Zum Inhalt springen

Umweltmedizin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 10. Oktober 2025 um 06:20 Uhr durch imported>Bikerhiker75 (Änderung 260445246 von Kulturkritik rückgängig gemacht; Die Zusatzbezeichnungen benennen das Fach und nicht die Person, schon gar nicht in einem Geschlecht. S.a. Liste ärztlicher Weiterbildungsbezeichnungen in Deutschland#Bezeichnungen der Zusatzweiterbildungen).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Umweltmedizin (früher auch Medizinische Environtologie; englisch environment = Umwelt; medizinische Umweltlehre<ref>Peter Wiench (Hrsg.): "Über bedeutende Ärzte der Geschichte", Droemersche Verlagsanstalt, München 1982, Band I, ISBN 3-426-03919-2, S. 14.</ref>) ist die Wissenschaft und Lehre von Prävention, Diagnose und Behandlung von Erkrankungen, die mit Umweltfaktoren in Verbindung gebracht werden. Als interdisziplinäres Fachgebiet befasst sie sich in Theorie und Praxis mit den gesundheits- und krankheitsbestimmenden Aspekten der Mensch-Umwelt-Beziehung. Als zentraler Fachgegenstand gelten Umweltfaktoren, Umweltexpositionen und deren Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit.<ref>Definition Umweltmedizin. Abgeänderte Version der Definition: D. Eis, Definition „Umweltmedizin“; Umweltmedizin in Forschung und Praxis 1 (2) 65-70; 1996. Robert-Koch-Institut, 10. November 2022, abgerufen am 4. Februar 2023.</ref> Teilweise überschneidet sie sich mit der Arbeitsmedizin und mit der Hygiene.

Wissenschaft und Forschung

Umweltmedizin ist fachübergreifend und umweltmedizinische Themen werden in allen Fächern forschend bearbeitet. In folgenden Einrichtungen ist die Umweltmedizin jedoch das zentrale Thema (Beispiele):

Das Bundesministerium für Gesundheit hat am Robert Koch-Institut (RKI) die Kommission „Environmental Public Health“ einberufen. Die Arbeit der Geschäftsstelle der Kommission erfolgt in fachlicher Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt (UBA).<ref>Kommission Environmental Public Health. Robert-Koch-Institut, abgerufen am 4. Februar 2023.</ref> Die Mitglieder der Kommission arbeiten teilweise in den oben genannten Instituten. Neben dieser Kommission ist auch die Kommission „Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin“ am RKI angesiedelt. Sie befasst sich mit wissenschaftstheoretischen Aspekten der Umweltmedizin.<ref>Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin. (PDF, 312KB) In: Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz 11 · 2004. November 2004, abgerufen am 4. Februar 2023.</ref>

Tätigkeitsbereiche

Präventive Umweltmedizin

Sie umfasst umwelthygienische, epidemiologische, medizinisch-hygienische und präventivmedizinische Schwerpunkte, wie etwa Lärmbeeinflussung, Schutz vor ionisierender Strahlung und gesundheitlicher Verbraucherschutz bei Emissionsquellen und von Altlasten.<ref name=":0">Dieter Eis, Thomas Eikmann, Justina Engelbrecht (Redaktion): Strukturierte curriculäre Fortbildung Umweltmedizin. (PDF, 356KB) Bundesärztekammer, 2006, S. 5, abgerufen am 5. Februar 2023.</ref>

Klinische Umweltmedizin

Die Klinische Umweltmedizin umfasst die medizinische Betreuung von Einzelpersonen mit gesundheitlichen Beschwerden oder mit auffälligen Untersuchungsbefunden, die von ihnen selbst oder ärztlicherseits auf mögliche Umweltfaktoren zurückgeführt werden.<ref name=":0" />

Ausbildung

In zahlreichen Ländern gibt es Forschungseinrichtungen, an denen Environmental Health Science gelehrt wird. Abschlüsse mit Bachelor oder Master sind üblich.<ref>Public and Environmental Health Sciences MSc. University of Birmingham, abgerufen am 5. Februar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Bachelor of Environmental Health Sciences | Namibia University of Science and Technology. Abgerufen am 5. Februar 2023.</ref><ref>Health and Environmental Sciences. Central University of Technology Bloemfontein, South Africa, abgerufen am 5. Februar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>National Institute of Environmental Health Sciences (NIEHS). U.S. Government Services, abgerufen am 5. Februar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Je nach Land und Region werden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. Im Allgemeinen umfasst die Ausbildung in Umweltmedizin aber unter anderem folgende Bereiche:

