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Fritz Thiedemann

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Datei:Springreiter Fritz Thiedemann (Kiel 78.212).jpg
Fritz Thiedemann, um 1957

Fritz Thiedemann (* 3. März 1918 in Weddinghusen bei Heide in Schleswig-Holstein; † 8. Januar 2000 ebenda) war ein deutscher Springreiter, Landwirt und Unternehmer. Seit 1938 erzielte er über 500 Turniererfolge.

Werdegang

Fritz Thiedemann wurde als Sohn des Landwirts Klaus Thiedemann und dessen Ehefrau, eine geborene Hausen, in der Nähe von Heide im damaligen Kreis Norderdithmarschen geboren. Er war evangelisch, das jüngste von neun Kindern und erhielt zunächst auf den für landwirtschaftliche Zwecke gehaltenen Pferden einfachen Reitunterricht.<ref>NDR: Fritz Thiedemann: Unkompliziert und bodenständig. 10. Oktober 2000, abgerufen am 2. August 2024.</ref> Es folgten erste Turnierteilnahmen. Seine weitere reiterliche Ausbildung absolvierte Thiedemann zunächst in der Kavallerieschule Hannover, später mit deren Verlegung dann in der Heeres-Reitschule in Potsdam-Krampnitz.<ref name="NDR">NDR: Fritz Thiedemann - Reitsport-Ikone aus Holstein. Abgerufen am 2. August 2024.</ref>

Bis 1934 besuchte er die Oberrealschule in Heide und begann danach eine landwirtschaftliche Ausbildung. Thiedemann trat 1936 der SA bei und erhielt seine Ausbildung maßgeblich auf der SA-Reichsreiterführerschule in Berlin-Düppel. Sein Trainer war Major Felix Bürkner.<ref name="NDR" /> 1938 bis 1945 war Thiedemann Soldat (zuletzt als Oberleutnant und Schwadronschef). 1938 gewann er beim Berliner Frühjahrsturnier den Preis der Deutschlandhalle.<ref>Susanne Hennig, Werner Ernst: 100 Jahre Pferdezucht und Pferdesport in Deutschland. FN-Verl. der Deutschen Reiterlichen Vereinigung Warendorf 2005, ISBN 3-88542-377-4, S. 103.</ref> Von 1940 bis 1943 besuchte er die Kavallerieschule Potsdam-Krampnitz.

In den nationalen Wettbewerben erreichte er 1950 den Durchbruch beim Deutschen Springderby in Hamburg. Hier errang er den Sieg auf dem Pferd Loretto. Im darauffolgenden Jahr wurde er ebenfalls Sieger auf Meteor, mit dem er insgesamt 150 Turniererfolge erzielte. 1954 gewann er beim Country-Life-Cup und beim King Georges V Gold Cup in London und erhielt den Pokal dazu aus den Händen der Königin Elisabeth II.

Gemeinsam mit Hans Günter Winkler war Fritz Thiedemann der herausragende deutsche Springreiter der 1950er Jahre. Bei den Olympischen Sommerspielen 1952 in Helsinki gelang es ihm, als bisher einzigem Reiter der Welt, sowohl im Springreiten als auch in der Dressur in die Medaillenränge zu reiten: er gewann die Bronzemedaille im Springreiten und mit der deutschen Dressurmannschaft ebenfalls eine Bronzemedaille. In der Einzelwertung errang er im Dressurreiten den Platz 12 auf „Chronist“ und im Springreiten den dritten Platz.

Bei den olympischen Reiterspielen in Stockholm 1956 gewann er die Goldmedaille mit der deutschen Mannschaft im Springreiten. In der Einzelwertung belegte er den vierten Platz auf „Meteor“. Die Goldmedaille konnte er dann auch bei den Spielen in Rom 1960 wiederholen. Sowohl bei den separaten Reiterspielen 1956 als auch 1960 in Rom trug er die deutsche Fahne beim Einzug der Mannschaften während der Eröffnungsfeier. Damit ist er der einzige deutsche Sportler, der bei zwei olympischen Eröffnungsfeiern als Fahnenträger auftrat.

Der Name Fritz Thiedemann ist eng verbunden mit dem seinerzeit weltweit erfolgreichsten Springpferd Meteor, mit dem er auch die meisten Titel errang. Als das Pferd am 26. August 1966 starb, wurde ihm ein Denkmal vor der Staatskanzlei in Kiel<ref>Das "Meteor"-Denkmal hat Geburtstag. Abgerufen am 4. Januar 2012.</ref> gesetzt.

