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Hirse

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Datei:Illustration Panicum miliaceum and Echinochloa crus-galli0.jpg
Hirsepflanzen
Datei:Coix lacryma-jobi inflorescence.jpg
Coix lacryma-jobi (Hiobs-Träne)
Datei:Hirsekoerner.jpg
Hirsekörner

Hirse ist eine Sammelbezeichnung für kleinfrüchtiges Spelzgetreide mit 10–12 Gattungen. Sie gehören zur Familie der Süßgräser (Poaceae). Der früher auch männlich gebrauchte Name Hirse stammt aus dem Altgermanischen (ahd. hirsa neben hirsi und hirso) und ist von einem indogermanischen Wort für „Sättigung, Nährung, Nahrhaftigkeit“ abgeleitet (vgl. die römische Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit Ceres). Hirse diente bereits vor 8000 Jahren dazu, ungesäuertes Fladenbrot herzustellen. In China wird Rispenhirse seit mindestens 4000 Jahren landwirtschaftlich genutzt. Die Rispenhirse oder Echte Hirse (Panicum miliaceum) wurde früher auch in Europa als Nahrungsmittel angebaut.

Hirsen sind, wie Mais, wärme- und lichtliebende C4-Pflanzen.<ref name="Unterschätzt">Thomas Miedaner, Friedrich Longin: Unterschätzte Getreidearten – Einkorn, Emmer, Dinkel & Co. Agrimedia, 2012, ISBN 978-3-86263-079-0, S. 77 ff.</ref>

Alle Hirsearten können nach der Beschaffenheit der Körner in zwei Hauptgruppen eingeteilt werden:<ref name="ternes"></ref>

  1. Sorghumhirsen (Sorghum) mit deutlich größeren Körnern und damit auch höheren Hektarerträgen (14–17 dt/ha).
  2. Millethirsen (Paniceae, auch Echte Hirsen oder Kleine Hirsen genannt). Zu diesen gehören die meisten Gattungen, z. B. Rispenhirse (Panicum), Kolbenhirse (Setaria), Perlhirse (Pennisetum), Fingerhirse (Eleusine) und Teff (Eragrostis). Die Körner dieser Gattungen sind recht klein, die Erträge entsprechend gering (ca. 7–9 dt/ha). Der Begriff „Millet“ wird überwiegend in der englischen und französischen Sprache verwendet. In Afrika spricht man häufig auch von Milo oder Milocorn.

Genutzte Arten

Zu den kultivierten und genutzten Hirsen zählen folgende Arten:<ref>Taxonomische Zuordnung gemäß Artikel zur jeweiligen Unterfamilie</ref><ref>Colin W. Wrigley, Harold Corke, Koushik Seetharaman, Jonathan Faubion: Encyclopedia of Food Grains. Vol. 1, Second Edition, Academic Press, 2016, ISBN 978-0-12-803537-5, S. 16–19, eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden..</ref>

Unterfamilie Panicoideae: Tribus Andropogoneae:<ref>Zu diesem Tribus gehören als weitere Nutzpflanzen auch Mais, Zuckerrohr und Zitronengras</ref>

ebenfalls Unterfamilie Panicoideae: Tribus Paniceae:

