepatitis E – Experteninterview. In: Visite. NDR, 30. August 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 2. September 2016; abgerufen am 31. August 2016.</ref> In Europa stellt das Trinkwasser keinen Übertragungsweg dar.<ref name="efsa" />

Vorkommen

Die Hepatitis E ist die zweithäufigste Hepatitis in Nordafrika und Vorderasien, speziell im Sudan und Irak. Die Zahl der Hepatitis-E-Fälle stieg in den letzten Jahren an. 2007 und 2008 waren die Mehrzahl der Neuerkrankungen in Deutschland durch in Deutschland heimische Virusstämme verursacht.<ref name="ed49/2008">Hepatitis E – Epidemiologie und Risikofaktoren in Deutschland. In: Epidemiologisches Bulletin des RKI. Nr. 49/2008, 5. Dezember 2008.</ref> In den Industrieländern stellen Schweine- und Wildpopulationen das Hauptreservoir dar. Auch Muscheln können das Virus enthalten.<ref name="RKIRatgeberHEV20231208" />

Die beim RKI für Deutschland gemeldeten Fallzahlen haben sich seit dem Jahr 2005 folgendermaßen entwickelt:

Vorlage:ChartDirekt

Jahr gemeldete Fallzahlen
2005 54<ref>Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI. (PDF; 111 kB) 19. Januar 2007.</ref>
2006 51<ref>Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI. (PDF; 107 kB) 18. Januar 2008.</ref>
2007 73<ref>Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI. (PDF; 124 kB) 19. Januar 2009.</ref>
2008 104<ref>Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI. (PDF; 116 kB) 25. Januar 2010.</ref>
2009 108<ref>Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI. (PDF; 121 kB) 24. Januar 2011.</ref>
2010 221<ref>Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI. (PDF; 121 kB) 23. Januar 2012.</ref>
2011 238<ref>Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI. (PDF; 117 kB) 21. Januar 2013.</ref>
2012 338<ref name="rki.de">Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI. (PDF; 116 kB) 20. Januar 2014.</ref>
2013 442<ref name="rki.de" />
2014 661<ref>Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI. (PDF; 307 kB) 19. Januar 2015.</ref>
2015 1264<ref>Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI. (PDF; 195 kB) 25. Januar 2016.</ref>
2016 1983<ref>Epidemiologisches Bulletin Nr. 7 des RKI. (PDF; 273 kB) 16. Februar 2017.</ref>
2017 2951<ref>Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI. (PDF; 238 kB) 18. Januar 2018.</ref>
2018 3400<ref name="rki 2020">Epidemiologisches Bulletin Nr. 3 des RKI. (PDF; 2,5 MB) 16. Januar 2020.</ref>
2019 3728<ref name="rki 2021">Epidemiologisches Bulletin Nr. 1 des RKI. (PDF; 2,7 MB) 7. Januar 2020.</ref>
2020 3227<ref name="rki 12022">Epidemiologisches Bulletin Nr. 1 des RKI. (PDF; 3,5 MB) 6. Januar 2022</ref>
2021 3078<ref name="rki 0123">Epidemiologisches Bulletin Nr. 1 des RKI. 5. Januar 2023</ref>
2022 3511<ref name="rki 0124">Epidemiologisches Bulletin Nr. 1 des RKI. 4. Januar 2024</ref>
2023 4658<ref name="rki 0125">Epidemiologisches Bulletin Nr. 1 des RKI. 2. Januar 2025</ref>
2024 4740<ref name="rki 0126">Epidemiologisches Bulletin Nr. 1 des RKI. 2. Januar 2025</ref>
2025 5252<ref name="rki 0126" />

Übertragung

Die Übertragung ist durch Genuss von nicht durchgekochtem Fleisch (Hausschwein, Wildschwein oder Hirsch),<ref>Public health risks associated with hepatitis E virus (HEV) as a food-borne pathogen. In: efsa.europa.eu, Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, 11. Juli 2017, abgerufen am 29. Juli 2017.</ref> per Kontaktinfektion beziehungsweise Schmierinfektion fäkal-oral von infizierten Personen und in vielen Ländern über das Wasser möglich. Die Transmission von Person zu Person mittels Tröpfcheninfektion ist nicht nachgewiesen. In Deutschland werden auf Anordnung des Paul-Ehrlich-Instituts seit Januar 2020 Blutspenden verbindlich auf Hepatitis E getestet und nur HEV-freie Präparate freigegeben.<ref name=":0">Paul-Ehrlich-Institut – Abgeschlossene Verfahren / Bescheide – Bekanntmachung über die Zulassung von Arzneimitteln – Abwehr von Arzneimittelrisiken – Anordnung der Testung von Blutspendern zur Verhinderung einer Übertragung von Hepatitis-E-Virus durch Blutkomponenten zur Transfusion und Stammzellzubereitungen zur hämatopoetischen Rekonstitution – Vom 5. Februar 2019. In: pei.de. Abgerufen am 29. November 2019.</ref><ref>Paul-Ehrlich-Institut ordnet Hepatitis-E-Virus-Testung von Blutspenden an. In: aerzteblatt.de. 18. Juni 2018, abgerufen am 22. September 2021.</ref><ref>Dorothea Brummerloh: Neue Regeln für Blutspende. (MP3; 4,4 MB) In: SWR2. 15. August 2018, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Juni 2019; abgerufen am 22. September 2021 (5:01 Min.).</ref>

Klinischer Verlauf

Die Erkrankung hat eine Inkubationszeit von 30 bis 40 Tagen und ist klinisch nicht von der Hepatitis A zu unterscheiden. Sie ist jedoch schwerer im Verlauf, in 0,5 bis 4 % der Fälle sogar tödlich. Besonders Schwangere sollten nicht in Endemiegebiete reisen, da eine Infektion während der Schwangerschaft mit einer Sterblichkeit von rund 25 % bei der werdenden Mutter verbunden ist.<ref>A. Kumar, M. Beniwal, P. Kar, J. B. Sharma, N. S. Murthy: Hepatitis E in pregnancy. In: International journal of gynaecology and obstetrics. Band 85, Nummer 3, Juni 2004, S. 240–244, doi:10.1016/j.ijgo.2003.11.018, PMID 15145258.</ref> Nach Organtransplantation kann die Hepatitis E in eine chronische Verlaufsform übergehen<ref>N. Kamar, J. Selves, J. M. Mansuy, L. Ouezzani, J. M. Péron, J. Guitard, O. Cointault, L. Esposito, F. Abravanel, M. Danjoux, D. Durand, J. P. Vinel, J. Izopet, L. Rostaing: Hepatitis E virus and chronic hepatitis in organ-transplant recipients. In: The New England Journal of Medicine. Band 358, Nummer 8, Februar 2008, S. 811–817, doi:10.1056/NEJMoa0706992, PMID 18287603.</ref> und zur Leberzirrhose führen.<ref>R. Gérolami, V. Moal, P. Colson: Chronic hepatitis E with cirrhosis in a kidney-transplant recipient. In: The New England Journal of Medicine. Band 358, Nummer 8, Februar 2008, S. 859–860, doi:10.1056/NEJMc0708687, PMID 18287615.</ref>

Therapie

Da die Erkrankung in der Regel selbstlimitierend ist, beschränkt sich die Therapie meist auf symptomatisch-unterstützende Maßnahmen.<ref>Gerd Herold u. a.: Innere Medizin. Köln, 2012, S. 525 f.</ref> Eine Ausnahme bilden Patienten mit geschwächtem Immunsystem, die häufig nicht in der Lage sind, das Virus gewissermaßen aus eigener Kraft zu eliminieren, so dass es zur Chronifizierung der Erkrankung kommt. In diesen Fällen ist es häufig sinnvoll, einen Therapieversuch mit Ribavirin zu unternehmen.<ref name="Ärzteblatt_2014" /> Ribavirin ist für diese Anwendung nicht zugelassen (Stand 2021). Daher sollte vor Therapiebeginn eine Kostenerstattung bei der Krankenkasse beantragt werden.<ref>Ribavirin-ratiopharm® 200 mg / 400 mg Filmtabletten (Fachinformation). (PDF; 119 kB) Ratiopharm, 27. Januar 2017, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 22. September 2021.@1@2Vorlage:Toter Link/www.ratiopharm.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref>

Impfung

Ein Impfstoff befand sich seit dem Jahr 2001 in klinischer Erprobung. Die Effektivität konnte im März 2007 in einer Phase-2-Studie, die in Nepal durchgeführt wurde, nachgewiesen werden.<ref>M. P. Shrestha, R. M. Scott, D. M. Joshi, M. P. Mammen, G. B. Thapa, N. Thapa, K. S. Myint, M. Fourneau, R. A. Kuschner, S. K. Shrestha, M. P. David, J. Seriwatana, D. W. Vaughn, A. Safary, T. P. Endy, B. L. Innis: Safety and efficacy of a recombinant hepatitis E vaccine. In: The New England Journal of Medicine. Band 356, Nummer 9, März 2007, S. 895–903, doi:10.1056/NEJMoa061847, PMID 17329696.</ref> 2010 konnte in einer chinesischen Studie mit 56.302 Geimpften und einer ebenso großen Kontrollgruppe statistisch signifikant die Wirkung des Impfstoffs nachgewiesen werden. Von den geimpften Personen erkrankte in zwölf Monaten niemand an der Erkrankung, während 15 Personen der Kontrollgruppe erkrankten.<ref>F. C. Zhu, J. Zhang, X. F. Zhang, C. Zhou, Z. Z. Wang, S. J. Huang, H. Wang, C. L. Yang, H. M. Jiang, J. P. Cai, Y. J. Wang, X. Ai, Y. M. Hu, Q. Tang, X. Yao, Q. Yan, Y. L. Xian, T. Wu, Y. M. Li, J. Miao, M. H. Ng, J. W. Shih, N. S. Xia: Efficacy and safety of a recombinant hepatitis E vaccine in healthy adults: a large-scale, randomised, double-blind placebo-controlled, phase 3 trial. In: The Lancet. Band 376, Nummer 9744, September 2010, S. 895–902, doi:10.1016/S0140-6736(10)61030-6, PMID 20728932.</ref> Der Impfstoff erhielt als HEV 239 in der Volksrepublik China im April 2012 die Zulassung.<ref>Allison Proffitt: First HEV vaccine approved. In: Nature Biotechnology. 30, 2012, S. 300–300, doi:10.1038/nbt0412-300a.</ref>

Meldepflicht

In Deutschland ist jede akute Virushepatitis (also auch akute Hepatitis E) gemäß § 6 Infektionsschutzgesetz (IfSG) namentlich meldepflichtig.<ref>Hepatitis E. RKI-Ratgeber. In: rki.de. Robert Koch-Institut, 2. November 2015, abgerufen am 18. März 2020.</ref> Dies betrifft den Verdacht einer Erkrankung, die Erkrankung sowie den Tod. Zudem ist auch jeder direkte oder indirekte Nachweis des Hepatitis-E-Virus nach § 7 IfSG namentlich meldepflichtig, soweit der Nachweis auf eine akute Infektion hinweist. Die erste Meldepflicht betrifft vor allem die feststellenden Ärzte, die zweite vor allem die Leitungen von Laboren (§ 8 IfSG).

In Österreich sind nach § 1 Absatz 1 Nummer 1 Epidemiegesetz 1950 Verdachts-, Erkrankungs- und Todesfälle an infektiöser Hepatitis (Hepatitis A, B, C, D, E), also auch an Hepatitis E, anzeigepflichtig. Zur Anzeige verpflichtet sind unter anderem Ärzte und Labore (§ 3 Epidemiegesetz 1950).

Auch in der Schweiz unterliegt Hepatitis E der Meldepflicht<ref>Fabienne Riklin: In der Mortadella-Leberwurst lauert Hepatitis-Gefahr. In: tagesanzeiger.ch. 23. Oktober 2018, abgerufen am 23. Oktober 2018.</ref> und zwar nach dem Epidemiengesetz (EpG) in Verbindung mit der Epidemienverordnung und Anhang 1 der Verordnung des EDI über die Meldung von Beobachtungen übertragbarer Krankheiten des Menschen. Meldekriterium für diese Meldung durch Ärzte, Spitäler usw. ist ein positiver laboranalytischer Befund. Ein positiver laboranalytischer Befund bei PCR-Analyse oder ein negativer laboranalytischer Befund für das Hepatitis-E-Virus ist von Laboratorien nach Anhang 3 der oben genannten Verordnung des EDI zu melden.

Forschungsgeschichte

Die Hepatitis E wurde 1980 erstmalig von der Hepatitis A als eigenständige Erkrankung abgegrenzt. 1983 wies der sowjetische Virologe Michail Balayan das Virus unter dem Elektronenmikroskop nach, nachdem er sich in einem Freiwilligenversuch selbst damit infiziert hatte. Die Benennung des Virus als Hepatitis-E-Virus erfolgte nach der Entschlüsselung des Virusgenoms zum Anfang der 1990er.<ref name="Wölk2020755757">Benno Wölk: Virushepatitis. in Sebastian Suerbaum, Gerd-Dieter Burchard, Stefan H. E. Kaufmann, Thomas F. Schulz (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. 9. Auflage, Berlin, 2020, S. 755–757, doi:10.1007/978-3-662-61385-6</ref>

Literatur

Übersichtsartikel

Weblinks

Einzelnachweise

<references responsive> <ref name="ICTV_Tax"> ICTV: Taxonomy Browser. </ref> <ref name="2021.001S"> Donald B. Smith, J. Felix Drexler, X.-J. Meng, Helene Norder, H. Okamoto, Wim H. M. van der Poel, M. A. Purdy, Gabor Reuter, W. Marciel de Souza, Rainer G. Ulrich, X.-L. Yang, Y. Zhang: Create two subfamilies (Orthohepevirinae, Parahepevirinae), four genera and five species, and rename five species (Hepelivirales: Hepeviridae). zip (docx, xlsx): Vorschlag 2021.001S (angenommen). Oktober 2020. </ref> <ref name="Ärzteblatt_2014"> S. Pischke, P. Behrendt, C. T. Bock, Jilg W, Manns MP, Wedemeyer H: Hepatitis E in Deutschland – eine unterschätzte Infektionskrankheit. In: Deutsches Ärzteblatt. Band 111, 2014, S. 577–583, doi:10.3238/arztebl.2014.0577. </ref> </references>

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