Im Jahre 1961 beendete der Landwirt Fritz Thiedemann seine aktive sportliche Karriere, blieb aber weiterhin dem Pferdesport und der Pferdezucht eng verbunden und gab hier seine langjährigen Erfahrungen weiter. Für seine Verdienste wurde er 1974 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Ende 1999 erkrankte er an einer Lungenentzündung und musste am 16. Dezember zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus eingeliefert werden. Dort starb er am 8. Januar 2000.<ref>Fritz Thiedemann im Munzinger-Archiv, abgerufen am 4. März 2024 (Artikelanfang frei abrufbar)</ref><ref>Aloys Behler: Ein Stück von Meteor. In: Die Zeit. 4. März 1983, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 2. August 2024]).</ref> Fritz Thiedemann war ab 1950 mit Anneliese Thiedemann, geborene Groth, verheiratet und hatte drei Kinder (Anke und die Zwillinge Claus und Hartwig).

Ehrungen und Auszeichnungen

Datei:Fritz-Thiedemann-Halle Elmshorn.jpg
Fritz-Thiedemann-Halle Elmshorn

In Heide, wo er später wohnte, ist eine Straße nach ihm benannt, der Fritz-Thiedemann-Ring, der eine Umgehung des Stadtgebietes ermöglicht. An dessen nordöstlichem Ende befindet sich nahe der Kreuzung mit der Waldschlösschenstraße ein Gedenkstein. Die Stadt Elmshorn verlieh ihm 1956 die Ehrenbürgerwürde wegen seiner Verdienste um die Stadt und die dortige Reit- und Fahrschule, an der er jahrelang tätig war. Auch die dortige, 2005 neu eröffnete Auktions- und Reithalle des Verbandes der Züchter des Holsteiner Pferdes ist nach Thiedemann benannt, ebenso ein Fritz-Thiedemann-Weg. Seine Pferde sind in Elmshorn durch Benennung der Straßen Meteorstraße, Finaleweg, Retinastraße und Diamantstraße auch heute noch präsent. Eine Fritz-Thiedemann-Straße findet sich zudem noch in Kachtenhausen.

Im Laufe seines Lebens hat er diverse Auszeichnungen erhalten: Als erster Sportler bekam Thiedemann das Silberne Lorbeerblatt im Juni 1950 vom Bundespräsidenten (Theodor Heuss) überreicht.<ref>Das Silberne Lorbeerblatt, Internetpräsenz des Bundespräsidenten/Bundespräsidialamts</ref> Die Auszeichnung erhielt er auch 1951, 1952, 1956 und 1960. Ebenfalls 1950 erhielt er als Erster das Goldene Reiterabzeichen mit Brillanten. Sechs Jahre später wurde ihm die Ehrenbürgerschaft der Stadt Elmshorn verliehen.<ref>Stadt Elmshorn: Ehrenbürger der Stadt Elmshorn. Abgerufen am 2. August 2024.</ref> Im Jahr 1959 bekam er für 27 Nationenpreise das Goldene Band des Vereins Deutsche Sportpresse, 1964 die Silberne Ehrennadel der Internationalen Reiterlichen Vereinigung in Brüssel. 1984 erhielt er in München den ISPO-Pokal.<ref>Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1243.</ref>

Im Jahr 1958 wurde er Sportler des Jahres in der Bundesrepublik, 1961 erhielt er die Sportplakette des Landes Schleswig-Holstein.<ref>Ministerpräsidentin Heide Simonis würdigt die großen Verdienste Fritz Thiedemanns. In: schleswig-holstein.de. 10. Januar 2000, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 18. Mai 2013.@1@2Vorlage:Toter Link/www.schleswig-holstein.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> 1974 folgte die Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes.<ref>Vor elf Jahren starb der große Fritz Thiedemann. Abgerufen am 2. August 2024.</ref> 2008 wurde Fritz Thiedemann in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen.

Erfolge

Veröffentlichungen

  • Meine Freund Meteor. 1957.
  • Meine Pferde – mein Leben. 1961.
  • Das Springpferd. 1979.