  • Panicum
    • Rispenhirse, Braunhirse (Panicum miliaceum L.)
    • Sowihirse (auch sauwi, Panicum hirticaule J. Presl, syn. Panicum sonorum Beal). Wild gesammelt und zur Subsistenzlandwirtschaft kultiviert im südwestlichen Nordamerika bis Mexiko.<ref>American Millets. In: Kenneth F. Kiple, Kriemhild Coneè Ornelas: The Cambridge World History of Food. Cambridge University Press, 2000, ISBN 0-521-40216-6 (Set).</ref><ref>J. M. J. de Wet: Origin, evolution and systematics of minor cereals. Chapter 2, In: A. Seetharam, K. W. Riley, G. Harinarayana: Small Millets in Global Agriculture. Proceedings of the First International Small Millets Workshop, Bangalore, India, 1986, Oxford & IBH Publishing Co., New Delhi 1989, ISBN 81-204-0434-3.</ref>
    • Kutkihirse (Panicum sumatrense Roth)
    • Rutenhirse (Panicum virgatum L.)
    • Afezu, Merkba (Panicum turgidum Forssk.), (Panicum laetum Kunth), (Panicum anabaptistum Steud.), afrikanische Wildsorten, welche auch als Getreide genutzt werden.<ref name="Crops" />
    • Australische Hirse (Panicum decompositum R. Br.), die Wildsorte wurde früher von den Aborigines in Australien häufig genutzt.<ref>Ahmad Hasan Dani, Jean-Pierre Mohen: History of Humanity. Vol. II, UNESCO, 1996, ISBN 92-3-102811-1, S. 1056.</ref>
  • Setaria
    • Kolbenhirse (Setaria italica (L.) P. Beauv.)
    • (Setaria sphacelata (Schumach.) Stapf & C.E.Hubb. ex Moss), (Setaria pumila (Poir.) Roem. & Schult.), (Setaria verticillata (L.) P. Beauv.), (Setaria finita Launert), (Setaria parviflora (Poir.) M. Kerguelen),<ref name="Crops" /><ref>M. Brinck, G. Belay: Cereals and Pulses. Plant Resources of Tropical Africa 1, Prota, 2006, ISBN 90-5782-170-2, S. 163.</ref><ref>N. R. Das: Glossary Of Indian Crops. Scientific Publishers, 2013, ISBN 978-81-7233-853-4, S. 133, 215.</ref><ref>K. R. Krishna: Agroecosystems of South India. BrownWalker Press, 2010, ISBN 978-1-59942-533-7, S. 5–8.</ref> wilde und wenig kultivierte Sorten, die in Afrika und Indien als Viehfutter und in Notzeiten genutzt werden.
  • Pennisetum
  • Paspalum
    • Kodohirse (Paspalum scrobiculatum L.) ist ein sehr trockenheitsresistentes Getreide, das auch auf nährstoffarmen Böden wächst. Es wird in Indien, aber auch auf den Philippinen, in Indonesien, Vietnam, Thailand und in Westafrika angebaut.
  • Echinochloa
    • Japanhirse, Sawahirse (Echinochloa frumentacea Link), wird in Ägypten, Indien, Kaschmir und Sikkim angebaut und als Nahrungsmittel verwendet. In den USA, Afrika und Kanada wird es größtenteils als Futtermittel für Vieh und als Vogelfutter genutzt.
    • Japan-Hühnerhirse, auch Japanhirse (Echinochloa esculenta (A. Braun) H. Scholz), wird in kleinem Maßstab in Japan, China und Korea sowohl als Nahrung als auch als Tierfutter angebaut, als Grünfutter auch in Australien und den USA.
    • Hühnerhirse (Echinochloa crus-galli (L.) P. Beauv.), die wilde Stammform von Echinochloa esculenta. Wurde im Neolithikum besammelt, heute gefürchtetes Unkraut im Reis (nach FAO drittwichtigste Unkrautpflanze weltweit), nicht angebaut oder kultiviert.<ref>Salej Sood, Rajesh K. Khulbe, Arun K. Gupta, Pawan K. Agrawal, Hari D. Upadhyaya, Jagdish C. Bhatt (2015): Barnyard millet – a potential food and feed crop of future. Plant Breeding 134: 135–147. doi:10.1111/pbr.12243</ref>
    • Burgu, Bourgou, Banti (Echinochloa stagnina (Retz.) P. Beauv.). Früher im Nigerdelta als Wildgetreide geerntet, nicht kultiviert. Heute nur noch als Viehfutter.<ref name="Crops" />
    • Schamahirse, Chindumba (Echinochloa colona (L.) Link), in Indien und Ostafrika, wird aber selten genutzt.<ref name="Pran" /><ref name="Bio" /> Die wilde Stammform von Echinochloa frumentacea.
    • Antilopengras (Echinochloa pyramidalis (Lam.) Hitchc. & Chase.), selten genutztes Wildgetreide in Teilen Afrikas, wird nicht kultiviert.<ref name="Crops" />
  • Digitaria<ref>Die Gattung Digitaria wird gemäß Übersetzung des botanischen Namens auch als Fingerhirse bezeichnet</ref>
    • Foniohirse, Weißer Fonio (Digitaria exilis (Kippist) Stapf), Schwarzer Fonio (Digitaria iburua Stapf), Grundnahrungsmittel in einigen Regionen Westafrikas mit armen Böden, wie Ost-Senegal, West-Burkina Faso, Süd-Mali, Süd-Niger, Nordost-Nigeria und Kamerun.
    • Raishan (Digitaria compacta) (Digitaria cruciata), nur in Nordostindien genutzt.<ref name="Pran">Ghillean Prance, Mark Nesbitt: The Cultural History of Plants. Routledge, 2005, ISBN 0-415-92746-3, S. 54 ff.</ref><ref name="Bio">Hirsesorten auf heimbiotop.de, abgerufen am 21. April 2022.</ref>
    • Blutrote Fingerhirse (Digitaria sanguinalis)
  • Urochloa
  • Brachiaria
    • Guinea-Hirse, Kolo (Brachiaria deflexa (Schumach.) C. E. Hubb. ex Robyns), nur lokal in Guinea.<ref name="Wiers">John H. Wiersema, Blanca León: World Economic Plants. Second Edition, CRC Press, 2013, ISBN 978-1-4665-7681-0, S. 109 f.</ref>
    • Braune Hirse, Anda Cora (Brachiaria ramosa (L.) Stapf), nur in Südindien kultivierte Sorte.<ref name="Pran" /><ref name="Bio" /><ref name="Wiers" />

