Belltower.News
Belltower.News (Untertitel: Netz für digitale Zivilgesellschaft) ist ein Internetportal der Amadeu Antonio Stiftung. Es wurde 2007 von der Wochenzeitung Die Zeit gegründet. Bis zum 3. April 2017 war die Initiative unter dem Namen Netz gegen Nazis bekannt.
Träger und Organisation
Das Portal wurde unter dem Namen Netz gegen Nazis zunächst von der Zeit gegründet. Initiiert wurde das Portal von deren Chefredakteur, Giovanni di Lorenzo und dem Verleger Stefan von Holtzbrinck Ende 2007. Vorbild war das noch heute in der Zeit-Online-Redaktion angegliederte Weblog Störungsmelder. Intention des Projektes ist laut di Lorenzo ein bundesweites Forum, in dem „Betroffene einander Rat geben können, was zu tun ist, wenn rechtsextremistisches Gedankengut in ihren Alltag eindringt“. Laien- und Experteninformationen sollen Themen des Rechtsextremismus sowie mögliche Gegenaktivitäten „verständlich verfügbar“ machen. Hauptanliegen sei, „Argumentationshilfen und Handlungsoptionen“ für Menschen zu liefern, die in Schulen, Sportverbänden oder anderen Vereinen „mit rechtsextremer Propaganda oder Gewalt zu tun haben“. Der Redakteur Toralf Staud beschrieb das Projekt als „Enzyklopädie und moderiertes Forum“. Insgesamt bestand die Redaktion aus einer festen Mitarbeiterin sowie zahlreichen freien Autoren.<ref>Netz Gegen Nazis: Impressum.</ref>
Gründungspartner waren der Deutsche Fußball-Bund (DFB), der Deutsche Olympische Sport-Bund (DOSB), die Deutsche Fußball Liga (DFL), der Deutsche Feuerwehrverband und das Zweite Deutsche Fernsehen. Als Medienpartner traten anfangs auch die zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck gehörenden VZ-Netzwerke studiVZ, schülerVZ und meinVZ auf. Die Aktion wurde mit kurzen Videospots Prominenter, wie der Fußballnationalspieler Michael Ballack, Philipp Lahm oder Christoph Metzelder, in mehreren Stadien unterstützt.<ref>Stefan Krempl: Netz gegen Nazis: „Wachsame Löwen“ im Internet und in Vereinen gegen Rechts. In: Heise online, 5. Mai 2008.</ref> Anfänglich erreichte das Portal dadurch 500.000 Seitenaufrufe pro Tag. Im Jahre 2008 rechnete man noch mit einer durchschnittlichen Anzahl der Besuche von rund 30.000 pro Tag.<ref>Alan Posener: Wie ein Online-Portal gegen Neonazis kämpft. In: Die Welt, 15. Juni 2008.</ref> 2015 haben durchschnittlich monatlich 177.770 Besucher die Seite aufgerufen (2014: 142.800, 2013: 128.000, 2012: 108.000, 2011: 90.500, 2010: 85.000; 2009: 70.000).<ref>Netz-gegen-Nazis.de 2015: Der Rückblick in eigener Sache | Netz gegen Nazis. 26. April 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 26. April 2016; abgerufen am 13. November 2021.</ref>
Am 1. Januar 2009 übergab die Zeit die Trägerschaft der von Anetta Kahane geleiteten Amadeu Antonio Stiftung, unterstützte das Portal aber weiterhin, vor allem in technischen Fragen. Inhaltlich verantwortlich zeichnet aber seitdem ausschließlich die Stiftung.<ref>Robert Scholz: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Amadeu-Antonio-Stiftung übernimmt "Netz gegen Nazis" ( vom 27. Februar 2010 im Internet Archive) Endstation Rechts, 23. Dezember 2008</ref> Die Unterstützung durch das Zweite Deutsche Fernsehen als TV-Partner endete bereits am 30. Juni 2009.<ref>Robert Scholz: ZDF nicht mehr Medienpartner des „Netz gegen Nazis“ (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive ) Endstation Rechts, 18. August 2009</ref>
Am 3. April 2017 benannte die Amadeu Antonio Stiftung die Seite in Belltower.News – Netz für digitale Zivilgesellschaft um, unter dem Logo einer Bulldogge. Als Grund wurde angegeben, dass die Seite jetzt nicht mehr nur den Rechtsextremismus im Blick habe, sondern sich zusätzlich mit „den Facetten gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, Strategien und Argumentationsmustern (…), aber auch intensiver mit digitaler Gewalt und Kommunikationskultur“ beschäftigen wolle. Mit der Namensänderung endete auch die Kooperation mit der Zeit sowie mit allen weiteren Partnern.<ref>Pressemitteilung: Aus Netz gegen Nazis wird Belltower News – Netz für digitale Zivilgesellschaft. Amadeu Antonio Stiftung, abgerufen am 21. April 2017.</ref><ref>Danksagung | Belltower News. 22. April 2017, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 22. April 2017; abgerufen am 13. November 2021.</ref>
Gefördert werden die redaktionellen Bereiche „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit aktuell“ sowie „Gender“ durch das Bundesprogramm „Demokratie leben“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Als weiterer Förderer tritt die Freudenberg Stiftung auf.<ref>Impressum. Belltower.News, abgerufen am 21. April 2017.</ref>
Aufbau und Inhalte
Belltower.News übernahm hauptsächlich diejenigen Inhalte der Vorgängerseite Netz gegen Nazis, die sich mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (u. a. von rechtsextrem bis rechts) befassten. Themen waren und sind dementsprechend Neonazismus, (Alltags-)Rassismus, Rechtsextremismus und Rechtspopulismus. Mit der Umbenennung wurden zwei neue Kategorien eingeführt: Unter dem Stichwort „Debatte“ finden sich nun Artikel, die sich mit Debattenkultur und Medienkompetenz, Argumenten und Gesprächsstrategien auseinandersetzen, und unter dem Stichwort „Presseschau“ werden Artikel anderer Seiten gesammelt, die sich mit Rechtsextremismus, Rechtspopulismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit befassen.<ref>Netz-gegen-Nazis.de wird Belltower.News. Belltower.News, 3. April 2017, abgerufen am 21. April 2017.</ref> Außerdem gibt es ein Lexikon.
Reaktionen
Die Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration Maria Böhmer begrüßte 2008 das Projekt und hob die Rolle von Medien und Sport hervor, die „aufgrund ihrer großen Breitenwirkung“ eine besondere Verantwortung tragen würden. Die Aktion würde „dazu beitragen, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit zurückzudrängen und potenzielle Opfer besser in die Lage versetzen, sich zu wehren“.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. 5. Mai 2008.</ref>
Die Welt veröffentlichte am 21. Mai 2008 einen Artikel von Thomas Lindemann, in dem der Autor den Erfolg des Projektes Netz gegen Nazis in Frage stellte. Insbesondere kritisierte er, dass Inhalte zu oberflächlich und mitunter sogar kontraproduktiv seien.<ref>Thomas Lindemann: Nutzloses Netz gegen Nazis? In: Die Welt.</ref>
Auszeichnungen
2010 wurde das Netz gegen Nazis mit dem Civis-Online-Preis – Europas Medienpreis für Integration ausgezeichnet.<ref>Civis-Online-Preis Auszeichnung für Anti-Nazi-Portal, Kölner Stadtanzeiger, 20. April 2010</ref>
Weblinks
- Offizielle Website
- In eigener Sache: Netz gegen Nazis. In: Zeit Online, 9. Mai 2008.
Einzelnachweise
<references />