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Diazoaminobenzol

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
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Strukturformel
Strukturformel von 1,3-Diphenyltriazen
(E)-Isomer
Allgemeines
Name Diazoaminobenzol
Andere Namen
  • 1,3-Diphenyltriazen
  • Diazoaminobenzen
Summenformel C12H11N3
Kurzbeschreibung

gelbbrauner Feststoff<ref name="Merck" />

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 205-240-1
ECHA-InfoCard 100.004.764
PubChem 8689
ChemSpider 8365
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 197,24 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

92–95 °C<ref name="Merck" />

Siedepunkt

146 °C<ref name="Merck">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei MerckVorlage:Abrufdatum</ref>

Löslichkeit
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="Sigma">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei Sigma-AldrichVorlage:Abrufdatum (PDF).</ref>
Gefahrensymbol

Achtung

H- und P-Sätze H: 302+312+332​‐​315​‐​319​‐​335
P: 261​‐​280​‐​305+351+338<ref name="Sigma" />
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Diazoaminobenzol ist ein mit zwei Phenylgruppen substituiertes Triazen. Es ist ein Isomeres von Anilingelb, bei dessen Synthese es bei der Wahl ungeeigneter Reaktionsbedingungen (pH-Wert und Temperatur bei der Azokupplung) anstelle dessen entsteht.

Geschichte

Im Jahre 1860 beschrieb Peter Griess<ref name="Griess">P. Griess: Annalen der Chemie und Pharmacie CXIII (1860). S. 337.</ref> eine Substanz, die er durch Einwirken von Salpetriger Säure auf eine alkoholische Anilinlösung erhielt. 1863<ref name="Griess-3">P. Griess: Centralblatt (1863). S. 125.</ref> publizierte er eine Methode diesen Stoff durch Einleiten nitroser Gase in eine ethanolische Lösung von „salpetersaurem Anilin“ (Salz der Salpetersäure und Anilin) bis zur Abscheidung nadelförmiger „Krystalle“ zu erhalten. Genauere Versuchsbeschreibungen finden sich in der Publikation Über eine neue Classe organischer Verbindungen, in denen Wasserstoff durch Stickstoff vertreten ist.<ref name="Griess-2">P. Griess: Centralblatt Nr. 7 11. Jahrg. (1866). S. 1.</ref> Hier berichtet er, dass die Verbindung in Form weißer Kristalle, die gut in Wasser, aber nicht in Ether oder Alkohol löslich sind, entsteht. Er berichtet dabei aber auch, dass durch Wärme oder Erschütterung die Verbindung heftig explodiert. Dies ist der erste Hinweis auf die Synthese von 1,3-Diphenyltriazen.

Datei:Griess-scan.png
Originalmitteilung : Centralblatt Nr. 7. 11. Jahrg. (1866). S. 1.

Gewinnung und Darstellung

Diazoaminobenzol wird durch Diazotierung von Anilin und Kupplung auf undiazotiertes Anilin bei pH-Werten > 9 hergestellt.<ref name="os">Hartman, W. W.; Dickey, J. B.: Vorlage:Linktext-Check In: Organic Syntheses. 14, 1934, S. 24, doi:10.15227/orgsyn.014.0024; Coll. Vol. 2, 1943, S. 163 (PDF).</ref>

Eigenschaften

Diazoaminobenzol ist ein gelb-braunes, feinkristallines Pulver. Es ist empfindlich gegen Licht, Schlag, Reibung und Stoß (Explosionsgefahr). Beim Erhitzen über den Siedepunkt und bei Belichtung spaltet es Stickstoff ab. Konkret hier ist mit einer unkontrollierten, explosionsartigen Zersetzung zu rechnen.<ref name="Merck" /> Die mittels DSC bestimmte Zersetzungswärme beträgt −266 kJ·mol−1 bzw. −1348 kJ·kg−1.<ref name="Grewer">Grewer, T.; Klais, O.: Exotherme Zersetzung - Untersuchungen der charakteristischen Stoffeigenschaften, VDI-Verlag, Schriftenreihe „Humanisierung des Arbeitslebens“, Band 84, Düsseldorf 1988, ISBN 3-18-400855-X, S. 9.</ref> Bei der Einwirkung von Säuren lagert es sich in 4-Aminoazobenzol (Anilingelb) um.

Chemische Eigenschaften

Triazene können tautomerisieren, im Falle des Diazoaminobenzol sind die beiden tautomeren Formen identisch. Die –N=N–Doppelbindung zeigt die übliche (EZ)-Isomerie. Das stabilere Isomere ist (E)-Diazoaminobenzol, über das weniger stabilere (Z)-Diazoaminobenzol wurden keine Daten in der Literatur gefunden.

Verwendung

Diazoaminobenzol findet/fand Verwendung als Insektizid und als Kunststoff-Additiv. In der metallorganischen Chemie wird es als Ligand (=Komplexbildner) verwendet. Als Verunreinigung kommt es in Farbstoffen, Kosmetika und Pharmazeutika vor.<ref>Eintrag zu 1,3-Diphenyl-1-Triazene in der Hazardous Substances Data Bank (via PubChem)Vorlage:Abrufdatum</ref><ref name="NTP">National Institute of Environmental Health Sciences, 13th Report on Carcinogens (RoC): Diazoaminobenzene, abgerufen am 18. November 2014.</ref>

Sicherheitshinweise

Diazoaminobenzol steht unter dem Verdacht, carcinogen zu sein. Es wird im Organismus zu den als carcinogen eingestuften Stoffen Benzol und Anilin metabolisiert. Weiterhin zeigt es auch mutagene Eigenschaften.<ref name="NTP" />

Nachweis

Der Nachweis kann mittels Dünnschichtchromatographie oder per HPLC erfolgen.

Literatur

  • Helv. Chim. Acta. 63, 1980, S. 456–472
  • Beilstein. EIV 16, S. 904
  • Helv. Chim. Acta. 64, 1981, S. 174–175
  • Merck-Index (10), Nr. 2970
  • Ullmann. 5, S. 802

Einzelnachweise

<references />