Unterfamilie Chloridoideae: Tribus Eragrostideae:

  • Eleusine
  • Eragrostis
    • Teff (Eragrostis tef (Zucc.) Trotter)
    • Eragrostis pilosa (L.) P. Beauv. Vermutlich die wilde Stammart von Teff, gelegentlich als Wildgetreide in Ostafrika genutzt, nicht kultiviert.<ref name="Crops">Lost Crops of Africa. Volume I: Grains, The National Academies Press, 1996, ISBN 0-309-04990-3, S. 251–272.</ref>

Nutzung

Datei:Sorghum bicolor (Moench).JPG
Zuckerhirse (Sorghum bicolor), im Feld.

Die wirtschaftlich wichtigsten Hirsen sind die Perlhirse, die Sorghumhirse (auch Zuckerhirse), die Fingerhirse, die Rispenhirse, die Kolbenhirse und der Teff, auch Zwerghirse genannt.

Nahrungs- und Futtermittel

Die Rispenhirse, die in Europa seit der Bronzezeit genutzt wird<ref>Als Hirse auf den Speiseplan des Menschen kam. 28. April 2017, abgerufen am 22. Januar 2025.</ref><ref>Schnelle Akzeptanz fremder Ernährungstradition im bronzezeitlichen Europa. 14. August 2020, abgerufen am 22. Januar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>, ist ein sehr mineralstoffreiches Getreide. In Hirse sind Fluor, Schwefel, Phosphor, Magnesium, Kalium und im Vergleich zu anderen Getreidearten besonders viel Silizium (Kieselsäure), Eisen und B-Vitamine enthalten.<ref name=":0" />

Hirse und Sorghum können mit einem Gesamtphenolgehalt von ca. 35 bis 50 mg/100 g (Ferulasäureäquivalente in der Trockenmasse) sehr hohe Mengen an phenolischen Substanzen enthalten, denen überwiegend eine gesundheitsförderliche Wirkung zugesprochen wird.<ref>Studie von Bagdi et al. (2011) bzw. von Taylor et al. (2006), zitiert nach Emmerich Berghofer, Regine Schönlechner und Julia Schmidt: Neue Verfahren und Techniken bei der Lebensmittelherstellung und Lebensmittelversorgung - Bedeutung für Konsumentinnen und Konsumenten; Abschnitt Gefärbte Hirse und Sorghum, Seite 179; Herausgeber Bundesministerium für Gesundheit, Sektion II, Wien; Juli 2015. In: hpslex.de</ref> Sie verringern den glykämischen Index und führen häufig zu einer Senkung des Blutcholesterinspiegels. Unter Umständen verringert sich bei regelmäßigem Konsum das Risiko des Auftretens von Speiseröhrenkrebs (im Vergleich zur Aufnahme von Weizen und Mais).<ref>Van Rensburg (1981) und Chen et al. (1993), zitiert nach Emmerich Berghofer, Regine Schönlechner und Julia Schmidt: Neue Verfahren und Techniken bei der Lebensmittelherstellung und Lebensmittelversorgung - Bedeutung für Konsumentinnen und Konsumenten; Abschnitt Gefärbte Hirse und Sorghum, Seite 179; Herausgeber Bundesministerium für Gesundheit, Sektion II, Wien; Juli 2015. In: hpslex.de</ref> In Hirse sind sortenabhängig in unterschiedlicher Konzentration Flavonoide (Polyphenole) und Dhurrin enthalten, die allerdings, ähnlich wie Sojabohnen oder Maniok, die Aufnahme von Jod aus der Nahrung behindern und so die krankhafte Vergrößerung der Schilddrüse (Struma) fördern<ref>Loren Cordain: Millet: A Gluten-Free Grain You Should Avoid. In: The Paleo Diet. 8. Dezember 2014 (thepaleodiet.com [abgerufen am 3. Juni 2018]).</ref><ref>Liuska Pesce and Peter Kopp (2014): Iodide transport: implications for health and disease. International Journal of Pediatric Endocrinology 2014:8 doi:10.1186/1687-9856-2014-8</ref><ref name=":1">Georg Thieme Verlag KG: Schilddrüsenfunktion: Ernährung für die Schilddrüse: Kropfbildende Naturstoffe. 5. September 2024, abgerufen am 13. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>. Besonders eine zu einseitige Ernährung sowie Verunreinigungen von Luft und Wasser, welche eine niedrige Jodversorgung auch in Entwicklungsländern begleiten, tragen mit dazu bei.<ref name=":1" />

