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Amira Hass

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Amira Hass im Jahr 2014

Amira Hass ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value);  * 28. Juni 1956 in Jerusalem) ist eine israelische Journalistin der Tageszeitung Haaretz und Buchautorin.

Biografie

Amira Hass ist das einzige Kind von Hanna Lévy-Hass (1913–2001), geboren in Sarajevo und von Abraham Hass (1923–1997), geboren in Suceava, Rumänien. Die Eltern waren Holocaust-Überlebende. Ihre Mutter wurde als Titopartisanin in Jugoslawien von den deutschen Besatzern nach Bergen-Belsen deportiert, wo sie ein Tagebuch schrieb. Ihr Vater überlebte die Deportation nach Transnistrien. Vater und Mutter emigrierten 1949 nach Israel, wo Abraham Hass ein führendes Mitglied der Kommunistischen Partei wurde.<ref>Amira Hass, Nachwort: Über meine Eltern. In: Hanna Lévy-Hass, Tagebuch aus Bergen-Belsen: 1944–1945, C. H. Beck, München 2009, S. 113–155, 113 f.</ref>

Amira Hass studierte Geschichte an der Universität Jerusalem, mit Schwerpunkt auf dem Nationalsozialismus, und arbeitet seit 1989 als Korrespondentin der israelischen Tageszeitung Haaretz. Sie berichtete zunächst über die Rumänische Revolution 1989 und schreibt seit 1991, als die Erste Intifada zu Ende ging, über die palästinensischen Autonomiegebiete.<ref name="unesco2003">Israeli Journalist Amira Hass Awarded World Press Freedom Prize 2003, UNESCO, 3. Juni 2003, abgerufen am 12. November 2014</ref>

Hass ist die erste israelische Journalistin, die in den palästinensischen Autonomiegebieten lebt. 1993 zog sie nach Gaza und 1997 nach Ramallah.<ref name="unesco2003"/>

Seit 2001 schreibt sie wöchentlich Kolumnen für die italienische Wochenzeitung Internazionale. Die Kolumnen der Jahre 2001 bis 2005 wurden aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt und mit vertiefenden Einführungen im Jahr 2006 als Buch veröffentlicht.<ref>Amira Hass: Morgen wird alles schlimmer: Berichte aus Palästina und Israel. München: C. H. Beck, München 2006, S. 7</ref> Im Rückblick fasst Hass die Ereignisse seit der ersten Intifada 1987 mit kritischem Blick sowohl auf die Politik des Staates Israel als auch auf die palästinensische Führung so zusammen:

„De Facto dehnte der Staat Israel seine Souveränität vom Meer bis zum Fluss [vom Mittelmeer bis zum Jordan] aus […] Die palästinensische Führung, die die Wirkung der israelischen Politik unterschätzt hatte und von den persönlichen Vorteilen geblendet war, die die Oslo-Jahre für sie bedeuteten, versäumte es gegen die Schaffung des „Einen Staates“ und die de facto demographische Trennung mit einer geplanten Strategie des zivilen Ungehorsams anzukämpfen.“<ref>Amira Hass: Morgen wird alles schlimmer: Berichte aus Palästina und Israel. München 2006, S. 31 f.</ref>

Israels Politik bezeichnete sie als „Apartheidpolitik“, da es hauptsächlich Juden seien, die Privilegien genießen würden.<ref>Criticism of Israel Is not ‘anti-Semitism’</ref>

Im Juni 2001 wurde Hass schuldig gesprochen, ungerechtfertigterweise die jüdische Siedlergemeinschaft in Hebron diffamiert zu haben. Sie behauptete in einem Zeitungsartikel, diese hätten die Leiche eines Palästinensers geschändet, was sich nachweislich als falsch herausstellte. Die Geldstrafe belief sich auf 250.000 Schekel, zusätzlich dazu musste sie die Verfahrenskosten in Höhe von 18.000 Schekeln zahlen.<ref name="highbeam"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />‘Ha’aretz’ journalist ordered to pay Hebron residents NIS 250,000 (Memento vom 10. Juni 2014 im Internet Archive), The Jerusalem Post via HighBeam Research, 8. Juni 2001</ref>

Von der israelischen Grenzkontrolle wurde Hass im Dezember 2008 vorläufig festgenommen, weil sie sich in unerlaubtem Gebiet ohne Zulassung aufhielt.<ref name="Festnahme"/> Zuvor war sie nach Todesdrohungen, die sie von Hamas-Funktionären erhalten hatte, aus dem Gazastreifen geflüchtet.<ref>Amira Hass fled from Gaza, nrg Maariw, 4. Dezember 2008</ref>

Erneut wurde sie am 12. Mai 2009 vorläufig festgenommen. Unter der Auflage, den Gazastreifen nicht innerhalb der nächsten 30 Tage zu betreten, wurde sie von der Polizei wieder freigelassen. Die israelischen Verteidigungsstreitkräfte verhängten eine Sperre in dem Gebiet, nachdem der Soldat Gilad Shalit 2006 von Palästinensern entführt worden war.<ref name="Festnahme">Redaktion: Haaretz reporter Amira Hass arrested upon leaving Gaza. In: Haaretz, 12. Mai 2009.</ref>

Im April 2013 schrieb Hass einen Artikel in Haaretz, in dem sie das Steinewerfen jugendlicher Palästinenser auf Israelis, in Anspielung auf die Organisation Birthright (dt. Geburtsrecht), als das „Geburtsrecht und Pflicht eines jeden unter fremder Herrschaft“ und „Metapher für den Widerstand“ verteidigte.<ref>Amira Hass: The inner syntax of Palestinian stone-throwing. In: Haaretz, 3. April 2013.</ref> Daraufhin entbrannte eine Debatte, bei der die Mutter eines Kindes, welches sich in Folge eines Steinwurfs in einem kritischen, lebensgefährlichen Zustand befindet, ihr riet, sie solle sich ihr Kind auf der Intensivstation anschauen.<ref>Zach Pontz: Mother of Girl Injured by Stone Throwing Responds to Ha’aretz: “Come to the Intensive Care Unit, and See My Adele”. In: The Algemeiner, 4. April 2013.</ref> Der Yesha-Rat und Attorney General Jehuda Weinstein und die Polizei beschuldigten Hass des Anstachelns zu Gewalt und legten dar, wie sehr Steinewerfen für schwere Verletzungen und Tote verantwortlich war.<ref>Aaron Kalman: Settlers accuse Haaretz writer of inciting violence. In: The Times of Israel, 4. April 2013.</ref>

Im September 2014 wollte Hass auf Einladung der Rosa-Luxemburg-Stiftung an einer von dieser mit der Universität Bir Zait im Westjordanland veranstalteten internationalen Konferenz „Alternatives to Neo-Liberal Development in the Occupied Palestinian Territories – Critical Perspectives“ teilnehmen. Sie musste jedoch das Campusgelände wieder verlassen, da sie sich als israelische Jüdin aufgrund einer entsprechenden Rechtsnorm der Hochschule nicht dort aufhalten darf.<ref>Amira Hass: When a Haaretz journalist was asked to leave a Palestinian university. In: Haaretz vom 28. September 2014. Abgerufen am 30. September 2014.</ref><ref>Stellungnahme des Regionalbüros Palästina der Rosa-Luxemburg-Stiftung zum Ausschluss von Amira Hass von internationaler Konferenz. vom 26. September 2014. Abgerufen am 30. September 2014.</ref>

Auch im Krieg in Israel und Gaza seit Oktober 2023 hält sie weiterhin den Kontakt zu ihren zahlreichen Gesprächspartnern in Gaza aufrecht.<ref name=":0">Sylvain Cypel: L’État d’Israël contre les Juifs: Après Gaza – Nouvelle édition augmentée (= La Découverte Poche. Nr. 593). 2. Auflage. Éditions La Découverte, Paris 2024, ISBN 978-2-348-08372-3, S. 23 f., 37 f.</ref> Ein Vertrauter, dessen Berichte sie bearbeitet und veröffentlicht, ist der dort lebende Nahosthistoriker Bassam Nasser,<ref name=":0" /> dessen Appell im Namen der Psychiater und Psychologen Gazas sie am 4. Dezember 2023 in Haaretz veröffentlichte.

Auszeichnungen

Schriften

  • Einleitung. Anmerkungen über meine Mutter, in: Hanna Lévy-Hass, Tagebuch aus Bergen-Belsen 1944–1945, München: Beck 2009, S. 9–32.
  • Nachwort: Über meine Eltern, in: Hanna Lévy-Hass, Tagebuch aus Bergen-Belsen 1944–1945, München: Beck 2009, S. 113–139.
  • Morgen wird alles schlimmer. Berichte aus Palästina und Israel. München: Beck 2006, ISBN 978-3-406-54968-7.
  • Bericht aus Ramallah. Eine israelische Journalistin im Palästinensergebiet. München: Beck 2004, ISBN 3-7205-2483-3.
  • Gaza. Tage und Nächte in einem besetzten Land (Drinking the Sea at Gaza: Days and Nights in a Land Under Siege), Beck, München 2003, ISBN 3-406-50203-2.
  • Israel und Palästina: Die Utopie einer normalen Zukunft. Ein Geschenk und seine Tücken. In: Irit Neidhardt (Hrsg.): Mit dem Konflikt leben!? Berichte und Analysen von Linken aus Israel und Palästina. Unrast, Münster 2003, ISBN 3-89771-010-2.

Weblinks

Commons: Amira Hass – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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