Trollblume
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| Trollblume | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Datei:Trollius europaeus (Thomé Bd.2 1904, BHL-44721, Tafel 252) clean, no-description.jpg
Trollblume (Trollius europaeus), Illustration | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Trollius europaeus | ||||||||||||
| L. |
Die Trollblume (Trollius europaeus) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Trollblumen (Trollius) innerhalb der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Die Europäische Trollblume ist die einzige in Europa heimische Art der Trollblumen. Trivialnamen sind z. B. Goldköpfchen, Butterblume, Butterkugel (Ankenbollen), Budabinkerl, Butterrosen, Kugelranunkel oder Natter(n)knöpfe. In der Schweiz wird sie auch Rigirolle genannt. Sie wurde zur Blume des Jahres 1995 gewählt.
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Die Trollblume ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 20 bis 60 Zentimetern erreicht. Sie besitzt ein Rhizom als Speicherorgan, die Erneuerungsknospen liegen dicht an der Erdoberfläche. Ihr Habitus ist von mehreren kahlen und meist unverzweigten Stängeln geprägt.
Die Grundblätter sind gestielt und tief handförmig geteilt. Sie haben fünf gesägte bis fiederschnittige Abschnitte. An ihrer Oberseite sind die Grundblätter dunkelgrün. Die Blattunterseite ist etwas heller. Zur Blütezeit sterben die rosettenartigen Grundblätter ab. Die Stängelblätter sind dreizählig und sitzen direkt an den Stängeln.<ref name=":0">Europäische Trollblume - gestalte deinen Garten ökologisch & pflegeleicht. Abgerufen am 8. Februar 2025.</ref>
Generative Merkmale
Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis Juli. Die durch Karotinoide gelb gefärbte Blüte sitzt endständig am unverzweigten Stängel. Die zwittrige Blüte weist einwärts konkave, charakteristisch kugelig zusammenneigende hellgelbe Perigonblätter auf; ihr Durchmesser beträgt 2 bis 3 Zentimeter. Die Blütenhülle besteht aus 10 bis 15 Perigon- und vier bis zehn Nektarblättern. Auffallend sind die zahlreichen freien Fruchtblätter im Zentrum der Blüte.
Die Früchtchen (Bälgchen) sind bis zu 15 Millimeter lang und geschnäbelt.<ref name=":0" />
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.<ref name="FE1-2" />
Ökologie
Die Blütenblätter der Trollblume bilden eine Kuppel, die einen so kleinen Durchlass aufweist, dass ihn nur kleine Insekten, Fliegen und Käfer passieren können. Eine wichtige Bestäuberrolle haben drei Fliegenarten der Gattung Chiastochaeta. Sie legen ihre Eier in die Fruchtknoten, ihre Larven ernähren sich von den heranwachsenden Samen. Forscher fanden heraus, dass eine Trollblumenblüte bis zu sechs schlüpfende Fliegenlarven verkraften kann. Wird diese Zahl überschritten, verschiebt sich die Bilanz zwischen „Nutzen durch Bestäubung“ und „Fressschaden“ ins Negative.<ref name="Stiftung Naturschutz" /> Nur kräftige größere Insekten können sich zwischen den Perigonblättern zum Grund der Nektarblätter hindurchdrängen. Bei der Trollblume führt auch spontane Selbstbestäubung zum Fruchtansatz.
Die Trollblume bildet pro Blüte zahlreiche wenigsamige Balgfrüchte aus. Die Samen werden über Wind, Klett- und Selbstausbreitung verbreitet. Sie sind allerdings nur kurzlebig, weshalb die Trollblume keine persistente Diasporenbank aufbauen kann.<ref name="Kowarsch und Poschlod"/> Erfolgreiches Keimen ist an Kälteeinwirkung und Dunkelheit gebunden. Sie ist schwach giftig und wird vom Vieh gemieden. Allerdings ist sie sehr trittempfindlich, weshalb sie sich nur in sehr extensiven Weidesystemen halten kann. Generell kommt die Art auf spät gemähten Flächen am besten zurecht.<ref name="Lemke"/><ref name="Kowarsch und Poschlod"/>
Vorkommen
Die Trollblume kommt in Europa und Westsibirien vor. Sie ist vor allem in Mittel- und Nordeuropa, einschließlich des Baltikums, Spaniens, des Apennins und des früheren Jugoslawien verbreitet. Ihre südlichsten Vorkommen in Europa sind in Zentralspanien, Mittelitalien und im nördlichen Griechenland.<ref name="AFE8" /> In den Tallagen Europas wird die Trollblume immer seltener.
Sie hat eine Vorliebe für Feuchtwiesen, Teich- und Bachränder und ist vor allem im Gebirge bis auf Höhenlagen von 3000 Metern in Hochstaudenfluren anzutreffen. Sie gedeiht am besten auf nährstoffreichen, dauerfeuchten Böden. Sie ist in Mitteleuropa eine Molinietalia-Ordnungscharakterart.<ref name="Oberdorfer2001" /> Die Trollblume gilt als trittempfindlich und empfindlich gegenüber Umweltveränderung z. B. durch Düngung. Da sie Pflanzen sehr alt werden können, kann sich die Trollblume auch in Brachen lange halten, jedoch nicht verjüngen.<ref name="Kowarsch und Poschlod"/>
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 4w+ (sehr feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 2+ (unter-subalpin und ober-montan), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).<ref name="InfoFlora" />
In den Allgäuer Alpen steigt sie im Tiroler Teil am Gipfel der Rothornspitze bis zu 2385 Metern auf.<ref name="Dörr und Lippert" />
Taxonomie
Die Erstveröffentlichung von Trollius europaeus erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, S. 556.<ref name="SpPl" />
Etymologie
Der Name Trollblume leitet sich über das althochdeutsche Wort „troll“ für „kugelrund“ vom lateinischen „trulleus“ für „rundes Gefäß“ ab.
Der in der Schweiz gebräuchliche Name „Rigirolle“ leitet sich vom Bergmassiv Rigi ab.
Gefährdung
Die Trollblume ist bundesweit im Bestand gefährdet und steht daher unter Naturschutz. In Österreich ist sie ebenfalls geschützt. Gründe für den Rückgang sind das Brachfallen oder die Intensivierung extensiv genutzter Frisch- und Feuchtwiesen sowie deren Trockenlegung.
Verwendung und kulturelle Bedeutung
Die Art wird auch als Gartenpflanze kultiviert.
Sie ist das Symbol der Grafschaft Glatz und wird daher auch Glatzer Rose genannt.<ref>Richard Keilholz: Die Glatzer Rose. Nerthus. 1903, Band 5, Nr. 38, S. 615.</ref> Ferner wurde sie 1966 auf einem Briefmarkenwert der Serie Geschützte heimische Pflanzen dargestellt.
Literatur
- Tristan Lemke: Botanische Kostbarkeiten in Deutschland: Die Trollblume (Trollius europaeus L., Ranunculaceae). In: Pulsatilla - Zeitschrift für Botanik und Naturschutz. Band 9, 2007, S. 13–17 (zobodat.at [PDF]).
Weblinks
- Trollblume. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Trollblume. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
- Vorlage:BIB
- Verbreitung auf der Nordhalbkugel aus: Eric Hultén, Magnus Fries: Atlas of North European vascular plants. 1986, ISBN 3-87429-263-0 bei Den virtuella floran. (schwed.)
- Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
- Peter W. Schwickert: Vegetationsgeographische Untersuchungen im Hohen Westerwald unter besonderer Berücksichtigung der Pflanzengesellschaften des montanen Grünlandes,https://www.zobodat.at/pdf/Fauna-Flora-Rheinland-Pfalz-Beihefte_4_0009-0136.pdf
Einzelnachweise
<references> <ref name="FE1-2">Thomas Gaskell Tutin: Trollius. In: </ref> <ref name="Stiftung Naturschutz">Blume des Jahres 1995. Loki Schmidt Stiftung, abgerufen am 31. Dezember 2024.</ref> <ref name="AFE8">Jaakko Jalas, Juha Suominen (Hrsg.): Atlas Florae Europaeae. Distribution of Vascular Plants in Europe. 8. Nymphaeaceae to Ranunculaceae. Akateeminen Kirjakauppa, The Committee for Mapping the Flora of Europe & Societas Biologica Fennica Vanamo, Helsinki 1989, ISBN 951-9108-07-6, S. 38–39.</ref> <ref name="SpPl">Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 556, Digitalisat</ref> <ref name="Lemke">Tristan Lemke: Botanische Kostbarkeiten in Deutschland: Die Trollblume (Trollius europaeus L., Ranunculaceae). In: Pulsatilla - Zeitschrift für Botanik und Naturschutz. Band 9, 2007, S. 13–17 (zobodat.at [PDF]).</ref> <ref name="Oberdorfer2001">Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Seite 395. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001. ISBN 3-8001-3131-5</ref> <ref name="Dörr und Lippert">Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 519.</ref> <ref name="Kowarsch und Poschlod">R. Kowarsch und P. Poschlod: Entwicklung der Bestände und der Populationsstruktur von Trollius europaeus im nördlichen Rothaargebirge innerhalb von 20 Jahren - eine Fallstudie im Hochsauerlandkreis. In: Natur und Landschaft. Band 97, Nr. 5, 2022, S. 231–241, doi:10.19217/NuL2022-05-02.</ref> <ref name="InfoFlora"> Trollius auropaeus L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> </references>
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