Weiterbildung und Fortbildung in Deutschland

Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin

Die Weiterbildung von Ärzten wird in Deutschland durch die Musterweiterbildungsordnung (MWBO) der Bundesärztekammer geregelt.<ref>MWBO 2018. In: Musterweiterbildungsordnung. Bundesärztekammer, 2018, abgerufen am 5. Februar 2023.</ref> Um nach einem absolvierten Medizinstudium in Deutschland als Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin (meistens in Behörden) tätig werden zu dürfen, bedarf es einer Weiterbildungszeit und Weiterbildungsinhalten, die in der jeweils aktuellen MWBO im entsprechenden Abschnitt<ref>Facharzt/Fachärztin für Hygiene und Umweltmedizin. (PDF, 5,9 MB) In: MWBO 2018. Bundesärztekammer, 25. Juni 2022, S. 112, abgerufen am 5. Februar 2023.</ref> aufgeführt sind. Ergänzend und teilweise abweichend sind die Weiterbildungsordnungen der Länder.<ref>Bayerische Landesärztekammer: Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin. Abgerufen am 5. Februar 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Zusatzbezeichnung Umweltmedizin

Als Arzt konnte man seit 1995 zudem alternativ auch die Zusatzbezeichnung Umweltmedizin anstreben. Diese Möglichkeit besteht heute nicht mehr. Stattdessen gibt es eine curriculare Fortbildung Klinische Umweltmedizin.<ref>BÄK-Curricula. Bundesärztekammer, abgerufen am 5. Februar 2023.</ref>

Die damals erworbenen Bezeichnungen dürfen jedoch weiter geführt werden. Zur Erlangung dieser Zusatzbezeichnung waren damals erforderlich:

  • Anerkennung eines Gebietes oder vier Jahre anrechenbare Weiterbildungszeit ohne bestandene Facharztprüfung,
  • 1 1/2 Jahre Tätigkeit an einer dazu ermächtigten Weiterbildungsstätte, davon maximal sechs Monate theoretische Weiterbildung, sowie
  • Teilnahme an einem Kurs in Umweltmedizin von 200 Stunden innerhalb von zwei Jahren.

Einige kassenärztliche Vereinigungen bezahlten umweltmedizinische Untersuchungen (z. B. in Westfalen-Lippe).

Fortbildung Klinische Umweltmedizin

Eine curriculare Fortbildung Klinische Umweltmedizin wird von der Europäischen Akademie für Umweltmedizin (EUROPAEM)<ref group="A">[1], Fortbildung Klinische Umweltmedizin bei der Europäische Akademie für Umweltmedizin</ref> in deutscher und englischer Sprache durchgeführt.

Österreich

In Österreich gibt es mehrere postgraduale Studiengänge (Diplomkurse) für Umweltmedizin, so etwa:

Umweltarzt

Neben der Zusatzausbildung zum niedergelassenen oder angestellten Allgemein- und Facharztberuf kann ein Umweltarzt insbesondere auch als Wohnsitzarzt tätig sein. Diese Arbeit umfasst insbesondere gutachterlichen Tätigkeit bei Behörden und in entsprechenden Verwaltungsverfahren.<ref>Raiffeisenbank (Hrsg.): <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Fahrplan für die Praxisgründung (Memento vom 10. August 2014 im Internet Archive), o. n. A., Abschnitt Formen der Selbstständigkeit und Zusammenarbeit: Weitere Formen der beruflichen Tätigkeit für Ärzte: Umweltarzt, S. 12 (PDF, lbg.at).</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Giselher Schuschke: Sinnesvermittelte Umwelterkrankungen – Umweltwahrnehmung und Gesundheit. Umweltmedizin in Forschung und Praxis 1(2), S. 93–101 (1996), ISSN 1430-8681
  • Hans-Peter Hutter, Hanns Moshammer, Peter Wallner: Umweltmedizinische Beratungsstellen: Aktueller Stand in Österreich. Umweltmedizin in Forschung und Praxis 6(1), S. 51–54 (2001), ISSN 1430-8681
  • Fritz Schweinsberg: Bedeutung von Quecksilber in der Umweltmedizin – eine Übersicht. Umweltmedizin in Forschung und Praxis 7(5), S. 263–278 (2002), ISSN 1430-8681
  • Jochen Hardt, Monika Schulze, Werner Ehret: Human-Biomonitoring in der Umweltmedizin: Erfahrungen mit 500 Patienten der Umweltambulanz am Klinikum Augsburg. Umweltmedizin in Forschung und Praxis 9(6), S. 336–346 (2004), ISSN 1430-8681
  • Markus Vieten: Berufsplaner Arzt. Via-medici-Buchreihe, Thieme Verlag, ISBN 3-13-116105-1
  • Volker Zimmermann: Gesundheit und Krankheit: Zur Rolle der Umwelt in der Geschichte der Medizin. In: Dominik Groß und Monika Reininger (Hrsg.): Medizin in Geschichte, Philologie und Ethnologie: Festschrift für Gundolf Keil. Königshausen & Neumann, Würzburg 2003, S. 187–198
  • Martin Exner: Umweltmedizin, -hygiene. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1429 f.

Weblinks

Deutschland:

Österreich: <references group="A"/>

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein