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Cremo

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Cremo S.A.
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1927
Sitz Villars-sur-Glâne, Schweiz
Leitung Xavier Monange
(Generaldirektor ad interim)<ref name="geschäftsleitung">Cremo-Chef abgesetzt. Schweizer Bauer, 27. November 2025, abgerufen am 3. Dezember 2025.</ref>
Georges Godel
(VR-Präsident)<ref name="godel">Cremo: Neuer Präsident soll Wende bringen. Schweizer Bauer, 3. Februar 2023, abgerufen am 4. Februar 2023.</ref>
Mitarbeiterzahl 794 (2022)
Umsatz 504,4 Mio. CHF (2024)
Branche Molkereiprodukte
Website cremo.ch

Die Cremo S.A. mit Sitz in Villars-sur-Glâne ist ein Schweizer Milchverarbeitungs­unternehmen und mit Stand des Jahres 2024 in Bezug auf die verarbeitete Milchmenge die zweit­grösste Molkerei in der Schweiz.<ref>Milchverarbeiter. In: swissmilk.ch. Abgerufen am 28. Dezember 2025.</ref>

Es produziert und vermarktet unterschiedliche Milchprodukte, wie Butter, Molkereiprodukte (Milch, UHT-Rahm, Kaffeerahm in Portionen, Joghurts), harte und halbharte Käsesorten wie Le Gruyère AOC oder Vacherin Fribourgeois, aber auch Milchpulver und Proteinkonzentrate, welche in der Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie eingesetzt werden.

Cremo gehört zu den 500 grössten Unternehmen in der Schweiz.

Geschichte

Die Wurzeln der Cremo liegen in den 1917 auf Verordnung des Schweizer Bundesrates gegründeten landesweiten Butterzentralen. Die Butterzentrale in Freiburg wurde 1917 in Betrieb genommen und fand sich im Besitz des Milchverbands Waadt-Freiburg und des Milchverbands der Berggebiete. 1927 wurde diese von den beiden verantwortlichen Milchverbänden in eine Aktiengesellschaft mit dem Namen Cremo umgewandelt. Ihr Ziel war die Herstellung und Vermarktung sämtlicher Milchprodukte und Milch-Nebenprodukte, die im Einzugsgebiet der Verbände hergestellt wurden.

Bis Ende der 1960er-Jahre stützte sich das Wachstum der Cremo vor allem auf die Erweiterung ihrer Produktepalette. Ab den 1970er-Jahren erfolgten verschiedene Übernahmen, u. a. der Freiburger Zentralmolkerei (1972), der Aktivitäten der Butterzentralen von Vevey, Neuenburg und Lausanne (1973) sowie der Schokoladefabrik Chocolats et Cafés Villars SA (1985), die auf die Herstellung von Schokolade und auf das Rösten von Kaffee spezialisiert war, zehn Jahre später aber an Soparind Bongrain (heutige Groupe Savencia Saveurs & Spécialités) verkauft wurde. 1987 beteiligte sich die Cremo an der Lacto Prospérité SA.

Im April 1981 nahm der Waadtländisch-Freiburgische Milchverband zusammen mit der Cremo S.A. eine Raclettekäsefabrik in Lucens in Betrieb.<ref>Neue Zürcher Zeitung (Hrsg.): Einweihung einer Raclettekäsefabrik in der Waadt. Nr. 208, 9. September 1981 (e-newspaperarchives.ch [abgerufen am 20. Mai 2025]).</ref>

Am 13. April 1990 wurde die Produktionsanlage in Villars-sur-Glâne durch Brandstiftung zerstört. In der Folge musste die Produktion für mehrere Tage bis Wochen eingestellt werden.<ref name="brand"/><ref>Ein Aufstieg aus Ruinen. In: freiburger-nachrichten.ch. 30. Juni 2020, abgerufen am 12. September 2021.</ref>

1991 ging Cremo mit den Laiteries Réunies de Genève (LRG) und mit der Intermilch in Bern Zusammenarbeitsverträge ein. 1998 unterzeichnete Cremo einen Zusammenarbeitsvertrag mit der Toni AG, welche 1997 die Intermilch integriert hatte. Im gleichen Jahr übernahm Cremo vom Werk Gossau SG der Toni-Gruppe die Herstellung von Kaffeerahm in Portionen, nachdem einige Jahre zuvor bereits die von Dietikon übernommen wurde.

Cremo ist Gesellschafterin der BO Butter GmbH.<ref>BO Butter GmbH. Handelsregisteramt des Kantons Bern, abgerufen am 22. April 2021.</ref><ref>Gesellschafter. In: bobutter.ch. BO Butter GmbH, abgerufen am 22. April 2021.</ref>

Ende 2002 unterzeichnete Cremo mit Unterstützung verschiedener Milchverbände und den entsprechenden Kantonen einen Übernahmevertrag für einen Teil der Aktivitäten der sich in Nachlassstundung befindenden Swiss Dairy Food. Dabei wurden die Produktionsstandorte Le Mont-sur-Lausanne (UHT-Abfüllung), Lucens (Käserei und Milchpulver) und Thun (Käserei und Milchpulver) in die Cremo integriert.

2014 übernahm Cremo die Walliser Unternehmen Vallait SA und Valcrème SA durch Aktientausch mit der Fédération Laitière Valaisanne (FLV), womit der FLV zum dritten Aktionär von Cremo wurde.<ref>Geschichte. In: cremo.ch. Abgerufen am 19. August 2025.</ref>

Die Association des Producteurs de Lait Cremo Valais (APLCV) ist an der 2014 gegründeten Exportgesellschaft Lactofama beteiligt.<ref>Drei weitere Aktionäre bei Lactofama. Schweizer Bauer, 10. Januar 2015, abgerufen am 22. April 2021.</ref>

2014 wurden die Pläne für den Neubau einer Bio-Molkerei in Lyss bekannt.<ref>Lyss: Milch und Joghurt aus der Industriezone In: bernerzeitung.ch, 18. Dezember 2014, abgerufen am 8. Februar 2018.</ref> Dazu wurde 2015 die Bio-Molkerei Seeland AG (BMS AG) gegründet. Die Lysser Molkerei Wasserfallen und die Molkerei Zaugg AG mit Sitz in Biel wurden in der BMS AG zusammengelegt.<ref>Baubeginn für die neue Bio-Molkerei in Lyss. (PDF) In: molkerei-zaugg.ch. 18. Februar 2018, abgerufen am 25. Januar 2021.</ref> 2020 ist die Bio-Molkerei Seeland AG durch eine Fusion in der Cremo S.A. aufgegangen.<ref>Mutation Cremo S.A., Villars-sur-Glâne. Schweizerisches Handelsamtsblatt, 19. Juni 2020, abgerufen am 25. Januar 2021.</ref> Ende Juni 2023 wurde das Werk geschlossen, da zu wenig Produkte am Markt abgesetzt werden konnten. Der Standort Lyss wurde aufgegeben.<ref>Simone Lippuner: Cremo-Aus in Lyss: Milchverarbeiter schätzte Markt komplett falsch ein. In: bernerzeitung.ch. 23. Juni 2023, abgerufen am 3. Juli 2023.</ref>

Cremo ist Gründungsmitglied der 2015 gegründeten Interessensgemeinschaft Bio Schweiz (IG Bio).<ref>Verein IG Bio gegründet. Schweizer Bauer, 22. Mai 2015, abgerufen am 8. April 2021.</ref><ref>Bioverarbeiter und Biohändler gründen die IG Bio. In: bioaktuell.ch. 28. Mai 2015, abgerufen am 8. April 2021.</ref>

Verluste in Millionenhöhe erwirtschaftete das Unternehmen in den Jahren 2017 (CHF −2,7 Mio.) und 2018 (CHF −7,5 Mio.).<ref>Sorgenkind der Milchwirtschaft. Schweizer Bauer, 4. September 2018, abgerufen am 22. April 2021.</ref><ref>Cremo mit Millionenverlust. Schweizer Bauer, 29. Mai 2019, abgerufen am 22. April 2021.</ref> Das Geschäftsjahr 2019 konnte wieder mit einem Gewinn (CHF 0,4 Mio.) abgeschlossen werden.<ref>Cremo erhöhte Milchpreis. Schweizer Bauer, 8. Juni 2020, abgerufen am 22. April 2021.</ref> 2020 ergab wieder einen Verlust von 3,1 Mio. CHF.<ref name="brand">Geschäftsbericht 2020. (PDF) In: cremo.ch. Abgerufen am 12. September 2021.</ref> 2021 wurde ein Gewinn von 20,3 Millionen Franken erwirtschaftet,<ref>Geschäftsbericht 2021. (PDF) In: cremo.ch. 2022, abgerufen am 15. Mai 2023.</ref> bevor 2022 ein Verlust von 21,5 Millionen Franken vermeldet wurde.<ref>Misere bei Nummer 2 nach Emmi - Milchverarbeiter Cremo im Elend – so soll es aufwärts gehen. In: srf.ch. 6. Juni 2023, abgerufen am 20. Mai 2025.</ref> 2023 wurde ein Verlust von 20,3 Millionen Franken erwirtschaftet und 2024 lag der Verlust bei 16,9 Millionen Franken.<ref>Milchkonzern Cremo erneut im Minus. In: swissinfo.ch. 16. Mai 2024, abgerufen am 20. Mai 2025.</ref><ref>Cremo schreibt auch 2024 rote Zahlen. In: swissinfo.ch. 15. Mai 2025, abgerufen am 20. Mai 2025.</ref>

2019 bestätigte das Bundesgericht, dass Cremo dem Bund 2,8 Millionen Franken zu Unrecht bezogene Verkäsungszulage aus den Jahren 2006 bis 2015 zurückerstatten muss.<ref>Cremo muss Millionen zurückzahlen. Schweizer Bauer, 8. Mai 2019, abgerufen am 22. April 2021.</ref>

Um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, wurde der Produktionsstandort Thun in Steffisburg Ende August 2021 geschlossen.<ref>Cremo schliesst Werk Steffisburg. Schweizer Bauer, 22. April 2021, abgerufen am 22. April 2021.</ref> Im Zuge der Schliessung wurden um die 40 Stellen abgebaut.<ref>Werksschliessung: Cremo einigt sich auf Sozialplan. Schweizer Bauer, 30. September 2021, abgerufen am 30. September 2021.</ref> Im Jahr 2022 hat Cremo das Werksareal an die STI Bus AG aus Thun verkauft.<ref>Cremo hat Werksareal verkauft. In: schweizerbauer.ch. 24. Mai 2022, abgerufen am 25. Mai 2022.</ref> Die Lieferplattform Petit Crémier, welche an verschiedenen Standorten ansässig ist, schliesst den Standort Thun per Ende September 2023.<ref>Petit Crémier: Cremo schliesst Steffisburg. In: schweizerbauer.ch. 13. Juli 2023, abgerufen am 19. August 2023.</ref> Bis Ende 2023 soll die Produktion in Lucens an den Standort Villars-sur-Glâne verlagert werden.<ref>Belinda Balmer: Cremo restrukturiert den Standort Lucens. In: bauernzeitung.ch. 5. Oktober 2022, abgerufen am 22. Oktober 2022.</ref> Per 1. Januar 2022 wurde die auf Walliser Raclettekäse spezialisierte Augstbordkäserei aus Turtmann übernommen.<ref>Cremo übernimmt Betrieb von Raclettekäserei. Schweizer Bauer, 17. Dezember 2021, abgerufen am 19. Dezember 2021.</ref> Im Jahr 2022 wurde die Innoprax AG, mit der dazugehörigen Marke Lattesso, übernommen.<ref>Erfinder von Caffè Latte ist tot. Schweizer Bauer, 19. August 2025, abgerufen am 19. August 2025.</ref> Das Milchmischgetränk wird bereits seit seiner Lancierung im Jahr 2013 exklusiv im Cremo-Werk in Siders hergestellt.<ref>Jil Schuller, Adrian Krebs: Cremo investiert in kalten Kaffee. BauernZeitung, 14. Januar 2022, abgerufen am 29. Mai 2022.</ref>

Cremo wird von drei regionalen Direktlieferanten-Organisationen beliefert: APLC (Freiburg), APLCV (Wallis) und VBMC (Bern).<ref>Jürg Vollmer: Vereinigung Berner Milchproduzenten Cremo VBMC ist neu 12. SMP-Mitglied. In: diegruene.ch. 12. April 2023, abgerufen am 15. April 2023.</ref> Der VBMC, bzw. der Verein der Berner-Milchproduzenten der CREMO AG, hat seinen Sitz in Wattenwil.<ref>Verein der Berner-Milchproduzenten der CREMO AG. Handelsregisteramt des Kantons Bern, abgerufen am 15. April 2023.</ref> Mit Ausnahme der Milchsammlung werden per 1. Mai 2024 sämtliche Transporte an die Galliker Transport AG und die Fenaco-Tochter Traveco Transporte AG ausgelagert.<ref>Peter Walthard: Galliker und Fenaco übernehmen Transporte für Cremo. In: bauernzeitung.ch. 29. Januar 2024, abgerufen am 23. Februar 2024.</ref> Im Juni desselben Jahres wurde die Produktion von Kaffeerahmportionen an die Emmi AG ausgelagert, welche diese nun am Standort Emmen LU für Cremo produziert.<ref>Emmi füllt für Cremo Kaffeerahm ab. In: schweizerbauer.ch. 18. Juni 2024, abgerufen am 19. Juni 2024.</ref> Als weitere Sparmassnahme soll die Produktion und Reifung von Emmentaler AOP bis Ende April 2025 eingestellt werden, die Vermarktung werde beibehalten.<ref>Peter Fankhauser: Bei Cremo ist der Emmentaler AOP Geschichte. In: bauernzeitung.ch. 9. Januar 2025, abgerufen am 19. Januar 2025.</ref> Die Produktion des Emmentalers erfolgte bis anhin in der seit 2003 gepachteten Käserei Waldegg in Kriechenwil, die Reifung und die Verpackung bei der Firma von Mühlenen AG in Düdingen, die seit 2006 im Besitz von Cremo ist.<ref>Kriechenwil: Cremo-Gruppe gibt Emmentaler AOP auf. In: bernerzeitung.ch. 3. Dezember 2024, abgerufen am 30. März 2025.</ref> Indes kündigte Cremo den Käsekaufvertrag mit der Emmentaler Schaukäserei in Affoltern im Emmental,<ref>«Keine andere Wahl»: Schaukäserei gibt das Käsen auf. In: schweizerbauer.ch. 11. März 2025, abgerufen am 30. März 2025.</ref> welche ihrerseits Ende Juni 2025 die Produktion von Emmentaler aufgab.<ref>Samuel Burri: So versucht das Emmental, die Käsekrise zu meistern. In: swissinfo.ch. 16. Juli 2025, abgerufen am 21. Juli 2025.</ref>

Leitung (Auswahl)

Von 1995 bis 2020 war Paul-Albert Nobs Geschäftsführer der Cremo,<ref>Paul-Albert Nobs. In: Archiv für Agrargeschichte. Abgerufen am 4. Februar 2023.</ref> 2020 bis 2021 übernahm Hervé Perret.<ref>Hervé Perret. In: Archiv für Agrargeschichte. Abgerufen am 4. Februar 2023.</ref><ref>Knall: Cremo-Chef schon wieder weg. Schweizer Bauer, 9. März 2021, abgerufen am 9. März 2021.</ref> Inzwischen wurde das Unternehmen von Frédéric Métrailler geleitet,<ref>Cremo hat neuen Direktor gefunden. Schweizer Bauer, 11. März 2021, abgerufen am 22. April 2021.</ref><ref>Frédéric Métrailler. In: Archiv für Agrargeschichte. Abgerufen am 4. Februar 2023.</ref> bevor Ralph Perroud im August 2023 den Posten übernahm.<ref>Cremo: Neuer Chef fängt früher an. Schweizer Bauer, 28. August 2023, abgerufen am 28. August 2023.</ref> Perroud trat im November 2025 mit sofortiger Wirkung von seinen Funktionen zurück. Der Verwaltungsrat ernannte Xavier Monange zum Generaldirektor ad interim.<ref name="geschäftsleitung" />

Im Jahr 2023 wurde Georges Godel zum Verwaltungsratspräsidenten gewählt.<ref name="godel"/> Zuvor hatten u. a. Alexandre Cotting (2020–2023),<ref>Alexandre Cotting. In: Archiv für Agrargeschichte. Abgerufen am 4. Februar 2023.</ref> Benoît Perroud (2012–2020),<ref>Benoît Perroud. In: Archiv für Agrargeschichte. Abgerufen am 4. Februar 2023.</ref> Alexis Gobet (1993–2012),<ref>Alexis Gobet. In: Archiv für Agrargeschichte. Abgerufen am 4. Februar 2023.</ref> Pierre Reynaud (1943–1984),<ref>Pierre Reynaud. In: Archiv für Agrargeschichte. Abgerufen am 4. Februar 2023.</ref> diesen Posten inne. Erster Präsident der Cremo S.A. war von 1927 bis 1937 Antoine Morard.

Aktionärsstruktur

Grösster Aktionär der Cremo S.A. ist die Fédération des sociétés fribourgeoises de laiterie (FSFL), eine regionale Mitgliedsorganisation der Schweizer Milchproduzenten. Weitere Aktionäre sind der Milchverband Prolait sowie die Milchpools Aaremilch und Mooh.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />