Diazoaminobenzol
Diazoaminobenzol ist ein mit zwei Phenylgruppen substituiertes Triazen. Es ist ein Isomeres von Anilingelb, bei dessen Synthese es bei der Wahl ungeeigneter Reaktionsbedingungen (pH-Wert und Temperatur bei der Azokupplung) anstelle dessen entsteht.
Geschichte
Im Jahre 1860 beschrieb Peter Griess<ref name="Griess">P. Griess: Annalen der Chemie und Pharmacie CXIII (1860). S. 337.</ref> eine Substanz, die er durch Einwirken von Salpetriger Säure auf eine alkoholische Anilinlösung erhielt. 1863<ref name="Griess-3">P. Griess: Centralblatt (1863). S. 125.</ref> publizierte er eine Methode diesen Stoff durch Einleiten nitroser Gase in eine ethanolische Lösung von „salpetersaurem Anilin“ (Salz der Salpetersäure und Anilin) bis zur Abscheidung nadelförmiger „Krystalle“ zu erhalten. Genauere Versuchsbeschreibungen finden sich in der Publikation Über eine neue Classe organischer Verbindungen, in denen Wasserstoff durch Stickstoff vertreten ist.<ref name="Griess-2">P. Griess: Centralblatt Nr. 7 11. Jahrg. (1866). S. 1.</ref> Hier berichtet er, dass die Verbindung in Form weißer Kristalle, die gut in Wasser, aber nicht in Ether oder Alkohol löslich sind, entsteht. Er berichtet dabei aber auch, dass durch Wärme oder Erschütterung die Verbindung heftig explodiert. Dies ist der erste Hinweis auf die Synthese von 1,3-Diphenyltriazen.
Gewinnung und Darstellung
Diazoaminobenzol wird durch Diazotierung von Anilin und Kupplung auf undiazotiertes Anilin bei pH-Werten > 9 hergestellt.<ref name="os">Vorlage:OrgSynth</ref>
Eigenschaften
Diazoaminobenzol ist ein gelb-braunes, feinkristallines Pulver. Es ist empfindlich gegen Licht, Schlag, Reibung und Stoß (Explosionsgefahr). Beim Erhitzen über den Siedepunkt und bei Belichtung spaltet es Stickstoff ab. Konkret hier ist mit einer unkontrollierten, explosionsartigen Zersetzung zu rechnen.<ref name="Merck" /> Die mittels DSC bestimmte Zersetzungswärme beträgt −266 kJ·mol−1 bzw. −1348 kJ·kg−1.<ref name="Grewer">Grewer, T.; Klais, O.: Exotherme Zersetzung - Untersuchungen der charakteristischen Stoffeigenschaften, VDI-Verlag, Schriftenreihe „Humanisierung des Arbeitslebens“, Band 84, Düsseldorf 1988, ISBN 3-18-400855-X, S. 9.</ref> Bei der Einwirkung von Säuren lagert es sich in 4-Aminoazobenzol (Anilingelb) um.
Chemische Eigenschaften
Triazene können tautomerisieren, im Falle des Diazoaminobenzol sind die beiden tautomeren Formen identisch. Die –N=N–Doppelbindung zeigt die übliche (EZ)-Isomerie. Das stabilere Isomere ist (E)-Diazoaminobenzol, über das weniger stabilere (Z)-Diazoaminobenzol wurden keine Daten in der Literatur gefunden.
Verwendung
Diazoaminobenzol findet/fand Verwendung als Insektizid und als Kunststoff-Additiv. In der metallorganischen Chemie wird es als Ligand (=Komplexbildner) verwendet. Als Verunreinigung kommt es in Farbstoffen, Kosmetika und Pharmazeutika vor.<ref>Vorlage:HSDB</ref><ref name="NTP">National Institute of Environmental Health Sciences, 13th Report on Carcinogens (RoC): Diazoaminobenzene, abgerufen am 18. November 2014.</ref>
Sicherheitshinweise
Diazoaminobenzol steht unter dem Verdacht, carcinogen zu sein. Es wird im Organismus zu den als carcinogen eingestuften Stoffen Benzol und Anilin metabolisiert. Weiterhin zeigt es auch mutagene Eigenschaften.<ref name="NTP" />
Nachweis
Der Nachweis kann mittels Dünnschichtchromatographie oder per HPLC erfolgen.
Literatur
- Helv. Chim. Acta. 63, 1980, S. 456–472
- Beilstein. EIV 16, S. 904
- Helv. Chim. Acta. 64, 1981, S. 174–175
- Merck-Index (10), Nr. 2970
- Ullmann. 5, S. 802
Einzelnachweise
<references />