Zum Inhalt springen

Harzrundfahrt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 18. Februar 2026 um 16:58 Uhr durch imported>Spürnase2013 (Geschichte).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Bundesarchiv Bild 183-74856-0006, Harzrundfahrt Täve Schur, Heinz-Florian Oertel.jpg
Täve Schur im Interview mit Heinz Florian Oertel bei der Harzrundfahrt 1960

Die Harzrundfahrt (auch: Harz-Rundfahrt) ist ein deutsches Straßenradrennen rund um und durch den Harz. Es ist der zweitälteste deutsche Klassiker nach Rund um Berlin.

Geschichte

1906 wurde das Eintagesrennen zum ersten Mal unter dem Titel „Rund um den Harz“ durchgeführt. 1908 wurde der Name in „Harzrundfahrt“ abgeändert.<ref>Fredy Budzinski: Sport-Album der Rad-Welt. Verlag der Rad-Welt, Berlin 1909, S. 91.</ref> Start und Ziel war Hannover und der Hamburger Wilhelm thom Suden der erste Sieger.<ref>Die BESTEN der Harzrundfahrt 2014. Abgerufen am 10. Juni 2023.</ref> Er benötigte für die extrem lange Strecke von angeblich 610 km knapp 31 Stunden. Das ergab eine Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 20 km/h. Die Länge der Strecke darf angezweifelt werden. Für eine grobe Umrundung des Harzes von Hannover mit Wendepunkt bei Mansfeld, auf den Straßen seiner Zeit, würden gut 400 bis 420 km zusammenkommen. Das ergäbe eine Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 13–15 km/h. Das erscheint mit der Radtechnik der Zeit realistischer. Gefahren wurde auf unbefestigten Straßen, die bei Regen eine Zumutung darstellten. Eine individuelle Betreuung der Akteure nach heutigen Maßstäben gab es nicht, ebenso wenig einen Materialwagen, eine Gangschaltung (sie war noch gar nicht erfunden) oder Rennkleidung.<ref name="radsportonline.com">Günter Grau: 1. Harzrundfahrt 1906 – Sieger Wilhelm tohm Suden. In: radsportonline.com. 2006, abgerufen am 8. März 2023.</ref>

Aus dieser Pionierzeit des Radsports gibt es eine handschriftliche Notiz: „… ab Wilhelmshöhe (bei Halberstadt) zog ein Gewitter auf, welches sich in Blankenburg entlud. Einige Rennfahrer flüchteten in Gaststätten und hatten hinterher einigen Ärger, weil sie gar kein Geld beihatten. Ich stand mit einem Berliner und einem Fahrer aus Bielefeld in einer Veranda. Das Gewitter verzog sich, und nun fingen die schweren Berge an. Wurzeln, Äste und freigespülte Steine lagen im Weg. Es kam, wie es kommen musste, mein Vorderreifen hauchte die Luft aus. Da es noch runter bis Sangerhausen ging und ich meinen Reservereifen bereits aufgebraucht hatte, entschloss ich mich, aufzugeben und umzukehren.“ Einige Rennfahrer, deren Räder bei einem Sturz unbrauchbar geworden waren, mussten mit dem Zug nach Magdeburg zum Start- und Zielort zurückfahren.<ref name="radsportonline.com" />

Von 1926 bis 1998 war Magdeburg Start- und Zielort.<ref name="radsportonline.com" /> Die Harzrundfahrt 1930 war das erste Rennen, bei dem die Amateure des BDR (Bund Deutscher Radfahrer) und VDRV (Verein Deutscher Radsport-Verbände) gemeinsam ein Rennen bestritten. Amateure und Berufsfahrer bestritten das Rennen gemeinsam. Die in der Spitzengruppe verbliebenen Amateure wurden kurz vor dem Ziel angehalten, damit die Profis das Finale unter sich austragen konnten.<ref>1930 Harz-Rundfahrt. Abgerufen am 10. Juni 2023.</ref> In einigen Jahren veranstaltete auch der Bund Deutscher Radfahrer eine Harzrundfahrt mit Start und Ziel in Goslar oder Einbeck.<ref>Illustrierter Radsport. Nr. 1951/31. Sportverlag, Berlin 1951, S. 2.</ref>

1952 fand das Rennen als 1. Lauf der DDR-Straßen-Radmeisterschaften statt. Im Zeitraum von 1974 bis 1987 wurden sieben Etappen der DDR-Rundfahrt als Harzrundfahrt deklariert, teils auch unter abweichenden Namen wie „Rund im Harz“, „Quer durch den Harz“, „Harzquerfahrt“, „DessauNordhausen“ u. a.

Zu den bekanntesten Siegern des Rennens gehören Gustav-Adolf Schur, der das Rennen viermal gewann (1955, 1956, 1959 und 1960), und Jan Ullrich (1994).<ref>Mythos Täve. Abgerufen am 10. Juni 2023.</ref>

2008 wurde die Harzrundfahrt als Teil der Rad-Bundesliga durchgeführt. Die Strecke mit Start und Ziel in Wernigerode führte durch den sachsen-anhaltischen Teil des Harzes. Ausrichtender Verein war der Harzer Radsportclub Wernigerode. Seit 2016 wurde das Rennen nicht mehr ausgetragen. Es gibt Bestrebungen die Harzrundfahrt 2025 oder 2026 wiederzubeleben.<ref>Harzrundfahrt – zweiältestestes Radrennen Deutschlands. In: harzrundfahrt.de. Harzrundfahrt e. V., Wernigerode, 2024, abgerufen am 9. Oktober 2024. </ref> Mit der Harzumrundung (HUR), ausgetragen nach dem Prinzip einer Radtourenfahrt (RTF), folgt man seit 2024 den legendären Wegen der damaligen Erstausrichtung.<ref>1. Harzer Radmarathon »Harzumrundung« (HUR): bereit für die Premiere? In: harzumrundung.de. Pro Sport Harz e. V., Wernigerode, 7. Juni 2024, abgerufen am 9. Oktober 2024.</ref>

Palmarès

<templatestyles src="column-multiple/styles.css" />

1987 Deutschland Demokratische Republik 1949Datei:Flag of East Germany.svg Jens Heppner
1974 Deutschland Demokratische Republik 1949Datei:Flag of East Germany.svg Wolfgang Gansert<ref>Hartnick und Gansert werden beide als Sieger geführt, da Hartnicks Sieg auf der 6. und Ganserts Sieg auf der 7. Etappe der DDR-Rundfahrt ebenfalls als Siege der Harzrundfahrt gewertet wurden, es also 1974 zwei Austragungen gab.</ref>
1939 Deutsches Reich NSDatei:Flag of the German Reich (1935–1945).svg Alfred Siegel (A)
1938 Deutsches Reich NSDatei:Flag of the German Reich (1935–1945).svg Valentin Pütter (A)
1937 Deutsches Reich NSDatei:Flag of the German Reich (1935–1945).svg Herbert Hackebeil (A)
1936 Deutsches Reich NSDatei:Flag of the German Reich (1935–1945).svg Fritz Scheller (A)
1936 Deutsches Reich NSDatei:Flag of the German Reich (1935–1945).svg Willi Hupfeld (A)
1935 Deutsches Reich NSDatei:Flag of the German Reich (1935–1945).svg Hans Heller (A)
1974 NS-StaatDatei:Flag of the German Reich (1933–1935).svg Fritz Scheller (A)
1930 Deutsches ReichDatei:Flag of Germany (3-2).svg Walter Hoffmann (A)
1930 Deutsches ReichDatei:Flag of Germany (3-2).svg Erich Lucas (A)
1929 Deutsches ReichDatei:Flag of Germany (3-2).svg Paul Obenhaupt (A)
1928 Deutsches ReichDatei:Flag of Germany (3-2).svg Bernhard Stübecke (A)
1926 Deutsches ReichDatei:Flag of Germany (3-2).svg Max Günther (A)

P=Profis; A=Amateure

Weblinks

Anmerkungen

<references />