Literatur

  • Stefan Jordan: Thiedemann, Fritz. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 26. Duncker & Humblot, Berlin 2016, ISBN 978-3-428-11207-4, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
  • Eckhard F. Schröter: Das Glück dieser Erde. Leben und Karriere deutscher Springreiter. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt a. M. 1980, ISBN 3-596-23019-5.
  • Thiedemann, Fritz. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1243.
  • Susanne Hennig, Werner Ernst: 100 Jahre Pferdezucht und Pferdesport in Deutschland. FN-Verl. der Deutschen Reiterlichen Vereinigung Warendorf 2005, ISBN 3-88542-377-4.
  • Schönerstedt: Meisterreiter Fritz Thiedemann.

Weblinks

Commons: Fritz Thiedemann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references/>

<templatestyles src="BoxenVerschmelzen/styles.css" />

Vorlage:Klappleiste/Anfang 1957: Hans Günter Winkler | 1958: Fritz Thiedemann | 1959: Piero D’Inzeo | 1961: David Broome | 1962: David Barker | 1963: Graziano Mancinelli | 1965: Hermann Schridde | 1966: Nelson Pessoa | 1967/69: David Broome | 1971: Hartwig Steenken | 1973: Paddy MacMahon | 1975: Alwin Schockemöhle | 1977: Johan Heins | 1979: Gerd Wiltfang | 1981/83/85: Paul Schockemöhle | 1987: Pierre Durand | 1989: John Whitaker | 1991: Éric Navet | 1993: Willi Melliger | 1995: Peter Charles | 1997: Ludger Beerbaum | 1999: Alexandra Ledermann | 2001: Ludger Beerbaum | 2003: Christian Ahlmann | 2005: Marco Kutscher | 2007: Meredith Michaels-Beerbaum | 2009: Kevin Staut | 2011Rolf-Göran Bengtsson | 2013Roger-Yves Bost | 2015Jeroen Dubbeldam | 2017Peder Fredricson | 2019Martin Fuchs | 2021André Thieme Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden. Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Navigationsleiste Olympiasieger im Springreiten (Mannschaft)<templatestyles src="Erweiterte Navigationsleiste/styles legacy.css" />Vorlage:Klappleiste/Anfang

Sommer
Deutsches Kaiserreich Deutsches ReichDatei:Flag of Germany (1867–1919).svg

1896–1904 keine Fahnenträger1906 Georg Hax1908 Wilhelm Kaufmann1912 Karl Halt

Deutsches Reich Deutsches ReichDatei:Flag of Germany (3-2).svg

1920/24 keine Teilnahme1928 Ernst Paulus1932 Georg Gehring

Deutsches Reich Deutsches Reich NSDatei:Flag of the German Reich (1935–1945).svg

1936 Hans Fritsch (E) / Toni Merkens (S)

Unter alliierter Besatzung Deutschland 1946Datei:Flag of Germany (1946-1949).svg

1948 keine Teilnahme

Deutschland Deutschland BundesrepublikDatei:Flag of Germany.svg

1952 Friedel Schirmer (E) / Herbert Klein (S)

Saarland Saarland 1947Datei:Flag of Saar (1947–1956).svg

1952 Toni Breder (E) / Herbert Kesel (S)

Gesamtdeutsche Mannschaft Deutschland Mannschaft Gesamtdeutsch 1956Datei:Flag of Germany.svg

1956 Karl-Friedrich Haas (E) / Klaus Richtzenhain (S) • Reiterspiele: Fritz Thiedemann (E) + (S)

Gesamtdeutsche Mannschaft Deutschland Mannschaft GesamtdeutschDatei:Flag of the German Olympic Team (1960-1968).svg

1960 Fritz Thiedemann (E) / Ingrid Krämer (S) • 1964 Ingrid Engel-Krämer (E) / Bernhard Britting (S)

BR Deutschland Deutschland BundesrepublikDatei:Flag of Germany.svg

1968 Wilfried Dietrich (E) / Ingrid Becker (S) • 1972 Detlef Lewe (E) / Carsten Keller (S) • 1976 Hans Günter Winkler (E) / Annegret Richter (S) • 1980 keine Teilnahme1984 Willi Kuhweide (E) / Ulrike Meyfarth (S) • 1988 Reiner Klimke (E) / Anja Fichtel (S)

DDR Deutschland Demokratische Republik 1949Datei:Flag of East Germany.svg

1968 Karin Balzer (E) / Dieter Schubert (S) • 1972 Manfred Wolke (E) / Renate Stecher (S) • 1976 Hans-Georg Reimann (E) / Ruth Fuchs (S) • 1980 Kristina Richter (E) / Waldemar Cierpinski (S) • 1984 keine Teilnahme1988 Ulf Timmermann (E) / Olaf Heukrodt (S)

Deutschland DeutschlandDeutschland

1992 Manfred Klein (E) / Nicole Uphoff (S) • 1996 Arnd Schmitt (E) / Birgit Fischer (S) • 2000 Birgit Fischer (E) / Heike Drechsler (S) • 2004 Ludger Beerbaum (E) / Kathrin Boron (S) • 2008 Dirk Nowitzki (E) / Katrin Wagner-Augustin (S) • 2012 Natascha Keller (E) / Kristof Wilke (S) • 2016 Timo Boll (E) / Sebastian Brendel (S) • 2020 Laura Ludwig, Patrick Hausding (E) / Ronald Rauhe (S) • 2024 Anna-Maria Wagner, Dennis Schröder (E) / Laura Lindemann, Max Rendschmidt (S)

Winter
Deutsches Reich Deutsches ReichDatei:Flag of Germany (3-2).svg

1924 keine Teilnahme1928 Karl Neuner1932 Martin Schröttle

Deutsches Reich Deutsches Reich NSDatei:Flag of the German Reich (1935–1945).svg

1936 Georg von Kaufmann (E) / nicht überliefert (S)

Unter alliierter Besatzung Deutschland 1946Datei:Flag of Germany (1946-1949).svg

1948 keine Teilnahme

Deutschland Deutschland BundesrepublikDatei:Flag of Germany.svg

1952 Helmut Böck (E) / Andreas Ostler (S)

Saarland Saarland 1947Datei:Flag of Saar (1947–1956).svg

1952 keine Teilnahme1956 Gesamtdeutsche Mannschaft

Gesamtdeutsche Mannschaft Deutschland Mannschaft Gesamtdeutsch 1956Datei:Flag of Germany.svg

1956 Andreas Ostler (E) + (S)

Gesamtdeutsche Mannschaft Deutschland Mannschaft GesamtdeutschDatei:Flag of the German Olympic Team (1960-1968).svg

1960 Helmut Recknagel (E) / Georg Thoma (S) • 1964 Georg Thoma (E) / Ortrun Enderlein (S)

BR Deutschland Deutschland BundesrepublikDatei:Flag of Germany.svg

1968 Hans Plenk (E) / Franz Keller (S) • 1972 Walter Demel (E) / Wolfgang Zimmerer (S) • 1976 Wolfgang Zimmerer (E) / Rosi Mittermaier (S) • 1980 Urban Hettich (E) / Irene Epple (S) • 1984 Monika Pflug (E) / Peter Angerer (S) • 1988 Peter Angerer (E) / Fritz Fischer (S)

DDR Deutschland Demokratische Republik 1949Datei:Flag of East Germany.svg

1968 Thomas Köhler (E) / Klaus-Michael Bonsack (S) • 1972 Klaus-Michael Bonsack (E) / Wolfgang Scheidel (S) • 1976 Meinhard Nehmer (E) / Ulrich Wehling (S) • 1980 Jan Hoffmann (E) / Frank Ullrich (S) • 1984 Frank Ullrich (E) / Karin Enke (S) • 1988 Frank-Peter Roetsch (E) / Christa Rothenburger (S)

Deutschland DeutschlandDeutschland

1992 Wolfgang Hoppe (E) / Antje Misersky (S) • 1994 Mark Kirchner (E) / Claudia Pechstein (S) • 1998 Jochen Behle (E) / Gunda Niemann (S) • 2002 Hilde Gerg (E) / Georg Hackl (S) • 2006 Kati Wilhelm (E) / Claudia Pechstein (S) • 2010 André Lange (E) / Magdalena Neuner (S) • 2014 Maria Höfl-Riesch (E) / Felix Loch (S) • 2018 Eric Frenzel (E) / Christian Ehrhoff (S) • 2022 Claudia Pechstein, Francesco Friedrich (E) / Thorsten Margis (S) • 2026 Katharina Schmid, Leon Draisaitl (E) / Tobias Wendl, Tobias Arlt (S)

(E) = Eröffnungsfeier, (S) = Schlussfeier
Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Navigationsleiste Deutschlands Sportler des Jahres

Vorlage:Hinweisbaustein