Im Handel üblich ist die von Schalen befreite Hirse („Goldhirse“). Es gibt daneben die ungeschälte Hirse, in der die meisten an den Schalen haftenden Mineralstoffe und Spurenelemente erhalten sind, sowie die dunkelschalige Braunhirse. Möglicherweise ist jedoch der Blausäuregehalt, besonders bei roher Hirse, nicht ganz unbedenklich.<ref>agrarheute.com am 12. Juli 2021: Mit Hirse in Dürrejahren Rinder füttern? – Blausäuregehalt</ref> Hirse kann zur Herstellung glutenfreier Backwaren verwendet werden. In vielen Gebieten Afrikas und Asiens sind die unterschiedlichen Hirsearten Hauptnahrungsmittel, werden allerdings zunehmend durch Mais verdrängt. Kolbenhirse dient als Nahrung und in Osteuropa als Viehfutter, in Europa und Nordamerika zudem als Vogelfutter für die Ziervogelhaltung.

Hirse ist darüber hinaus die Grundlage einiger traditioneller Biere, zum Beispiel Dolo in Westafrika, Pombe in Ostafrika und Merisa im Sudan. In Äthiopien und Eritrea ist die Hirseart Teff (Eragrostis tef) die wichtigste Nahrungspflanze der Menschen. Industriell wird Hirse von einigen spezialisierten Brauereien zur Herstellung von glutenfreiem Bier für Menschen mit Zöliakie oder anderen Formen der Glutenunverträglichkeit genutzt. In China werden aus Hirse eine Reihe von Spirituosen gebrannt, die Baijiu genannt werden; der bekannteste chinesische Hirseschnaps ist Maotai.

Industrielle Nutzung

Für die industrielle Nutzung ist vor allem die Sorghumhirse von Interesse. Neben den Samen wird bei ihr auch der Halm zur Herstellung von Naturfasern genutzt (Faserhirse).

In den USA werden große Hoffnungen in die Rutenhirse als Lieferant von Cellulose-Ethanol gesetzt. Die Sorghumhirse gilt aufgrund der großen und kohlenhydratreichen Biomasse als aussichtsreiche Energiepflanze zur Biogaserzeugung, vor allem in trockenen Lagen.<ref>Technologie- und Förderzentrum (TFZ): Sorghum für die Verwendung in Biogasanlagen., TFZ, Straubing 2010.</ref>

Nutzungsgeschichte

Die beiden ältesten Funde von Rispenhirse in Deutschland (Nähe Leipzig und Kreis Hadersleben) stammen aus der Zeit der Linienbandkeramik (Altneolithikum 5500–4900 v. Chr.).<ref>Udelgard Körber-Grohne: Nutzpflanzen in Deutschland: Kulturgeschichte und Biologie. Verlag Theiss, 1987, ISBN 3-8062-0481-0.</ref> Doch hat die Hirse sich zunächst nicht durchsetzen können. Erst in der Bronzezeit begann ihr Siegeszug durch Europa, wie Forschende der Universität Kiel (Sonderforschungsbereich 1266) rund um die Archäobotanikerin Wiebke Kirleis gezeigt haben.<ref>Millet and What Else? The Wider Context of the Adoption of Millet Cultivation in Europe. In: Wiebke Kirleis, Marta Dal Corso, Dragana Filipović (Hrsg.): Scales of Transformation. Band 14. Sidestone Press, Leiden, ISBN 978-94-6427-015-0.</ref> Mittels zahlreicher 14C-Datierungen und Literaturstudien haben sie den Verbreitungsweg durch Europa nachzeichnen können, der im 17. Jahrhundert v. Chr. nördlich des Schwarzen Meeres (Vinogradnyi Sad) begann.<ref>Marta Dal Corso, Galyna Pashkevych, Dragana Filipović, Xinyi Liu, Giedre Motuzaite Matuzeviciute, Astrid Stobbe, Ludmila Shatilo, Mihail Videiko, Wiebke Kirleis: Between Cereal Agriculture and Animal Husbandry: Millet in the Early Economy of the North Pontic Region. In: Journal of World Prehistory. Band 35, Nr. 3, 1. Dezember 2022, ISSN 1573-7802, S. 321–374, doi:10.1007/s10963-022-09171-1 (springer.com [abgerufen am 20. Februar 2025]).</ref> Ab 1500 v. Chr. ist Hirse in Norditalien nachgewiesen, ab 1450 v. Chr. in Mittel- und Westdeutschland und ab 1200 v. Chr. in Norddeutschland.<ref>Als Hirse auf den Speiseplan des Menschen kam. 28. April 2017, abgerufen am 20. Februar 2025.</ref><ref>Hirse in der Bronzezeit: Ein Superfood erobert die Welt – Innovations Report. 10. Juni 2022, abgerufen am 20. Februar 2025.</ref>

Im Altertum und Mittelalter zählten die unterschiedlichen Hirsearten zum meistangebauten Getreide. Durch Ausgrabungen in Mittel- und Norddeutschland ist ebenso der Hirseanbau in der vorrömischen Eisenzeit (Hallstatt- und Latènezeit) sowie der römischen Zeit (1.–3. Jahrhundert n. Chr.) belegt.<ref>Udelgard Körber-Grohne: Nutzpflanzen und Umwelt im römischen Germanien, herausgegeben von der Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern e. V.</ref> In der frühen Neuzeit wurden sie in Europa durch die Einfuhr und folgenden Anbau von Kartoffeln und Mais fast völlig verdrängt. Hinweise auf Hirseanbau und -verarbeitung finden sich allerdings noch aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg.<ref>Franz-Josef Sehr: Steinerne Erinnerung an den Hirse-Fritz – Ein Kreuz im Wald bei Obertiefenbach verweist auf einen Raubmord vor 333 Jahren. Hrsg.: Weilburger Tageblatt. Weilburg 30. Oktober 2020.</ref> Im Himalayagebiet wird aus verschiedenen Sorten ein schwachalkoholisches Bier gebraut. Auf dem Balkan, in der Türkei und in Zentralasien trinkt man ein schwachalkoholisches Getränk namens Boza, welches (ursprünglich) auf Hirsemalz basiert. Gästen des Hunnenkönigs Attila wurde ausschließlich Hirse gereicht. Um die Gesundheit und Kraft zu stärken, empfahl der griechische Philosoph Pythagoras die Hirse.

Hirsen spielen in Mitteleuropa für die Ernährung des Menschen keine große Rolle mehr, obwohl sie bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts weit verbreitet waren. Da sie auch auf trockeneren und nährstoffärmeren Boden wuchsen, galten sie als „Hungergetreide“.<ref name="Unterschätzt" />

Durchschnittliche Zusammensetzung

Die Zusammensetzung von Hirse schwankt naturgemäß, sowohl in Abhängigkeit von den Umweltbedingungen (Boden, Klima) als auch von der Anbautechnik (Düngung, Pflanzenschutz).

Angaben je 100 g essbarem Anteil der Rispenhirse, Panicum miliaceum:<ref name=":0">Hirse bei Spektrum.de.</ref>

Bestandteile
Wasser 12,1 g
Eiweiß 9,8 g
Fett 3,9 g
Kohlenhydrate 68,8 g
Ballaststoffe 3,8 g
Mineralstoffe
Natrium 3 mg
Kalium 215 mg
Magnesium 170 mg
Calcium 20 mg
Eisen 9 mg
Vitamine
Thiamin (Vit. B1) 260 µg
Riboflavin (Vit. B2) 140 µg
Vitamin B6 750 µg
Nicotinsäure 1,8 mg

Der physiologische Brennwert beträgt 1484 kJ (355 kcal) je 100 g essbarem Anteil.

Wirtschaftliche Bedeutung

Datei:Millet porridge.png
Hirsebrei

Weltweit wurden im Jahr 2020 laut FAO insgesamt etwa 89,2 Mio. t Hirse produziert. Davon entfielen 58,7 Mio. t auf Sorghumhirsen und 30,5 Mio. t auf Millethirsen.<ref name="fao" /> Der Hektarertrag ist mit durchschnittlich 12,0 dt/ha (Sorghum: 14,6 dt/ha, Millet: 9,5 dt/ha) von allen Getreidearten der geringste. Dies ist einer der Gründe, weshalb der wesentlich ertragreichere Mais in den traditionellen Hirseanbaugebieten immer populärer wird. Allerdings hat Hirse gegenüber Mais den großen Vorteil, dass die Ernte selbst bei sehr schlechtem Wetter fast nie komplett ausfällt.

Die produzierte Hirse wurde hauptsächlich zu Breinahrung, Süßspeisen und Futtermittel verarbeitet.

Die größten Hirseproduzenten

Im Jahr 2022 wurden laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO weltweit insgesamt etwa 70 Mio. t Hirse geerntet.<ref name="fao">Crops > Sorghum und Crops > Millet. In: Offizielle Produktionsstatistiken der FAO für 2022. fao.org, abgerufen am 11. März 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Folgende Tabellen geben eine Übersicht über die 10 jeweils größten Produzenten von Sorghum- und Millethirsen weltweit.

Sorghumhirsen Tonnen
NigeriaDatei:Flag of Nigeria.svg Nigeria 6.806.370
SudanDatei:Flag of Sudan.svg Sudan 5.248.000
Vereinigte StaatenDatei:Flag of the United States.svg Vereinigte Staaten 4.769.960
MexikoDatei:Flag of Mexico.svg Mexiko 4.754.169
AthiopienDatei:Flag of Ethiopia.svg Äthiopien 4.200.000
IndienDatei:Flag of India.svg Indien 4.150.570
China VolksrepublikDatei:Flag of the People's Republic of China.svg Volksrepublik China 3.180.000
BrasilienDatei:Flag of Brazil.svg Brasilien 2.923.318
ArgentinienDatei:Flag of Argentina.svg Argentinien 2.883.301
AustralienDatei:Flag of Australia (converted).svg Australien 2.648.069
Summe Top Ten 41.563.757
Millethirsen Tonnen
IndienDatei:Flag of India.svg Indien 11.849.190
NigerDatei:Flag of Niger.svg Niger 3.656.958
China VolksrepublikDatei:Flag of the People's Republic of China.svg Volksrepublik China 2.700.000
NigeriaDatei:Flag of Nigeria.svg Nigeria 1.941.220
MaliDatei:Flag of Mali.svg Mali 1.844.664
SudanDatei:Flag of Sudan.svg Sudan 1.675.000
AthiopienDatei:Flag of Ethiopia.svg Äthiopien 1.150.000
SenegalDatei:Flag of Senegal.svg Senegal 1.097.033
Burkina FasoDatei:Flag of Burkina Faso.svg Burkina Faso 907.745
TschadDatei:Flag of Chad.svg Tschad 694.196
Summe Top Ten 27.516.006

Handel

Im Jahr 2021 wurden weltweit etwa 10,9 Millionen Tonnen Sorghum exportiert. Die größten Exporteure waren die USA (6,6 Mio. t), Argentinien (2,11 Mio. t) und Australien (1,59 Mio. t).<ref name="fao_Handel">Trade > Crops and livestock products > Sorghum. In: Offizielle Handelsstatistik der FAO für 2021. fao.org, abgerufen am 16. Januar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Internationales Jahr der Hirse

Um auf die Bedeutung der Hirse im Kampf gegen den Hunger in Afrika und Asien, die Schwierigkeiten des Anbaus in Zeiten des Klimawandels und um die globale und lokale Vermarktung zu fördern rief die Generalversammlung der Vereinten Nationen im März 2021 das Jahr 2023 als Internationales Jahr der Hirse aus.<ref>International Year of Millets. In: www.fao.org. Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO), abgerufen am 19. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Siehe auch

Weblinks

Commons: Millethirse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Digitale Ausstellung zur Hirse in der Bronzezeit

Commons: Sorghumhirse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Hirse – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen


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